Thema: Fahren im Konvoi!

In Freudenstadt kam es an Himmelfahrt zu einem Vorfall, bei dem ein 53jähriger Mopedfahrer vermutlich deshalb auf die Birne bekam, weil er mehrfach in einen geschlossenen Konvoi hineinfuhr und das einigen Kuttenträgern derbe missfiel. Über den Vorfall selber will ich mich nicht äußern, die tatsächlichen Fakten sind mir aktuell nicht bekannt, aber ich nutze diesen, um auf den Aspekt der Konvoifahrten mal etwas tiefer aus meiner Sicht einzugehen.

Das Fahren im Pack wird oftmals unterschätzt.

Das Fahren im Pack wird oftmals unterschätzt. Zu lange Abstände sind Murks!

Was fällt mir dazu ein?

Ab und an sehen wir sie in größere Konvois über die Straßen brettern; Kuttenträger im Pack. Rad an Rad, Seite an Seite, dicht an dicht. Oftmals zücken die Autofahrer dann schnell ihre Handys, um ein Selfie davon zu machen, welches sie dann den Kollegen präsentieren können. Hier und da quittiert es der Rocker mit einem Stinkefinger oder einem bösen Blick, weil er so überhaupt keinen Bock darauf hat, dass der Typ seine Fahrt verlangsamt und neben dem Konvoi rumeiert, statt diesen zügig zu überholen. Zudem möchte er nicht als Medienobjekt herhalten.

So eine Meute von 200 Bikes oder mehr macht natürlich schon eniges her. Plötzlich wird der oft kritisierte martialische Auftritt von Clubs zu einem Medienspektakel und viele Spießbürger wollen daran teilhaben. Doch sollte insbesondere den Autofahrern diesbezüglich eines klar sein. Einer der wesentlichen Aspekte des dichten Zusammenfahrens besteht in dem Umstand, dass der Konvoi selber bereits ein klarer Ausdruck der Verbundenheit ist. Und diese Verbundenheit wird ausschließlich geprägt durch die eigenen Member. Auch auf der Straße will ich meinem Bruder so nahe wie möglich sein. Zudem ist der dicht gestaffelte Konvoi deutlich besser zu handeln.

Worauf sollte man achten?

Bei großen Konvois ist es absolut üblich, das die hinteren Fahrer als erstes nach links ausscheren, damit der Konvoi zum Beispiel langsamere LKW’s komplett überholen kann. Das passiert nun nicht, um den heran rasenden Autofahrer zu ärgern, sondern in erster Linie, damit das gesamte Pack geschlossen auf den linken Fahrstreifen in einem Rutsch wechseln kann. Diese Variante ist deutlich sicherer, denn wenn die Spitze zuerst wechselt, habe ich es schon oftmals erlebt, dass Autofahrer mit der Situation keinesfalls klar kamen, wenn sie plötzlich inmitten eines solchen Konvois eingeschlossen wurden. Manche bekommen dann Pusteln und neigen zu extrem nervösem Fahrverhalten, was den gesamten Konvoi gefährdet.

Klar stört es manche, wenn sie in ihrem Vorwärtsdrang gehindert werden. Da kann es dann durchaus vorkommen, dass ultra genervte Autofahrer auf den rechten Fahrstreifen wechseln, um dort den Konvoi zu überholen. Die Alternative dazu ist jedoch weitaus geschmeidiger. Runter bremsen und mit ausreichendem Abstand darauf warten, dass der Konvoi wieder rechts einscherrt. Kostet eventuell ein paar Minuten, ist aber für alle sicherer. Dasselbe gilt für Mopedfahrer.

Für mich ist klar, in einen geschlossenen Verband scherrt man nicht ein!

Für mich ist klar, in einen geschlossenen Verband scherrt man nicht ein!

In der Motorrad-Szene ist es an sich allgemein akzeptiert, das man in einen geschlossenen Club-Konvoi nicht einfährt. Die Jungs kennen sich von unzähligen gemeinsamen Fahrten, wissen um die Fahrweise des Clubbruders, haben über die Jahre Routine entwickelt. Wenn es also dem Rennbrösel zu langsam geht, hat er zwei Optionen: 1. sich gedulden 2. das Pack in einem Stück überholen. Letzteres geht jedoch oftmals in die Hose, wenn der plötzlich auftretende Gegenverkehr den Fahrer dazu zwingt, spontan rechts einzuscheren. Dann kann es für den Konvoi durchaus eng werden. Und wenn dies auch noch öfters so passiert, kann ich jede Verärgerung darüber absolut nachvollziehen.

An dieser Stelle werden die verkehrstreuen Bürger vermutlich darauf hinweisen, dass dieser Umstand nur dem unzureichenden Mindestabstand geschuldet ist. Möglich, nur für die Kollegen mit der StVO unterm Kopfkissen ist der Bericht auch gar nicht gedacht. Er soll lediglich darauf hinweisen, dass große Konvois einem Güterzug ähneln, dass diese ein schwerfälliges Gebilde darstellen und keinesfalls einfach zu handhaben sind. Zu Bikes, Music & More Volume 2 hatten wir über 600 Bikes im Konvoi, der letztlich fast 10 Km lang war, weil alle fuhren wie sie lustig sind, obwohl seitens der Rennleitung bereits im Vorfeld angesagt wurde, man möge doch bitte nebeneinander fahren.

An dem Thema werden sich immer die Geister scheiden. Doch so selten wie es auf deutschen Straßen zu derartigen Konvoifahrten kommt, sollte der Einzelfahrer sich doch gegenüber der schwerfälligeren Masse einfach etwas zurücknehmen und etwas mehr Verständnis zeigen. Übrigens, es ist sogar bei den Kradmeldern der Rennleitung absolut akzeptiert, dass die Clubs dicht an dicht fahren. Denn je schneller diese wieder von der Straße sind, desto weniger Gefahrenpotential gibt es. Ein Gefahrenpotential, dass i. d. R. durch Verkehrsteilnehmer ausgelöst wird, die nicht im Konvoi mitfahren, so meine konkreten Erfahrungen etlicher gemeinsamer Ausfahrten mit mehr als 50 Bikes.

Für mich ist vollkommen klar; sich in einen geschlossenen Verband hinein zu drängeln ist ein No go. Es würde mich arg wundern, wenn es jetzt zu keinen Diskussionen im Fratzenbuch kommt. Doch kommt mir jetzt nicht mit blauen Flaggen oder irgednwelchen Anmeldevorschriften.

Merke: Beim nächsten längeren Konvoi denkt vorher darüber nach, was ihr tut.

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und Member im BTBW MC Bremen. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst.