Die Custom Bike Show 2022: Meinungen & Eindrücke!

Rein persönliche Wahrnehmung!

Ich kann mich noch sehr gut an meinen ersten Besuch der Custom Bike Show in Bad Salzuflen erinnern. Das Spektrum der Messe war damals derart breit gefächert, sodass ich pausenlos unterwegs war, Dutzende Gespräche führte und letztlich sogar mit Muskelkater nach Hause fuhr. Ja, es war ein Erlebnis. Wenn ich dieses nun als Maßstab zur Beurteilung der Custom Bike Show 2022 heranziehe, so würde mein Fazit wohl eher vernichtend ausfallen. Ich versuche das daher mal fair auf zu bröseln.

Als ich das Teil sah, bekam ich eine Erektion. Fucking geil Chicano Style.

Meine Einschätzung!

Tatsächlich war ich auf der Messe der erste Medienfuzzi überhaupt. Freitags wird der Presse die Möglichkeit eingeräumt, zwei Stunden früher die Custom Bike Show zu besuchen. Das nutze ich regelmäßig, denn so kann man in Ruhe die Bikes fogorafieren und die Händler sind zum Teil noch für ein lockeres Gespräch zu gewinnen. Ab 12.00 Uhr boxt nämlich der Papst und dann geht es um ihr Business. Da macht Akquise meistens kaum noch Sinn.

Ich hatte mir den Aufbauplan vorher gar nicht angeschaut und schlenderte einfach gemütlich durch die beiden unteren Hallen. Irgendwann suchte ich nach dem Treppenaufgang zur ersten Etage, wo bis dato u. a. immer die große Sonderausstellung Bikes lief und auch etliche Stände aus dem After Market (Update: siehe unten) mit teilweise coolen Angeboten lockten. Aber in diesem Jahr war die erste Etage gar nicht belegt.

So sah das am Freitag um kurz nach 12.00 Uhr aus. Da habe ich am Eröffnungstag schon deutlich längere Schlangen gesehen.

Bämm, dat man übel, denn damit beschränkte sich das diesjährige Angebot ausschließlich auf die Presenter in den Hallen 20 und 21. Da ich selbst dort vereinzelt Lücken ausmachte, war klar, dass die Anzahl der teilnehmenden Händler rapide gesunken sein musste. Ich hatte einen Rückgang erwartet, aber nicht so markant. Das muss nun je nach Besucherzahl für die noch anwesenden Händler kein Nachteil sein. Denn selbst wenn der Besucherzustrom um meinethalben 30 % zurückgehen würde, so kann der rein mathematische Wert pro Stand aufgrund der deutlich geringeren Anzahl an Ständen ggf. höher sein. Wie gesagt, mathematisch. Kommt dann natürlich auf den Standplatz selbst noch an!

Top-Anzeige

Die üblichen Verdächtigen waren erneut mit teilweise großen Ständen präsent. Doch genau hier liegt ein weiteres Problem. Motorcycle Storehouse, Thunderbike, BIg Bikes, King Kerosin, Custom Hands, Wunderkind, BMW, Indian und andere präsentieren sich stets top professionell, aber man kennt sie eben, es fehlten die Neuen bzw. kleinere Stände, die mit Nischenangeboten oder Kreativem locken und überraschen,  Angebote, welche man woanders nicht oder nur selten antrifft. Es gab sie, aber in einem sehr überschaubaren Umfang. Fakt ist, der gemächliche Rundgang war ungewöhnlich früh beendet.

Geile Bikes waren natürlich erneut in Hülle und Fülle zu bestaunen. Insbesondere einige Unikate im Chicano-Style hatten es mir angetan. Ich stehe total auf diese Optik , sofern die Fish Tales nicht einen Meter hinter dem Fender herausragen. Ja, wenn ich Kohle hätte, würde längst ein fetter Bagger in der Garage stehen. Es wird wohl ein Wunsch bleiben.

