B.A.C.A.A e.V: Interview mit Jojo!

Meinen ersten persönlichen Kontakt zum B.A.C.A.A e.V. hatte ich im Zusammenhang mit der Veranstaltung Bikes, Music & More Vol. 2 in 2011 am Delmenhorster Jute Center. Mitorganisator Blacky Dräger hatte die Truppe als ideale Ergänzung zu unserem Event-Motto „Hände weg von unseren Kids“ ins Gespräch gebracht.

Der B.A.C.A.A e.V. nahm mit dem damaligen Pressesprecher Thomas Brauckmann sowie Regio-Member Zombi teil. Mit den beiden Kollegen stemmten Blacky und ich letztlich die Nachtwache für die Bühne. Es war Dank Jack & Jim recht lustig. Danach folgten einige gemeinsame Aktionen, wie zum Beispiel das Rock for B.A.C.A.A in Ganderkesee in der damaligen Texas River Ranch!

Auf der diesjährigen Norddeutschen Präsidentenversammlung nun stellte Vize-Vorstand Jojo die Arbeit des Vereins vor. Ich nahm dieses zum Anlass, ihm ein Mailinterview über den B.A.C.A.A e.V. anzubieten. Es war einfach mal wieder an der Zeit, dem Verein Raum zu geben. Jojo hat mitgemacht.

Jojo ist der aktuelle Vize im Verein. Mit ihm führte ich das Mailinterview!

Das Mailinterview!

1. Jojo, wann wurde der B.A.C.A..A e.V. gegründet, wer hat den Verein ins Leben gerufen und welche Intention ging dem voraus?

Wir kommen aus der Bikerszene… 2003/4 gründete Matthias Hohl alias „Terror“, damals Member des Living Dead MC, die Initiative “DON’T TOUCH”, um auf das Thema Missbrauch aufmerksam zu machen. Dem vorausgegangen war die Erkenntnis, dass im eigenen Umfeld ein Missbrauchsfall nicht so schlimm ausgefallen wäre, wenn denn nur jemand mal aufmerksamer hingeschaut und zugehört hätte.

Dem Verein geht es darum, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen.

Da durch Aktivitäten wie Flyer oder gar Patchverkauf schnell das Finanzamt mit im Boot ist, gründete man daraus im Januar 2005 den B.A.C.A.A. e.V. als gemeinnützigen Verein. Der Schriftzug „DON´T TOUCH“ ist nach wie vor Bestandteil unseres Logos.

2. Ist der Verein heute inhaltlich anders aufgestellt oder sind die Grundzüge geblieben?

Da sich die Problematik um die Themen Missbrauch und Kinderpornografie nicht wirklich geändert hat, sind auch die inhaltlichen Grundzüge unserer Arbeit geblieben. Ein Teil der Gesellschaft ist unseren Themen gegenüber inzwischen etwas aufgeschlossener, aber nach wie vor gibt es starke Verdrängungsmechanismen. Wenn in der Presse ein Fall hoch ploppt, wächst in der Regel das Gras darüber viel schneller, als wir es jemals wegkratzen könnten. Dennoch sorgen wir – z.B. durch unsere Infostände – dafür, dass das Thema im Gespräch bleibt.

Während der Pandemie hat sich der Verein neu aufgestellt.

3. Wo liegen die Vereinsschwerpunkte?

Von Anfang an war es ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit, die Themen Kinderpornografie und Missbrauch aus der Schmuddelecke ins Bewusstsein der Menschen zu holen. Dafür steht die Faust in unserem Logo….wir wollen die Mauer des Schweigens in unserer Gesellschaft durchbrechen, es Überlebenden erleichtern, sich zu offenbaren und Hilfe zu bekommen. Es kann nicht angehen, dass ein Kind 6-8 Menschen ansprechen muss, bevor ihm jemand glaubt! Welches Kind macht denn den 4., 5, oder 6. Versuch noch, wenn es die ersten Male gründlich abgebügelt wurde?

Zombi und Jojo in der Biker Meile in Delmenhorst.

Mit den an unseren Infoständen gesammelten Spenden und den Erlösen aus unserem Stuff-Verkauf unterstützen wir zudem Hilfseinrichtungen für Betroffene und finanzieren Präventionsarbeit renommierter Präventionsinstitute. Dabei achten wir darauf, gezielt einzelne Projekte zu fördern oder zu finanzieren. Wir sind stolz darauf, dass JEDER CENT, der in unsere Spendendosen gelangt, zu 100 % in den von uns geförderten Projekten ankommt!

Einen letzten Punkt unserer Arbeit hängen wir nicht an die große Glocke…. Denn natürlich stehen wir – sei es persönlich (z.B. am Infostand) oder über unsere elektronischen Kommunikationswege – auch direkt als Ansprechpartner für direkt Betroffene oder auch ihre Angehörigen zur Verfügung. Solche Fälle werden wir aber NIEMALS in irgendeiner Form Medien gegenüber kommunizieren.

