Erfahrungsbericht: Kfz-Verkauf bei mobile.de!

Innerhalb kürzester Zeit hat mobile.de den vorherigen Platzhirsch Autoscout 24 von seinem Thron verdrängt und sich als Verkaufsplattform Nr. 1 für Kraftfahrzeuge etabliert. Da ich nun auch einen älteren PKW zu verticken hatte, habe ich diesen ebenfalls dort zum Verkauf angeboten. Meine Premiere! Und, was habe ich erlebt?

Tücken, Fallen und andere Stolpersteine!

Nun, zunächst einmal füllt man die Maske aus, in der die Details zu dem Fahrzeug angegeben werden. Da mein Schätzchen keinen Schönheitswettbewerb mehr gewinnen würde, habe ich das sogar erwähnt und mich darum bemüht, die altersbedingten Gebrauchsspuren sowie die leichten Unfallschäden vernünftig zu fotografieren, damit der potentielle Käufer weiß, wie das Fahrzeug optisch dasteht.

Kurz bevor ich alle Angaben fertig erstellt hatte, klingelte es bereits am Handy und der erste Interessent aus Berlin stieg in die Verhandlung ein. Wie jetzt, ich habe doch noch gar nicht auf Enter gedrückt und die Inseratserstellung abgeschlossen. Unten war jedenfalls der Button Weiter eingeblendet. Der Kollege erklärte mir, dass er als Vertragspartner von mobile.de über ein System verfüge und bevorzugt die neuen Angebote erhalte. Aha! Nun, da ist er nicht der einzige, denn in den nächsten 30 Minuten klingelte es über 30 mal, ich erhielt sogar einige schriftlichen Angebote, die 90% über dem von mir geforderten Preis lagen.

Top-Anzeige

Klar, das kennt man. Anködern und vor Ort verrecken lassen. Unbedarfte und unerfahrene Verkäufer sind dann froh, wenn sie am Ende ihr Auto nicht verschenken müssen. Der Talk mit dem Berliner verlief aber recht gut, seine Deutschkenntnisse waren absolut ok und er war nett, was natürlich auch eine Masche sein kann, denn die meisten Anrufer sind es nicht.

Am Telefon handelte er mich zwar 50 Euro runter, wir wurden uns aber einig, was er direkt mit einer Mail ohne Firmensignatur bestätigte. Spätestens hier wurde ich stutzig, bestätigte aber den Preis und nannte ihm für den Abholer ein Passwort, dessen Namen er mir auch später noch per Mail mitteilte. Soweit alles ok, außer der Nervfaktor durch das permanente Klingeln des Handys, was folglich ignoriert wurde. Ich hatte das Inserat ja auf Bitten des Käufers sofort wieder gelöscht.

Der Abholer war wie vereinbart am nächsten Tag pünktlich zur Stelle. Da wir die Übergabe im abgemeldeten Zustand vereinbart hatten, holte ich ihn am Bahnhof ab und wir fuhren zur Zulassungstelle, wo ich das Fahrzeug abmeldete und die Kennzeichen einbehalten wurden. Danach ging es los.

Da ich in dem Probelauf das Fahrzeug versehentlich ein Jahr jünger machte, korrigierte ich das in der eigentlichen Inseratserstellung. Nun scheint aber das System so angelegt zu sein, das bestimmte Händler in der Tat die neuen Angebote früher, als der eigentliche Markt erhalten. Wie gesagt, ich hatte noch nirgendwo auf Inserat abgeben gedrückt und eine Maske zur Kontrolle der von mir eingegeben Daten wurde mir auch nicht angezeigt. Das hatte ich erwartet. Durch die Löschung des Inserates entfiel dieser Part natürlich.

Für den Käufer war das nun ein großes Problem, weil er den Wagen in den Export geben wolle und das ältere Datum der Erstzulassung eine zusätzliche Zollgebühr nach sich ziehen würde, und ich ihm deswegen erneut entgegen komme müsse. An dieser Stelle schwoll mir der Kamm und mein Tonfall änderte sich merklich. Man rechnet zwar mit diesen Methoden, oft genug berichten einem Kollegen über ihre Erfahrungen, aber wenn man selber in der konkreten Situation ist, stellt es sich doch etwas anders dar.

Karre ist abgemeldet, Rennleitung direkt gegenüber. Was machste? Das Ego sagt ganz klar, der kann dich am Arsch lecken, andererseits überlegt man tatsächlich, ob man als Zeichen des guten Willes den Preis reduziert, damit die Baustelle einfach mal dicht ist. Am Ende nahm er das Teil mit, fragte mich aber noch auf der Tankstelle, ob ich ihm 20 Euro für Essen und Trinken geben würde. Brennt dem der Helm?

Top-Anzeige

Fazit!

Das einzig Positive ist der Umstand, dass der Wagen im Rahmen meiner Vorstellung super schnell verkauft wurde und der Abholer nicht den Dicken gemacht hatte. Freitag komt das neue Fahrzeug. Aus die Laus!

Erkenntisse!

Warum erhalten die Händler ab einer bestimmten Stufe noch während der Angebotserstellung die neuen Inserate? Nun, sie finanzieren mobile.de. Bei dieser geballten Ladung an Kontaktversuchen auf mein Fahrzeug hin muss ich davon ausgehen, dass die echten Schnäppchen den Privatmarkt an sich gar nicht mehr erreichen, was mir übrigens der Abholer auch bestätigte. Das gilt insbesondere für die begehrten Modelle.

Einerseits ist man froh, wenn einen zügig Nachfragen ereichen, andererseits muss man sich darüber im klaren sein, dass dieses allesamt Haie in einem großen Haifischbecken sind. Und zu verschenken haben die garantiert nichts. Dieses System finde ich tatsächlich äußerst zweifelhaft. Der unerfahrene Privatverkäufer wird unmitelbar in eine defensive Rolle hinein gezwängt. Die Kollegen sind beharrlich und treten dominant auf und oftmals nicht alleine, um den Druck zu erhöhen.

Ich hatte vermutlich nur Glück, weil ich dem Abholer sagte, er solle seine roten Kennzeichen abschrauben und wieder nach Hause fahren. Da hatte er wohl denn doch keinen Bock drauf. Aber in den meisten Fällen läuft es eben nicht so geschmeidig ab.

Ich hätte kein Problem damit, wenn das System Vertragspartner direkt anbimmelt, nachdem der Verkäufer das Inserat abschließend bestätigt und auf Enter gedrückt hat, aber schon davor die Daten zu übermitteln, hat m. E. wenig mit einem fairen Marktangebot zu tun, was die Händler vermutlich ganz anders sehen, denn sie sind die einzigen Nutznießer.

Achtet also auf eure Angaben in der Maske, setzt ggf. doch einen etwas höheren Preis an, damit der Deal nicht schon vom Start weg ultra nervig wird. In jedem Fall sollte man die Daten bereits am Telefon mit dem Interessenten abgleichen, damit es live gar nicht erst zu Irritationen kommt. Übrigens, mobile.de ist auch Partner von Ebay, was den Multiplikator enorm erhöht. Allerdings auch den Nervfaktor.

Ich bin nur froh, dass es um meinen PKW ging, zu dem ich keine emotionale Bindung habe. Bei meinem Hobel wäre die Nummer völlig in die Hose gegangen. Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entscheiden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autorühlings.