Franky aus Bayern ist mir persönlich bekannt. Er war schon in vielen Ländern und auf vielen Kontinenten unterwegs. Insofern hat es mich nicht überrascht, als er mir von seinem bevorstehenden Trip nach Japan berichtete und logen habe ich es abgenickt, dass er mir seinen Tourbericht darüber zusendet. Er hat etliche Zeilen ins seiner ganz eigenen Art erstelt, daher wurden diese auch nicht redigiert. Auf Bildunterschriften habe weitesgehend ebenfalls verzichtet,. Ich war schließlich nicht dabei!

Franky (dritter von rechts) und die Truppe.
Frankys Tourbericht!
„Japan – Das Land der Zwiespälte – Das Land in dem sich high-tec und Jahrhundert alte Traditionen treffen.
Zurück zum Anfang der Reise. Vor zwei, drei Jahren ist bei mir die Idee gereift zum Mopedfahren nach Japan zu gehen. Allein wollte und konnte ich so was nicht stemmen.
Somit meinen Freund Stephan in Nepal angerufen, um zu fragen, ob er es organisieren wolle.
Mit ihm bzw mit seiner und Urmillas Company easyrider-Tours war ich inzwischen öfters unterwegs. Ob in Nepal, Andalusien oder Albanien, stets gut organisiert und mehr als gut aufgehoben. Somit kam zwei Wochen darauf das Roadbook , das im Großen und Ganzen noch heute so durchgezogen wird und inzwischen fester Bestandteil seines Angebots ist.
Also kurzerhand im Freundeskreis nachgefragt und 5 weitere gefunden die mitwollten und 2 Jahre später ab nach Japan. Gelandet in Tokio um 6 in der Früh, ab zum Hotel und anschließend in diese riesige Stadt. Ein paar Sehenswürdigkeiten und ein erster Eindruck von den kulinarischen Spezialitäten (Kobefleisch usw) ab ins Bett, um am nächsten Tag die Mopeds, in dem Fall Royal Enfields, entgegenzunehmen. Dann raus aus dieser gigantisch großen Stadt, stets gestoppt von gefühlt Millionen von Ampeln, grüne Welle wohl nicht möglich.
Sobald wir aus der Stadt draußen waren, ging es auch schon in die Berge.
Gigantisch große Waldgebiete ähnlich dem Schwarzwald, nur das dort im Schwarzwald, die Straßen weitaus besser sind, was noch schlimmer werden sollte. Mein Rücken lässt grüßen.
Landschaftlich jetzt nicht wirklich neues, außer dass es im Flachen Reisfelder enmass und in den Bergen Wälder gab. Was es nicht gab, sind auf dem Land Tiere, sowohl wilde als auch Haustiere und Menschen. Einfach wie ausgestorben. Nicht mal Vögel hat es wirklich
Auch kaum Fliegen und Mücken, nicht einen Aufschlag auf der Motorradbrille ist zu vermerken.
Die Häuser mitunter komplett zerfallen und mit einer morbiden Patina überzogen. Dazu später mehr.
Also ging’s weiter zum Fuji, den Berg der Japaner. Dieser zeigte sich nicht von seiner guten Seite, da komplett zu mit Wolken. Dort geschlafen in einem traditionellen Haus in dem man landesüblich auf dem Boden schlief. Leicht gerädert ging es am nächsten Tag Richtung Nagoya Heimat von Toyota. Dort sein Museum angeschaut und zur Burg eines Samurais mit Karate und Aikido Vorführungen.
Von Nagoya aus ging es, wieder über Berge und Wälder in die alte Kaiserstadt Kyōto
Dort 2 Tage verbracht in Tempeln und Schreinen. Was man so als Touri halt macht. Imposant was diese Kaiser so alles erbauen ließen. Von Kyoto über Kanawaza nach Niigata ans Meer
Die Fahrt an der Küste hatte was, obwohl die Küste nahezu komplett mit Wellenbrechern aus Beton übersäht ist. Da der Japaner aber eher die Sonne meidet ist der Strand nicht wirklich sein Metier.
