Leserbrief: Zum Thema Biker& Benefiz!

Hilfe, die Schweizer rücken uns auf die Pelle!

Das finde ich jetzt echt mal cool. Mittlerweile verbreitert sich unsere Leserschaft auch in anderen deutschsprachigen Ländern. Nicht dominant, aber immerhin beständig. Und anscheinend steigen die Kollegen auch etwas tiefer bei mir ein. Kevin muss das jedenfalls getan haben, denn sein heutiger Leserbrief bezieht sich auf ein Thema, dass ich bereits vor geraumer Zeit eingestellt habe: Das Gutmensch-Gehabe.Passt ja zur Xmas-Time wie die Faust aufs Auge.  Ok, was hat er uns zu sagen.

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Leserbrief!

Hi Obelix
Ich bin neulich beim Surfen auf einen wirklich hervorragenden, sozusagen mit „Rocker-Feingefühl“ geschriebenen, kritischen Beitrag von dir zu Biker-Benefizen gestossen: http://bikesmusicandmore.com/benefiz-das-gutmenschen-gehabe/.
Also Wohltätigkeitsevents im Bikerbereich, bei denen Spenden für irgendwelche wohltätige Zwecke gesammelt werden (mittlerweile kann man wahrscheinlich auch die Albino-Stachelschweinpopulation im west-nord-östlichen Amazonasgebiet unterstützen). Denn wie von dir festgehalten gibt es bekanntlich „Benefize und Benefize“. Also solche Veranstaltungen, bei denen nicht nur der gemeinnützige Zweck im Vordergrund steht, sondern auch Uneigennützigkeit (die würde nämlich definitionsgemäss und zwingend zur gemeinnützigen Handlung dazugehören). Oder aber solche, die lediglich PR-Zwecken dienen, ja, der Veranstalter mitunter sogar in allererster Linie Profit anstrebt.
In diesem Sinne möchte ICH dieses Jahr; ist ja schon wieder Advents-, d.h. Spendenzeit, einen Beitrag zum Thema „Gutmenschen“ leisten. Und ich meine auch etwas dazu zu sagen zu haben, denn ich gelte beim vorliegenden Thema im deutschsprachigen Raum schlicht als DER Experte, sage ich mal unbescheiden.
Geht um diese Spendensammler, die tagein- tagaus auf den Strassen und vor Haustüren die Leute nerven – doch sicher alle schon mal gesehen? Was leider immer noch ein Teil der Bevölkerung nicht weiss: Diese Sammelaktionen werden in den meisten Fällen gar nicht von den Hilfsorganisationen selbst durchgeführt, sondern von diesen beauftragten kommerziellen Sammelfirmen, sogenannten Fundraisingagenturen. Natürlich nur gegen Bezahlung. Und wie!
Was nämlich kaum jemand weiss: Heute gehen bei solchen, sich konstant verteuernden Aktionen, bei denen regelmässig spendende Mitglieder gesucht werden, die ersten zwei bis drei Jahresspenden an die Sammelfirmen! Wisst ihr, wie die Spendensammler in vielen englischsprachigen Ländern heissen? „Chuggers“; ein Wortspiel aus „Charity“ = Wohltätigkeit und „Mugger“ = Strassenräuber. Und das sind sie auch: Wohltätigkeits-Strassenräuber.
Denn sie erhalten ja von ihren Arbeitgebern ebenfalls eine Art illegitimen „Profit“, nämlich in Form von Prämien – falls sie extra-viele Neuspender finden. Deshalb arbeiten die Wohltätigkeits-Strassenräuber auch mit allen möglichen Tricks, also z.B. beim Angesprochenen „Ja’s“ abholen, bzw. Fragen stellen, die man gar nicht verneinen kann, wenn man kein Unmensch sein will. „Kennst du Amnesty International?“ – „Ja“. „Dann weiss du, dass sich Amnesty für die Menschenrechte einsetzt?“ – „Ja“. „Findest du das gut?“ – „Ja“. „Dann würdest du den wertvollen Einsatz von Amnesty sicher mittels einer Mitgliedschaft unterstützen?“ – „Ja“.
Nun mag eine solche Vorgehensweise ja gerechtfertigt sein, SOFERN es dem Sammler auch um den guten Zweck geht. Dem ist aber nicht so, denn macht sich nicht ein gewisses „Gschmäckle“ auf der Zunge breit, wenn man nun eben weiss, dass der Sammler den „guten Zweck“ lediglich als „Verkaufsargument“ benutzt, um eine möglichst hohe Provision einzustecken? Und natürlich auch sein hinter den Aktionen stehender Arbeitgeber, eben die Spendenfirma, einen möglichst hohen Gewinn anstrebt (die Sammelagenturbesitzer sind alles Multimillionäre)? Also ich verspüre da sogar ein ziemlich kotziges Gschmäckle.
