Mega-Polizeikontrollen!
Stammbesucher vom Motorcycle Jamboree wissen, dass dieses legendäre Bikerevent in Altes Lager bei Jüterbog jedes Jahr von mehr oder weniger massiven Polizeikontrollen begleitet wird. Mit meiner alten Evo bin ich seinerzeit selber in eine derartige Kontrolle hineingeraten und stand ganz locker zwei Stunden in der brütenden Sonne. Am Ende gab es ein Strafverfahren (Kennzeichenneigungswinkel) plus eine sattes Bußgeld (Auspuf, Spiegel, etc..)
Was aber dieses Jahr während des Treffens abging, scheint die absolute Krönung dessen zu sein, wie man als Polizei auf die Eventbesucher in Altes Lager einwirkt. Das die Rennleitung die Aufgabe hat den Verkehr und den technischen Zustand von Fahrzeugen zu überwachen ist logisch, der bekannte Slogan „Dein Freund und Helfer“ spielte aber in diesem Jahr offentsichtlich so gar keine Rolle, sprich, Milde walten zu lassen war offensichtlich kein Thema
Konnte es auch nicht, denn an diesen Polizeikontrollen nahmen auch Beamte ausländsicher Polizeien sowie externe Gutachter teil. Die von der Märkischen Zeitung titilierte Mega-Polizeikontrolle (Link siehe unten) diente quasi Schulungszwecken am fahrenden Objekt. Schon aus diesem Umstand heraus verstehe ich, warum an sich nur 100 Biker laut Märkische Zeitung kontrolliert wurden, denn bei jedem einzelnen Bike samt Fahrer hat man sich mal so richtig viele Mühe gegeben. Allerdings erachte ich die benannte Zahl 100 als untertrieben, denn alleine am Freitag waren die Kontrollstellen in der Allee zum Eventplatz hin oftmals völlig zugestellt mit Bikes. Und da rede ich noch nicht einmal von der erstmalig eingerichteten Großkontrolle an der Hautpstraße Richtung Jüterbog, wo man das Gefühl hatte, eine ganze Hunderschaft ist angerückt. FaKt ist, die Biker haben mächtig geblutet.
So wurden vor Ort einem schwedifschen Biker mal eben ganz locker 1.000 Euro abgenommen. Klar kann man jetzt den Standpunkt vertreten, dass die betroffenen Biker selber schuld seien, weil der technische Zustand ihrer Bikes nicht den Vorgaben der STVZO entsprachen. Das aber greift meines Erachtens viel zu kurz, denn erstens wissen wir alle, das es regelmäßig zu erheblichen Differenzen kommt, wenn zum Beispiel Anbauteile aus Sicht des Halters/Fahrers und auch des TüV’s legal verbaut sind, die Polizei dieses aber anders wertet, keinesfalls immer zu recht, anderseits die Polizeien durchaus daran interessiert sein sollten Maß und Mitte zu wahren, um nicht den Eindruck zu erwecken, dass man hier ganz bewusst massiv auf die Motorradfahrer einwirkt, um potenzielle Wechselwirkungen in die Gesellschaft hinein zu erzeugen.
Botschaft & Wahrnehmung!
Mit derartigen Kontrollen wird nach Außen ein klares Signal gesetzt. Hier fallen mir Schlagwörter wie Macht, Stärke, Staatsraison und dergleichen mehr ein.Tatsache ist, durch solche Mega-Aktionen entsteht automatisch der Eindruck, das Biker stets auch potenzielle Täter sind. Die Polizei braucht daher massive Kräfte, um die Lage zu beherrschen. Das ist doch am Ende das, was beim Bürger über das Unterbewusstsein hängen bleibt.
Das dieses Event selber seit über 30 Jahren als Veranstaltung völlig friedlich abläuft, der Veranstalter eine mehr als professionelle Orga abliefert und die Auflagen in Absprache mit der Gemeinde erfüllt, sieht doch letztlich keiner mehr. Das was hängen bleibt sind Mega-Polizeikontrollen im Rahmen des Jamborees, weil sich dort Biker treffen.
