Aus dem Kiez: Meine Meinung zum Stadtfest Delmenhorst!

Persönliche Ansichten!

Es gibt in Delmenhorst kaum eine Veranstaltung, die so zwiegepsalten wahrgenommen wird, wie das eigene Stadtfest. Die Erwartungshaltungen der Bürger duellieren sich mit den Machbarkeiten seitens der Veranstalter.und deren. Organisationstalent. Und da dieses Event zu einem erheblichen Teil von der Musik bestimmt wird, sind die Kritiken bezgl. der gebuchten Interpreten oftmals am heftigsten. Ich arbeite einige Aspekte einfach mal nach meiner Wahrnehmung ab. Liege ich völlig daneben, so bleibt euch ja der Shitstorm als verbale Keule! Grins….

Das Wetter!

Das kann niemand beeinflussen und unter dem Strich hatte man echt Schwein, dass der Wettergott ein Einsehen hatte und es zu keinen heftigen Regenfällen kam. Zur Prime Time war es jedenfalls absolut ausgehfähig.

Das Line Up!

Über Musik kann man so wunderbar streiten. Deshalb ist es auch so ungeheuer schwer, dem Publikum eine Auswahl an Künstlern zu bieten, die möglichst breit gefächert ist, viele verschiedene Genres bedient. Aber, für ein Stadtfest sind es an sich eher die leichteren Töne, die bei der breiten Masse ankommen. Deshalb sind Top 40-Bands auch i.d. R gesetzt. Würde ich nicht anders machen. Mit einem Stadtfest möchte ich jedenfalls nicht das Fachpublikum im Genre Jazz begeistern. Das Line Up war m. E. stimmig und bot ausreichend Abwechslung, teilweise echt witzig präsentiert. Die Video-Beiträge einiger Bands waren gefällig. Leider haben nicht alle diesen Support geleistet oder sich anderweitig eingebracht. Manche lernen es nie!

Das Delmehorster Stadtfest hat es nicht leicht. Wo Licht ist, gibt es aber auch Schatten.

Das Stadtfest Delmenhorst hat es nicht leicht. Wo Licht ist, gibt es eben auch Schatten.

Die Werbung!

Tja, da gibbet die erste Kritik. Delmenhorst  wurde sicherlich ausreichend beackert. Sobald wir aber das direkte Umfeld verließen, war das ziemlich dünn. Da wo ich stark bin, muss ich nicht stärker werden, sondern dort, wo ich schwach bin und durch mangelnde Mundpropaganda oder redaktionelle Berichte in den lokalen Zeitungen niemanden erreiche, aber aufgerund der Bevölkerungsdichte viele Multiplikatoren in kürzerer Zeit erzeugt werden können. Bremen und Oldenburg spielen diesbezüglich eine wichtige Rolle und wurden nach meiner Wahrnehmung keinesfalls ausreichend beworben.

Ok, ich kenne das Marketing-Budget nicht. Ist dieses aber so dünn gestrickt, dass man finanziell dazu nicht in der Lage war, so bleibt es dennoch ein Versäumnis. Dann müsste man das Marketing-Budget erhöhen. In den Social Medias habe ich vergeblich nach spürbaren Interaktionen der Bürger gesucht. Veranstalter Carsten Borgmeier hat zwar mit Eintritt und Zaungestellung so heftig polarisiert, dass er mit etlichen Shitstorms belegt wurde, aber letztlich führte das zumindestens dazu, dass seine Events in den Fokus gerieten und eine hohe Aufmerksamkeit erzielten. „Any PR are good PR!“

Die eingestellten Videos als Teaser waren völlig ok, teilweise sehr gut gemacht, aber geringe Interaktionenswerte sind ein Zeichen dafür, dass man die Leute halt mehrheitlich nicht erreicht. Über das Netz kann man sehr schnell in die Analyse gehen und nachjustieren. Wenige Likes, Teilungen und Kommentare sind Indikatoren für geringeren Zuspruch. 528 Teilnehmebekundungen und 928 Interessierte (Stand 13.06.2017) sind für ein Stadtfest dieser Größe jedenfalls deutlich zu wenig. Es fehlte die zweite Ebene, auf der man nochmals richtig Gas gab.