Die Sonderausstellung „Halbstark“ präsentierte sich gefällig. Da schwelgt man in Erinerungen.

Standgespräche!

Am Stand von Rockyfy kam ich ins Gespräch mit Willi, dem Betreiber eines Shops aus Kärnten. Der Österreicher war extrem locker drauf und gab mir bereitwillig Auskunft über sein Angebot an Schmuck für Biker. Ich merkte schnell, dass die Story dahinter hoch interessant ist, da Willi überwiegend selbst designte Kreationen anbietet, die ziemlich durchdacht sind. Daher werde ich mit dem ehemlaligen Architekten nach der Messe eine Präsentation im Onlinemagazin erarbeiten.

Am Stand von Rockyfy hatte ich ein gutes Gespräch mit dem Betreiber aus Kärnten.

Jeannie aus Stadland war mit dem Area 37 Shop ebenfalls auf der Messe. Die Schweizerin ist stets gut drauf, versprüht Lebensfreude und war mit ihrem stylishen Angebot eine echte Bereicherung. Zudem ist sie kommunikativ und kennt Gott und die Welt, sodass an ihrem Stand stets etwas los war. Ich necke sie und Gerd immer ein wenig, damit der Famefaktor nicht zu hoch ausfällt. Gerd grinst sie dann immer nur einen.

Sofortige Wiedererkennung. Das Bike von Bodo Antonic mit dem Paiting von Katharina von der Eiche. Genial!

Am Stand von Axel Joost Elektronik ging es um das vermeintlich kleinste Relais der Welt, welches in den letzten Jahren stetig weiter entwickelt wurde. Axels Angebot ist etwas für echte Schrauber. Das gilt besonders für die D-Box, die mittlerweile drei Funktionen in einem Relais verbindet und an Effektivität hinzugewonnen hat. Axel erläuterte mir u. a. auch die Funktionsweise der ultrakleinen Taster mit 8 mm-Gewinde. Ich habe euch unten mal seinen Link hineingesetzt. Das ist technisch echt interessant.

Den Stand von Anke Boll von Wild West Motorradreisen konnte ich um’s Verrecken nicht finden, obwohl ich 4 x durch die Halle gelaufen bin. Entweder lag es daran, dass ich echt noch verklärte Augen hatte oder der Standplatz war irgendwie immer verdeckt. Ihr Corporate Design kenne ich jedenfalls auswendig. Keine Ahnung, was da nicht passte.

Konzeptbike von BMW auf Basis der R18. Ist das für den Eiskanal?

Die meisten Stände waren echt gefällig dekoriert bzw. professionell aufbereitet worden. Eine echte Krücke konnte ich jedenfalls nicht ausmachen. Es fiel mir jedoch auf, dass wohl einige Customizer nicht erneut den Weg nach Bad Salzuflen gefunden haben. Das übliche Rockstargehabe einiger Protagonisten dieser Zunft hielt sich nämlich total in Grenzen.

Verpflegung!

Eine Currywurst mit Pommes für 9 Euro, ein Brötchen mit 0.2 L Kaffee für 6 Euro? Alter Falter, langsam ist mal gut. Ok, die Preise sind im Einkauf gestiegen, auch die Löhne, aber das ist schon echt derbe teuer und mittlerweile nicht mehr mit der aktuellen Wirtschaftslage alleine zu erklären. Natürlich bekommt man hier den Eindruck, dass die Besucher aufgrund der Monopolstellung voll zur Kasse gebeten werden. Nee, darauf gehe ich nicht weiter ein.

Eine Ausstellung von Fightern. Erfrischend, dass man der Fighterszene einen Raum gibt.

Wechselwirkungen!

