Laut Medien droht ein Rockerkrieg!
Kurz vor dem Jahreswechsel wurde mit den Schüssen vor dem Lokal „Schweinske“ mitten auf der Reeperbahn auf Mitglieder des Mongols MC Germany ein Szenario erzeugt, dass bei genauer Betrachtung zu einem Flächenbrand ausarten kann. Und damit meine ich keinesfalls nur das mögliche Agieren der beteiligten Protagonisten aus der Rocker-Szene.
Dem Prinzip von Ursache und Wirkung folgendend, haben die Medien, allen voran die Mopo, nun ein Thema an die Hand bekommen, mit dem sie noch einmal fett zum Jahresende Kasse machen konnten. Das Schlagwort heißt Rockerkrieg, die Summe der Bezahl-Artikel stieg natürlich an. Bad News are good News in Reinkultur!
Normal berichten die Medien in der Regel über derartige Anlässe völlig überzogen, recherchieren kaum nach, lassen einfach die immer wieder selbigen Parolen und Mechanismen für sich arbeiten. Doch in diesem konkreten Fall, bleibt ihnen fast nichts anderes übrig. Diese Steilvorlage ist schon beachtlich. Denn Fakt ist, es gab eine Schießerei. Fakt ist außerdem, diese fand nicht auf irgend einem HInterhof statt, sondern mitten auf der Reeperbahn. Also in der Öffentlichkeit. Was könnte daraus folgen?
Gedankenspiele!
Mit dem Urteil des BGH über das Kuttenverbot, hatte die Exekutive in diesem Jahr eine empfindliche Schlappe erliten. Deren Konstrukt der kollektiven Handlungen fiel buchstäblich in sich zusammen. Es wurde erneut deutlich, dass polizeiliches Agieren keinesfalls immer auf rechtsstaatlicher Basis stattfindet, sondern oftmals eher dem Zweck dienend einfach durchgesetzt wird. Die Zornesröte der Inneminister und der Rennleitung kann ich heute noch bildlich vor mir sehen. Ein Erfolg für die betroffenen MC’s auf ganzer Ebene, durchgesetzt vom Bandidos MC Germany und seinen Anwälten.
Natürlich fühlten die sich brüskiert und vorgeführt. Und die Innenminister machten auch keinen Hehl daraus, dass sie weiterhin mit unverminderter Härte gegen die Onepercenter vorgehen werden. Null Tolleranz-Strategie eben. Nur dazu bedarf es einer polizeilichen Lage. Diese war an sich nicht gegeben. Bis dann irgendwann Hamburg in den Fokus geriet. Denn es wurde deutlich, dass sich dort auf dem Kiez etwas bewegt. Zunächst blieb es bei verbalen Schlagwörtern. Die Presse nahm es dankend an. Rein medial kündigte sich da bereits ein Konflikt an. Dann geschah der Mord an einem belgischen Hells Angel vor den Augen seiner Familie. Im konkreten Tatverdacht; die Mongols. Und nun halt die Schüsse auf dem Kiez.

Wenn ihr diese Grafik seht, geht es um staatliche Maßnahmen, Presse-News, oder Szene-Aktivitäten und deren Auswirkungen!
Ich versuche mich jetzt einmal in die Lage eines leitenden Beamten und seines zuständigen Innenministers hinein zu versetzen. Hierzu einige Stichworte: Reeperbahn – Öffentlichkeit – Touristen – Taxi-Fahrer – Szene-Lokal – Rockerkrieg – Medien-Echo – öffentlicher Druck- Kapitalverbrechen – Racheankündigung. Merkt ihr was? Das packen wir jetzt mal in einen Topf. Und nun überlegt euch selber, was ihr an deren Stelle machen würdet. Volle Attacke?
Der beteiligte Taxi-Fahrer hat gottlob nichts ab bekommen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er aus polizielicher Sicht erheblich gefährdet war. Und genau dort wird die Polizei ansetzen. Zudem spielt der Aspekt Wiederholungsgefahr auch eine gewichtige Rolle, denn nun kommen die Parolen der Presse hinzu, die davon sprechen, dass dieser beginnende Rockerkrieg unter Beteiligung von Mongols aus Übersee stattfinden wird. Wenn die auch noch von Leuten aus der Szene gefüttert wurden, wäre das fatal. Aber schon die Videos im Fratzenbuch sprechen eine klare Sprache. Die Schmach des Transen-Videos nagt natürlich zusätzlich an den Emotionnen.
Leute, wenn dieser Nummer auch nur annähend so eskaliert, wie es die mediale Berichterstattung vermuten lässt, dann ist dieses meines Erachtens der ideale Nährboden für eine Verschärfung der Rechtsnormen, und damit der Wegbereiter für ein erneutes Kuttenverbot. Denn, wenn nun Member aus anderen Städten und sogar Ländern ihren Brüdern zu Hilfe eilen, um sich eine Battle zu liefern, dann werden die IM nachlegen. Dessen bin ich mir sicher.
In jedem Fall wären das gewichtige Instrumente, die der Argumentation der kollektiven Handlungsverantwortung sowas von Nachdruck verleihen werden, dass ich bei einem erneuten Verfahren um Kuttenverbote keinesfalls mehr sicher bin, dass die Richter unbehelligt von all den aktuellen Headlines ihr bisheriges Standing beibehalten werden. Dann wird das Eis extrem dünn.
Der Kiez hat seine eigenen Gesetze. Wer selber nicht im Millieu aktiv ist, kann nicht im entferntesten nachvollziehen, unter welchem Druck die Beteiligten dort stehen. Ich hoffe inständig, dass es nicht zu einer weiteren Eskalation kommt. Doch Optimismus sieht bei mir anders aus. Erschreckend, dass nun auch noch voll ins Horn geblasen wird. Daher darf man sich nicht wundern, dass die Rennleitung tanzt, wenn man sie zum Konzert einlädt.
In Zeiten, wo die Polizisten nicht mehr mit Fährrädern um die Ecke kommen, sondern schweres Gerät am Mann tragen, sollte man sich jetzt keine Tournee geben. Trefft euch besser im Probenraum und stimmt dort eure Instrumente. Mein Tipp!