Weitere Fortschritte!
Am letzten Sonntag haben wir die dritte Aktion von „Der Bodensatz – Biker unterstützen Obdachlose“ sauber und ordentlich über die Bühne gebracht. Dieses mal auf dem Parkplatz des Jakobus-Hauses in der Friedrich-Rauer-Straße, fanden sich bei noch recht angenehmen Temperaturen alle wichtigen Helfer pünktlich ein. Top, denn einige Obdachlose waren bereits deutlich vor dem offiziellen Start um 11 Uhr auf dem Gelände. Die hatten wohl Kohldampf.
Die Aufbau-Phase!
Statt des bisherigen Grillguts reichten wir eine leckere Erbsensuppe aus Maiworm’s Gulaschkanone. Christiane aus der Gruppe hatte die Connection für uns klar gemacht. Dazu gab es Fladenbrot und Toast, als Nachtisch selbst gebackenen Kuchen von Mareike. Heißgetränke fanden reichlich Abnehmer. Irgendwas muss Harald Maiworm und seine Lady angefixt haben, denn als ich das Essen abrechnen wollte, sagten beide nur „Lass stecken“. Wow, das kommt gut. Danke!
Im Laufe der Veranstaltung schlug plötzlich der Lokal-Politiker Michael Martin auf. Hä, die Politik kommt eigenständig auf uns zu? Grübel! Ich war und bin da äußerst skeptisch, doch der CDU-Mann aus dem Bereich Soziales stellte sich korrekt vor und zeigte ernsthaftes Interesse an unsereren Aktionen. Kurzerhand drückte ich ihm das Mikro in die Hand, damit er sich bei der Zielgruppe mal ebenso vernünftig vorstellt. Er nutze dies und setze sich danach zu den Obdachlosen zum Gespräch. Er musste sich einiges anhören, blieb aber sehr lange. Von ihm kein Gepose.
Impressionen!
Ein zweiter aus dem Beirat Bremen-Woltmershausen, Waldemar Seidler, hatte von der Aktion ebenfalls aus dem Fratzenbuch erfahren, war aber entweder leicht schüchtern oder wollte sich erst einmal einen Überbick verschaffen. Bei den Obdachlosen fand er jedenfalls nicht statt. Wie dem auch sei, ich habe beiden eindeutig klar gemacht, dass es uns nur um die Zielgruppe geht. Sollte irgendwas in Sachen Rocker/Biker verrutschen, unsere Aktionen dadurch erschwert werden, ist die Tür sofort zu und die Kollegen können gleich wieder gehen. Wir brauchen echte Untersützung! Kein politisches Kalkül!
Dieses mal war unser Wild Rock Project komplett am Start. Obwohl wir mit unserem neuen Drummer André noch keinesfalls eingespielt sind, haben alle mitgezogen. Und ich denke, die Nummer kam sehr gut an. In Zukunft mache ich mir aber Gedanken um die Technik. Mit unserem 4-Watt-Lautsprecher kannste moderieren, aber der Gesang kommt schon etwas schräg rüber, insbesondere wenn man in der Nacht noch auf einer Biker-Party war und kaum gepennt hatte.
Neue Erkenntnisse!
In Zukunft wird immer vor der Terminfestlegung für die nächste Aktion gecheckt, ob in der City ein verkaufsoffener Sonntag läuft. Das war Sonntag der Fall und daher die Resonanz etwas geringer. Die Obdachlosen sind dann in der Stadt und halten an ihren Plätzen die Hand auf, da die Bürger shoppen und das Geld lockerer als sonst sitzt. Zudem haben die Kollegen sehr früh ihre Amts-Kohle bekommen. Wir tendieren daher zukünftig zu dem dritten Sonntag im Monat, wenn die Brieftasche schon ziemlich leer ist.
Sonstiges!
Ich werde jetzt Spendendosen beschaffen, die mit unserem Layout gelabelt werden. Es bleibt halt doch das ein oder andere auf der Strecke. Man hat die Birne voll und denkt dann nicht an einfache Aspekte. An Spenden haben wir € 80,50 eingenommen. Unter dem Strich hat die gesamte Aktion keine € 100 gekostet. Damit kann man gut leben.
Die Zukunft!
Das wichtigste ist Beständigkeit. Diese ist vorhanden. Für Oldenburg haben wir nun die Zusage für Räumlichkeiten und werden dort demnächst auch aktiv sein. In Emden tut sich ebenfalls etwas. Das angedachte Spinnennetz fängt an zu wachsen. Die Obdachlosen bauen langsam Vertrauen auf. Die Zusammenarbeit mit Streetworker Jonas klappt prima. Er hat wegen der Baumaßnahmen am Schlachthof die Lokation Jakobus-Haus kurzerhand klar gemacht. Eine idelae Alternative zur Arena am Schlachthof.