Durch den Kommentar eines ehemaligen Standbetreibers hatte ich eine konkrete Kennzahl für die Höhe der Standmiete. Die liegt in der Regel immer im vierstelligen Bereich, sehr kleine Stände ggf. noch dreistellig. Damit hatte ich ohnehin gerechnet. Das Standgeld ist sicherlich ein Grund dafür, warum etliche nicht mehr die Custom Bike ansteuern. Die Höhe für sich ist aber nicht der einzige Grund, denn das Internet spielt hier ganz gewaltig mit hinein.

Fast alle Händler sind in den Socials, betreiben eine zumeist kostenlose Page im Fratzenbuch, pflegen einen Instagram-Kanal, usw. Warum soll ich 1.200 € für einen Stand mit nicht mal 30 m2 plus Nebenkosten ausgeben, wenn ich meine Kunden im Netz für umme erreichen kann? Berechtigte Frage! Man muss schon einen hohen Zulauf haben, um aus der Custom Bike Show soviel Potenziel herauszuzeihen, das man letztlich den Break Event Point erreicht bzw. überschreitet. Das halten viele nicht mehr für möglich. Das ist es aber. Jedenfalls dann, wenn man gut vorbereitet ist.

Sowas nenne ich eine markante Präsentation!

Wenn man allerdings Marketing- oder Vertriebsinstrumente nicht nutzt, kommt es letztlich nur noch auf die eigene Präsenz an. Passt das auch nicht, kann die Aktion Custom Bike Show nicht erfolgreich verlaufen. Am Ende war das Standgeld zu hoch? Nee, das ist mir so dann echt zu billig. Wer alles richtig macht, der kann gerne auf das Standgeld verweisen.

Kontaktfreudigkeit und Akquise liegen nicht in der Verantwortung der Messe. Das ist euer Part. Wenn ich am Freitag in der Pressezeit durch die Hallen laufe und gefühlt ein Drittel der Stände nicht mal mit einem Ansprechpartner besetzt sind, bekommt ihr bestimmt keine Präsentation in einem Szenemedium. Und schon hier hat man die erste Option für potenzielle Kundenkontakte verspielt.

Solange die Custom Bike Show nicht zu einer Caravanmesse verkommt, sind derartige Outdoors sinnvoll.

Die Atmo und Laune muss natürlich während der Messe ebenfalls darauf ausgerichtet sein, dass man sich über jeden Besucher freut. Einige kommen sich da vor wie Könige oder schauen derart grimmig drein, dass man schon gar keinen Bock mehr auf den Kontakt hat. Rockyfy aus Kärnten war ein positves Beipspiel dafür, wie man mit Kontakten umgeht.

Gedankenspiele!

Aber klar, auch die Messe muss einen Weg finden, die Custom Bike Show an Attrakttivität zu steigern, damit der Besucher das Gefühl hat, dass die 25 Euro Tageskasse berechtigt sind. Daher sollte man sich die Kalkulation vornehmen. Zwei Personen sind nur für Tageskasse und 2 Kaffee sowie zwei Brötchen schon mal 74 Euro los. Plus Sprit liegt man je nach Entfernung ganz locker über 100 Euro und hat dann noch nicht mal etwas gekauft.

Van Mell habe ich mehrfach benutzt. Jo, kann ich mit um.

Wie wäre es mit einem Messejournal (kein Händlerverzeichnis), das über die Standmieten querfinanziert wird und in dem die ganzen Händler eine professionelle Promition bekommen, die sie nicht extra bezahlen müssen. Der Besucher bekommt das Teil in die Hand gedrückt und kann sich das Journal auf oder nach der Messe reinziehen. Das ist echt Arbeit, aber es funzt, wenn man weiß, wie es geht. Ich sage nur Jamboree Journal! Mit der Möglichkeit darin zu inserieren, kann das ein echter Mehrwert und sogar profitabel sein. Gerne gebe ich hier Auskunft.