Das Händler-Angebot!

Es war alles da, was man auf einem Stadtfest erwarten kann, eben die Klassiker wie zum Beispiel Bratwurst, Fisch, Crepés, Cocktails, usw. Ich habe nichts vermisst. Der Veranstalter hat ohnehin nicht die freie Auswahl. Oftmals sind innovative neue Angebote bereits anderweitig verplant. Dieses Jahr konkurierte das Delmenhorster Stadtfest zum Beispiel mit dem Hafenfest in Vegesack sowie anderen Standfesten in der Metropolregion.

Video-Gegensätze. Man beachte die Uhrzeiten!

Top!

Flop!

Die Zeiten!

Mit denen liege ich im Clinch. Donnerstag als Eröffnungstag ist ohnehin immer schwierig, kann man aber zum Eingrooven machen. Doch den Sonntag aus dem Time Table zu streichen, finde ich fahrlässig. Unabhängig vom Wetter ist das Ausgehverhalten an einem Sonntag völlig anders, als an einem Donnerstag, obwohl auf beide Tage ein Werktag folgt. Am Sonntag rennste halt mit der Familie über das Stadtfest, hier und da ein Bier, eine Bratwurst, noch ein Eis für die Kids, und schon fließen Einnahmen in die Kassen der Stände, dringend notwendig, um entweder die Kosten überhaupt zu decken oder vielleicht noch im Endspurt einen Gewinn zu erzielen. .

Fakt ist, die Verweildauer ist deutlich höher, als an einem Donnerstag. Auf Bikes, Music & More haben wir zweimal mit dem Sonntag noch einen Schub bekommen und den Break Even Point geknackt. Die Handler haben damit ohnehin kein Problem, denn für ein Plus an Umsatz, bauen die auch erst am Abend gerne ab. Das Weekend ist ohnehin für sie gelaufen. Mein Tipp für 2018? In jedem Fall den Sonntag integrieren.

Führt übrigens auch dazu, dass die Standgelder schon rein optisch geschmeidiger wirken. Das es an diesem Sonntag regenete, ist kein Argument. Außer für Klugscheißer! Bei trockenem Wetter wäre da noch Umsatz generiert worden. Diese Option muss dringend überdacht werden.

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Die Standgelder!

Das Stadtfest 2016 war gut gelaufen. Aber wer ist bitte auf die Idee gekommen, aufgrund dessen das Standgeld für einen Bierwagen um 42% zu erhöhen. Der Erfolg aus 2016 ist das Resultat der Bemühungen aller Teilnehmer, nicht nur der Wirtschaftsförderung als Veranstalter. Die grinsen zwar in die Kamera, aber wenn die Leute auf den Bierwagen schlecht drauf sind, ober das Angebot an den Ständen ungenügend ist, verweist man ja auch auf individuelle Fehler des Anbieters.

Ok, 10 bis 15% mehr kann man rechtfertigen, aber eine Erhöhung um 42% ist nur dann ok, wenn das zusätzliche Standgeld zu einem definitiven Mehrwert für alle Betreiber führt. Da liegen dann zum Beispiel die Margen für mehr Werbung drin. Ein paar Stolperabdeckungen zur kostenlosen Ausleihe jedenfalls rechtfertigen das garantiert nicht, zumal ich der Meinung bin, dass müsste ohnehin vom Veranstalter kommen.

Spätestens an dieser Stelle hätte ich persönlich auf die Teilnahme verzichtet. In dem mir konkret bekannten Fall, haben die Bierwagenbetreiber unter dem Strich vermutlich gerade so den Break Event Point, je nach Bilanzierungsform einen leichten Gewinn erzielt. Ohne diese Erhöhung wäre es aber ein klarer Gewinn gewesen, der es gerechtfertigt hätte, dass die Kollegen sich alle Tage den Arsch aufgerissen haben. Überlegt mal, 6000 Euro für zwei Bierwagen nur an Standgeld plus die Kosten für Mitarbeiter und Einkauf. Brachiales Ding. Ein Angestellter kann mit 200 Euro in der Tasche zufrieden sein, ein Selbständiger defintiv nicht.

