Mittendrin statt nur dabei? About Rollstuhlfahrer Ralf!

Auf einem Herbsttreffen von Börjes am Stand von Der Bodensatz – Biker & Friends helfen Obdachlosen, lernte ich Rollifahrer Ralf kennen. Es entwickelte sich direkt ein cooles Gespräch mit ihm. Irgendwie hinterließ dieses Gespräch nachhaltig Eindruck bei mir. Über das Fratzenbuch verfolgte ich dann immer mal wieder seine Aktivitäten. Irgendwann fragt er an, ob er bei einer Magazinausfahrt mitfahren könne. Selbstverständlich konnte er und war tatsächlich nicht der einzige Rollifahrer an diesem Tag auf der Tour.
Beim letzten Meet & Eat war er dann einer der Gewinner. Zwar hatte ich den Gedanken zu diesem Beitrag bereits davor, wollte aber das Meeting noch abwarten, um einige Bildmotive mit ihm einzufangen. Fakt ist, er war mittendrin und belebte die Runde mit seinen Storys. Steigt nun bitte in das Mailinterview mit Ralf ein. Nachfolgend dürft ihr euch dann gerne noch meine Anmerkungen geben.

Heute stelle ich euch Rollifahrer Ralf aus der Region Bockhorn vor.

Das Mailinterview! (Nicht redigiert)

1. Hey Ralf, seit wann bist du in Sachen Bikes infiziert?
.
Als ich zirka 15 war, war ein Mitglied der schwarz-gelben Ghostrider bei meinem Nachbarn, Harley-Manne Manfred Angster. Da der nicht da war, fragte er mich nach etwas Werkzeug, um die Zündung an seiner Ironhead-Sportster einzustellen. Als die wieder lief, war ich stolz wie Bolle. Bin mir sicher, das war die Initialzündung.

Ralf ist mit seiner Can Am Spyder solo und in Gruppe unterwegs.

2. Wie entwickelte sich dein weiteres Bikerleben?

Mit 16-17 habe ich, neben der Schule, an einer Tankstelle in SIndelfingen gearbeitet, die neben Jahreswagen (Mercedes) auch Fantics, die GS und Trial-Modelle verkaufte. Mit 18 (und Motorradführerschein) dann ein kurzes Intermezzo mit einer Fantic Caballero 125, aber als ich zur Bundeswehr ging, musste etwas langstreckentaugliches her, eine 79er XT500. Dann kam noch kurz eine SR 500 und mit der Stationierung auf Sardinien eine 900er Bol d´Or.Wieder zurück in Sindelfingen kam ich in Kontakt mit Arbeitskollegen (Mercedeswerk) aus dem Emsland und Bremerhaven und war mit denen zusammen öfter am Wochenende nach Papenburg gefahren, u. a. zum Sons-of-Devil MC oder zu den Motorradfreunden Bremerhaven (die hatten gerade ihr 45jähriges Jubiläum).

Motorradmäßig waren in der Zeit vornehmlich japanische 4-Zylinder aus den 70ern am Start, Suzuki GS750, Honda Four u.Ä. und eine starre Panhead, die nie richtig lief. Bei der hatte ich mich, unerfahren wie ich war, übern Tisch ziehen lassen. Kurz vor dem Umzug nach Schleswig-Holstein, in die ganz alte Heimat, wurde es noch eine 1972er Z1-900, mein absoluter Traum.

Ralf beim Schrauben, vermutlich noch auf der Insel.

3. Dann kam Tag X. Was ist passiert?

Nachdem meine damalige Verlobte, es war so 1994, schwanger von ihrem Auslandssemester zurück kam, musste ich aus ihrem Elternhaus ausziehen und zog in den Kreis Rendsburg. Die Z1 war gerade zur Vollrestaurierung zerlegt, also holte ich mir, für den Winter, eine 1978er Z1-R. Da ich ja wieder „frei“ war, habe ich auch richtig Gas gegeben, jedes Wochenende auf irgendeiner Party, Mammuts-MC etc., feiern bis zum Anschlag, ohne Gnade, Alkohol und Amphetamine. Dieses, verbunden mit einer maßlosen Selbstüberschätzung, (mit 32 Jahren ist mann ja unsterblich) führte dann im Mai (oder Juni?) 1996 zu dem selbstverschuldeten Sturz, den ich scheinbar nur knapp überlebte. Aufgewacht bin ich dann drei Wochen später im Querschnittgelähmten-Zentrum Boberg in Hamburg.

