Die Presse im Fokus – Gründlich und sorgfältig?

Lernt es die Presse noch?

Das Thema Medien liegt mir am Herzen. Logisch, ich bin Herausgeber eines Online-Magazins und erstelle Printmedien wie z.B. das Motorcycle Jamboree Journal.

Im Rahmen meiner journalistischen Tätigkeit bin ich wie jeder andere Medienvertreter auch an die Bestimmungen des Niedersächsisches Pressegesetzes gebunden. Dort heißt es:

§ 6 Sorgfaltspflicht der Presse.

„Die Presse hat alle Nachrichten vor ihrer Verbreitung mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf Inhalt, Herkunft und Wahrheit zu prüfen. Sie ist verpflichtet, Druckwerke von strafbarem Inhalt freizuhalten.“

Womit wir beim Thema sind. Die Presse ist frei. Sie ist berufen, der freiheitlich demokratischen Grundordnung zu dienen. Einverstanden!

Nur ist dieses auch die gelebte Praxis? An dieser Stelle wird es komplex. Jeder Redakteur ist darauf aus, interessante und attraktive Themen zu schreiben. Wenn ich hier nur Mist von mir gebe und meine Leser langweile, dann werde ich uninteressant und der Leser wird sich dem Magazin verweigern und sich anderen Publikationen zuwenden.Nachvollziehbar!

Stellt sich somit die Frage, wie gestalte ich den Text, um meine Leser zu binden.

Zunächst beginnt es mit dem Ereignis. Entweder erhalte ich eine Info über ein Thema oder ich informiere mich auf breiter Ebene über die Geschehnisse. Somit brauche ich gute Kontakte. Habe ich mich für ein Thema entschieden, so starte ich die Recherche.

Die Berichterstattung über Rocker

Diese Recherche muss in alle Richtungen laufen. Wenn ich mich also festgelegt habe über Rocker zu berichten, so ist es mehr als fair, sich mit allen Beteiligten zu unterhalten. Nun ist es natürlich schwierig an die Rocker heran zu kommen. Diese haben nicht gerade eine erhöhte Affinität zur Presse und wenn ein 2-Meter-Hühne dir vor der Kamera Schläge androht, wirkt das nicht sonderlich einladend.

Ok, ich habe mich festgebissen und unterhalte mich nun mit den Leuten, die mir bereitwillig Auskunft geben. Was ich daraus mache, darauf habe nur ich Einfluss.

Oftmals falsch! Denn mir steht ein Verleger im Nacken, der mit seiner Publikation Kohle macht und als Geschäftsmann auf einen möglichst hohen Umsatz spekuliert.

Also müssen die Themen spektakulär geschrieben werden. Das Wort „Rockerkrieg“ hilft da schon ganz gewaltig. Denn der Krieg erzeugt Ängste und diese emotionalisieren so stark, dass der Leser wie entfesselt jede Information aufsaugt.

Was die Presse aus derartigen Ereignissen macht, ist häufig nur oberflächlich rechercheirt!

 „Der Krieg ist organisierter und unter Einsatz erheblicher Mittel mit Waffen und Gewalt ausgetragener Konflikt an dem mehrere planmäßig vorgehende Kollektive beteiligt sind.“

Soweit ein Auszug aus Wikipedia. Starker Tabak!

Übertragen wir das auf die Szene. MC X hat einen Konflikt mit MC Y, beide Gruppen sind Kollektive und sie gehen mehr oder weniger planmäßig vor. Super, die Nummer passt.

Nee Nee, so lassen wir das nicht stehen. Denn wenn wir das ungeprüft tun, stellen wir Auseinandersetzungen unter Rockern gleich mit Desert Storm oder dem 30jährigen Krieg. Das sind die Ereignisse, die auch der Leser in seinem Selbstverständnis als kriegerische Auseinandersetzung ansieht. Jedenfalls habe ich in der Schule nie etwas von einem Rockerkrieg gehört.

Die Macht des Wortes!

Der Leser würde ohne diese Art von Berichterstattung niemals eine Prügelei unter Rockern als einen Krieg bezeichnen. Aber die permanente Anwendung solcher markanten Worte beeinflusst ihn beträchtlich. Über sein Unterbewusstsein kommt die Botschaft an, zum Schluss glaubt er es tatsächlich.

