Nach meiner Kritik an der diesjährigen Custom Bike Show in Verbindung mit dem Mailinterview sowie meinen Nachkontakten, stellt sich mir mittlerweile ein differenzierteres Bild dar. Es ist ganz offensichtlich, das die Messe bei den Ausstellern in Summe deutlich besser ankam, als bei einem nicht unerheblichen Teil der Besucher.
So ließen sich einige Aussteller wie folgt auf meine Nachfrage ein:
Area 37 Shop!
Die Messe war ein großartiges Erlebnis. Es waren zwar ein bisschen zu viele Aussteller mit Schmuck bzw. einige, die auch gemischte Ware hatten, aber ansonsten eine geile Messe. Die Bikes waren nice, die Betreuung der Messe auch vor Ort. Ich finde, dass zwei große Hallen auch genug sind für eine Biker Messe, es war für jeden was dabei.
Für uns war die Messe Neuland und wir sind sehr positiv überrascht gewesen. Unsere Mode und unser Schmuck kamen richtig gut an bei den Leuten. Sie schätzen die Qualität. Wir konnten ebenso bereits einige Nachbestellungen via unseren Onlineshop feststellen, was ja auch ein gutes Zeichen ist. Sind next year auf jeden Fall wieder dabei und freuen uns auf das großartige Publikum.
Allgemeines!
Solche Statements in Verbindung mit den Kommentaren und kleinen Interviews auf der Page der Custom Bike Show selber zeigen auf, dass die Intention der Custom Bike Show anscheinend bei den Ausstellern angekommen ist und erste Früchte getragen hat. Weniger Masse, mehr Klasse, so das aktuelle Motto. Konkret, die Messe möchte mehr Fachpublikum ansprechen. (siehe Mailinterview Herr Reibchen)
In Sachen Besucher ist das Meinungsbild m. E. aber nicht klar positiv. Das hängt im Wesentlichen damit zusammen, dass viele mit einer Erwartung die diesjährige Messe besucht haben, die noch stark von der Ausrichtung der Custom Bike Show durch den Huber Verlag geprägt war. Dieser hatte die Messe in 3,25 Hallen sowie dem 1. Obergeschoss präsentiert. Zugegeben, da standen nicht lauter Customizer und Fachaussteller, aber es wirkt dennoch optisch markant auf den Besucher ein.
Der Huber Verlag hatte zudem zuletzt sehr auf eine breite Streuung gesetzt, die sich stärker vom direkten Customumfeld entfernte. Das wurde u. a. von Customizern kritisiert, da die Anzahl an Fachgesprächen merklich zurückging. Hier setze laut Geschäftsführer Reibchen das Messezentrum an und versuchte mit dem neuen Konzept den Kritiken von Customizern und Fachausstellern entegenzutreten. Ob das nun erfolgreich durch kommuniziert werden kann, wird die Messe 2023 zeigen. Ein Selbstläufer wird es m. E. nicht werden.
Je nach wirtschaftlicher Entwicklung wird es nicht einfach sein, Aussteller aus vergangenen Zeiten wieder auf die Messeplattform zu holen. So ein Messeauftritt kostet in Summe ganz locker einen höheren vierstelligen Betrag. Da braucht es schon etliche gute Gespräche mit ernsthaft interessierten Besuchern am Stand, um eine Chance auf eine Refinanzierung durch Aufträge zu haben. Allerdings wird eine Messe nicht nur anhand von Aufträgen bewertet. Für viele ist es generell ein Investemnt, um Bekanntheit und Image zu erhöhen, Kontakte zu pflegen und zu knüpfen, im besten Fall mit einer positiven Auftragsbilanz. Diese entscheidet sich häufig erst weit nach der Messe selbst.
In Sachen Besucher wird es sehr darauf ankommen, ob es dem Messezentrum gelingt, sein Konzept in der Öffentlichkeit stärker als bisher zu kommunizieren. Falsche Erwartungshaltungen wird es immer geben, aber 2022 war das Messekonzept vielen Besuchern ganz einfach nicht bekannt. Das erzeugte merklich negative Statements. Hier besteht insofern echter Handlungsbedarf. Die Messe ist allerdings bereits dabei, dem Rechnung zu tragen.
Fazit!
Ich kann von hier aus nicht beurteilen, ob die Custom Bike Show 2022 tatsächlich so erfolgreich verlief, wie es die offizielle Pressemitteilung vermuten lässt. Da in der Customizerszene ein dichtes Netzwerk besteht, man kennt sich halt, wird sich in 2023 zeigen, ob die Aussteller das neue Konzept nachhaltig mittragen und die derzeit positiven Statements nicht nur business as usual sind. Daran muss man die Custom Bike Show im nächsten Jahr messen.
Die potenziellen Besucher sind allerdings zukünftig auch stärker gefordert, sich mit der Messe im Vorfeld eingehender zu beschäftigen. Wer ist vor Ort? Wie umfangreich ist das Angebot? Ein nachhaltiger Blick in das Ausstellerverzeichnis hilft da schon einmal. Zudem gibt es ja die Möglichkeit, sich direkt an die Messe zu wenden. Mit reiner Konsumhaltung ist es m. E. auch nicht getan.
Fakt ist, Präsenzveranstaltungen sind wichtiger denn je, insbesondere in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung. Viele Hersteller verzichten mittlerweile jedoch auf Messeauftritte, schicken lieber digitale Modellpräsentationen ins Rennen. BMT Berlin und Ima Hessen sind zwar konzeptionell mit der Custom Bike Show nicht zu vergleichen, aber deren Absagen für 2023 zeigen auf, dass die Organsisation von Messen weitaus risikoreicher geworden ist. Ich bin insofern gespannt auf die Custom Bike Show 2023!