Charity und MC’s am Beispiel des Median Empire MC

In den letzten Jahren kam es vermehrt vor, dass Charity-Aktionen von MC’s entweder bereits im Vorfeld abgeblasen oder mit großem Misstrauen begleitet wurden. Der Hells Angels MC kann darüber ein Lied singen. Etliche Aktionen verschiedener Charter wurden mit Argwohn regelrecht bombadiert und liefen dadurch nahezu fast ins Leere. Da wird denn schon einmal ein läppisches Fußballspiel zugunsten einer gemeinnützigen Organisation unter dem Aspekt der kriminellen Vereinigung in den medialen Fokus gerückt und die Provinz-Posse nimmt seinen Lauf. Dem Zweck dient es keinesfalls!

Wir müssen uns wohl oder übel damit abpfinden, dass Rockern pauschal ein persönliches PR-Interesse bei Charity-Aktionen unterstellt wird, welches im Hintergrund laufenden kriminellen Geschäften quasi den Mantel der Wohltat verleihen soll. Ein reales emotionales Interesse an der Aktion selbst wird oftmals verneint. Dies mag sogar in Einzelfällen zutreffen, doch damit bewegt man sich ganz gewaltig im Bereich der Spekulation.

Dieses Flüchtlingslager war da Ziel des Median Empire MC!

„Tue Gutes und sprich darüber“ ist eine alte Weisheit von wohltätigen Aktionen. Charity braucht Öffentlichkeit. Doch ist es heutzugtage ungleich schwerer Firmen und Institutionen für darartige Aktionen zu gewinnen. Das Thema zieht zudem Betrüger nahezu an, wie einige Unternehmen zum Beispiel im Bereich Tierschutz bewiesen haben. Sie nutzen das Gewissen der Menschen zur persönlichen Bereicherung. Daher ist eine gesunde Skepsis jederzeit geboten! Sollte man es daher besser lassen? Keinesfalls! Denn würde man aufgrund von derlei Widrigkeiten seine Eigenmotivation anderen Menschen zu helfen ad acta legen, so käme dies einer Bankrott-Erklärung gleich und zudem würde die bürgerliche Presse dies vermutlich als einen Sieg ihrer angeblichen Recherchen betiteln.

Was also tun?

Nun, wenn ein MC sich eine Aktion vor die Brust nimmt, muss er sich darüber im Klaren sein, dass alle Bemühungen intensiv beobachtet werden. Dies gilt insbesondere für 1%er-Clubs. Das Gebot der Offenheit steht dabei meistens nicht im Einklang mit den eigenen Motiven und der persönlichen Selbstwahrnehmung. Warum soll ich mich erklären? Was interessiert mich das Gelaber der Anderen? Ganz einfach; die Aktion muss transparent sein, damit sie glaubwürdig zur Kenntnis genommen wird und damit auch den maximal möglichen Erfolg erzeilt. Wenn ich die Aktion nicht öffentlich mache, ist das egal. Doch die wenigstens Charity-Taten laufen anonym. Zudem gibt Transparenz der bürgerlichen Presse kaum einen Ansatz zu einer kritischen Berichterstattung. Erst kürzlich waren Member des Median Empire MC Dark City in einem syrisch-kurdischen Flüchtlingslager. Diese Aktion hat in der Tat eine hohe öffentliche Wahrnehmung zur Folge gehabt und die Initiatoren haben sehr viel Zuspruch erhalten. Aber eben nicht nur. Es gab auch kritische Stimmen, die sich gefragt haben, warum die Member sich mit Waffen ablichten lassen und die gesamte Aktion unisono in Frage gestellt haben. Diese Stimmen kamen fast ausnahmslos aus den Reihen von Menschen mit Migartionshintergrund.

Hier werden Medikamente verteilt!

Um es gleich zu Beginn klar zu stellen! Ich stelle die Motive dieser Aktion in keinster Weise in Frage, doch die Kommunikations-Strategie des Unterfangens wirft Fragen auf. Und diese habe ich an Azad 1% und Member des Media Empire MC schriftlich gestellt. Hier das Interview:

1. Es wurden Support-Artikel des MC zugunsten der Aktion verkauft. Warum hat man nicht ein spezielles Layout entwickelt, damit durch das Tragen der Shirts die Aktion auch im Nachhinein eine Wirkung erzielt?

