Rocker & Pressearbeit!

Das ewige Dilemma!

Es gibt vermutlich kaum eine Gruppe von Gleichgesinnten, die sich in Punkto Einstellung zur Presse so einig ist, wie die Rocker. Mal abgesehen von anderen Randgruppen wie zum Beispiel den Hooligans oder Rechtsradikalen. Eventuell ist dies auch der Grund dafür, warum es in „Einzelfällen“ gewisse Berührungspunkte der verschiedenen Szenen gibt. Denn allen drei Communitys wird medial permanent auf die Birne geklopft. Von einer wirklich fundierten und objektiven Berichterstattung über Rocker kann dabei nur in seltenen Fällen gesprochen werden. Ansonsten gilt: „Feste druff!“

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Zwar haben die großen MC’s mitterweile erkannt, das es notwendig ist den Clubs eine Stimme zu geben und eigene PR-Teams gegründet, aber deren Aufgabe besteht jetzt nicht zwingend darin pro aktive Öffentlichkeitsarbeit zu leisten. Und zudem gibt es nicht gerade viele Rocker, die sich gerne auf den „heißen Stuhl“ setzen wollen. An sich reagieren die Pressesprecher eher auf das, was aus der Mainstream-Presse kommt und zu den bekannten Wechselwirkungen auf der politischen Ebene führt, deren Agieren die Basis für die Maßnahmen der Polizei darstellt.

Die Mitte der Gesellschaft wird es wohl kaum erreichen, da diese in der Regel durch die fortlaufende Stigmatiserung ohnehin Szene-Medien eher meidet. Diese Kommunikationsebenen haben defintiv keine Lobby, erreichen an sich nur die Leute mit einer Affinität zur Szene selbst. Für den Normalbürger gibt es zudem keinen Anlass, sich über diese Kanäle zu informieren. 1. Man ist nicht betroffen 2. Die ungeprüfte Übernahme von vorgefertigten Ansichten ist Massen-tauglich. Wohlfühlfaktor!

Nun könnte man daraus schließen, dass eine derartige Pressearbeit somit gar nicht notwendig ist, weil sie keinen substantiellen Erfolg erzielen kann. Mitnichten! Public Realtion ist ja ein Instrument des Marketings und soll an sich neue Kunden oder Teilnehmer mobilisieren. Denn auch die Rocker selber kommunizieren die Mainstream-Presse. Und damit unterliegen sie wenigstens den atmosphärischen Einflüssen einer fortlaufend negativen Berichterstattung. Je häufiger ein Club in den Medien benannt wird, desto mehr wird auch von den Szenegängern diesen Clubs vorgeworfen, sie wären für das Dilemma und das schlechte Image der Szene verantwortlich. Nachvollziehbar!

Wennn Rocker miteinander reden, ist das ein Fortschritt. Funktioniert ja auch in anderen Nationen.

Wennn Rocker miteinander reden, ist das ein Fortschritt. Funktioniert ja auch in anderen Nationen.

 

Seltsamerweise entsteht trotzdessen oft das Phänomen, dass wenn die Exekutive mal wieder massiv gegen diese Clubs vorgeht, sich eine Art allgemeine Sympathieebene für genau diese Clubs ergibt, denen man noch eine Woche zuvor vorgeworfen hatte, dass sie selber schuld daran sind, weil sie nicht die richtigen Leute in den Club lassen. Ein Wiederspruch?

Fakt ist, die Anlässe sind da, und nur die betroffenen Clubs selber können durch interne Maßnahmen daran arbeiten, diese zu minimieren. Manche Räuberpistole liest sich ja auch schon echt schräg und man fragt sich unweigerlich, was haben die sich bloß dabei gedacht, wenn wieder irgendwelche Supporter und Anhänger der Meinung sind, sie müßten dem MC nun ihre uneingeschränkte Loyalität beweisen. Schwups hat die Presse wieder einen Anlass, dessen Nutzen für den Club selber wenigstens fragwürdig ist.

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Es ist aber eine völlig andere Sache, was aus diesem Anlass gemacht wird. Der Anhänger ist plötzlich ein Member oder er kommt wenigstens aus dem nahen Rockerumfeld. Die Headlines in den jeweiligen Medien werden erneut spektakulär aufgebaut, so daß aus der Prügelei dreier Rocker bei MC Doof der nächste Rockerkrieg hergeleitet wird. Das fordert die Renleitung heraus, um der Öffentklichkeit zu signalisieren, wir haben alles im Griff. Ergebnis: Auf der nächsten Party bauen die Kollegen eine Wagenburg auf.

Passiert das nun regelmäßig, so entsteht unweigerlich der Eindruck, die gesamte Rocker-Szene sei kriminell. Es entsteht der Kuttenträger-Effekt, der selbst vor Gericht dann dazu führt, dass die Tat eines Rockers härter bestraft wird, als die eines anderen Täters. Und das, obwohl Justizia genau jenes nicht vorsieht. Vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich. Aber manche sind halt gleicher. Das kann es doch wohl nicht sein.

Ok, ich bin nicht davon betroffen, ergo kann mir das an sich am Arsch vorbei gehen. Tut es aber nicht. Denn hinter diesen ganzen Maßnahmen steckt ein System und wer sagt mir, dass dieses dann von der Politik ad adcta gelegt wird, wenn man die großen Clubs endgültig verboten hat. Da bin ich mir nämlich längst nicht mehr sicher! Zudem wird ein krimineller Charakter nicht zur Jungfrau Maria, nur weil man ihm die Juppe weg genommen hat.  Sein Wesen und die Motivation seines Handelns selber bleibt!

Deshalb ist u.a. die Pressearbeit der Clubs selber sehr wichtig, um wenigstens ein Pendant zu der Mainstream-Presse zu bilden, in dem die jeweiligen Sachverhalte auch einmal hinterfragt werden. Das passiert, wird aber meistens als reine Strategie ausgelegt. Also Eigen-PR zur Durchsetzung ganz individueller Befürnisse des Clubs. Motto: „Wir tun jetzt mal was für die Szene, denken aber an sich nur an uns!“ Ganz schwieriges Terrain!

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Der Rocker ist vielfach nur Konsument und geht nicht in die Tiefe. Das entspricht halt seinem Naturell. Hinzu kommt, dass wir oft ein reines Schwarz-Weiß-Denken an den Tag legen. Graustufen gibt es nicht. Doch im Nebel liegt meistens die Wahrheit. So gesehen spielt es fast keine Rolle, ob ich mich nun durch die Mainstream-Presse oder Szene-Kanäle informiere. Wer nicht über en Tellerrand hinaus schaut, wird kaum eine Veränderung spüren.

Dieses Dilemma wird erst dann abnehmen, wenn es weniger Anässe gibt. Denn sie sind der Impulsgeber für das Wirken eines Systems, dass nicht auf Fairnis und Objektivität ausgelegt ist, sondern die Rocker-Szene lediglich instrumentalisiert, um politische Motive und Absichten ungehindert durchsetzen zu können. Wären da nicht die alten Rivalitäten, hätte sich das Thema an sich schon längst erledigt. Sie sind aber da und werden auch bleiben. Doch da es in anderen Ländern trotz wesentlich massiverer Vorkommnisse gelungen ist, genau diese Kooexistenz aufzubauen, sollte man doch mal die eigenen Leute fragen, wie das überhaupt gelingen konnte. Dümmer wird man dadurch sicherlich nicht! Denn wenn es hier mal so weit ist, wie aktuell bei den Australiern, na, dann gute Nacht!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.