Medien: Schuldig im Sinne der Presse!

….und warum man ruhig mal über eigene Medienarbeit nachdenken sollte!

Findet den Fehler: Die Leser der sogenannten Mainstream-Presse hinterfragen grundsätzlich die Berichterstattung über Rocker und bilden sich ihre Meinung auf der Basis persönlicher Erfahrungen im Umgang mit diesen. Tja, das war ja wohl recht einfach. Denn das genaue Gegenteil ist der Fall. Ihr könnt euch noch so sehr über die oft betitelte Schmierenpresse aufregen, ändern werdet ihr gar nichts. Und warum ist das so?.

Die Zielgruppe!

Rocker lesen zwar fleißig die Presseberichte, es gibt ja mittlerweile Foren/Portale wie Sand am Meer, die oftmals hemmungslos und völlig unreflektiert alles weitergeben, was die Presse über Rocker so ausspuckt, nur sind die Rocker nicht die Zielgruppe dieser Medien. Die schreiben nämlich nur über sie und nutzen Rocker als Thema. Der Konsument und Erfolgsgarant ist der normale Bürger, der an sich so überhaupt nichts mit Rockern und deren Lifestlye zu tun hat und für den sämtliche Subkulturen absolut entbehrlich sind, weil er an ihnen nicht teilnimmt und auch keinen Nutzen daraus zieht. Also die Menschen, die fleißig am Kiosk die Zeitung kaufen oder online konsumieren und die das gesellschaftliche Leben der Zivilgesellschaft bestimmen, damit als potentieller Wähler und für Lobbyisten hochgradig interessant sind. Rocker sind das nicht!

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Blindes Konsumieren!

Da, wo sich der Bürger betroffen fühlt, bestes aktuelles Beispiel ist die immer noch laufende Flüchtlings-Debatte, nimmt er rege am öffentlichen Diskurs teil. Er unterhält sich mit seinen Mitmenschen, tauscht Meinungen aus, interagiert, verfolgt intensiv die Medien, stellt Vergleiche an, kennt Flüchtlinge persönlich, hat einen hohen Ausländeranteil in seinem Kiez, usw., kurzum, er nimmt das Problem als das seine an. Das führt automatisch zu einem weitaus kritischerem Umgang mit dem Thema. Rocker sind aber nicht sein Thema, denn er kennt sie nicht, diese bewegen sich in ihrem eigenen Kosmos in den Klubhäusern oder auf den Partys, er hat keinerlei tiefer gehende Berührungspunkte zu ihnen. Und damit hat er keine Veranlassung die Berichterstattung zu hinterfragen. Alles was in der Presse steht, wird völlig ungefiltert aufgesaugt. Der perfekte Konsument für die Presse.

Das Schubladenprinzip!

Das wissen die Journalisten. Und somit ist eine wirklich fundierte Recherche sowie der eigene reflektierte Umgang mit dem Thema gar nicht mehr notwendig. Die Presse handelt in den meisten Fällen nach dem Vorverurteilungs-Prinzip, frei nach dem Motto:„Den Täter haben wir bereits, die Tat müssen wir noch finden!“. Während die Rennleitung, selber oftmals nach diesem Prinzip handelnd, sich in der Tat um diesen Aspekt weiter bemühen muss, damit ein staatliches Verfahren in Gang kommt und nicht vollends auf wackeligen Beinen steht, braucht es die Presse aber nicht weiter zu beachten.

Deshalb finden wir auch so gut wie keine Nachbrichterstattung, in der die Presse selber auf der Basis der weiteren Erkenntisse nach den großen Headlines die Vorfälle eindeutig klar stellt und ggf. relativiert. Würde man das tun, müsste man sich ja selber an den Pranger stellen, denn unweigerlich käme es in vielen Fällen zu der Erkenntnis, dass man wohl weit über das Ziel hinaus geschossen hat und Personen vorverurteilt wurden. Damit würde der Journalist an Glaubwüdigkeit verlieren. Der Leser wandert ab. Denkt mal an den Fall Kiel und den ehemaligen Präsi der dortigen Legion 81. Was wurde alles geschrieben. Am Ende kam nichts dabei heraus. Nadda. Für mehr als eine Randnotiz hat das aber nicht mehr gereicht. Deckel drauf, weiter im Text.

Wenn ihr diese Grafik seht, geht es um staatliche Inhalte, Presse-News, oder Szene-Inhalte und deren Auswirkungen!

Wenn ihr diese Grafik seht, geht es um rechtliche Inhalte, Presse-News, oder Szene-Inhalte und deren Auswirkungen!

Würden die Journalisten im Bereich der organisierten Wirtschaftskriminalität, nehmen wir den VW-Abgas-Skandal, genauso agieren, sie würden mit Klagen überschüttet werden, da VW als Lobbyist sofort seine Top-Anwälte ins Feld führt und die Presse massiv angeht. Für mich ist das VW-Ding eindeutiger Betrug, §263 StGB, da den Kunden unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ein Vermögensnachteil entstanden ist bzw. diese zu Handlungen geführt haben, die sie in Kenntnis der tatsächlichen Fakten nicht vorgenommen hätten. Sie hätten nämlich die Schrottkisten gar nicht erst gekauft. Geht das denn auch so eindeutig aus den vielen Presseberichten hervor? Wie oft fällt das Wort Betrug?