Damit wir da nicht blauäugig reingehen, sollte jedes Member mindestens 1 x im Jahr eine Fortbildung absolvieren, welche in der Regel durch eines der von uns unterstützten Institute für uns abgehalten wird. Dabei beraten wir natürlich nicht – das kann, will und darf der Verein nicht leisten, das gehört in die Hände von Profis. In Zusammenarbeit mit unserem Notfallteam, das von einer Therapeutin geleitet wird, können wir aber dabei unterstützen, sich im Dschungel von Gesetzen, Behörden oder Einrichtungen zu orientieren und den Weg zu professioneller Hilfe zu finden.

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4. Wie steht ihr zur Clubszene heute?

Sie ist unserer Wurzel. Auch, wenn wir uns in unserem Bewegungsbereich (Festivals, Stockcar-Rennen, Tattoo-Conventions, ja sogar mal ein Bauernmarkt) inzwischen weit darüber hinaus entwickelt haben und uns längst nicht mehr NUR auf den entsprechenden Treffen bewegen, ist die Clubszene die Basis, die wir nie aus den Augen verlieren und zu der wir immer wieder zurückkehren.

5. Werdet ihr von der Clubszene aktiv unterstützt?

Ich sage jetzt einfach mal „JA“. Natürlich ist das von Ort zu Ort unterschiedlich. Unabhängig vom Thema hängt auch viel an persönlichen Kontakten. Je kommunikativer einer ist, um so mehr Kontakte und daher auch mehr Unterstützung hat er in seiner Region. Dann kann es schon mal vorkommen, dass ein gut vernetztes Team nicht mehr allen Anfragen nach Infoständen nachkommen kann, weil auch wir ja noch einen Job und ein Privatleben haben. Aber auch dann finden wir, mit Unterstützung der anderen Teams, in der Regel eine Lösung.

6. Es gibt ja auch den B.A.C.A e.V. International. Gibt es diesbezüglich Kooperationen oder macht ihr komplett euer eigenes Ding?

Bei unserer Gründung 2005 in Deutschland gab es in ganz Europa nichts Vergleichbares. Entsprechend haben wir absolut nichts miteinander zu tun und arbeiten vollkommen unabhängig. Als ein paar Jahre später der B.A.C.A e.V. International von einem unserer Ex-Member nach Deutschland geholt wurde, führte das besonders im Bereich der Spender und Unterstützer, aber auch bei den Hilfseinrichtungen zu heftigen Irritationen. Hätten wir möglicherweise etwas dagegen unternehmen können? Aber welchen Eindruck macht es, wenn zwei Hilfsorganisationen mit der im Grunde gleichen Zielsetzung sich gegenseitig bekriegen? Damit wäre niemandem gedient gewesen. Trotzdem gab es natürlich jahrelang gegenseitige Sticheleien, Provokationen und bestimmt auch das eine oder andere nicht so nette Wort vor und hinter dem Rücken. Inzwischen sind in beiden Organisationen die Führungsriegen in unterschiedlichen Ebenen zumindest teilweise ausgetauscht und damit die Hardliner nicht mehr so dominant.

Mein bisher größtes Projekt für den Verein.

Im Norden haben wir bereits vor ein paar Jahren einfach mal ganz vorsichtig bei einem Bier – ups… sorry… es war Kaffee – miteinander geredet. Das führte zumindest regional einem fairen Nebeneinander, zumal wir feststellten, dass wir uns wegen unserer unterschiedlichen Arbeitsweisen kaum in die Quere kommen. Wenn wir uns also irgendwo auf einem Treffen begegnen, quatschen wir und gehen miteinander um, wie es sich für Biker gehört. Mir ist inzwischen zu Ohren gekommen, dass auch in anderen Bereichen Deutschlands in der mittleren Führungsebene vorsichtige Gespräche stattfinden. Ich begrüße das ausdrücklich, denn wir haben mit unserer Aufgabe da draußen genug zu tun – wir müssen nicht auch noch Energie miteinander verschwenden.

7. Wie viele Regios gibt es?

Der BACAA e.V. hat die Corona-Zeit genutzt, um sich neu aufzustellen und Strukturen straffer und effizienter zu gestalten. Derzeit arbeiten wir regional in 5 Teams, die Deutschland komplett abdecken. Die Kontaktaufnahme erfolgt – zumindest im Erstkontakt – zentral über EINEN Zugang (Kontakt s.u.) an eine kleine Gruppe, die alle hereinkommenden Nachrichten sortiert und an den optimalen Empfänger weiterleitet. Das gilt für Mails ebenso wie z.B. für Facebook oder Instagram. Damit ist sichergestellt, dass alle Nachrichten in angemessener Zeit beantwortet werden, unabhängig von Urlaub, Arbeit oder sonstigen Einflüssen.

Auch Gewerbliche, hier Jimmys Küstenoptik in Scharbeutz, unterstützen den Verein.