Während dem 9monatigen Krankenhausaufenthalt hatte ich Zeit genug zur Selbstreflektion und konnte/musste so einige Dinge ordnen wie z.B. mich von Menschen, die mir nicht guttaten, trennen etc. Da ich meine Situation ja selber verschuldet hatte, gab es für mich nur 2 Möglichkeiten, entweder in die Ecke stellen und in Selbstmitleid verfallen oder den Arsch hochzukriegen und zumindest versuchen, das Beste daraus zu machen. Die Entscheidung fiel leicht, Jemand, der durch fremdes Verschulden (Unfall) oder Krankheit (MS) im Rollstuhl landet, tut sich da natürlich schwerer. Ein Mitpatient, der damals schon auf Mallorca lebte und dort verunglückte, brachte mich dann auf die Idee, auf Rente zu gehen und nach Mallorca zu ziehen, was ich dann 1998 auch tat.

Ralf auf seiner damaligen Panhead vor dem Unfall. „To be am Man, ride a Pan“.

4. Hattest du direkt danach den Impuls wieder zu fahren oder kam das erst später?

Ich habe zirka 2000 Knut kennengelernt, der mit seinem Chevy-Van voll mit Werkzeug und seiner Shovel sich zu der Zeit auf der Insel niederließ und seine kleine Werkstatt eröffnete. Es war auch die Zeit der beginnenden Digitalisierung, vor allem für das Büro. Über ein paar Stationen ging es dann 2010 bis zu KG Bikes-Mallorca, so wie es heute noch besteht.

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5. Warum hast du dich für eine Can Am Spyder und nicht für ein Trike entschieden?

Ein „herkömmliches“ Trike kam nie für mich in Frage, ob damals mit Käfer-Motor oder heute die modernen Rewacos etc., ich mag sie einfach nicht, weder das Fahrgfühl noch die Optik (denk da mal an Günther-den-Treckerfahrer in „verchromte Eier“) noch die Klientel, die diesen „Lifestyle“ zelebriert *ggg Quads, egal ob Strasse oder Gelände, waren auch nicht so das Wahre, es fehlte einfach das „Motorradfeeling“. Wir haben, vor KGB-Zeiten, mal eine Softail-Evo für mich durchgerechnet, gebrauchte Softail, Trike-Kit von Frankenstein, Handschaltung und Integralbremssystem, alles zum EK und nach Feierabend zusammenstecken waren wir schon bei 15000 € (ohne das sie dann auch „schick“ war), nicht machbar damals für mich.

Ich hatte aber mal einen spanischen Rollstuhlfahrer am Palma-Flughafen getroffen, der fuhr eine der ersten Spyder mit seinem Rolli an der Seite dran. Fand ich sehr interessant, aber bei dem bevorstehenden Rückgang nach Deutschland 2012 verschwand das auch wieder aus meinem Fokus. 2020 sah ich dann, hier in Friesland, die neuen,, kleinen Modelle, die Ryker, sehr interessant und habe mir die mal näher angeschaut. Beim Probesitzen sagte meine Frau dann „Du siehst da aber sehr behindert drauf aus mit deiner Grösse (188cm)“ und im gleichen Atemzug „und was ist mit der Schwarzen da (Spyder F3)“. Deutlich höher und breiter, aber das Aufsteigen klappte ganz gut und so wurde es das grosse Modell. Da die Spyder (und auch Ryker) nur über ein Fusspedal gebremst werden, konnte ich nichtmal eine Probefahrt machen. Nach zwei Tagen Bedenkzeit dann quasi blind gekauft (und nie bereut)

Ein Motiv aus alten Tagen in jungen Jahren!

6. Ist das Feeling beim Cruisen mit dem auf einem Bike vergleichbar?

Auf alle Fälle!!! Sie ist laut, scheppert und ist ziemlich schnell (knapp 4 Sekunden auf 100 und 200km/h im Brief), aber sie kann auch, dank der chopper-mäßigen Sitzposition, ganz entspannt cruisen. Zum Motorrad fehlen i.m.A. nur die Schräglagen