Ein Tag in und um Niigata, bei schönstem Wetter rauf zum Mount Yahiko um die Aussicht in die Reiskammer Japans zu genießen. Man könnte meinen das gesamte Land steht unter Wasser auf Grund der vielen Reisfelder. Von dort aus an den Strand zum Sundowner. Von Niigata ab nach Hakuba, mitten in den Japanischen Alpen. Genächtigt wurde in einer feudalen „Hütte“
Selber kochen war angesagt. Der Weg dahin wurde zu einem wunderschönen Mopedtag mit Sonne satt und einer Vielzahl von Kurven- Wenn da nicht diese Sch…., schlechte Straßen wären.
In Nepal erwartet man, das es schlechte Straßen hat, aber hier in Japan hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass es so schlechte sein würden. Rücken komplett am Arsch. Zwischendurch wurde Halt an einer der heißen Quellen gemacht, um diese wirklich heiße Mineralquelle genießen zu können. In Hakuba verbrachten wir zwei Nächte.
Den Day Off absolvierten wir auf den Mopeds, um außerhalb der gewohnten Pfade uns zu bewegen. Auf Straßen die wenig befahren und somit auch wenig bzw überhaupt nicht gepflegt werden. Geiler Scheiss war das. In Nagano die Tempelanlage angeschaut und dann auf Grund der Witterung auf den direkten Weg zurück nach Hakuba. Dort abends in geselliger Runde noch ne Flasche hervorragenden japanischen Whisky.

Am nächsten Tag ging’s über Matsumoto zum Fuji. In Matsumoto ging’s in eine Samurai-Burg, sehr imposant. Die weitere Strecke war mal so richtig mopedmässig wenn da nicht dieser Regen mit 11 Grad gewesen wäre. Am Fuji angekommen konnte man erahnen das dort erneut richtig Schnee gefallen ist. In einem Cottage mit eigenem Onsen und Blick zum Fuji genächtigt.
Aufgewacht mit dem mächtigen Fuji im Fenster, voll mit frischem Schnee bedeckt, eine traumhafte Aussicht.
Von dort aus ging es dann wieder zurück nach Tokyo, in die Stadt der Ampeln. Was habe ich mir eine Automatik gewünscht. Die letzten 2,3 Tage haben uns ein bisschen entschädigt, mit guten Straßen und wunderschönen Landschaften auch wenn es immer wieder pisste und wenn es regnet, fallen die Temperaturen unmittelbar über 10 Grad nach unten. Nichtsdestotrotz war die letzte Strecke nochmals richtig geil, viele Kurven usw bis die Ampeln in Tokyo kamen.
Nach Bezug unserer Betten. ab ins Restaurant, wie es will geführt von einem Nepalesi. All you can eat and Drink. Dem war wirklich nicht bewusst worauf er sich da einließ. Nach mehreren Hinweisen das er doch schließen möchte ab ins Bett. Den nächsten Tag in Tokyo mit verschiedensten Sehenswürdigkeiten und Shoppingmalls und mit Bars verbracht.
Anschließend ging’s wieder zurück ins gute Deutschland.
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Fazit!
Zum Mopedfahren gibt es tolle Strecken, Pässe sowie absolute Einsamkeit. Wir waren stellenweise stundenlang allein. Kein Auto, kein Mensch, einfach nichts. Wir sahen keine Kühe, keine Hühner oder dergleichen, Nichts!
Das Land scheint anhand der komplett maroden Infrastruktur und anhand der Vielzahl von Geisterdörfer und zerfallene Fabriken, dort dem Niedergang wohl nahe. Die Straßen sind mit Schlaglöchern und Rissen überseht. Es mag vielem den klimatischen Verhältnissen geschuldet sein da es stets feucht ist. Aber würden sich die Japaner nur halb so viel sich um ihre Häuser wie um ihr Auto sich kümmern wäre viel geholfen. Die Autos werden täglich gehegt und gepflegt, wenn nicht stündlich. Man sieht nicht ein Auto dreckig oder verkratzt. Nicht eins
Sogar die Betonmischer sehen alle aus als ob die gerade aus der Fabrik kämen.
Die Japaner sind High-Tech verliebt aber dennoch in Ihren Traditionen verpflichtet und dort gefangen. In Restaurants in denen man am Computer sein Essen bestellen und bezahlen muss, obwohl genug Personal herumsteht um dennoch mitunter von Robotern bedient zu werden. Oder in einem Hotel, in dem man nur an einem Terminal einquecken muss, obwohl 5 Damen am Empfang. Hast du ein Problem und gehst zu denen, hast aber spätestens ab da ein Riesenproblem. Keine Lust oder die Anweisung nicht wirklich zu helfen. Aber dennoch immer eine Beuge und arigado(danke) und einem Lächeln. Dennoch wenig E-Autos, dafür das Super-Benzin für 0,80 bis 1 €, und das während der Krise mit dem Iran. Man sieht auch keine Autos aus China oder Korea. Da wird der Nationalstolz wohl eine große Rolle spielen.