Support Artikel wurden nicht speziell zu günsten der Aktion verkauft, die Finanzierung der Aktion wurde dennoch teilweise daraus, aus unsere Clubkasse und aus unseren privaten Budget gemacht.

2. Der Besuch eines Flüchtlings-Lagers setzt sicherlich ein Genehmigungsverfahren voraus. Mit wem wurde die Aktion abgestimmt?

Sowohl meine beiden Elternteile wie auch mein Sergent At Arms Fetjoe, haben Jahrzehnte lang der Peshmerga angehört und sich durch den bewaffneten Kampf für eine demokratische Lösung der Kurdenfrage eingesetzt. Allein 3 Brüder meiner Mutter sind als Märtyrer gefallen, daher sind unsere Familien bei allen kurdischen Organisationen als auch beim Kurdistan Regional Goverment bekannt und respektiert. Es ist kein Problem für uns an Genehmigungen zu kommen.

Spielsachen gab es auch!

3. Wurde der Kapitalfluss vor Ort quittiert oder neutral beobachtet?

Wir haben Hilfsgüter und vor allem Medikamente für ca. 500 Kinder gekauft und sie vor Ort persönlich an die Bedürftigen verteilt. Es wurde kein Bargeld verteilt, da wir schnell herausgefunden haben, das die Vertreter der Hilfsorganisationen das Geld für sich eingestellt hätten. Wir wurden von der Kurdischen Armee unterstützt und hatten so sehr viel Bewegungsfreiheit.

4. Die Region ist gefährlich, die Wafffe am Mann nachvollziehbar. Doch warum wurde das fotografiert und von Euch selber veröffentlicht?

Wir haben durch die Veröffentlichung der Bewaffnungs-Fotos die Ernsthaftigkeit der Lage dort zeigen wollen, wir sind ja schließlich nicht das Rote Kreuz! Weshalb sollen wir uns mit solchen Bildern zurück halten. Die 1% er Biker Kultur ist durch Veteranen entstanden und militärrisch strukturiert.

Dieses Motiv entfgaltet gleich eine andere Wirkung als das Beitragsfoto.

5. Warum wurden die Helfer und Hilfsmittel kaum in die Dokumentation eingebunden. Die Fotos haben für mich an sich keine klare Aussage?

Wir haben der Presse ca. 30 Bilder geschickt, veröffentlicht wurden davon nur 3. Auf den Bildern ist deutlich sichtbar, das wir Medikamente und Hilfsgüter verteilen, auf einem der Bilder kannst du sogar sehen, wie ich einem Chirurgen assistiere, während er operativ den gebrochenen und zuvor falsch behandelten Oberarm eines kleinen Mädchen richtet. Das ganze ohne Beteubung, da die Möglichkeiten begrenzt waren. Ihre Schreie gehen mir immer noch nicht aus dem Kopf. Ausserdem haben wir Schulmaterial für mehr als 60 Schülerinnen gekauft und das Budget für Lehrpersonal für das kommende Quartal bezahlt. .Wir haben ausserdem 2 siebenjährige Zwillings Mädchen zu unseren Patentöchtern gemacht und schicken ihnen monatlich Lebensunterhalt zu. Wir haben Vorort einen Median Empire Support Crew Kurdistan gegründet, die in unserer Abwesenheit in das Flüchtlingslager fährt und nach unseren Patenkinder schaut. Im Rahmen einer von Deutschland eingeleitete Flüchtsprogram worin die Bundesregierung 10000 syrische Flüchtlinge aufnehmen will, werden wir versuchen jetzt die beide Kinder Rojin und Nesrin mit ihre Tante nach Deutschland zu bringen.

Sowas braucht kein Mensch! Schon gar nicht bei Kids!

6.Warum wurde die Kutte getragen?

