Aus anderer Perspektive betrachtet!
Selten äußere ich mich zum Aspekt der Freiheit. Ich bin zwar kaum um Worte verlegen, aber bei diesem Thema fällt es mir in der Tat schwer, mein eigenes Standing zu formulieren. Gestern aber hatte ich auf Facebook dazu einen Post gesetzt. Der Impuls kam durch eine Video-Message von John Blueyeys, vor einigen Jahren Organisator der Motorraddemos in Nürnberg, der auf die Motorraddemo des BVDM e.V. am kommenden Samstag hinwies, die sich gegen die Sperrung der Sudelfeld-Strecke auf der B 307 für Motorradfahrer (125er ausgenommen) richtet und deren Demoverlauf genau über diese Strecke führt.
Freiheit braucht Protest!
Karre fahren, den Wind im Haar, unseren Alltagsstress vergessen, eins sein mit dem Hobel. Das sind oftmals die Aspekte, die uns zuerst einfallen, wenn wir an die Freiheit denken. Doch in einer Zeit, in der unser Staat auch die Bikerszene immer stärker und fortwährend mit Verboten belegt, können meine Touren mich nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass von der Freiheit im eigentlichen Sinne nicht mehr sehr viel übrig ist.
Als der parlamentarische Rat in 1948 unser Grundgesetz vorbereite, war es ihm aufgrund der vorherigen Erfahrungen imbei denenritten Reich sowie der Weimarer Republik ein elemenares Anliegen, dass sich der Staat so weit wie möglich aus den Belangen der Bürger heraushält und nur die Dinge regelt, die unerlässlich sind und wo die Bürger selbst nicht in der Lage sind, einen gesellschaftlich tragbaren Kompromiss herbeizuführen. Wenn man dieses Anliegen zum Maßstab nimmt, sind auf dem Altar der Freiheit nur noch Krumen übrig, um die wir uns nicht selten derart balgen, als gebe es keinen Morgen mehr.
Leider stelle ich für mich fest, dass wir dieses zu einem großen Teil selbst zu verantworten haben. Es fehlt eine nachhaltige Protestkultur, die Bereitschaft, sich im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten gegen derartige Verbote aufzulehnen. Zu oft dominiert der Gedanke, dass man es ohnehin nicht ändern kann. Dieser Gedanke hat sich derart manifestiert, dass wir auf viele Instrumente verzichten, die vom Staat jedoch vorgesehen sind, damit wir uns eben nicht willenlos dem jeweiligen Zeitgeist hingeben und unseren Unmut klar zum Ausdruck bringen. Und das alles legal und ohne, dass wir per Gesetz mit Nachteilen zu rechnen haben.
Protest als Selbstzweck?
Mitnichten! Viele staatliche Maßnahmen sind sinnvoll, viele aber eben nicht, vor allem dann, wenn der Staat entgegen dem Individualitätsgrundsatz dem einzelnen Übeltäter dadurch auf dem Leib rücken will, in dem er die gesamte Motorradcommunity in Kollektivhaftung nimmt. Die Streckensperrung auf der B 307 ist Kollektivhaftung in Reinkultur. Wir können aber auch über jede andere Streckensperrung oder das Insignienverbot reden.
Klar wissen wir, dass manche Mopedfahfer wie die letzten Säue unterwegs sind, unnötig Unfälle verursachen, dennoch sind es Minderheiten. Insofern ist es völlig richtig, dass man am Samstag auf der B 307 dagegen protestiert und sogar genau die Strecke befährt, auf der man nicht fahren darf. Sowas ist eben beizeiten notwendig, nur reicht es nicht, wenn eine kleine Schar der Willigen sich daran beteiligt. Da sollten Massen anrücken und sich als starke Gemeinschaft präsentieren, gerade jetzt, wo klare Zeichen erkennen lassen, dass die bisher angelegte Klima- und Verkehrswende neu gedacht wird, da man erkannt hat, dass der bisher rigide Kurs real nicht zu halten ist.
Widerspruch ist legitim!
Wir können auch über alle anderen Bereiche sprechen, da wo der Einzelne gefordert ist, zum Beispiel seinen Protest durch seinen Widerspruch auszudrücken. In fast allen Bereichen sieht es die Rechtsordnung vor, oftmals mit aufschiebender Wirkung. Man muss nicht mit der Polizei reden, wenn man es nicht will, man muss nicht die Entscheidung der Stadt akzeptieren, wenn man es nicht will. Doch allzu oft wird darauf verzichtet, seinen Unmut zu äußern, weil man glaubt, machtlos zu sein. Und je mehr Bürger das denken, desto weniger schaffen wir es starke Gemeinschaften zu bilden, obwohl wir klar erkennen, dass auch der Protest des Einzelnen von einer Mehrheit oftmals anerkannt wird. Stattdessen gibt man sich den Che Guevara im Netz, vermutlich eine Art der Kompensation der eigenen Passivität.
Das alles kann man jetzt auf ganz alltägliche Vorkommnisse übertragen. Der Polizist klärt mich nicht über meine Rechte auf, man hält aber schön die Schnauze, obwohl das ein Rechtsgrundsatz ist, der Vermieter rechnet die Nebenkosen völlig falsch ab, man hält schön die Schnauze, um den Hausfrieden nicht zu gefährden, die Krankenkasse verweigert dir berechtigte Leistungen, man hält die Schnauze, um ja keinen Ärger zu bekommen, man fährt die Demo nicht an, weil da könnte die Rennleitung stehen und ein Bußgeld erheben.
Letztlich geht es doch immer nur darum, dass man seine Ruhe haben und nicht anecken will. Okay, auch das ist eine persönliche Entscheidung, aber das sind alles Dinge, die dazu führen, dass wir viel zu oft über Freiheit reden, als uns dafür gerade zu machen, damit sie nicht auf allen möglichen Wegen immer weiter beschnitten wird. Doch ab und zu muss man eben auch Risiken eingehen.
Protest nur um des Protetes willen meine ich nicht, das ist Schwachsinn. Ich rede hier von all den Aspekten, die uns der Rechtsstaat als legitimes Mittel des Widerspruches an die Hand gegeben hat. In diesem Sinne am Samstag ab zur Demo und ein klares Zeichen setzen. Und wer mir jetzt damit kommt, dass die Strecke doch gesperrt sei, der gehört vermutlich zu denjenigen, die eben nicht bereit sind, mal ein persönliches Risiko einzugehen. My 5 Cents.
„Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, verliert am Ende beides“ (Bejamin Franklin)
Demolink: https://www.facebook.com/bvdm.de