Kommentar: Der politische Rocker!

Die Rocker-Szene gilt im Allgemeinen als unpolitisch. Doch in den letzten Jahren wurde der Ruf nach einer poltischen Vertretung immer lauter. Es gründete sich zum Beispiel die Biker-Partei, die derzeit jedoch noch über keine nennenswerte Untersützung innerhalb der Szene verfügt und meines Erachtens unter den gegeben Voraussetzungen auch nicht erhalten wird. Da fehlen eindeutig klare Strukturen und konkrete Inhalte. Zudem vertritt diese Partei nur einen Teil der Szene.

Hier und da jedoch scherrt einer aus der Reihe und setzt eindeutige politische Signale. Nicht ohne Wirkung zu erzielen. Wie im Fall von Rezan, dem EX-HAMC-Member, der aktuell im Fratzenbuch als „Rezan the kurdish Patriot“ unterwegs ist. In seiner damaligen Video-Botschaft zum Bad Standing hat er konstatiert, dass sein aktuelles politisches Engagement ein Grund mit dafür gewesen sei, warum sich sein Charter von ihm getrennt habe. Auch der aktive Bandidos-Member Sascha Roßmüller wirft derzeit Fragen ob seiner möglichen Nachfolge als NPD-Vorsitzender auf. Seit Jahren ist er führend in der Partei aktiv.

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Was fällt mir dazu ein?

Nun, nirgendwo steht geschrieben, dass ein Rocker unpoltisch sein muss. Die Freiheit der Person gilt für alle Menschen und ich halte ein höheres poltisches Denken in der Rocker-Szene sogar für geboten. Wenn jedoch die eigenen poltischen Motive in den Vordergrund geraten und mit der Mitlgliedschaft in einem MC kollidieren, so entsteht für jeden Betroffenen ein Konflikt zwischen der Einhaltung der MC-Rules und der Wahrnehmung genau dieser Interessen. Einen solchen Spagat kann an sich keiner bewätligen. Zudem vertrete ich mit meiner eigenen persönlichen Meinung keineswegs die Gedanken und die Interessen meiner Club-Brüder. Ich habe an sich kein Problem damit, wenn ein Club-Bruder von mir nationalistisches Gedankengut vertritt, so lange er die Grenzen, Religionen und Autonomien anderer Nationen respektiert. Inklusiver Nationalismus ist vollkommen ok und wird von den meisten Bundesbürgern praktiziert. Das Aufstehen zur Nationalhymne bei einem Fußball-Länderspiel gehört genauso dazu, wie der persönliche Stolz über die eigene Herkunft. Wer dieses konkret formuliert, wird in unserer Republik jedoch vorschnell als Nazi tituliert. Wir schleppen halt immer noch den Balast aus der unrühmlichen deutschen Nazi-Diktatur mit uns herum.

In dem Moment jedoch, wo radikale und antisemitische Ziele verfolgt werden, hört bei mir der Spaß auf. Dieser Mann muss sich eindeutig zwischen der Memberschaft oder seinem poltischen Handeln entscheiden und sofern er dazu nicht in der Lage ist, muss der MC dieses halt für ihn tun. Vermutlich so im Falle von Rezan passiert?

Grundsätzlich gilt, dass MC-Member sich in allen Bereichen dem Bruderschaftsgedanken entsprechen müssen. Das bedeutet keineswegs, dass sie ihre poltische Einstellung aufgeben sollten, sie darf jedoch in keinster Weise dazu geeignet sein, den Club in Misskredit zu bringen. Rezan scheint die Kurdenfrage und die aktuelle Situation im Nahen Osten sehr am Herzen zu liegen. Das nehme ich ihm sogar ab. Sein persönlicher Einsatz dient dem Kampf für ein freies Kurdistan. Doch die Art und Weise der Darstellung halte ich für völlig kontraproduktiv. Immer wieder taucht auch der Name des HAMC in seinen Statements auf. Sorry, der Mann ist raus und insofern gibt es dazu keinen Grund, egal welche Anliegen Rezan zugetragen werden.