Wir sind Rocker deshalb haben wir unsere Kutten an, wir haben sie immer an. Manche von uns sogar beim schlafen. Wären wir von UNICEF, dem Roten Kreuz oder von der Armee, hätten wir andere Sachen an. Es gibt kein Grund sie nicht anzuhaben, da unsere Kutten unbefleckt sind. Wir sind keine Verbrecher oder Zuhälter, so das man uns nicht willkommen heißt. Damit dürften deine Fragen beantwortet sein.

L&R Azad 1%er President Median Empire MC Nation

( Ende des Interviews via Facebook )

Die Presse hat sich der Aktion ebenfalls teilweise angenommen und diese keinesfalls verrrissen. Im unteren Bereich findet ihr einen Link. Doch die Inhalte waren mir tatsächlich zu schwammig. Wenigstens ist dadurch das Problem der Flüchtlinge erneut in den öffentlichen Fokus gestellt worden und die Aktion wurde nicht pauschal als Abzocke betitelt. Unabhängig davon haben aber FB-User Fragen aufgeworfen und Kritik geübt. Das dokumentiert, dass eine negative Presse nicht zwingend notwendig ist, um Charity von MC’s in Frage zu stellen. Hier spielen sicherlich auch persönliche Abneigungen eine Rolle, so dass die Comments teilweise unsachlich oder reinweg emotional abgegeben werden. Es verdeutlicht jedoch, dass die Aktion selber nicht mit dem Tag der Abreise beendet ist, sondern dass insbesondere die Nach-Kommunikation bereits im Vorfeld überdacht werden muss.

Bei Bikes, Music & More Vol. 5 arbeiten wir mit der B.A.C.A.A offiziell zusammen. Alle Gelder unserer Charity-Aktionen werden dort direkt öffentlich auf dem Event an dessen Vertreter Zombi & Co übergeben und selbstverständlich quittiert. Zudem erwarte ich vom B.A.C.A.A e.V. im Nachrang ein Papier, um dieses öffentlich als Beleg einstellen zu können. Ich habe null Interesse daran, überhaupt nur ansatzweise in den Verdacht zu kommen, ich würde mich pesönlich an dem Motto bereichern. Da nehme ich doch lieber in Kauf, dass die Besucher vor Ort sich über einen ggf. geringen Erlös das Maul zerreissen. Das habe ich am nächsten Tag vergessen, doch das Gerücht, man hätte sich etwas in die Tasche gesteckt, läuft dir Jahre hinterher.

Insofern soll der Artikel sensibilisieren und den MC’s eine Stütze sein, in Zukunft sich auch bzgl. der Kommunikation und der Glaubwürdigkeit einen Kopf zu machen. Sie stehen sowas von unter Genralverdacht, dass jeder Fehler wie ein Schwamm aufgesaugt wird und am Ende nicht mehr über den Zweck der Aktion, sondern nur noch über eventuelle taktische Manöver gesprochen wird. Das braucht kein Mensch, dient in keinster Weise dem Zweck und führt wiederum zu völlig unnötigen Spannungen in der Szene.

Ich gehe in diesem Artikel bewusst nicht auf Aktivitäten der YPG ein, so wie es einige User auf Facebook getan haben. Charity und Politik passt nicht zusammen, obwohl mir sehr wohl klar ist, dass gerade bei uns Charity von Lobbyisten sehr bewusst genutzt wird, um politische Ziele zu fördern. Azad 1% danke ich für das schriftliche Interview.

Da der Artikel natürlich auf unserer offiziellen Facebook-Seite veröffentlicht wird, werde ich in diesem Fall sehr genau darauf achten, was dort vom Stapel gelassen wird und sämtliche unsachlichen Kommentare oder Latrinen-Parolen sofort löschen. Ich bitte um Sachkichkeit!

Hier nun eine Foto-Galerie.

Links: www.vice.com/de/read/kuttencharity-deutsch-kurdische-rocker-kuemmern-sich-im-irak-um-syrische-fluechtlinge/?utm_source=vicefb

Foto-Quelle: Meidan Empire MC

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.