Fazit!
Der Sachspenden-zufluss war sehr gut, vor allem mit vielen hochwertigen Sachen. Neue Gesichter der Szene sowie interessierte Bürger ließen sich blicken. Da die Obdachlosen-Szene männlich dominiert wird, brauchen wir für die Leute überwiegend warme Herrenbekleidung und Schuhe/Stiefel sowie Decken, Rucksäcke und Thermomatten. Hygienertikel sind immer gefragt. Der große Karton war leer.
Ich glaube, was den Kollegen zusagt ist die Tatsache, dass wir keinen missionarischen Auftrag haben und uns den Obdachlosen gegenüber völlig normal benehmen. Wir zeigen Interesse ohne zu belehren. Große PR-Maßnahmen gibt es nicht. Dadurch wird bei dieser sehr komplexen Szene Vertrauen erzielt.
Ein gebürtiger Saarländer, er ist bereits 25 Jahre auf der Straße, zeigte mir im Vorfeld seinen Verschlag und ließ mich sogar ein Foto davon machen. Das ist nicht selbstverständlich. Das bißchen Privatsphäre ist ihnen heilig.
- Steht direkt gegenüber des Jakobus-Hauses.
- Das ist wahrer Luxus für Obdachlose!
In 2017 wird es ein Benefiz-Konzert von Bodensatz geben. Das möchte ich gerne mit einem Biker-Run verbinden. Fraglich ist halt nur, wie Senator Meurer sich dazu aufstellt, wenn er erfährt, dass Kuttenträger sich dort engagieren. Er wird es aber sehr schwer haben uns abzukanzeln, da wir bis dahin bereits etliche Aktionen gefahren haben. Hier können ja die Lokal-Politiker ansetzen und uns das Leben leichter machen.
Ich bedanke mich persönlich bei allen, die unser Projekt am laufen halten. Kommuniziert es und teilt gerne diesen Beitrag. Es bringt neue Leute und damit mehr Power. Es sind alle willkommen, die ein echtes Interesse haben, uns zu unterstützen. Hesse sagt immer: „Nicht labern, machen!“ Für MC-Member gilt, ohne Juppe und nach den Rules von Bodensatz. Wenn wir merken, dass uns jemand vor seinen Karren spanne will, sind wir sturr.
Fakten-Check!
Das Jakobus-Haus, besser als Papageienhaus bekannt, war 25 Jahre Anlaufpunkt für die Obdachlosen. Träger ist die innere Mission, das Grundstück gehört der Stadt. Eine längst überfällige Sanierung hätte ca 2,5 Millionen Euro gekostet. Es bestand anscheinend kein Handlungsbedarf, das Objekt wurde verkauft und steht nunmehr leer.
Nun müssen die Leute in den Rembertiring. Es stellt sich für mich ernsthaft die Frage, warum man eine etablierte Immobilie für die Szene nicht erhalten hat. Sind die Obdachlosen keine 2,5 Mio wert? Darauf hätte ich gerne eine Antwort!
Noch etwas! Was mich in der Diskussion stört, ist die Vermischung mit der Flüchtlingslage, wobei man sogar feststellen muss, dass auch die braven Bürger vor 2014 sich nicht gerade mit pro aktiver Hilfe für Obdachlose überschlagen haben und plötzlich diese durch die Hilfe für Asylanten wieder in den Fokus geraten sind. Doch was ist, wenn dieses Thema plötzlich ad acta gelegt wird. Bodensatz bleibt!
Anfrage:
Für das Benefiz-Konzert in 2017 suchen wir Solisten oder Bands, die das Projekt unterstützen möchten. Wir zahlen keine Gage, über eine Aufwandsentschädigung kann man reden. Party-Biker Schwung von den Freeway Riders hat bereits zugesagt.
Video-Reportage über Peter!
http://multimedia.weser-kurier.de/draussen#38084
Foto-Galerie! ( Zum Vergrößern bitte anklicken)
Akustisches vom Wild Rock Project!
Talks!
Kontakt: www.facebook.com/groups/1520934951566238/?fref=ts
Fotos: Lars Petersen, Horst Krispien, Martina Maske












































