Aus dem Kiez: Die Heavy Xmas im Slatterys!

Für viele aus Delmenhorst und seinem Umland ist die Heavy Xmas Night ein absolutes Must Have. Solange ich denken kann, findet dieses Rockkonzert einen Tag vor Heiligabend in unterschiedlichen Lokations statt. Mal ging es in der Diskothek La Palma ab, mal im Rockschuppen Heaven, zuletzt allerdings etablierte sich das Irish Pub Slatterys als fester Austragungsort, welches nun aber nach aktuellen Infos endgültig seine Türen schließt. Man wird sehen, wo die Reise hingeht, wer das Event übernimmt und in welcher Lokation zukünftig diese Tradition weiter geführt wird.

Die diesjährige Heavy Xmas war gut besucht. Allerdings ebbte das nach hinten ab.

Was ging ab?

Nachdem im letzten Jahr Frontmann Chris von Scenery krankheitsbedingt absagen musste, hatte die Band Unstraight die Aufgabe, den Ausfall des Konzertes des Headliners zu kompensieren, was der Band m. E. sehr gut gelang. Kein Wunder also, dass Unstraihgt auch in diesem Jahr erneut dabei waren und Scenery als Anheizer einen ordentlichen Teppich bereiten sollte, auf dem die Truppe ihren gewohnt druckvollen Sound aus den Boxen hämmern konnte.

Kaddy von Unstraight heizt ein, Chris von Scenery steigt mit ein!

Als Anheizer sind Unstraight eine gute Wahl, das hat die Kombo schon mehrfach beweisen. Sängerin Kaddy gelingt es immer wieder einen Teil der Zuhörer für sich zu vereinnahmen, die Leute zum Mitsingen und Mitmachen zu annimieren. Dieses Mal dauerte es nur einige Songs, bis der Stimmungspegel merklich anstieg und bei dem Neil-Young-Klassiker „Rockin a free World“ den ersten Zenit erreichte. Witzig, den Song hatte ich @ Home noch in der Frühe in der Version von Pearl Jam featurning Neil Young gehört.

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Die Songauswahl war für mein Empfinden für eine Heavy-Night allerdings etwas zu „Sweet, soft & lazy“. Performance, Outfit, das Zusammenspiel der Band, all das passte, doch fehlte mir eindeutig der Druck und Rotz, der erdigen Rock N Roll ausmacht. Dennoch, die Interaktion mit den Besuchern gelang erneut, und darauf kommt es letztlich an. Man will unterhalten und das tat man. Als Zugabe sollte der Xmas-Song „Leise rieselt der Schnee“ in einer speziellen Version den insgesamt soliden Gig komplettieren. Nun, da hätte ich mir zum Beispiel eine brachiale und hämmernde Punkversion gewünscht, doch Unstraight bleiben ihrem soften Stil treu. War das alles aber auch herausragend? Nun, das mögen die Besucher beurteilen.

Repbecca am Merchstand ist stets gut drauf. Das Angebot allerdings m. E. viel zu verspielt!

Irritiert war ich allerdings durch das Merchandising, denn dieses wirkte auf mich latent selbstverliebt. Was haben Kekse, Konfitüre oder Kerzenständer mit Rock N Roll zu tun? Selbst wenn ich den besinnlichen Xmas-Effekt sowie den für Unstraight wichtigen  „Love & Peace-Faktor“ mit einbeziehe, so wirkte das gesamte Angebot irgendwie wie eine Selbstdarstellung. Keine Ahnung, wer da in der Truppe die Zügel in der Hand hält, aber das ist einfach too much gewesen. Und eine Packung Kekse für 5 Euro anzubieten ist zudem auch reichlich happig. Kann man machen, muss man aber nicht. Nur meine bescheidene Meinung!

Scenery!

Jetzt kam der Druck, den ich vorher insgesamt vermisst hatte. Schon mit dem Einsteiger „Nightcrawler“ von Judas Priest war klar, wohin in der Folgezeit die Reise geht. Voll auf die Fresse und immer geradeaus. Scenery waren richtig gut drauf, boten genau das, was ich bei einer Heavy-Night erwartet. Powerfulle Metalriffs, eine hämmernde Bassdrum, wummernde Bassläufe, knackige Solis, all das gepaart mit dem sehr umfangreichen Stimmrepertoire von Sänger Chris.


Scenery machen Druck. Chris dreht frei und gibt erneut alles!

Man merkt der Kombo an, dass sie extrem gut aufeinenander eingespielt ist und zudem immer noch sehr viel Spaß an der Musik hat. „Balls to the Walls“ von Accept war an diesem Abend mein persönlicher Favorit. Sie können es einfach. Insofern hat diese Band durchaus das Potential das Erbe von Ratpack zu übernehmen. Ob das so kommt, muss die Zukunft zeigen.

Und sonst?

Das Publikum hat sich defintiv geändert. Während früher in der Tat die Headbanger und Kuttenträger das optische Bild bestimmten, die Leute das gesamte Paket voll mitnahmen, hat sich die Besucherstruktur merklich geändert und die Verweildauer bei der Heavy Night ist ebenfalls gesunken. Noch während des Gigs von Scenery entstanden erste Lücken in der Lokation, was aber sicherlich nicht an der Qualtiät des Sets lag. In Zeiten von Downloadplattformen und der komletten Berieselung durch das Internet wird das m. E. noch ein echtes Problem werden. Live-Gigs von lokalen Musikern werden es immer schwerer haben, Leute zu ziehen, so meine Prognose.

Die Perspektive der Bands. Volles Haus!

Fazit!

Gute Stimmung, volles Haus, mehrere Stunden Handmade-Musik, alles erneut top abgemischt vom Big Beat PA Service. Unter dem Strich eine gelungene Heavy Xmas 2019! Falls jemand das Heft der Veranstaltung in die Hand nimmt, empfehle ich mal über die Delmehalle auf dem Marktplatz als potentielle Lokation nachzudenken. Die Akustik ist top, der Ort äußerst zentral, Parkplätze im Nahbereich vorhanden, die Mietgebühr für Vereine erschwinglich und man kann die Gastro sogar eigenständig betreiben, so eine zusätzliche Einnhamequelle generieren. Nun, wir werden sehen, was passiert.

Impressionen!

Kontakt: https://www.facebook.com/events/501590510590495/

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.