Bei Rockern hat man eher das Gefühl. dass die Berichte bereits fertig geschrieben in der Schublade liegen. Links Hells Angels, rechts Bandidos, darunter alle anderen, sie müssen nur noch mit Datum und Ort aktualisiert werden. Vielleicht findet man ja auch noch ein schickes Video, um damit die Leser zu binden und ins Abo zu locken. Da kann es im Eifer schon mal passieren, dass ein und dasselbe Foto zu mehreren Anlässen verwendet wird. Das Problem? Es gibt die Anlässe. Und das kann man der Presse nicht in die Schuhe schieben.

Die Politik!

Ich sage nur Strategiepapier. Da steht alles drin. Die Presse ist der Steigbügelhalter der Politik und umgekehrt. Beide haben gemeinsame Interessen, es geht um Macht, Einfluss, Interessen, Wechselwirkungen und natürlich Kapital. Die Presse wird fließig instrumentalisiert, um die Stigmatisierung von Rockern immer schön am laufen zu halten. Komisch, bei den Asylanten wird stets darauf hingeweisen, dass man das Fehlverhalten Einzelner ja nicht verallgemeinern darf, um eine solche Stigmatisierung zu vermeiden. Bei Rockern tun sie alles, um genau diese zu fördern. Nun könnte man natürlich annehmen, dass es aber doch eigentlich nur um die Hells Angels und die Bandidos geht, weil diese beiden internationalen Clubs den Kern der Berichterstattung ausmachen. Auf den ersten Blick schon, aber….

Die Psychologie!

Die Stigmatisierung ist stark angelehnt an Symbole und Riten. Kutten, Ehren-Kodex, Bruderschaft, Motorrad, Klubhaus, das alles sind Attribute von MC’s. Dem Leser fehlt allerdings ein fundiertes Wissen, um die Szene differenziert einschätzen zu können. Viele Leser glauben daher, dass Rocker persé zu Gewalt und kriminellen Handlungen neigen. Die Großen nehmen dabei nur eine dominante Rolle ein. Der Outlaw wird nicht im historischen Sinne des Geächteten gesehen, sondern in dem eines Kriminellen. Sein persönliches Bekenntnis ist die 1%er-Raute. Wer das trägt, fällt definitv in diese Kategorie. Denn in den Lageberichten stehen ja auch 1%er-Clubs, über die noch nie etwas in der Zeitung stand. Die Raute reicht.

Statt des OMC ( Outlaw Motorcycle Club ) bezeichnet man heute diese Clubs als OMCG ( Outlaw Motorcycle Gang ), ein rein medialer Begriff, der aber in den Köpfen der Bürger ein radikales Gewalt-Potential assoziiert. Das ist gewollt, denn je höher die vermeintliche Gefährdunglage ist, desto mehr kann Politik und Polizei seine Interessen durchsetzen. Schaut euch mal die Zahlen der Mordopfer durch Gangs in Ländern wie Kolumbien, El Salvador, Mexiko, den USA, usw. an und vergleicht diese mit den Mordopfern durch OMG’s bei uns. Unvergleichlich!

Die permanente negative Berichterstattung führt dazu, das der Rocker in den Köpfen der Bürger auch negativ gesehen wird. Am Ende kommt es sogar dazu, dass selbst eingefleischte Szene-Gänger sich von der Rocker-Szene abwenden, obwohl sie von den Maßnahmen der Rennleitung noch nie betroffen waren und nach wie vor ein geiles Rockerleben führen könnten. Es fühllt sich halt alles nicht mehr so geil an, weil auch wir uns permanent mit negativem Bullshit auseinander setzen. Das war in den 70ern und 80ern halt anders, weil es diese Form der Berichterstattung und Medienvielfalt gar nicht gab. Glaubt mir, hätte es diese gegeben, hätten auch schon damals alle abgekotzt, die sich heute so sehr die alten Zeiten zurück wünschen.

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Und nun?

Ich habe kürzlich mit Fips von der Biker News über meine Ansichten gesprochen und ihm diese dargelegt. 1. Wenn wir nicht an den Bullshit glauben, warum lesen wir das dann? Bringt uns das weiter? 2. Veränderungen müssen durch die Clubs erfolgen, aber die Rocker-Presse kann begleiten, Prozesse anschieben. Ich habe mir kürzlich die Zahlen des Rocker-Talks reingezogen. Der erste wurde insgesamt über 40.000 mal angeschaut. Ok, wir haben es danach verkackt, weil selbst wir nicht in der Lage waren, eine echte Einheit zu bilden, denn eines ist klar, auch bei den Rocker-Medien gibt es immense Vorbehalte. Das Rad kann man nicht zurück drehen. Aber es war in den Augen vieler ein Anfang.

Daher habe ich einfach mal angeregt, dass man eine Art Presserunde ins Leben ruft, in der man versucht ein Pendant zur Mainstream-Presse zu schaffen und Vorschläge erarbeitet, die in den Clubs diskutiert werden können. Man kann sich Gäste einladen, sie mit einbinden. Keine Ahnung, ob das was bringt, aber es wird wieder miteinander gesprochen. Wenn eine Mutter ihr Kind zu Seite zieht, weil ein Rocker auf dem Bike an ihr vorbei fährt, sagt das schon sehr viel darüber aus, wie weit die Stigmatisierung von Rockern voran geschritten ist. Mir ist das egal, aber mein Kind soll nicht darunter leiden! Deshalb bin ich pro Medienarbeit, damit der Bürger nicht jede Suppe bereitwillig auslöffelt, die ihm von Bild & Co vorgesetzt wird.

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.