8. Was fährst du eigentlich selber für einen Hobel?

Wenn es schnell gehen und praktisch sein soll, bei Mistwetter auch, dann ist es eine Suzuki V-Strom  1050. Aber zum Genießen bevorzuge ich meine Honda VTX 1300. Ein alter, schedderiger Hobel, nicht wirklich was fürs Auge… aber auf der Straße zumindest für mich ein Traum, mit dem ich die ganze Welt ausblenden und zu meiner perfekten inneren Ruhe kommen kann.

Jojos schredderiges Teil.

9. Und was war bisher so deine geilste und/oder längste Tour?

Ich bevorzuge eigentlich Tagestouren, so wie die überwiegende Mehrzahl. Inzwischen ist aber das Zelt auf dem Mopped schon zum Normalzustand geworden. Meine längste Tour? Das war gleichzeitig die bisher Schönste. 6 Tage. Alleine. Einfach den Kopf ausschalten, fahren und schauen, wohin die Straße mich führt. Bei dieser Tour wusste ich nur an einem einzigen Tag schon morgens, wo ich am Ende des Tages landen würde – am letzten. Zu Hause.

10. Thema Nachwuchs. Wie kann man Mitglied werden und wie läuft das bei Interesse an aktiver Tätigkeit ab?

Auch wir haben in der letzten Zeit etwas Probleme mit dem Nachwuchs bekommen – weil wir ja nicht richtig raus konnten. Letztlich läuft es so, dass jemand erst einmal eine Zeit bei den Infoständen unterstützt, als Supporter. In dieser Zeit gibt es viel zu lernen, was aber durch aufmerksames Zuhören durchaus möglich ist, und es ist ja immer mindestens ein Member als Standbetreuer vor Ort. Einigen genügt diese Art der Unterstützung, weil jeder Supporter selbst entscheiden kann, wann und wo er dabei ist. Ich habe einige altgediente Supporter, die leistungsmäßig einem Member in nichts nachstehen.

Auch auf dem Motorcycle Jamboree ist der B.A.C.A.A e.V. regelmäßig am Start.

Wer den Weg aber weiter gehen will, der kann ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis beantragen und von seinem Teamleiter bei der Jahreshauptversammlung als Anwärter vorgestellt werden. Dabei spielt es bei uns keine Rolle, ob Mann oder Frau. Bei uns geht es bei dieser Anwärterzeit darum, uns die Bewerber noch einmal sehr genau anzuschauen. Natürlich müssen wir uns vorstellen können, mit den Betreffenden zu arbeiten. Wir haben ein extrem sensibles Thema, und so ist bei uns auch das Verhalten gegenüber potenziell Betroffenen ein Kriterium. Für hektisches Treiben, Posen, für Selbstdarstellung, für heiße Luft ist bei uns kein Platz. Wir brauchen Leute mit Verstand, Einfühlungsvermögen, Diskretion, Verantwortungsgefühl, Menschen, die Vertrauen aufbauen können und dennoch die Distanz wahren. Etwas Einsatzbereitschaft wäre auch nicht schlecht. Wenn alles stimmt, kann nach einem weiteren Jahr die Ernennung zum Mitglied erfolgen. (Ende Mailinterview)

2011 nutzen wir die Ausfahrt mit 329 Bikes für den mobilen Infostand des B.A.C.A.A e.V..

Anmerkungen zum B.A.C.A.A e.V.!

Was mir an der Truppe gefällt ist die Beständigkeit und dass ich bisher jedenfalls noch nie ein schlechtes Wort über die Clubszene gehört habe. Die Nummer mit dem erweiterten polizeilichen Führungszeugnis sehe ich im Kontext zu der sensiblen Thematik. Wer hat schon Bock darauf, sich einen verurteilten Kinderschänder ins Boot zu holen.

Bis 2011 hatte ich mich an sich nie für die gemeinnützige Arbeit des B.A.C.A.A e.V’s interessiert, nach 2011 hat sich das entscheidend geändert. Der Verein leistet eine enorm wichtige Arbeit, die wir so an sich gar nicht nachvollziehen können. Wir sehen auf den Bikertreffen oft nur einen Stand und einige Leute dahinter.  Geht ruhig mal hin und befragt die Leute. Denn letztlich geht es keinesfalls nur um das Generieren von Spenden, die Aufklärung ist mindestens genauso wichtig. Danke an Jojo für das Vertrauen zum Mailinterview!

Das ich eine klare Meinung zum Thema Kindesmissbrauch habe, hatte ich in 2011 passend zum Eventmotto „Hände weg von unseren Kids“ mit dem Text zum Song „Bastard“ des damaligen Wild Rock Projects dargelegt. An dieser Stelle passt er m. E. sehr gut, wobei der Song nur meine ganz persönliche Sichtweise darstellt.

Achtung! Gerne unterstütze ich den Verein mit einem kostenfreien Banner, welches immer dann eingesetzt wird, wenn es die Situation erlaubt. Hier bitte ich um Übersendung von zwei Bannergrößen.

Maße? 990 x 255 Pixel sowie 500 x 140 Pixel (jeweils Breite x Höhe)

Kontakt: kontakt@bacaa.de

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Steckenpferd? PR Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitglied (1%er). Karre? 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.