Medien: Die Macht der Überschriften!

Insbesondere im Zusammenhang mit der Berichterstattung über Anlässe in der Rockerszene wissen wir, wie entscheidend die Überschriften auf Leser und Leserrinnen wirken. Sobald in einer Headline der Begriff „Rockerkrieg“ verwandt wird, ist die Zielgruppe angefixt und konsumiert reichlich, auch dann, wenn man selbst zur Rockerszene keinerlei Bezug hat.

Bad News are good News! Sie fixen sofort an und jeder will ja mitreden können. Schnell wird sich kurz in den Beitrag eingelesen, und wenn man das Gefühl hat, dass man ausreichend informiert ist, hakt man die Nummer ab. Das scheint so geil gemacht zu sein, dass auch etliche Szenegänger mal eben ein Abo abschließen, um auch in Zukunft möglichst pronto mitreden zu können. Die Substanz selber bleibt dabei meist auf der Strecke, da die Berichte kaum noch vollständig gelesen werden, geschweige eine Verifizierung stattfindet. Die Überschriften reichen doch.

Ich merke das immer wieder, dass wenn ich Berichte einstelle, diese nach kürzester Zeit mal eben ein Dutzend Likes erhalten. Ok, das können auch Likes in Form einer Sympathiebekundung dafür sein, dass man sich des Themas annimmt, aber in Summe erklärt es eben nicht diesen Umstand der sofortigen Reaktionen, denn Kommentare gibt es eher selten. Die Flut an Infos scheint viele zu überfordern, weswegen sie nur noch das Nötigste lesen. Was soll man dann auch inhaltlich posten?

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Die Substanz bleibt auf der Strecke!

Dabei sind es oftmals die Infos weiter hinten, die uns erst die eigentliche Substanz vermitteln. Das gilt für alle Themenbereiche. Ein recht gutes Beispiel sind die Proteste der Klimaaktivisten der „Letzten Generation“, insbesondere über den kürzlichen Protest in Berlin, durch den vermeintlich eine verunfallte Frau verstorben ist. Kaum laufen die Überschrfiten über den Ticker, ballern die User aus allen Rohren. Ob es wirklich so wie dargestellt ist, weiß zu dem Zeitpunkt an sich niemand. Nicht die STA, nicht die Polizei, nicht ihr.

Ich sehe die Form des Protestes der Letzten Generation sehr kritisch, weil der Adressat die Politik ist, aber im Ergebnis nur der Bürger in Mitleidenschaft gezogen wird, aber wenn es zum Beispiel um die Schuldfrage geht, so gilt für die UHU-Fetischisten die Unschuldsvermutung genauso, wie für alle anderen auch. Ich kann diese nicht für Rocker reklamieren und sie dann bei anderen ausklammern. Das passt so nicht.

Letztlich ist es doch so, dass man quasi nur auf den Moment gewartet hat, um der Letzten Generation einen auszuwischen. Man mag sie nicht. Das gibt einem ein gutes Gefühl und der Frustabbau in der Gemeinschaft fühlt sich ja auch viel besser an. Leute, passt da echt auf. Ihr rennt sonst jedes Mal in die Falle. Wirklich schlauer werdet ihr nur durch das Lesen er Überschriften und des Intros jedenfalls nicht.

Auf der letzten Norddeutschen Präsidentenversammlung habe ich es erneut erlebt, wie wenig selbst Führungsmember hinsichtlich des Insignieverbotes wissen. Kfi Hannover, BKA-Lagebilder,  Wechselwirkungen, behördliche Maßnahmen, ich hatte das Gefühl, dass 90 % der Besucher nicht ansatzweise wissen, wovon ich da rede. Gehört hatte man das ein oder andere, mehr aber auch nicht. Wie jetzt, auch wir können im Kontext der Verschärfung des Vereinsgesetztes erfasst werden? Ja, könnt ihr.

Offensichtlich sind sie alle der Meinung, dass sie das Thema an sich nicht betrifft und es ausschließlich ein Problem der betroffenen Clubs ist. Das mag ja für den Moment gelten, aber das Gesetz ist allgemein gehalten und kann bei einer veränderten poltischen Agenda ganz schnell mal auf alle Clubs angewandt werden. Da reicht schon heute eine Verordnung oder eine polizeiliche Dienstanweisung, zumal die neuen Polizeigesetze der Behörde viel mehr Spielraum bieten.

Auch hier sind die UHU-Jünger ein gutes Beispiel. Im Bayern hat man mal eben nach Polizeigesetz zwei Aktivisten für 14 Tage in den Bau gesteckt, ohne richterliche Anordnung im Rahmen eines ordentlichen Verfahrens. Wieso also sollte so etwas nicht auch irgendwann auch euch treffen. Weil ihr in der Wahrnehmung der Politik die Guten seid?

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Empfehlung?

Lest euch die Berichte ordentlich durch, egal welche Themen sie behandeln. Es gibt durchaus Medien, die sachlich informieren und selbst die Schmalspurartikel der Publikumsmedien enthalten häufig Information, denen man zuerst einmal nachgehen sollte, um nicht ewig aus der reinen Emotion heraus Anlässe zu beurteilen. Ich weiß, dass ist aufwendig, aber es ist die einzige Möglichkeit sich so zu informieren, dass der Background der eigenen Meinung wenigstens annähernd sachlich geprägt ist.

Mir gelingt das beileibe auch nicht in allen Fällen, aber ich versuche es stets und kann defintiv für mich in Anspruch nehmen, dass ich in Bezug auf die Rockerszene gewisse potenzielle Wechselwirkungen im Vorfeld erkannt habe, um am Tisch meine Brüder auf etwaige Probleme und Problemlösungen hinweisen zu können. Ob das dann richtig ist oder so eintritt, steht auf einem anderen Blalt, aber wenigstens hat man es bedacht.

Übrigens, schaut euch mal in Ruhe den erweiterten § 130 STGB an, Aspekt Volksverhetzung. Passt nämlich recht gut zu meinem Anliegen in diesem Beitrag. Dabei geht es mir keinefalls darum, dass ihr nicht eure Meinung mitteilt, sondern darum, dass ihr euch Gedanken darüber macht, welche potenziellen Wechselwirkungen entstehen könnten. My 5 Cents.

Links zum Therma!

Kleines Wortspiel, große Wirkung: Die Macht der Headline

Headlines in Texten – Warum sie so wichtig sind

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Steckenpferd? PR Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitglied (1%er). Karre? 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.