Insbesondere im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Anlässe in der Rockerszene wissen wir, wie entscheidend die Überschriften auf Leser und Leserrinnen wirken. Sobald in einer Headline der Begriff „Rockerkrieg“ verwandt wird, ist die Zielgruppe angefixt und konsumiert reichlich, auch dann, wenn man selbst zur Rockerszene keinerlei Bezug hat.
Bad News are good News! Sie fixen sofort an und jeder will ja mitreden können. Schnell wird sich kurz in den Beitrag eingelesen, und wenn man das Gefühl hat, dass man ausreichend informiert ist, hakt man die Nummer ab. Das scheint so geil gemacht zu sein, dass auch etliche Szenegänger mal eben ein Abo abschließen, um auch in Zukunft möglichst pronto mitreden zu können. Die Substanz selber bleibt dabei meist auf der Strecke, da die Berichte kaum noch vollständig gelesen werden, geschweige eine Verifizierung stattfindet. Die Überschriften reichen doch.
Ich merke das immer wieder, dass wenn ich Berichte einstelle, diese nach kürzester Zeit mal eben ein Dutzend Likes erhalten. Ok, das können auch Likes in Form einer Sympathiebekundung dafür sein, dass man sich des Themas annimmt, aber in Summe erklärt es eben nicht diesen Umstand der sofortigen Reaktionen, denn Kommentare gibt es eher selten. Die Flut an Infos scheint viele zu überfordern, weswegen sie nur noch das Nötigste lesen. Was soll man dann auch inhaltlich posten?
Die Substanz bleibt auf der Strecke!
Dabei sind es oftmals die Infos weiter hinten, die uns erst die eigentliche Substanz vermitteln. Das gilt für alle Themenbereiche. Ein recht gutes Beispiel sind die Proteste der Klimaaktivisten der „Letzten Generation“, insbesondere Kaum liefen die Überschrfiten über den Ticker, ballerten die User aus allen Rohren. Ob es wirklich so wie dargestellt war, wußte zu dem Zeitpunkt an sich niemand. Nicht die STA, nicht die Polizei, nicht ihr.
Bei meiner Teilnahme an der letzten Norddeutschen Präsidentenversammlung habe ich es spürbar erlebt, wie wenig selbst Führungsmember hinsichtlich des Insignieverbotes wissen. Kfi Hannover, BKA-Lagebilder, Wechselwirkungen, behördliche Maßnahmen, ich hatte das Gefühl, dass 90 % der Besucher nicht ansatzweise wissen, wovon ich da rede. Gehört hatte man das ein oder andere, mehr aber auch nicht. Wie jetzt, auch wir können im Kontext der Verschärfung des Vereinsgesetztes erfasst werden? Ja, könnt ihr.
Offensichtlich sind sie alle der Meinung, dass sie das Thema an sich nicht betrifft und es ausschließlich ein Problem der betroffenen Clubs ist. Das mag ja für den Moment gelten, aber das Gesetz ist allgemein gehalten und kann bei einer veränderten poltischen Agenda ganz schnell mal auf alle Clubs angewandt werden. Da reicht schon heute eine Verordnung oder eine polizeiliche Dienstanweisung, zumal die neuen Polizeigesetze der Behörde viel mehr Spielraum bieten.
Auch hier sind die UHU-Jünger ein gutes Beispiel. Im Bayern hatte man mal eben nach Polizeigesetz zwei Aktivisten für 14 Tage in den Bau gesteckt, ohne richterliche Anordnung im Rahmen eines ordentlichen Verfahrens. Wieso also sollte so etwas nicht auch irgendwann auch euch treffen. Weil ihr in der Wahrnehmung der Politik die Guten seid?
Empfehlung?
Lest euch die Berichte ordentlich durch, egal welche Themen sie behandeln. Es gibt durchaus Medien, die sachlich informieren und selbst die Schmalspurartikel der Publikumsmedien enthalten häufig Information, denen man zuerst einmal nachgehen sollte, um nicht ewig aus der reinen Emotion heraus Anlässe zu beurteilen. Ich weiß, dass ist aufwendig, aber es ist die einzige Möglichkeit sich so zu informieren, dass der Background der eigenen Meinung wenigstens annähernd sachlich geprägt ist.
Mir gelingt das beileibe auch nicht in allen Fällen, aber ich versuche es stets und kann defintiv für mich in Anspruch nehmen, dass ich in Bezug auf die Rockerszene gewisse potenzielle Wechselwirkungen im Vorfeld erkannt habe, um am Tisch meine Brüder auf etwaige Probleme und Problemlösungen hinweisen zu können. Ob das dann richtig ist oder so eintritt, steht auf einem anderen Blalt, aber wenigstens hat man es bedacht.
Übrigens, schaut euch mal in Ruhe den erweiterten § 130 STGB an, Aspekt Volksverhetzung. Passt nämlich recht gut zu meinem Anliegen in diesem Beitrag. Dabei geht es mir keinefalls darum, dass ihr nicht eure Meinung mitteilt, sondern darum, dass ihr euch Gedanken darüber macht, welche potenziellen Wechselwirkungen entstehen könnten. My 5 Cents.