Persönliche Gedanken: Out in Bad!

Szene-Einblicke!

Gehört haben diesen Begriff sicherlich alle schon einmal. Out in Bad Standing kennzeichnet den Staus eines ehemaligen Vollmitgliedes eines MC, der dem Club geschadet hat und daher diesen im Bösen verlassen musste. Im wesentlichen wird der Status so definiert, dass man dem Mann überall und jederzeit an die Karre pissen kann. Ihr dürft an dieser Stelle darüber gerne spekulieren, wie das im konkreten aussehen könnte.

Bad Standings werden sehr selten ausgesprochen, sind sie doch die ultimativ letzte Maßnahme. Nur die Clubs selber wissen, welche Verstöße gegen die eigenen Regeln einen derartigen Status rechtfertigen und wie diese geahndet werden. Ein normales Fehlverhalten reicht dazu ganz sicher nicht aus, führt i.d.R eher zu einer Herabstufung zum Prospect, damit der Kollege mal darüber nachdenkt, was in der letzten Zeit schief gelaufen ist.

Zu wenige Kilometer mit den Männern, seit geraumer Zeit keine eigene Karre, ständige Pöbeleien, häufiges Fehlen, allgemeines Desinteresse, egoistisches Verhalten, die Liste der potentiellen Gründe ist recht lang und mit Sicherheit sind das alles keine Aspekte, die für die Rennleitung neu und von daher besonders aufregend sind. Zum Thema sind bereits ganze Bücher erschienen.

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Wenn du Deine Brüder über den Leisten ziehst, zum Beispiel durch Veruntreuung von Club-Geldern, oder Gewalt gegen die eigenen Brüder eine Rolle spielt, dann wird das Eis dünn und ein Bad Standing könnte die Folge sein. Ich will das an dieser Stelle gar nicht weiter ausführen. Mir geht es nämlich eher um den Umgang mit diesem Status, denn ab und an habe ich das Gefühl, dass manche Clubs recht fahrlässig den Status aussprechen.

Fakt ist, wer diesen Status bekommt, wird quasi komplett ad absurdum geführt. Er kann im Vorfeld über Jahrzehnte eine tragende und führende Rolle gespielt haben, mit diesem Status spielt das alles an sich keine Rolle mehr, denn Du wirst nur noch auf das unrühmliche Ende deiner MC-Mitgliedschaft reduziert. Und bisher hat es eher die bekannten und führenden Member getroffen, als diejenigen, die einfach nur mitschwimmen. Denkt an Männer wie Ruben Cavazos, seinerzeit International President des Mongols MC oder Bad Boy Ulli, ehemals Vize des HAMC Kassel.

Die Mongols Nation hat den ehemaligen National Doc Ruven Cavadis Out in Bad gestellt.

Die Mongols Nation hat den ehemaligen National Ruven Doc Cavazos Out in Bad gestellt.(Screenshot)

Warum das so ist?

Nun, diese Leute haben in führenden Positionen agiert, sie trugen Verantwortung, konnten bestimmte Entwicklungen lenken. Wenn das im Interesse aller passiert, zeichnet dies eine gute Führungskraft aus, passiert es jedoch zur ausschließlichen Verbesserung der eigenen Position, zum Beispiel um sich die Taschen voll zu machen, dann widerspricht das in aller Regel den Interessen des Clubs. Sowas ist an sich erkennbar, doch wenn am Tisch nur Schafe sitzen, entwickelt sich eine Eigendynamik und der Mann kann nicht gestoppt werden. Am Ende bleibt nur Tabula rasa!

Nun glaubt man nicht, dass die Entscheidung über diesen Status besonders leicht fällt. Ganz im Gegenteil. Denn über die Jahre hat man zu dem Mann eine intensives Verhältnis aufgebaut, mit ihm ggf. Seite an Seite gestanden, viele Erlebnisse on the Road gehabt, er wurde ein echter Freund, den man nicht missen möchte. Und dann kommt es zu einem Vorfall, der alle vor den Kopf stößt und zum Out in Bad führt!

Das emotionale Problem!

Es ist nicht so einfach den Status als gegeben hinzunehmen und zur Tagesordnung überzugehen. Denn selbst wenn das Bad Standing faktisch vollkommen richtig ist, bleiben all die Momente, die man gemeinsam erlebt hat und für die man den Mann so sehr schätzt. Leute, das hört nicht einfach auf. Egal wie drastisch der Vorfall war, nach einer gewissen Zeit holen dich all diese Erlebnisse ein und du fängst das Grübeln an.

Plötzlich zweifelt man, ob es tatsächlich die einzige Option war. Das ist schlimmer als ein verlorenes Match. Das blaue Auge ist nach vier Tagen abgeschwollen, aber eine innere Krise bleibt schlimmstenfalls für immer. Man kann es todschweigen, aber die Lösung ist es kaum. Daher sollte dieser Status mit Bedacht gewählt werden. Wenn man nach einer Woche immer noch derselben Meinung ist und es auch bei differenzierter Betrachtung keine andere Wahl gibt, dann kann man damit klarkommen. Die Traurigkeit bleibt jedoch.

Und eines wollen wir auch mal nicht vergessen. Wenn ein MC den Status Out in Bad ausspricht bedeutet das noch lange nicht, dass der Mann ein Arsch ist. Denn solange niemand den wahren Grund kennt, könnten es auch die falschen Rules sein, gegen die er sich aufgelehnt hat. Vielleicht wollte er einfach nicht mehr mitspielen und ohnehin austreten, weil er sich mit dem Club nicht mehr identifizieren kann. Nun, da fällt ein Bad Standing aus strategischen Aspekten viel leichter, denn der Mann kann sich nicht mehr wehren. Alles schon vorgekommen.

Ob die Gründe für das Out in Bad wirklich fundiert sind oder nicht, dass weiß nur der jeweilige MC. Seltsamerweise hat es in den letzten Jahren Männer aus Clubs getroffen, die noch gar nicht so arg lange in der Szene mitmischen. Mich macht sowas mißtrauisch, denn es riecht immer so ein wenig danach, als ob sich hier jemand ein Bad Boy-Image verpassen möchte und sich dazu das schwächste Glied ausgesucht hat.

Also, wenn das hier kein Thema für reichlich Interaktionen ist, dann weiß ich es auch nicht.

 

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.