Die mopedszene mit wildesten Umbauten und irren lauten Auspuffen scheint erlaubt, obwohl sonst alles so über geregelt. Auch Autos mit sidepipes oder hinten hochgezogenen Auspuffen sind offensichtlich möglich. Hauptsache irre laut, wie geil….
Das Wetter war sehr wechselhaft von 28 grad Sonnenschein bis 8 Grad mit Vollpiss und das mitunter öfters wechselnd am Tag.
Mir erschließt sich das Land mit deren Menschen nicht wirklich. Und ohne die alten Männer, ja alt mindestens über 70, wenn nicht 80, ging nichts in diesem Land. Diese Herren regeln den Parkplatzverkehr, fahren Taxi, räumen den Müll weg, bestellen die Felder und irgendwie sind die überall. Was wäre wohl ohne sie, ob sie das freiwillig machen, um beschäftigt zu sein oder ob sie dringend ihre Rente verbessern müssen, bekamen wir nicht raus da diese Herren kein Englisch sprachen. Gehe aber eher von letzterem aus.
Die Menschen allgemein sind nett und wie man es kennt, stets ein Lächeln parat. Aber letztendlich funktionieren sie nur. Gefangen in kleine Wohnungen, in kleine Autos, in Vielzahl von Regeln und zu oft allein/einsam. Vor lauter Arbeit und Traditionen scheinen sie nicht wirklich viel Spaß am Leben zu haben. Obwohl, wenn losgelassen (meist in Verbindung mit Alkohol) werden sie dann doch sehr laut. Entgegen allen, was so es im Alltag nicht gibt, nicht geben darf. Man redet nicht im Aufzug, nicht im Bus oder U-Bahn auch sonst ist man eher demütig und ruhig.
Für mich hat sich dieses Land nie wirklich erschlossen. Es hat nicht diesen erwartenden Liebreiz von kitschigen Bildern von Tempeln, Kimono und sich spiegelten Landschaften in den Reisfeldern. Außer an den einigen Touristen-Hotspots. Alles ist der Funktion unterlegen.
Ampeln an Kreuzungen von 4 Reisfeldern sind mitunter Zeugen dessen. Alles ist geregelt und lässt wenig Luft, um kreativ sein Leben zu gestalten. Das Land hat kein Charme, keine Aura und kein Herz. Wenn man sich außerhalb dieser Shinkansen-Welt (highspeedzug) bewegt ist es dann doch erschreckend anders als jemals vermutet.
Nichtsdestotrotz hat Stephan mal wieder eine tolle Tour zusammengestellt. Er hatte stets Wissenswertes mitzuteilen ob zu Land oder zu Leuten, Absolute Kompetenz. Die Tour lebte von der Gruppe den miteinander richtigen Spaß hatte. Easyrider-Tours hat alles perfekt organisiert und Straßen mit uns befahren, wo selbst die Japaner diese nicht mehr befahren oder gar nicht mehr wissen das es diese noch gibt. Was nicht anders zu erwarten war. Wer Japan auch abseits der klassischen Touristenblase erleben möchte, ist mit Easyrider-Tours bestens aufgehoben. Die nächsten Touren mit Stephan und dann auch wieder mit seiner Frau Urmilla sind geplant und stehen an.“ (Ende Tourbericht)
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Anmerkungen!
Okay, mit dem Support von Easy Riders.com war Franky hoch zufrieden. Das ist ja erst einmal in puncto monitärer Aufwand das wichtigste. Was Japan selbst anbelangt schwimmt in jedem Fall mit, dass Franky etwas anderes erwartet hat, vermutlich sogar teilweise enttäuscht ist. Das entlang der Streken nicht überall Kirschblüten an den Bäumen hängen, war zwar klar, aber Japan ist nun einmal auch ein Land, worüber wir nur wenig wissen. Franky kann nun jedenfalls mitreden. Danke für den m. E. sehr ehrlichen Tourbericht!