Der Bodensatz: Ein visueller Rundgang durch Bremen!

Sehr lange habe ich hier im Magazin nicht mehr über das Projekt Der Bodensatz – Biker & Friends helfen Obdachlosen berichtet. Ganz ehrlich, ich habe irgendwann gemerkt, dass zwar jede Menge Leute zu den Inhalten ihre Kommentare abgeben, doch für die aktive Arbeit auf der Straße hat es kaum etwas gebracht. Die Soliausfahrt nehme ich da explizit aus dem Spiel. Das war rund.

Nun, es geht auf Weihnachten zu und jetzt naht die Zeit, in der viele wieder ihr gutes Herz entdecken, etwas anschieben, um das Thema nach Heiligabend erneut zu vergessen. Wie ich dazu stehe, ist bekannt. Fucking Bullshit, wenn das Image im Fokus steht. Und das tut es bei den meisten Einzelaktionen, was man u. a. daran festmachen kann, dass so gut wie nichts Inhaltliches über den Aspekt Obdachlosigkeit ausgesagt wird, sondern es fast immer nur um gegenseitige Lobpreisungen geht.

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Warum der Bericht heute?

Dieses konkrete Thema stelle ich ein, weil der Ansatz dazu von einem Obdachlosen selber kam. Harald, uns mittlerweile ein guter Ratgeber und mit unseren Aktionen bestens vertraut, machte beizeiten das Angebot, dass wir von Der Bodensatz mit ihm gemeinsam mal einen Rundgang zu den Platten und Einrichtungen machen, um uns von den Verhältnissen und Ansprechpartnern vor Ort selber ein Bild zu machen. Das haben wir gerne angenommen. Treffpunkt war der Bremer Hauptbahnhof.

Ich fahre diese Nummer als einen visuellen Rundgang, so wie wir mit ihm live unterwegs waren und gebe unter den Fotos ein kurzes Statement dazu ab.

Step 1:

 

 

Hier entsteht direkt gegenüber dem Hauptbahnhof ein neues Einkaufszentrum. Die Polizei ist omnipräsent. Das Ziel ist u. a. den Vorplatz von der Szene zu säubern. Es gilt Konsum vs Obdachlosenszene. Es ist offensichtlich, dass die Obdachlosenszene einem attraktiven Stadtbild entgegen steht. Als Ausweichplatz soll am Loyd-Tunnel ein Areal entstehen, welches ich kritisch bewerte. Dazu unter Step 4 mehr.

Step 2:

 

Der Elefant im Nelson Mandela Park hinter dem Loyd-Tunnel. Hier sammelt sich oftmals die Berberszene und es finden gelegentlich am Elefanten Benefizaktionen statt. An diesem Punkt soll in 2019 eine Wasserentnahmestelle für Obdachlose entstehen. Das Thema stand bereits auf der Agenda und wurde verschoben. Es ist ein persönliches Anliegen von Harald, welches er mit viel Herzblut verfolgt.

Step 3:

Dieses Teil ist die Idee von einem Bremer Streetworker und wird in der Szene „Der Sarg“ genannt. Er wird als Schlafstätte genutzt, hat aber nur eine Öffnung. Äußerst suboptimal, was den Aspekt Sicherheit anbelangt. Ich möchte da nicht dauerhaft drin liegen müssen. Aber in der Not……..

Step 4:

In diesem eingezäunten Bereich soll in 2019 der Ausweichplatz bzw. Unterstand für die Obdachlosen entstehen. Er liegt vor dem Loyd-Tunnel neben einem Hotel und bietet dann Toiletten, Dusch- und Waschgelegenheiten, ist aber nur bis 16.00 Uhr geöffnet. Das ist m. E. zu kurz gedacht. Zudem stelle ich mir die Frage, wie der sehr kleine ebene Bereich ausreichen soll. Planierungsarbeiten kann ich mir im schrägen Teil kaum vorstellen. Auf den Pfeilern liegt die Last des Fußgängerübergangs und direkt daneben ist die Eisenbahnbrücke, Das Projekt wird in der Szene kritisch gesehen. Betreiber ist die Innere Mission. Man darf gespannt sein!

Step 4:

Der ABC-Bunker am Hauptbahnhof wurde bis in die 70er Jahre als Notunterkunft für Obdachlose genutzt. Nun steht er nahezu leer, wird aber regelmäßig im Rahmen von Führungen aufgesucht. Keine Ahnung, was da unten alles möglich wäre und ob es eine Option im Heute sein könnte. Meine Intuition sagt mir, dass man dieses Areal mal aktuell überdenken sollte.

Step 5:

Die Präventionsstelle Comeback für Drogenabhängige befindet sich neben der Diskothek Shagall am Rembertiring.

Step 6:

Ebenerdig im Siemenshochhaus in der Straße Auf der Brake gegenüber dem Comeback residiert das Café Papagei der inneren Mission. Rechts daneben im ersten OG befinden sich Notunterkünfte für Obdachlose, der Eingang ist ebenerdig.

Step 7:

Das Swiss Hotel in der Bahnhofstaße veranstaltet jedes Jahr ein Xmas-Event für Obdachlose, aber nur für die der Bahnhofstraße. Harald merkte auf meine Nachfrage an, dass sie die tatsächlich alle kennen.

Step 8:

Direkt neben dem Hauptbahnhof wird das neue Polizeirevier entstehen, in dem auch die Bundespolizei einziehen wird. Ich kann mir kaum vorstellen, dass dann die Akuthilfen, die aktuell direkt gegenüber bei gutem Wetter Ihre Aktionen fahren, dann noch geduldet werden. Wäre schön, wenn ich mich täusche! Aber ich bin mir sicher, dass die Stadt nicht einerseits 15 neue Ordner zur Überwachung der Obdachlosen einstellt, um dann eine lange Schlange am Überseemuseum zu dulden. Das wäre ein kompletter Widerspruch gegenüber den städtebaulichen Planungen und Zielen.