Ein kleines Start Up wird vermutlich kaum bereit und in der Lage sein über 1.000 Euro Standmiete zu blechen. Mit Unterkunft, Sprit und Verpflegung liegt man ganz schnell bei über 2.000 €. Hier fällt mir die 1. Etage ein. Wie wäre es, wenn man dort ein spezielles Start UP/Handwerks-Areal einrichtet, in der die Flächen genormt sind und ggf. auch deswegen etwas günstiger angeboten werden können, weil die dortigen Händler live am Stand ihr Können demonstrieren. In den Bereichen Metalle, Leder, Airbrush, Wassertransferdruck, Bikerschmuck, usw dürfte genügend Potenzial vorhanden sein. Ein spezieller Deal mit einem Hotel, ich habe da eines in Melle direkt an der BAB gesehen, drückt ggf. noch die Übernachtugskosten und macht die Nummer wirtschaftlich attraktiver.

Der Stand von Area 37 belebte die Messe. Stylish wie immer.

Hierfür kann man das Netz sehr gut als Kontaktquelle nutzen. Macht natürlich nur Sinn, wenn man selber akquiriert. So etwas würde jedenfalls den Kreativen entgegenkommen, die meinen, dass sie selber einen Mehrwert darstellen, den sie aber nicht durch einen nachweisbaren Marktwert belegen können. Und ohne diesen Marktwert kann man die Bedeutung eines Angebotes nicht fair austarieren! Und wenn man das nicht selber leisten kann, gibt es ja ggf. die Möglichkeit einer Kooperation. Aspekt Outsorcing!

In jedem Fall ist die Messe gut beraten, die kommenden 12 Monate zu nutzen, um weitere Potenziale zu erkennen. Vor allem muss die Messe viel früher in das Marketing einsteigen. Dieses Jahr ging das erst im September los. Keine Ahnung warum, aber für die Custom Bike Show ist das m. E. too late. Und mehr als nur eine digitale Presseinfo wäre auch nicht schlecht. Ich habe nicht die Zeit, um dauernd die News mit der letzten Pressemeldung abzugleichen. Und nutzt massiv die ganzen digitalen Foren für Biker. Ich kann mich nicht daran erinnern, außerhalb der Messeseite selber oder denen der Verlage etwas gesehen zu haben.

Auf die Idee zu so einer Schwinge muss man erstmal kommen. Ach ja, extrem bequeme Sitzplatte.

Fazit!

Derartige Großmessen zu organisieren ist ein mega Aufriss. Das ist echt schwer und das finanzielle Risiko ist immens. Alle Interessen unter einen Hut zu bekommen, ist nahezu unmöglich. Es braucht daher eine gute Balance. Ich habe jedoch irgendwie das Gefühl, dass man die Nummer solange laufen lässt, wie es sich noch rechnet und dann kommt irgendwann der Cut und statt der Custom Bike Show bekommt eine Mainstreammesse den Zuschlag für den Termin Anfang Dezember. Wäre cool, wenn ich mich irre, denn Mark Zuckerberg interessiert sich einen Scheiß für die Bikerszene. Nur mal so erwähnt! Wir brauchen Präsenzveranstaltungen und die kosten halt Geld. Ergo sollte man sich gemeinsam um den Erhalt der Custom Bike Show bemühen. Ihr seid völlig anderer Meinung? Na, dann Feuer frei!

Update 05.12.2022:

Es wird eine Messe-Nachlese geben, in der ich der Geschäftsführung der Messe Gelegenheit gebe, sich zu der allgemeinen Kritik im Netz und meinerseits zu äußern. Seid gespannt!

Update 06.12.2022:

Vermutlich habe ich Aussteller aus dem Lifestyle-Sektor hier versehentlich im After Market verortet.

Link: https://bikesmusicandmore.com/schrauber-tipps-das-kleinste-blink-relais-der-welt/

Fotosafari! (Zum Vergrößern Bilder anklicken)

Kontakt: https://www.facebook.com/custombikemagazin

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Steckenpferd? PR Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitglied (1%er). Karre? 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.