Bremen: Hells Angels, Grüne, Röpke & Co!

Von der Angst zerfressen?!

In Bremen geht erneut die Rocker-Angst um. Zu diesem Fazit muss man gelangen, wenn man sich die derzeitigen Aktivitäten von lokalen Vertretern der Politik, den Medien, der Polizei sowie dem Waller Beirat näher anschaut. Seitdem die ersten Hells Angels an dem ehemaligen Imbiss „Parzelle Eins“ in einem Waller Kleingartengebiet gesichtet worden sind, vergeht kaum eine Woche, an dem nicht die uns allen bekannte Sau kreuz und quer durch das imaginäre Dorf der Friedfertigkeit gejagd wird.

Bis zu diesem Zeitpunkt fanden die Hells Angels über Jahre im Bremer Blätterwald nicht mehr statt. Lediglich durch das Bad Standing der europäischen Mongols wurde der mediale Rocker-Tiefschlaf kurzzeitig durchbrochen. Nur ein leichtes Zucken der Journalisten mit einem Griff in die Mottenkiste. Danach war die Bremer Welt wieder in Ordnung.

Die Medien-Offensive startet!

Doch plötzlich war der Deadhead erneut präsent. Das bloße Durchfahren der Waller Straße durch Mitglieder der Hells Angels in Kutte war bereits einen eigenständigen Beitrag in den Lokal-Medien wert. Inhaltlich völlig ohne Belang war dieses aber augenscheinlich der Startschuss für die aktuelle Groß-Offensive. Die ersten verbalen Bedrohungsszenarien folgten.Die Botschaft? „Hilfe, die Rocker sind zurück!“

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Und dann?

Das Thema landete auf der Agenda der Beiratssitzung und man rechnete mit einem routinemäßigen Durchwinken aller möglichen Maßnahmen gegen das Bauvorhaben Parzelle Eins. Doch plötzlich nahm ein Mann seine Bürgerrechte wahr und verschaffte sich Gehör. Michael Wellering, langjähriger Präsident des HAMC Westside, erschien auf der Beiratssitzung und stellte seinen Standpunkt klar. Dieses führte dazu, dass der Beirat einknickte und die Aktivitäten in der Lokation lediglich begleiten wolle, nicht behindern.

Dafür gab es eine ordentliche Schelte. Alleine der Umstand, dass man Wellering das Wort erteilte, wurde mächtig kritisiert. Die direkte und sachliche Auseinandersetzug mit den Betroffenen scheint wohl nicht erwünscht zu sein. Der Waller Beirat bemühte sich jedenfalls um Schadensbegrenzung, setzte nunmehr auf das Baurecht, der Allzweckwaffe gegen Rocker. All das mündete nun am 25. Oktober auf Einladung der Fraktion der Grünen zu einem Meeting im Café Blau in der Speicherstadt, zu der das LKA, die Kripo sowie die Journalistin Andrea Röpke als vermeintliche Expertin für Rocker, Neonazis und Hooligans geladen wurden.

Den Hells Angels, deren Supportern sowie vermeintlichen Rechtspopulisten wurden der Zutritt verweigert. Man hatte wohl aus dem Verlauf der Waller Beiratssitzung die Konsequenzen gezogen und wollte vom Start weg verhindern, dass sich niemand in das Boot setzt, der in eine andere Richtung rudern könnte. Robert Büking, Fraktion Die Grünen, benannte das Ziel des Meetings so:„Jetzt müssen wir verhindern, dass sie unser friedliches Zusammenleben erneut gefährden!“

Meine persönliche Einschätzung!

Bis zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keinerlei substantielle Fakten, die gegen das Vorhaben sprechen, außer einem vermeintlich ohne Baugenehmigung aufgestellten Gastank. Der HAMC Westside ist in Bremen nicht verboten. Die Gegner der Hells Angels bewegen sich komplett auf dem Boden der Spekulationen über das, was zukünftig die Bürger in Angst und Schrecken versetzen könnte. Organisierte Kriminalität, Neonazis, Gang, usw. sind die Schlagwörter, reine Rhetorik als Mittel zur vermeintlichen Wahrheitsfindung, die aktuell durch nichts belegt ist.

Insbesondere auf Basis der bevorstehenden Änderung des Vereinsgesetzes stellt sich doch die Frage, warum man derart in Panik gerät. Wenn das Ding durch ist, und das scheint sicher, dann ändert sich für die betroffenen MC’s einiges. Die Politik hätte ihr erstes großes Etappenziel bundesweit erreicht, Walle würde quasi zur Randnotiz mutieren.