Step 9:

 

Kommen wir zum Eingemachten. Das ist eine der Rampen im direkten Gleisbereich der DB. Bis vor wenigen Wochen waren auf der Rampe etliche Biwaks von Obdachlosen angesiedelt. Das Areal wurde geräumt, Buten & Binnen hat darüber berichtet. Der vordere Teil ist bereits eingezäunt.

Step 10:

Der hintere Teil ist noch frei. Aktuell befindet sich noch ein Biwak dort. Das dürfte in Kürze erledigt sein. Optionen für die Leute gibt es nicht. Man überlässt sie ihrem Schicksal!

Step 11:

Das wird alles platt gemacht. Hier entsteht ein neues Hotel sowie der neue ZOB.

Step 12:

In diesem Wohnwagen leben drei Rumänen, die regelmäßig die Akuthilfe von der Bodensatz aufsuchen. Einer lud mich in den Wohnwagen ein. Ein fürchterlicher Anblick. Nachts gehen da die Ratten durch, die Knabberspuren kann man am Holz bereits erkennen. Das ist die absolute Armut. Ja ok, sie saufen und nehmen vermutlich auch Drogen, aber so sollte ein Mensch nicht leben müssen. Egal, ob er Deutscher ist oder nicht!

Step 13:

Gleich um die Ecke vom Wohnwagen befindet sich das Aussteigerdorf. Keine Obdachlosen, das Areal ist legal gepachtet. Hier dominiert die linke Szene. Einfach so reingehen sollte man nicht. Die Obdachlosen wissen das!

Step 14:

Dies ist das Papageienhaus, welches bis vor wenigen Jahren als Obdachlosenunterkunft betrieben wurde. Es ist leer und soll verkauft werden. Das Gebäude gehört der inneren Mission, das Grundstück der Stadt. Dort haben wir zweimal auf dem unteren Parkplatz unsere Aktionen gefahren, bis man uns dieses verweigert hat.

Step 15:

An dieser Stelle gegenüber dem Papageinehaus, haben die Biwaks der Obdachlosen gebrannt. Der Vorfall hat zu Spekulationen geführt, weil des Nachts nicht ein einziger der Obdachlosen dort anwesend war. (Ende des Rundgangs).

Fazit!

ich bin kein Politker,  denke vermutlich zu flach, aber bei dem Rundgang mit Harald habe ich für mich festgestellt, dass es sehr wohl Optionen gibt, wo zum Beispiel die privat geführten Akuthilfen wenigstens für eine Weile, wenn nicht sogar für Jahre, unabhängig vom Wetter, ihre Hilfsangebote darstellen können. Meines Erachtens setzt es nur den politischen Willen voraus. Aspekte wie Versicherung & Co lassen sich regeln. Doch insbesondere das privat geführte Ehrenamt wird in Bremen komplett ignoriert.

Wenn sich lokale Politiker überhaupt bei den Privaten sehen lassen, bekommt man sehr schnell das Gefühl, dass es i.d.R eher darum geht, sich ein soziales Image zu verpassen. In der Akuthilfe auf der Straße kenne ich jedenfalls nur einen Mann, der regelmäßig mit anpackt. Mit der Armut von Menschen wird Kohle gemacht. Der Umsatz des Paritätischen Verbandes in Bremen erreicht alleine zweistellige Millionenbeträge. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum man nicht auch auf uns zugeht, um gemeinsam Lösungen zu finden.

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Nehmen wir zum Beispiel den Raum unter dem Antikolonialdenkmal. Dort finden Führungen statt, das Ding ist sauber, der Platz in der Obdachlosenszene etabliert. Warum spricht man nicht darüber, ob hier eine Option besteht Akuthilfen solange anzubieten, bis sich ggf. die Verwendung für den Raum ändert. Ich kriege das nicht in meine Birne. Wir werden mit unserer Arbeit das System keinesfalls ändern. Wir können nur versuchen mit der Direkthilfe einigen Obdachlosen etwas Augenhöhe, Akzeptanz und Anerkennung zu geben. Warum wird das vom Staat nur dann unterstützt, wenn irgendwelche Verbände im Spiel sind. Die Antwort scheint klar. Lobbyarbeit eben!

In eigener Sache!

Es geht auf den Winter zu. Mit unseren wenigen Leuten wird es äußerst schwierig, die Akuthilfe im Winter dauerhaft jede Woche anzubieten. Wenn es so arg wird wie in 2017/2018 dann tun wir das aber erneut. Bisher finanzieren unsere Aktiven die Speisen und Getränke meistens aus eigener Tasche, aber dauerhaft kann das nicht verlangt werden. Ja, auch wir brauchen Kohle, noch ist etwas Geld auf dem Konto. Vieles muss angeschafft werden.

In manchen Gruppen wird fast schon regelrecht um einen Support gebettelt, das tue ich mir aber nicht an. Von daher würde es uns sehr freuen, wenn ggf. der ein oder andere mal sein Kleingeld auf unser Konto packt. Und wenn er sehen möchtet, was damit passiert, kann er uns gerne in der Akuthilfe nach Vorankündigung besuchen.

Bankverbindung:

IBAN: DE10280501000091682526
Empfänger: Der Bodensatz
Verwendungszweck: Spende Bodensatz

Video Buten & Binnen!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.