7. Was waren denn so bisher die coolsten Touren mit Bike oder mit der Spyder?

Früher mit dem Bike sind wir oft nach Italien/Gardasee oder, sehr schön, nach LeVans, Harley-Treffen an der Ardeche, aber auch Dänemark, Schweden etc. Die für mich coolste Tour mit der Spyder für mich war natürlich dieses Jahr die Fahrt nach Mallorca, alleine, mit zwei Übernachtungen nach Séte/Südfrankreich (1400km), dort mit der Fähre nach Alcudia/Mallorca. In den 7 Tagen auf der Insel habe ich dort 1120km abgespult, entweder mit Freunden oder auch alleine. Und: trocken geblieben, als ich nach 12 Tagen wieder daheim ankam, fing es 1 Stunde später für 3 Tage zu regnen an. Grins

Auch die Tour mit 8 Mann auf Motorrädern von 50 bis 140 PS drei Tage in den Harz letztes Jahr war auf den bisher 33000 KM mit der Spyder sicher ein Highlight

Ralf hat auf Mallorca für KG Bikes gearbeitet.

8. Wird man als Rollifahrer von den Bikern angenommen oder gibt es da Vorbehalte?

Nein, keinerlei Vorbehalte, uns wird nur respektvoll begegnet, was ein „normaler Fussgänger“ auf einem 3-Rad wahrscheinlich nicht sagen kann

9. Was ist dir noch wichtig zu erwähnen?

Wichtig ist mir noch mein 2. Paar Hände, Peter „Nobelschröder“ Schröder, Streetfighter der 1. Stunde, zu erwähnen. Seine Spondon und seine Martin, beide mit GSXR-Motoren, standen beim Börjes-Frühlingstreff letztes Jahr mit in der der Custombike-Show. Ohne ihn hätte ich wohl kaum alle Umbauten und Verfeinerungen, wie das amerikanische Abblendlicht, die progressiven Federn vorne oder nur einen simplen Reifenwechsel machen können. Sachen, die aus dem Rollstuhl heraus für mich nicht mehr gehen. Kleinkram wie Lenkertausch u.Ä. geht hingegen noch. Ist er mal nicht anwesend, vertritt ihn Patrik beim Wechsel der Bremsbeläge oder dem Reifen. (Ende Mailinterview)

Ralf ist gerne durchaus flott unterwegs.

Anmerkungen!

Ab und an entdeckt man ja immer wieder diese saudummen Kommentare von Leuten im Netz, die Fahrern von Trikes oder auch Can Am Spyder den Status des Bikers absprechen, offensichtlich unfähig zu reflektieren, das es oftmals genau solche Schicksalsschläge sind, die überhaupt erst zu der Anschaffung eines solchen Vehicles führen, um sich die Art von Lifestyle zu erhalten, den man vor dem Schicksalsschlag noch auf zwei Rädenr abgespult hat. Ich habe Ralf sehr gut zugehört und bin mir sicher, dass er noch weitaus mehr Szeneleben in sich trägt, als so mancher Internetposer, der es gerade mal bis zu nächsten Eisdiele schafft oder nach 200 KM davon spricht, wie sehr ihm der Arsch brennt.

Der Spaß am Leben ist Ralf nicht verloren gegangen!

Schlagwörter wie Alvesloe, Ghostrider, Mammuts und dergleichen mehr lassen klar vermuten, dass Ralf noch einiges mehr auf der Pfanne hat., was ich ihm ggf. noch entlocken kann, ohne darüber zwingend zu berichten. Interessant ist zum Beispiel seine Sicht auf das Mammutverfahren gegen Frank Hanebuth in Spanien. Zu der Zeit war er nämlich auf der Insel und kann von echt schrägen Dingen berichten, wenn er das überhaupt will. .

In Sachen bikesmusicandmore hat er jedenfalls einen Freibrief und ist jederzeit herzlich eingeladen, an meinen weiteren Aktiviitäten teilzunehmen.  Wer Ralf näher kennenlernen möchte, steigt in über den Konakt auf seiner Page ein. Ich bedanke mich bei Ralf für das Vertrauen!

Gemischte Galerie! (Zum Vergrößern anklicken)

Kontakt: https://www.facebook.com/SpyderF3S

Autor: Lars Petersen

Mitglied im DPV Deutscher Presseverband - Verband für Journalisten e.V. Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann, davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Steckenpferd? Texten. Zur Person? Vater und MC-Mitglied (1%er). Karre? 99er Harley Davidson Road King. KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden werden, sofern es sich nicht um bezahlte Aufträge handelt. Besonderes: U. a. Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst, Organisator der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings sowie Produzent vom Motorcycle Jamboree Journal. Ausrichter vom Rocker Talk 1 und 3.