Trotz der Bremer Verbotsverfügung durch den Senat gegen den damaligen HAMC Bremen, hat man stets darauf hingeweisen, dass die Protagonsiten immer noch da seien und ihre vermeintlichen Geschäfte weiter betreiben. Solange diese legal sind, spricht ja wohl auch absolut nichts dagegen. Stellt sich somit die Frage, warum man sich in den letzten Jahren der Thematik nicht weiter angenommen hatte. Denn wen dem so ist, müsste man ja von einer kontinuierlichen Bedrohungslage ausgehen. Doch die Bremer Medien schwiegen. Alles in Ordnung!

Erst mit dem erneuten Auftauchen der Kutten wurde der Ofen wieder beheizt. Warum erst jetzt? Die Antwort ist recht einfach. Ohne die Kutte scheint das Thema für die Medien völlig uninteressant zu sein. Die Bedrohungslage wird an Insignien festgemacht, nicht an den Personen. Damit steht m. E. fest, es geht einzig und allein um ein vermeintlches Sicherheitsgefühl der Bürger sowie das Streben der Politik, die Insignen der Rocker unbedingt aus der Öffentlichkeit zu verbannen.

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Scheingefecht!

Über welche Sicherheit reden wir überhaupt? Wenn man sich die verschiedenen Kriminalitätsfelder genau anschaut, stellt man fest, dass es bei verstärkten polizeilichen Maßnahmen generell zu einer Kriminalitätsverlagerung kommt. Trickdiebe und Einbrecher weichen auf andere Städte aus, Dealer, Schlepper und Autodiebe suchen sich neue Gebiete, alles verschiebt sich dorthin, wo der Ermittlungsdruck geringer ist. Das wird von etlichen Sicherheitsexperten unisono bestätigt.

Unter diesem Aspekt betrachtet reden wir also keinesfalls über ein reales Mehr an Sicherheit für die Waller Bürger, sondern lediglich über ein Scheingefühl, was jedoch mittlerweile bereits als ein menschliches Gut angesehen wird. Das ist dann ungefähr so, als wenn mir der Gedanke an Sex bereits reicht, um ein erfülltes Liebesleben zu haben. Bullshit! Die Hells Angels selber erzeugen keine Ängste. Abgesehen von möglichen Beschwerden über zu laute Motoren, fühlt sich der Bürger ohne den Einfluß von Außen nicht einmal tangiert.

Es bedarf somit immer der Medien, um als Sprachrohr und Steigbügelhalter der Politik dem Bürger die Angst in das Gehirn zu treiben. Da dieser die Informationen undifferenziert und unkritisch als gegeben hinnehmt, funktioniert das ganz hervorragend. Und um dem Treiben in Walle noch ein wenig mehr an Würze zu verleihen, wird nun auch noch die Nazikeule geschwungen, die Auflage steigt.

Kontakte der Rocker zu Hooligans sind sicherlich in einigen Fällen vorhanden, doch sagen diese 1. nichts über einen politischen Standpunkt aus und 2. lässt sich ein Rocker aufgrund gesellschaftlicher Normen nicht vorschreiben, mit wem er verkehrt. Das ist sein Naturell. Auch das BKA bestätigt nachweislich, dass es in der Rocker-Szene kaum signifikante Verbindungen zu Nazis gibt, die Gesamt-Szene als unpolitisch betrachtet werden muss.

Warum also immer wieder das Geschrei um diese absolute Randerscheinung aus der rechten Ecke? Nun, ohne diese Rhetorik könnte der Bürger eventuell irgendwann die Maßnahmen in Frage stellen, denn schießlich kostet es seine Steuergelder den Apparat aufrecht zuerhalten. Es bedarf also immer einer Legimitation. Und so folgen die Protagonisten in Bremen-Walle lediglich dem altbewährten Schema und erzeugen genau betrachtet selber mit ihrem öffentlichen Agieren ein Klima der Angst, dass sie den Rockern einfach nur in die Schuhe schieben.

Doch bedenkt! In Gegenden, wo Klubhäuser von 1%ern angesiedelt wurden, sank die Kriminalitäsrate oftmals erheblich, auch wenn diese sich ebenso nur verlagerte wie aufgrund polizeilicher Maßnahmen. So gesehen, hat man zumindestens den Waller Bürgern ja einen echten Bärendienst erwiesen. Wir sind gespannt, wie das weiter geht.

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.