Seltsam, wo Rocker derzeit mehr als befürchten müssen, nicht einmal mehr ihre Kutten tragen zu dürfen, siehe Berlin und Holland, sind sie in den letzten Jahren für die Werbe-Industrie immer interessanter geworden. Obwohl als Mitglied einer Subkultur am Rande der Gesellschaft lebend und nicht gerade mit einem hoch seriösen Status aus Verbrauchersicht behaftet, dienen sie für Mainstreem-Produkte und Dienstleistungen für Käufer aus der Konsum-Mitte als optimales Werbe-Objekt. Und das durchaus erfolgreich. Auf den ersten Blick scheint dieses einen Widerspruch darzustellen, doch bei genauem Hinschauen erweisen sich die Promotion-Strategien der Agenturen als absolut sinnvoll.
Warum?
Nun, in der Werbung geht es primär darum, ein Produkt positiv und auffällig darzustellen, um eine möglichst hohe öffentliche Wahrnehmung zu erzeugen. Je mehr Verbraucher das Produkt kennen, desto höher ist in der Regel der Absatz. Denkt mal zurück an die Kampagnen der LBS Bausparkasse, in der erstmalig ein Biker die Haupt-Figur in den Werbe-Spots darstellte . Bausparverträge gelten ja nun nicht gerade als ein lebendiges Produkt und Banken waren bis dahin auch eher auf den üblichen langweiligen Werbe-Pfaden unterwegs. Seriösität ist alles! Nun schienen jedoch die erprobten Werbe-Rezepte langsam verkocht zu sein.
Auf der Suche nach neuen Strategien entdeckte man für sich die Biker. Nicht gerade eine klassische Zielgruppe von Banken, sollte man meinen. Doch eines war klar: der in Leder gekleidete Rocker fällt auf, er polarisiert und sorgt dafür, dass der Verbraucher die Werbung intensiver aufsaugt. Diesen Effekt können wir an sich alle selber nachvollziehen. Erinnert euch nur einmal an die vielen Gaffer mit Handy in der Pfote, die euch bei der letzten großen Ausfahrt am Straßenrand oder aus dem Auto heraus abgeknipst haben. Ihr seid eben nicht 08/15! Und wenn selbst solche Leute so ein Produkt gut finden, dann sollten wir uns die Bauspar-Angebote, die Bratwurst oder den Grill doch mal etwas näher anschauen. Die Kampagnen wurde mehrfach neu aufgelegt. Top erfolgreich!
Es geht ausschließlich darum Aufmerksamkeit zu erzeugenn. Selbst vermeintlich negative Aspekte werden eingesetzt. Das Motto: „Any PR are good PR“. Als das Unternehmen Benetton fast vor dem Aus stand, wagte man mit einer radikalen Kampagne den wohl letzten offensiven Schritt in Richtung Klassenerhalt. Man sah plötzlich Plakate von Benetton, auf denen jüdische Insassen in einem KZ neben den Benetton-Klamotten abgebildet waren. Diese Werbung erzeugte einen Sturm der Entrüstung. Ethisch mit Sicherheit zu Recht, aber die Absatz-Zahlen ginden danach wieder bergauf und Benetton ist immer noch auf dem Markt. Der Zweck heiligt also die Mittel. Heute würde das Unternhmen so sicher nicht mehr agieren, aber damals hatten sie quasi keine andere Wahl und auch nix zu verlieren, da die Geier bereits über der Zentrale kreisten. Die Rechnung ging jedenfalls auf und das Unverständis der Verbraucher legte sich schnell. Im Gespräch bleiben!
Gerade jetzt läuft wieder ein TV-Spot, in dem es ums Grillen geht. Haupt-Figur ist „Jumbo“, bekannt aus RTL 2 und auch nicht gerade ein zierliches Rehlein, sondern eher der Typ „Kampf-Bomber“. Umringt wird er von einer Horde Rockern.
Die Message ist klar: Jumbo ist bekannt als Genießer und extrem guter Esser und die Rocker als skeptische Käufer. Passt doch wunderbar. Die Wurst muss also der Knaller sein?
Freddy aus Berlin ist sicherlich derzeit die Werbe-Ikone unter den Real-Life-Rockern schlechthin. Kein Wunder, entspricht er doch zu 100% dem Typus des coolen Mackers. Zudem besitzt er schauspielerisches Talent, was er unter anderem bereits in verschiedenen TV-Formaten wie dem „Tatort“ bewiesen hat. Die Nachfrage scheint hoch zu sein. Ich wurde ja auch schon einmal gefragt, ob ich mir eine Statistenrolle in einer Produktion vorstellen könne. Klar, warum nicht. Solange ich mich nicht zum Horst mache und die mir den Aufwand erstatten, bin ich dabei. Zudem hätte ich mal direkt aus dem Nähkästchen plaudern können. Auf die Frage nach weiteren geeigneten Protagonisten, nannte ich natürlich Freddy. Und was passierte? Er bekam die Hauptrolle und ich ging leer aus. Na toll! Grins…..
Ich glaube, wir werden auch in Zukunft immer mal wieder Rocker in der Werbung und bestimmten TV-Formaten sehen. Warum auch nicht, es ist ja nur ein Job! Man muss ja nicht für jeden Mist alles machen. Aber Angebot und Nachfrage bestimmen das Martverhalten und jeder muss sehen, wie er seinen Lifestyle finanziert. Zudem steckt in einer gut gemachten Werbung auch eine positive Message für die Szene. Ob das noch lange so möglich ist, bleibt abzuwarten. Denn wenn der Staat jetzt schon das alleinige Tragen der Kutte verbietet, folgt ja demnächst das Verbot, mit Rockern Werbung zu machen. Dann wären wir allerdings an einem Punkt angelangt, der mich an Zeiten erinnert, die ich gottlob nie persönlich erleben musste! Doch wenn so etwas auch nur ansatzweise passiert, dann müssen in der Tag alle auf die Straße und Werbung in eigener Sache machen! Und die wird wirken! Ganz sicher!