Mein Tipp: Geht wieder runter und vereinbart mit den Ständen eine zusätzliche Umsatzbeteiligung von 10 bis 15%. Bleibt es wie in diesem Jahr, sollten die Teilnehmer sich klar aufzeigen lassen, womit das Standgeld gerechtfertigt wird und ob es ein Mehr an effektiven Event-Support gibt.

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Die Besucher!

Je nachdem, welche Foto-Motive und Videos zu welcher Zeit eingestellt werden, ist es mal leer oder rappelvoll gewesen. Wer auf einem Freitag um 18 Uhr bereits einen vollen Marktplatz erwartet, hat keine Ahnung. Ab 21 Uhr sollte aber die Bude schon voll sein. Nun, bei Line Sixx, dem Headliner am Donnerstag, waren die Lücken auf dem Marktplatz offenkundig, bei Hells Balls, dem Headliner am Samstag, sah das genial aus. Ich kann das abschließend echt nicht bewerten, aber Fakt ist, es gibt keinen Anlass von einem grandiosen Stadtfest zu sprechen, denn dazu hätte die Stadt fast durchgehend gut bis sehr gut besucht sein müssen.Trotzdem, die Gesamt-Stimmung war nicht die schlechteste und viele Händler waren zufrieden.

Beleg-Video!

Fazit!

Leute, die Organisation eines Stadtfestes ist eine äußerst undankbare Aufgabe. Doch wenn ich mir das antue, dann muss ich auch alles geben und die bestmöglichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Stände auf Ihr Geld kommen. Zwischen Besuchern, Händlern und Veranstaltern wird es immer zu Kontroversen kommen. Und es ist beileibe nicht immer die Schuld des Veranstalters, wenn jemand nicht auf seinen Umsatz kommt. Schlechte Laune bringt keinen Gewinn, im Gegenteil, wenn ich wie manche am Bierwagen die Besucher auch noch ins Negative quatsche, muss ich mich nicht wundern, wenn die am nächsten Tag nicht wiederkomen.

Es gibt aber eine objektive Ebene. Werbung, Social Medias, der Service des Veranstalters, der effektive Ablauf auf Basis der Vorgespräche, all das ist greifbar. Wenn ich diese Faktoren in einen Topf werfe, gibt es noch genügend Luft nach oben. Die Wirtschaftsförderung spricht selber von einem grandiosen Stadtfest. Handverlesene Videos dokumentieren das druchaus, es sieht alles tutti aus. Damit dürfte dann auch klar klar, dass sie die Nummer auch in 2018 durchführen werden bzw. bei einer solchen Aussage müssen.

Ich bewerte sowas aber auch ganz klar über die Händler, die das Event finanziell tragen. Und da besteht eine unverkennbare Kluft zwischen dem Votum der Wirtschaftsförderung und ihnen. Von einem grandiosen Support hat mir gegenüber jedenfalls keiner gesprochen. Dem Besucher ist das egal, der will seinen Spaß und den hatten ja anscheinend auch sehr viele. Als Schulnote gebe dem Stadtfest ich eine 3+ geben.

Wenn die Wirtschaftsförderung auf den Sonntag keinen Bock hat, dann könnte man ja das Thema Biker integrieren. Lasst einfach alles stehen, den Rest mache ich dann. Eine große Ausfahrt zum Stadtfest hin wäre jedenfalls gar kein Problem und sicherlich ein krönender Abschluss mit mega-geilen Bildern. Zudem zieht es viele auswärtige Mopedfahrer an. Cu @ Stadtfest 2018! Und dann bitte wengier Nerv durch schlechte Wetter-Prognosen. Was sagt ihr denn so?

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und Member im BTBW MC Bremen. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst.