Leserbrief zum Beitrag Freiheit!

Wenn ich den Mailaccount öffne und sich darin eine Mail von Störte 1%er befindet, dann weiß ich, der Mann hat mal wieder etwas zu sagen und das nicht zu wenig. So auch in diesem Fall. Störte äußert sich zu meinem Beitrag über den Aspekt Freiheit. Steigen wir direkt ein. Ach ja, Leserbriefe werden grundsätzlich nicht redigiert, die Veröffentlichung 1 zu 1 garantiert die persönliche Note.

Der Leserbrief!

„Hallo Obelix!
Deine Gedanken zur Freiheit möchte ich etwas ergänzen. Mir fehlt da der vielleicht wichtigste Aspekt. Das „Unterwegs“, da gehts doch drum?
Auch sehe ich da kein Dilemma sondern vielleicht für jeden eine persönlich andere Position…lets go…
„Der Begriff der Freiheit in der Mitte unserer Gesellschaft“, Hauptseminar viertes Semester Philosophie Grundstudium. Was übrig blieb war der Satz von Rosa Luxenburg, in Kurzform: Freiheit ist die Freiheit des Anderen. Soweit so gut, nur, diesen Gedanken weiter zu führen hieße eben alle Facetten dieses Oberbegriffs zu erörten. Das führt zu weit, das würde den Begriff für mich als Biker nicht schärfen sondern eher verwässern. Das Ding ist zu groß, zu vielfältig und zu ambivalent. Für den Biker in der Scene runtergebrochen. Freiheit und Motorrad … das passt!
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Doch ist das so?
Yep, wir kennen die Bilder. Geschickt kommerzialisiert, der Werbeträger schlechthin. Da wird ne Harley mit Freiheit und Abenteuer verbunden, mit fettem Panorama vom Monument Valley im Background. Der harte Magger käme schnell an seine Grenzen, wäre er nicht Teil einer komplett durchorganisierten Tour mit BBQ und Servicewagen. Wer es sich leisten kann soll es machen und sich freuen und frei fühlen. Das ist völlig ok, aber es bleibt eine Illusion.
Zuhause wieder auf dem Boden der Tatsachen, war es für alle eine geile Nummer, hat aber nullkommanix mit Freiheit zu tun, geschweige denn mit Abenteuer. Es war ein kurzer Ausflug aus der täglichen Routine, mit Netz und doppeltem Boden, Vollkasko versichert, garantiert hochglanzpoliert. Ein Urlaub, nicht mehr und nicht weniger…Freiheit Fehlanzeige aber es war schön!!!
Und weiter gehts: Wir alle kennen den wunderbaren Song von Kris Kristofferson (r.i.p.) Me and Bobby McGee, so grandios gesungen von Janis Joplin. Der Gedanke in den Lyrics: freedom is just an other word for nothing left to loose, kommt dem Begriff der Freiheit, dem Gefühl dem wir alle nachspüren dann doch so sehr viel näher, als das was man sich so etwas per Scheckheft kaufen kann.
Nichts zu verlieren zu haben…lasst das mal sacken…und jetzt packt sich ein jeder mal in dieses Bild. Was bleibt dann noch von dem Ideal Freiheit über? Es wird dünn, sehr dünn und bleibt auch hier nur Wunsch und Traum. Ach ja, es sind dann die Entschuldigungen, die Argumente wie Familie, Verantwortung, Gesundheit, Arbeit und und und, hier geht es um Existenzen, aber bitte, da hat die Freiheit bestimmt nichts zu suchen. OK! machen wir weiter.
MC, Kutte, Scene, Treffen und Partys. Von wegen Freiheit. Die Olady eines Rockers eines weltweit vertretenen MCs fragte mich mal. Störte! das mit eurem Begriff von Freiheit ist doch völlig bescheuert und komplett paradox. Wie geht das zusammen mit Hierachie, Befehl und Gehorsam, Clubrules und Colourdoktrin. Ihr könnt ja noch nicht einmal fahren wohin ihr wollt…das soll Freiheit sein?
Ohne weit auszuholen, meine Antwort: Ich hatte und habe die Freiheit, die Wahl, da mitzumachen und mich damit zu identifizieren. Das ist meine ureigenste Entscheidung und von keinem mir aufgezwungen. Meine Freiheit.  Und ich bewege mich mit Gleichgesinnten unter Gleichgesinnten. Die Regeln sind akzeptiert und eröffnen mir ungleich viele andere Optionen mein Leben in dieser Gesellschaft zu gestalten, fernab von althergebrachtem Zwang, Anstand und Moral. Ich erlebe Dinge, die andere nicht mal im Kino sehen.
Ja sicher, wer mal in gößerem Pack geschlossen durch die Gemeinde gedonnert ist, der kennt das unbeschreibliche Gefühl. Da wird aber Freiheit mit Macht, Geschlossenheit und Stärke verwechselt. Also wieder Fehlanzeige.
Da wäre noch Freedom is our religion! Ein Slogan, den sich ein großer MC hier in Germany auf die Fahne geschrieben hat. Doch der führt uns auch nicht weiter. Freedom! Da wird von einem amerikanischen absolut hierachisch geführtem MC in ihren Chartern der Freiheitsbegriff benutzt um im eigenen Interesse zu protestieren, zu demonstrieren für mehr Freiheit und weniger Kontrolle seitens des Rechtsstaats. (Insignienverbote u, Fahrverbote, ihr alle kennt die Gründe) Ich war selbst zweimal dabei.
Als ob sie sich jemals um die Befindlichkeiten anderer geschert haben. Auch hier wird der Freiheitsbegriff nach Gutdünken gebraucht und fast sinnverdrehend  zur Kolportage. Hilft uns also nicht weiter, bleibt also schlicht ein Slogan auf der gleichen Ebene wie der Verkauf einer US tour auf der Route 66. Ich muss jetzt mal einen dicken Absatz machen, sonst wird es Gesellschaftskritik.
Ich war und bin immer noch verdammt viele zehntausende Kilometer auf meinen Bikes, seit Jahrzehnten (50 Jahre!!), in der ganzen Welt unterwegs. On the road mit guten Jungs und Mädels (manchmal die viel besseren Biker!) auf endlosen Highways über Pässe und durch Deserts. Manchmal waren auch echte Pfeifen dabei (nie wieder). Ja da war ein Freiheitsgefühl, doch mit jedem Furz der irgendeinem Fellow quersaß schmälerte sich diese Art von Freiheit, oft bis zu dem Punkt das es gar nicht mehr meine Tour war, sondern die der anderen . Garniert mit den Befindlichkeiten, Wehwehchen und Launen unausgeglichener Zeitgenossen, denen ihre persönlichen Ansprüche wichtiger waren als ein gescheites Vorankommen. Da war der Wunsch wohl oft der Vater des Gedankens und ein in Selbstüberschätzung getroffener Start mündete im Scheitern. Zu weit die Etappen, zu schlecht das Wetter, zu anstrengend das Ganze…kurz um: große Schnauze und dann verkackt.
Anders herum, und das ist dann das Optimum an Freiheit on the Road: Ein guter Brother, Sister,Fellow anyway…was gibt es besseres. Wenn der Kopf stimmt, die Fähigkeiten sich zu einem Team ergänzen und die Synergien ein gegenseitiges Verlassen und Vertrauen bilden. Da sind wir schon ganz nah dran, an dieser grenzenlosen Freiheit. Da fällt auch mal ein falsches Wort nicht ins Gewicht, ein schräger Blick wird unwichtig. Gemeinsamkeit macht alles einfacher und über alle Backen strahlt man, so endlich am Ziel. Wer solche Gefährten hat, ist reich, sehr reich. Hier gehen tausend auf ein Lot. Schön, wenn es so funktioniert. Bedingung ist Geben und Nehmen und doch auch etwas Unterordnung, häh? schon wieder Anpassung? schon wieder Regel?