Ebenso halte ich die üblen Diffamierungen Rezan gegenüber, als auch teilweise seine eigenen Aussagen hinsichtlich konkreter Personen für keinesfalls zweckdienlich. Zu oft entsteht der Eindruck nach persönlicher Abrechnung mit ehemaligen Gefolgsleuten oder derzeitigen Gegnern. Der Ton macht eben die Musik. Das Kurdenproblem gerät dadurch klar in den Hintergrund und die Message verliert sich. Er sollte die derzeitige Aufmerksamkeit eher dazu nutzen, um unter den Gleichgesinnten Strukturen aufzubauen und klare poltische Ziele zu formulieren. Sein Statement muss für Jeden erkennbar sein. So macht man Politik! Alles andere gleicht eher einem persönlichen Rachefeldzug und wird früher oder später im Sand verlaufen oder Rezan persönlich schaden!

An dieser Stelle gebe ich mal wieder meinen Senf dazu!

Meine Kommentare stellen ausschließlich meine persönliche Meinung dar!

Gehen wir als Pendant zu Rezan mal auf Sascha Roßmüller ein. Dieser hat es bis in die Führungsriege der NPD geschafft. Sogar Wikipedia hat ihm einen eigenen Eintrag gewährt. Andererseits ist er Mitglied des Bandidos MC, also 1%er. Obwohl bereits seit den frühen 90ern politisch in der rechten Szene aktiv, scheint Roßmüller in seinem Club eine Akzeptanz für sein poltisches Handeln erzielt zu haben, ohne dessen Ansichten zu teilen. Die genauen Motive dafür kann selbstverständlich nur der Bandidos MC selbst beurteilen. Auch wenn ich seine politischen Anliegen in keinster Weise teile, so muss ich Roßmüller zumindestens einen professionellen Auftritt zugestehen. Seine Homepage ist umfassend und klar strukturiert, er bezieht sich ausschließlich auf inhaltliche politische Forderungen. Dabei wählt er einen höflichen und sachlichen Ton. Die Videos sind themenbezogen, er vermeidet Diffamierungen. Klar, als Führungs-Mitglied muss er dem Saubermann-Image entsprechen. Man merkt ihm jedenfalls an, dass er schon recht lange in dem Politik-Business und bestens geschult ist.

Die Mitgliedschaft im Bandidos-MC scheint auf den ersten Blick sehr konträr zu wirken, da sich der Bandidos MC als internationaler 1%er-MC aus Membern verschiedener ethnischer Herkunft rekrutiert. Auch für mich ist diese Parrallele nicht nachvollziehbar. Die NPD steht nun einmal für Ausländerfeindlichkeit. An dieser Stelle entstehen klare Widersprüche, es sei denn, Roßmüller hält sich dizipliniert an die Club-Rules, wofür sein Aufstieg in die Führungsreige seines Chapters ein Indiz liefert. Die genauen Hintegründe bleiben uns natürlich verborgen.

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Eine Errungenschaft der Subkultur Rocker ist nun einmal die Tatsache, dass wir Menschen mit anderen Meinungen und Ansichten nicht pauschal verurteilen und sie zum Teufel jagen. Sofern wir das Gefühl haben, dass der Mann zu deiner Seite immer um das Wohl des Clubs bedacht ist und alle Brüder respektiert, solange ist er in unserer Mitte willkommen. Wenn persönliche Motive jedoch der Club-Philosophie widersprechen, so muss dieses Konsequenzen haben. Das aber kann nur der MC selber für sich entscheiden. Er trägt ja auch die Konsequenzen. Als Schlusswort wähle ich eine Statement der Bandidos aus den USA:

„Your Brother is not always right, but he is allways your brohter!“

Hinweis: Auf Fotos und Links wurde verzichtet. Bei Interesse ab ins Netz!

Autor: Lars Petersen

Mitglied im DPV Deutscher Presseverband - Verband für Journalisten e.V. Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann, davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Steckenpferd? Texten. Zur Person? Vater und MC-Mitglied (1%er). Karre? 99er Harley Davidson Road King. KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden werden, sofern es sich nicht um bezahlte Aufträge handelt. Besonderes: U. a. Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst, Organisator der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings sowie Produzent vom Motorcycle Jamboree Journal. Ausrichter vom Rocker Talk 1 und 3.