Für mich ist das Manipulation. Warum? Wir erinnern uns. Das Thema muss attraktiv und interessant geschrieben werden und Krieg interessiert alle Menschen. Krieg schafft Auflage, Krieg generiert hohe Umsätze. Schaut Euch mal die Bilanzen der Rüstungsindustrie an. Ihr werdet es kaum glauben. Wer verdient daran? Die Industrie und der Staat. Wer verdient an der Berichterstattung über Rocker: Die Industrie, sprich Verlage, und der Staat.

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Aktuell wird dieses sehr deutlich im Rahmen der Berichterstattung über die Verhaftung von Frank Hanebuth. Ein mit Schlagwörtern gespickter Artikel wird online gestellt, ist jedoch nicht in voller Länge lesbar. Dazu bedarf es einer Registrierung oder es muss ein Abo abgeschlossen werden. Nicht selten wartet die Abo-Falle.

Dies ist u.a ein Grund, warum wir auf die Veröffentlichung der Crime-Storys aus der Haus- und Hofpresse verzichten. Wer sich nicht für meine Ideale, Riten und Bräuche interessiert, der soll gefälligst nicht auch noch Kohle an mir verdienen.

Na, macht es Klick? Nicht falsch verstehen, wenn ein Rocker schwer verletzt oder gar getötet wird, so ist das Bullshit. Ohne Wenn und Aber! Doch gemessen an den Vorfällen, die einen bewiesenen Sachverhalt haben, bin ich absolut nicht bereit, die Geschehnisse in der Szene als Zustand des Krieges zu bezeichnen.

Ich habe mich mal gefragt, warum die deutsche Presse im Gegensatz zu der englischen oder polnischen Journalie im Rahmen der Berichterstattung über Hooligans weites gehend auf solche Attribute verzichtet und dieses über Google recherchiert. Seltsam, obwohl die Jungs sich regelmäßig und bereitwillig auf die Birne hauen, besteht ein totales Missverhältnis gegenüber dem bei Rockern. Hier und da wird es bei wirklich schweren Krawallen genutzt, aber eben deutlich weniger als in unserer Szene. Liegt es daran, dass Hooligans im Gegensatz zu Rockern schon rein optisch nicht kategorisiert werden können?

Bis heute habe ich keine wirklich schlüssige Antwort gefunden. Wenn Euch dazu was einfällt, schickt mir einen Leserbrief. Ich würde die Antwort nur zu gerne kennen!

Ich stelle somit für mich fest, dass es im Wesentlichen die Art und Weise der Berichterstattung ist, die in der Öffentlichkeit Neugierde erzeugt und nicht das Ereignis als solches. Darum erwarte ich auch eine konsequent recherchierte Story und nicht das Sammelsurium von aktuellen Meldungen, gepaart mit alten Bildmotiven oder Videos und ich erwarte insbesondere Kenntnisse über unsere Riten und Bräuche.

Wer nur den Buttom-Rocker trägt, ist kein Member und Basta. Wer nicht im MC ist, ist ein Außenstehnder, bestenfalls ein Freund. Und wenn mein bester Kumpel seine Alte umbringt, bin ich nicht Familienmitglied.

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Mein Fazit!

Liebe Kollegen; solange ihr nicht an unserem Lifestyle nachhaltiges Interesse zeigt, dürft Ihr Euch gerne weiter in die Hose machen, den Rocker meiden und oftmals einseitig und subjektiv über die Szene berichten.

Es gibt Beispiele, wo intensive Gespräche ein Vertrauensverhältnis erzeugt haben und es irgendwann zu einem Interview kam. Aber solange wir davon ausgehen müssen, dass die Fakten aus der Szene untergehen, weil sie nicht der Schlagzeile dienen, solange wird es immer die Barriere zwischen Rockern und Presse geben.

Den Pulitzer-Preis gibt es dafür jedenfalls nicht!

Und dem 2-Meter-Hühnen sei gesagt, dass es viel geiler ist, wenn man ruhig und besonnen auf die Kamera reagiert und dem Reporter in eindringlicher Manier zu verstehen gibt, das man nicht gefilmt werden will.

Deine Statur wirkt bedrohlich genug. Die Besonnenheit ist deine persönliche Gelassenheit, um dich vor unüberlegten Handlungen zu schützen. Deswegen bist du noch lange kein Warmduscher!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.