Benefiz zu Xmas! Gut gemeint, aber….!

Gedanken über die gute Tat vor Weihnachten!

Wir steuern auf das Weihnachtsfest zu. Und wie in jedem Jahr sind auch jetzt bereits die ersten Anzeichen dafür erkennbar, dass die Leute ihr gutes Herz entdecken und überall in der Bundesrepublik irgendwelche Aktionen für Obdachlose gestartet werden. Das wird in den nächsten Wochen vermutlich auch in der Biker-Szene so passieren.

Kaum zu Ende gedacht, habe ich den ersten Aufruf von einem Club entdeckt, dass man die leer stehenden Asylheime den Obdachlosen zur Verfügung stellen müsse, damit die über den Winter kommen. Ein durchaus nachvollziehbarer Gedanke, wenn auch das Leben auf der Platte dann doch etwa anders läuft, als es Otto Normalbürger oder der uninformierte Biker sich so denkt. Das ist aber nicht mein Thema, obwohl es mich brennend interessiert, was die Kollegen selber für die Bedürftigen auf die Beine stellen, wenn ihr Aufruf an den Staat ungehört bleibt.

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Was mir ernsthaft zu denken gibt, ist eine auf den Punkt konzentrierte Bereitschaft zur Nächstenliebe, die quasi mit dem 24. Dezember beginnend innerhalb kürzester Zeit im Nirvana verschwindet. Kaum ist der Gänsebraten vertilkt, die Geschenke sind ausgepackt, da hört und sieht man von den Initiatoren nichts mehr. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Man hat über Wochen eine Sammelaktion gestartet, sich ohne Ende Respektbekundungen im Fratzenbuch eingeholt, die Aktion ist eventuell sogar erfolgreich gelaufen, doch dann wird das Thema noch vor Silvester komplett ad acta gelegt, um sich ein Jahr später erneut daran zu erinnern. Kaum einer kommt auf die Idee, dass es etliche auf Langfristigkeit angelegte Organisationen und Projekte gibt, die einen permanten Bedarf haben und meistens zur Fortsetzung ihrer regelmäßigen Aktionen um jeden Cent und Sachspenden betteln müssen. Wäre es nicht viel sinnvoller genau diese Leute zu unterstützen?

Frieda in Bremen ist nur eines von vielen Projekten im Benefiz, die auf Langfristigkeit und damit eine verlässliche Akuthilfe setzen. Jeden Freitag rücken die Initiatoren aus!

Das liebe Ego!

Machen wir uns doch nichts vor. Die meisten Aktionen zu Weihnachten sind Egoshooter und werden reinweg aus der eigenen Perspektive durchgeführt. Man möchte sich selber ein gutes Gefühl geben und der Obdachlose dient mehr dem Selbstzweck. Wenn man Heiligabend den Kids bei der Bescherung zuschaut, kann man zum Ende des Jahres wenigstens für sich reklamieren, das man auch an andere gedacht hat. So habe ich auch angefangen. Es war ein Obdachloser, der mir die Augen öffnete und mich zutiefst beschämte. Dann begann der Lernprozess!

Alternative im Benefiz?

Ist es nicht viel befriedigender, wenn man ein bestehendes Projekt untersützt, sich an deren Netzwerk andockt, um dadurch die Gewissheit zu haben, dass die Spenden über das ganze Jahr in die Verteilung gehen. Ok, der Bedarf ist im Winter deutlich höher, aber stellt euch mal vor, die Obdachlosen brauchen auch im Sommer Kleidung und Outdoorartikel. Gut, wer ein Lager hat, um dort den Jahreszeiten entsprechend Reserven anzulegen. Zudem können die Obdachlosen auch einen Bedarf kommunizieren, weil sie wissen, wie die Projekte aufgestellt sind und wen sie ansprechen müssen.

Regelmäßige kleinere Aktionen erzeugen Verlässlichkeit und bauen Vertrauen auf!

Mit den Geldspenden kann man die dauerhafte Akuthilfe sinnvoll unterstützen. Ob DRK, Innere Mission, oder auch privat organisierte Aktionen, ihr habt die Möglichkeit euch zu informieren, kommt mir also nicht mit dem Argument, dass ihr nicht wisst, wofür die Spenden verwendet werden. Und bei vielen nicht systemgebundenen Projekten ist es auch kein Problem, sich persönlich einzubringen. Man muss nur darüber reden. So bekommt ihr auch euer Selfie, wenn es denn so wichtig für das eigene Gemüt ist.

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Fazit!

Im Dezember besteht ein absolutes Überangebot an Hilfen. Alle machen was. Vom Martinsessen bis hin zum Tag der offenen Hose. Hinzu gesellen sich die vielen Spontanaktionen der Privaten. Gut gemeint, aber oftmals ohne jede Koordination. Und danach? Tja, da kommt dann der Winter, von dem vor Xmas so oft gesprochen wurde. Stellt ihr euch dann auch in die Kälte, bei Regen und Minusgraden? Ist das Netz dann wieder voll mit Aufrufen? Wohl kaum. Das ist kein Vorwurf, das ist die Realität, in der die Obdachlosen leben.

Vertrauen muss wachsen! Über die Beständigkeit kommt man in die Talks und kann den Bedarf koordinieren. Zudem werden die Obdachlosen ein Teil des Projektes.

Da rackern sich dann andere Leute dafür ab, dass sie regelmäßig ausrücken können, um den Obdachlosen mit ihrem Einsatz auch Verlässlichkeit zu geben. Und Verlässlichkeit ist ja wohl das, was die Obdachlosen am wenigstens erfahren. Um es klar zu stellen, eine einmalige Hilfe ist besser, als gar keine Hilfe. Aber macht euch ernsthaft einen Kopf darüber, ob man sich nicht auf eine gewisse Art selber beschämt, wenn man ausgerechnet zu Weihnachten etwas tut, woran man das ganze Jahr nicht gedacht hat. Ihr werdet euch wundern, wie manche Obdachlose wirklich darüber denken.

Wem ich jetzt einen Impuls gegeben habe, der darf sich gerne mal das Projekt Frieda in Bremen anschauen. Sind jede Woche vor Ort und strampeln sich ab. Und wenn die was zur Xmas machen, bewerte ich das ganz anders, als die Einzelschüsse, die keinerlei Synergien erzeugen können. Frieda ist nur ein Beispiel. Es gibt etliche andere, die sich dauerhaft einsetzen. Die meisten findet man im Netz!

Eine besondere Rolle spielen die Xmas-Aktionen in der Bikerszene. Diese sind oftmals genötigt ihr eigenes Ding zu machen, da die Etablierten sich meistens auf eine Kooperation mit den Bikern gar nicht erst einlassen. Oder könnt ihr euch tatsächlich vorstellen, dass die Innere Mission zum Beispiel mit dem HAMC Offenbach spricht, der gerade erst bei seiner Xmas-Aktion erneut Sachspenden eingesammelt hat und in Bälde wieder zu seiner Verteilung ausrückt?

Ich habe fertig!

P.S. Bodensatz plant derzeit den ersten eigenen Kältebus. News dazu folgen!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.