Noch deutlicher wird die Unverfrorenheit solcher Institutionen, wenn man dann mal „Nein“ sagt. Denn dann bekommt man bspw. zu hören (natürlich mit geschockter Miene vorgetragen): „Ja aber findest du es denn nicht wichtig, hungernden Kindern in Afrika zu helfen?“ – „Äh, äh, d-d-doch, eigentlich schon“. Klarer Fall von schlechtem Gewissen einreden, bzw. emotionalem „Druck“ ausüben – deshalb werden solche Sammelteams auch immer öfter „Drückerkolonnen“ genannt, so wie die Hausierertrupps, die einem vor der Haustüre bspw. Telefonverträge aufzuschwatzen versuchen (genauer gesagt sind mir die sogar noch lieber, denn dort ist viel klarer, dass es um Kommerz geht). Verständlich also, dass die Leuter immer verärgerter reagieren und das verheerende Image solcher Hilfsorganisations-Drückerkolonnen je länger, je mehr auf die Non-Profit-Organisationen selbst abfärbt. Es wäre i.d.S. sogar in deren Eigeninteresse, mit diesen Nonsens-Zusammenarbeiten endlich aufzuhören, und – wenn schon – die Sammlungen selbst durchzuführen.
Fazit: Hier wird nichts anderes als Big Business unter dem Deckmantel der guten Sache betrieben; „Profit mit Non-Profit“ – ein kompletter Widerspruch. Denn aus irgendeinem Grund heisst es ja NON-Profit-Bereich – da sich eben Gewinn, respektiv Profit im gemeinnützigen Bereich nicht rechtfertigen lässt: Es geht nicht um mich, sondern um den anderen, Hilfsbedürftigen! Der Sinn von gemeinnütziger Arbeit wird hier genau genommen geradezu „pervertiert“.
Nochmal: Mir ist jede normale Firma im kommerziellen Bereich, die nicht alles dem Gewinn unterordnet, sondern sich um echte Redlichkeit bemüht, bspw. ihren Mitarbeitern einen anständigen Lohn zahlt, ihre Kunden fair behandelt und nachhaltig wirtschaftet, 100 x lieber als solch unerträgliches Geschleime. Aber es kommt ja eben noch etwas dazu bei diesen Spendenclowns. Da nämlich die meisten Leute schon gar nicht mitmachen würden, wenn sie wüssten, dass hinter den Sammelaktionen profitorientierte Firmen stecken, sind die Wohltätigkeits-Strassenräuber ja regelrecht gezwungen, vorzutäuschen, sie seien Hilfsorganisationsmitarbeiter – oder sogar Ehrenamtliche! Dabei sollte doch nicht nur Selbstlosigkeit, sondern auch Ehrlichkeit eine Selbstverständlichkeit sein im Hilfsorganisationsektor! Kurz: Dieses System geht gar nicht auf! Ich verstehe i.d.S. nicht, warum die Hilfsorganisationen das überhaupt je zugelassen haben. Genauer gesagt tragen diese als Auftraggeber eh den Grossteil der Verantwortung – die Aktionen finden schliesslich in ihrem Namen statt.
Jedenfalls: Wer beim nächsten Mal an so einem Stand vorbeigeht oder sogar das Pech hat, dass plötzlich ein Sammler dieser Art vor der eigenen Türe steht: Bitte an diesen Beitrag denken. Wer sich im Übrigen noch genauer informieren will zum Thema, der führe sich bspw. das aktuelle Interview mit mir bei der „Stimme“ zu Gemüte: http://www.stimme.de/heilbronn/nachrichten/region/Vertrauensmissbrauch-der-Hilfsorganisationen;art16305,3747115
Und trotz diesem womöglich auf den Magen schlagenden Beitrag: Frohe Festtage to all of you!
Kevin (Ende Leserbrief)

Da sage ich doch mal herzlichen Dank für den durchaus erhellenden Beitrag, obwohl mir vieles davon bereits bekannt war. Achtet einfach ganz genau darauf, wem ihr eine vermeintliche Spende in die Hand drückt. Oder kommt doch einfach mal bei den Aktionen von „Der Bodensatz – Biker helfen Obdachlosen“ vorbei und schaut euch live und in Farbe an, was wir dort machen.

Rechtliche Anmerkung: Für den Inhalt von Leserbriefen übernehmen wir keinerlei Verantwortung. Bei mitgelieferten Fotos gehen wir davon aus, der Leser besitzt die Veröffentlichungsrechte.

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.