Stigmatisierung? Nein Danke!

Auf dem Berliner Weihnachtsmarkt gab es eine konzertierte Aktion etlicher Teilnehmer des runden Tisches Berlin/Brandenburg, die gemeinsam gegen das Kuttenverbot Flagge zeigten. Man traf sich, hatte Spaß, ein Transparent wurde ausgerollt, die Aktion verlief wie in den letzten Jahren absolut friedlich. Und anstatt in Windeseile zu flüchten, zeigten sich die sonstigen Besucher auf dem Markt interessiert, sie gingen sogar teilweise auf Tuchfühlung mit den Rockern. Es wurde miteinander gesprochen. Von der Polizei war weit und breit nichts zu sehen.

Ohnehin ist es mir in den letzten Jahren verstärkt aufgefallen, dass der Bürger auf der Straße beileibe nicht die Berührungsängste mit Rockern hat, wie es aufgrund der permanent negativen und schlafgzeilen-trächtigen Headlines in den uns allen bekannten Presse-Organen vermuten lassen würde. Sätze wie „Das sind doch nette Jungs“ oder „Ihr seid ja völlig anders, als in der Presse beschrieben“ sind absolut keine Seltenheit. Und wenn die Männers dann mit ihren Maschinen im Konvoi durch die City ballern, finden sich etliche Videos und Fotos in den neuen Medien wieder. Rocker erzeugen Interesse!

Der runde tisch Berlin/Bradenburg startete die Aktion. Empfehlenswert!

Der runde tisch Berlin/Bradenburg startete die Aktion. Empfehlenswert!

Was sagt uns das?

Nun, mir zeigt es, dass die Presse anscheinend nicht vollends in die bürgerliche Mitte vordringt, um dem Leser das Märchen vom stets gewaltbereiten Biker zu verkaufen. Mich überrascht dieses keineswegs, denn die meisten Rocker arbeiten ja mit genau diesen Bürgern Seite an Seite in den Betrieben zusammen. Täglich begegnet man sich. Der Lifestyle ist zwar vielen Kollegen suspekt, doch die persönliche Erfahrung wiegt anscheinend oftmals doch schwerer, als die Schlagzeile in der Bild. Nutzen wir das!

Früher war es mir ziemlich latte, wie man mich gesehen hat. Doch heute muss ich erkennen, dass ein ausschließlich auf Verboten ausgerichtetes Handeln des Staates, zu einer inneren Umkehr in meinem Denken führte. Auf der einen Seite bin ich Club-Biker, der sich mit den individuellen Idealen des eigenen MC zu 100% identifiziert, auf der anderen Seite bin ich Szene-Gänger, der nicht bereit ist tatenlos mit anzusehen, wie Rocker pausenlos stigmatisiert werden. Daher plädiere ich persönlich für eine deutliche Zunahme derartiger Aktionen.
Gibt es Alternativen?

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Wie könnte das denn aussehen?

Die Uneinigkeit in der Szene spielt dem Staat sämtliche Trümpfe in die Hand. Sie verhindert geradezu ein gemeinschaftliches Handeln, dass jedoch seltsamerweise immer wieder in den Portalen gefordert wird. Distanz siegt über Nähe. In Einzelfallen sogar nachvollziehbar. Daher favorsiere ich eine bundesweite Aktion, die jedoch regional organsiert wird. Überlassen wir es doch jedem Bundesland, sich selber auf den Tag X vorzubereiten. Natürlich werden dann immer noch nicht alle Clubs an einem Strang ziehen, jedoch ist es ein Signal, dass in der Öffentlichkeit weitaus mehr Beachtung erzielen wird, denn wenn nur 1000 Biker pro Bundesland daran teilnehmen, sind 16.000 Biker auf der Straße. Vorzugsweise beiten sich die 16 Bundeshauptstädte als Austragunsort an. Die systemkonformen Medien werden dieses zwar herunter spielen, aber letzlich geht es auch gar nicht um die Presse, sondern um die Menschen, die von der Presse manipuliert werden. Wenn sie erreicht werden, kommt es zu einem Umdenken, die Schlagzeilen verlieren an Wirkung. Damit wäre der Szene bereits geholfen, da die Presse auch das staatliche Handeln beeinflusst. Synergien gehen verloren!

Um die Aktion im Vorfeld der Szene flächendeckend zu kommunizieren, sollten alle relevanten Szene-Medien dieses mit umfangreichen Vorberichten promoten. Hier werden auch wieder nicht alle mitmachen, aber wenn Medien wie Biker News, Ride Free und das Rockerportal sich einem solchen Anliegen verweigern würden, müsste man deren Existenzberechtigung als Szene-Medien mehr als hinterfragen. Nur in diesem konkreten Fall würde ich sogar einem runden Tisch zustimmen, von dem ich ansonsten nicht viel halte. Die 16 Bundesländer wählen ihre Vertreter, das tun sie öffentlich, wo auch immer. Der gewählte Vertreter sitzt zusammen mit den Medienvertretern am Tisch. Der runde Tisch hat keinerlei club-politische Bedeutung. Er dient ausschließlich dem Austausch der 16 Bundesländer untereinander. Die Szene-Medien ziehen exklusiv ihre Infos, um den Ball weiter am Rollen zu halten, und die Szene über die News zu informieren. Sie sind für die Kommunkation verantwortlich.

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Nun stellt euch mal das Bild vor, wenn 16.000 Biker bundesweit dieses Vorhaben unterstützen. So ein wenig habe ich mich in der Tat von der PEGIDA-Bewegung in Dresden inspirieren lassen. Obwohl auch dessen Teilnehmer nahezu komplett dem rechts-radikalen Spektrum zugeordnet werden, scheint deren Stigmatisierung durch Presse und Politik immer mehr zu verpuffen. Je mehr Leute auf die Straße gehen, desto problematischer wird ja auch die mediale Hetzjagd, weil der Staat irgendwann auf die bürgerliche Mitte losgeht. Schaut euch die Polit-TV-Formate konkret an. Mann nimmt die Bewegung auch inhaltlich heute völlig anders wahr, man spricht über die Inhalte. Warum? Ist doch klar, wer kann 15.000 Leute glaubhaft als Nazis verkaufen? Niemand!

Da Motorrad-Konvois immer seltener bewilligt werden, bzw. hohe Auflagen nach sich ziehen, habe ich mir auch darüber Gedanken gemacht. Die jeweilige Hauptstadt wird mit dem Bock angefahren, man trifft sich auf einem Sammelparkplatz im Randbereich. Von dort startet die Demo zum Versammlungsort. Ihr seht, ich spreche von einer Versammlung, also einer politischen Aktion. In allen 16 Bundesländern startet und endet diese gleichzeitig. Es werden Redner auftreten, der ein oder andere neutrale Experte kommt zu Wort. Mir fallen da schon jetzt einige Protagonisten ein, die man seitens der Medien nicht mal eben so als Schutzschild einer an sich kriminellen Communitiy verkaufen kann. Tja, nun stellt sich halt nur noch die Frage, ob wir weiterhin in unserem kleinen Bau verharren, oder mal statt zu reden, auch was anschieben können!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.