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Also auch nix mit Freiheit…aber es muß doch…yo Mann,( vielleicht nur für mich!?)… mach es mal alleine. Ohne Rücksicht nehmen zu müssen. Ganz auf dich allein gestellt. Nur deine Fähigkeiten, dein Kopf, dein Wille, dein  Ich. Freiheit wird weh tun, da könnt ihr euch drauf verlassen! Freiheit macht dich einsam. Freiheit wird hier zu deiner ganz persönlichen Fähigkeit alleine zu leiden, alleine zu Lachen, alleine sich freuen. Es ist ein Schatz. Ein Schatz den du mit niemandem teilen kannst, mit niemandem teilen musst. Keiner würde es verstehen. Das trägst du in dir. Das verschafft dir eine Position zur Betrachtung von Freiheit, aus der du jedes mal von neuem entscheiden kannst, wie weit du bereit bist deine Sache mit anderen zu machen. Wie viel bist du bereit von dir zu geben, ohne dich wieder in einen Kompromis zu verstricken. Rücksichtslos!, yes Sir! Es ist Charaktersache, wie ein jeder damit umzugehen vermag und nicht jedem gegeben. Anpassung und Wagnis haben hier keine Bedeutung mehr. Nur du zählst und nur du zahlst im Guten wie im Schlechten. Das ist MEINE Freiheit! Ich habe es oft so gemacht.
Jetzt kommen die Schlaumeier und werten diese Aussage als absolut egoistisch. Richtig meine Herrschaften. Die Freiheit liegt immer zwischen Jäger und Beute! Und immer auf der Suche nach der Freiheit könnte ich ketzerisch (frei nach Nietzsche) noch sagen: Ich bin der Jäger über Stock und Stein, du kannst nur mein Hund oder meine Gemse sein! Nee, nicht böse gemeint..lol..!!!Was bleibt ist die Erkenntnis: Freiheit gibt es nicht. Es ist Wunsch und Illusion zugleich. Eine Utopie der wir uns nur gefühlsmäßig annähern können, nie aber wirklich ganz erreichen werden. Egal aus welchem Winkel wir sie betrachten, und jeder der seinen Arsch hoch kriegt und mit Bike und guten Gefährten ein geiles Ziel erreicht ist der Freiheit näher gewesen als derjenige der als Coutchpotato oder Thekenheld große Sprüche klopft.
In diesem Sinne
keep on rocking keep on rolling
allen die geilste Saison ever
yo Störte1%er“ (Ende Leserbreif)

Anmerkungen!

Mein Beitrag zum Aspekt Freiheit war nur ein Anriss,  und an sich sind sämtliche Beiträge außerhalb der Partyberichterstattung stets nur ein Anriss, um Themen zu platzieren, die Reaktionen hervorrufen sollen. Das klappt nicht immer. In Störtes Leserbrief steckt aber nun so dermaßen viel drin, dass es mich wundern würde, wenn sich nun niemand dazu berufen fühlen würde, sich an seinen Leserbreif anzudocken. Deshalb halte ich mich erstmal zurück, um euch den kompletten Raum zu überlassen!

Beitrag Freiheit: https://bikesmusicandmore.com/gedanken-das-dilemma-mit-der-freiheit/

Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Freiheit

Autor: Lars Petersen

Mitglied im DPV Deutscher Presseverband - Verband für Journalisten e.V. Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann, davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Steckenpferd? Texten. Zur Person? Vater und MC-Mitglied (1%er). Karre? 99er Harley Davidson Road King. KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden werden, sofern es sich nicht um bezahlte Aufträge handelt. Besonderes: U. a. Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst, Organisator der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings sowie Produzent vom Motorcycle Jamboree Journal. Ausrichter vom Rocker Talk 1 und 3.