Ich will hier den Bikern keinen Persilschein ausstellen. Kontrollen sind legitim und bekannt. Ich habe seinerzeit geblutet und das war für mich ok. Aber Kontrollen in Kooperation mit ausländsichen Behörden und einem deratigen Aufgebot, herrje, was kommt denn als nächstes, stehen sie 2024 mit der MP5 im Anschlag an den Bikes?
Für den Veranstalter ist das eine extrem blöde Situation. Er kann keinerlei Einfluss ausüben, jeder Besucher entscheidet selbst, wie und womit er anrückt. Aber man könnte ihn ja strategisch mit einbinden und im Vorfeld über ein Konzept sprechen, für das er mit seiner goßen Reichweite in den sozialen Kanälen die potenziellen Gäste im Vorfeld auf die Kontrollen hinweist und dadurch sensiblilisiert. Nennt man Präventionsarbeit, auf die auch die Polizei Brandenburg im Presseportal im Kontext zu den Kontrollen während des Jamborees der letzten Jahre immer wieder hinweist.
Oder geht es am Ende dann doch nur um das Einsammeln hoher Bugelder zur Auffrischung der staatlichen Kassen sowie der Förderung der Botschaft in die Bevölkerung, nämlich, dass Biker insgesamt eine hoch sensible Gemienschaft sind, für die jegliche Form der polizielichen Präsenz nicht nur angemessen, nein, sogar erforderlich ist. Nun, dazu darf sich jetzt jeder sieine Meinung bilden.
Mir viel jedenfalls in meinen Überlegungen zu diesen Polizeikontrollen ein Satz ein, den ich auf der Motorrademo FioR vor Jahren gesagt hatte. Er lautet: „Societas delinquere non potest“. Mit dem Bezug auf here Rechtsgrundsätze bedeutet er, dass sich eine Gemeinschaft niemals als Ganzes auffälig verhalten kann. Mit dem, was die Rennleitung dort abzog, entsteht aber ein gegenteiliger Effekt. Und da haben wir noch nicht einmal darüber gesprochen, dass eventuell in Zukunft Besucher ausbleiben, weil sie sich nicht mehr gängeln lassen wollen. Und wenn das passiert, verliert die Gemeinde im schlimmsten Fall ein Event, welches direkt und indirekt 6-stellige Umsätze in die Kassen der regionalen Anbieter spült.
Was übrigens die Intention von Verkehrskontrollen anbelangt, darf mir die Polizei Brandenburg gerne mal erklären, warum aufgehängte Colours auf privatem Grund außerhalb der Eventfläche von Mopedpolizisten fotografiert werden. Habe ich selber live gesehen, während ich mir in einer Gastro einen Cappu zog. Aber eigentlich wissen wir, dass dieses in die Schublade „Polizeiliche Erkenntnisse“ fällt und somit ein Mitnahmeeffekt ist. Fehlt jetzt nur noch, dass der Gastronom einen auf den Sack bekommt, weil das Banner 10 cm zu dicht an der Straße hing.
Nun sollte man aber keinesfalls das Jamboree meiden, im Gegenteil, die Teilnahme an ihm wie auch an anderen Events, die von größeren Polizeikontrollen begleitet werden, ist wichtiger denn je. Haut doch einfach den DB-Eater rein oder nutzt das Netz, um euch direkt vorher zu informieren, wie die Verhältnisse vor Ort sind. Machen andere auch. Fakt ist, sie werden auch im nächsten Jahr Kontrollen durchführen und dennoch werden wir mit zig Tausenden anderen Bikern eine gigantische Party feiern. Und das kann uns keiner vermiesen.
Ich habe Fragen. Eine Anfrage ist an die Onlineredaktion der Polizei Brandenburg ist daher bereits raus.
My 5 cents!
Presselink (Achtung Paywall): https://www.maz-online.de/lokales/teltow-flaeming/jueterbog/7000-biker-ueber-100-polizisten-in-altes-lager-kontrolle-bei-motorrad-festival-mototcycle-jamboree-ITSU5I5FWNGOHHZAQQSOI23PUU.html