Fahrverbote: Der Protest geht weiter!

Nach der Saison 2020 und den vielen Motorraddemos gegen temporäre Fahrverbote hatte ich die Frage aufgeworfen, ob man die Winterphase 2020/2021 dazu nutzen wird sich inhaltlich besser aufzustellen, um in diesem Jahr den Protest effektiver und sachlich fundierter fortführen zu können. Zwischenzeitlich kam ich zu der Erkenntnis, dass das Thema erwartungsgemäß eingeschlafen ist.

Nun, ganz so ist es nicht, denn im Hintergrund gab es schon einige Kräfte, die fleißig daran gearbeitet haben, das Anliegen der Gegner von Fahrverboten voran zu treiben. Im Hintergrund, damit für die Masse kaum erkennbar. Und genau da liegt m. E. einer der Gründe, warum es einem immer noch so vorkommt, das alles irgendwie in einem Inner Circle stattfindet, die Base aber argumentativ noch auf demselben Stand wie in 2020 ist.

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Strategie?

Um Deinen Gegner erfolgreich bekämpfen zu können, muss Du ihn kennen. Was sind seine Stärken und Schwächen? Wer steht hinter ihm? Wie ist er vernetzt? Wo ist er verwundbar? Welche Allianzen hat er aufgebaut? Wie stark ist die Manpower?

Hat man darüber keine Infos, solltet man nicht in den Kampf ziehen, da man ganz schnell ausgekontert wird. Zudem muss man sich fragen, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen und welche Waffen (belegbare Argumente) man zur Verfügung hat. Hier ist es abnorm wichtig, dass nicht der Wunsch der Vater des Gedanken ist, sondern die realen Möglichkeiten. An dieser Stelle kommt man dann schnell an seine vermeintlichen Grenzen und denkt sich, wir suchen den Schulterschluss mit anderen Aktiven. Vollkommen nachvollziehbar!

Abr, obwohl man vermeintlich auf derselben Seite steht, kommt es schnell zu Kontroversen, da jeder für sich reklamiert, dass er die richtige Position eingenommen hat oder alleine durch seine größere Base punkten kann. Es kommt zu Zerwürfnissen, so wie wir das in 2020 mehrfach erlebt haben. Und der Grund liegt m. E. darin, dass einige doch weitaus mehr von ihrem Ego angetrieben sind oder sich an vermeintlichen Erfolgen selbst berauschen.

Erfolge? Nun, eine Motorraddemo mit 15.000 Teilnehmern ist ein starkes optisches Zeichen und natürlich kann der Anmelder die Protestveranstaltung für sich als Erfolg werten, denn immerhin hat er die Leute in hoher Zahl motiviert teilzunehmen. Wenn aber dieser Multiplikator im Nachrang nicht genutzt wird und die Biker somit ohne eine klare Message nach Hause fahren, braucht es die nächste Demo, um erneut wahrgenommen zu werden.

Doch gehört die Nachbearbeitung zu einem Matchplan einfach dazu, nicht umsonst ist die Stufe 3 in einem Businssplan die Stufe, in der sich entscheidet, ob man auch nach einer Neueröffnung auf der Erfolgsspur bleibt. Daran scheitern viele, weil sie sich vorher darüber keine Gedanken gemacht haben. Mit einem Protest ist es nicht anders. Der Blick über den Tellerrand hinaus ist notwendig. Was ist Stufe 2 und 3! Wie nutze ich den Schwung, um die Leute nachhaltig zu überzeugen und auf mich einzuschwören?

4.7.2020 – Dresden – Theaterplatz – Motorraddemo: Rund 5000 Motorradfahrer hatten auf dem Dresdener Theaterplatz gegen Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen, sowie Streckensperrungen und Diskriminierung protestiert. Die Redner hatten sich in einer Art Diskussionsrunde den Massen gestellt.

Simplifizierung?

Das Thema ist sehr komplex. Daher arbeiten sich einige Communitys intensiv in die Materie ein und gewinnen dadurch an Expertisé. Und an diesem Punkt wird es brenzlig. Denn plötzlich entsteht unter den Mitstreitern ein interner Wettbewerb um das bessere Argument bzw. die Deutung von Argumenten und die damit verbundene Marschrichtung. Nach etlichen Stunden der Recherche und vielen Gesprächen mit den anderen Communitys kommt es erneut zu Kontroversen, man gerät in Streit, bei Bikern geht das ja bekanntlich recht schnell.

Daher plädiere eindeutig dafür, das man die eigene Expertisé für die breite Öffentlichkeit auf Schlagwörter und Parolen umlegt und genau diese dann vorantreibt. In 2020 habe ich das zusammen mit meiner Lady mit dem Positionspapier versucht und unter Beteiligung etlicher Demoanmelder und Gruppen in Martfeld auch geschafft. Nur hat nach den erfolgreichen Votings niemand damit öffentlich ersichtlich gearbeitet, es fehlte die Nachbearbeitung. Ok, Schwamm drüber!

So etwas darf nur nicht noch einmal passieren, denn all das wirkt ja nicht nur nach Innen, sondern auch nach Außen. Wenn langfristig der Eindruck entsteht, das die Gegner der geforderten Fahrverbote sich uneins sind und sich dauerhaft gegenseitig angehen, dann verlieren wir die Base und damit den Protest und ohne die Base wird es keinen Erfolg geben!

Die Leute brauchen etwas, woran sie sich mehrheitlich festhalten können. Das sind nun einmal die Schlagwörter und wesentliche Argumente, das was jeder versteht. Hinter denen verbirgt sich zwar ein komplexer Themenbereich, aber der wird nicht nach Außen getragen. Schaut euch mal an, wie die Nummer mit den Landwirten und den Bikern gelaufen ist. Die haben das komplett intern gehalten und auf den Punkt Aktionen gefahren, aus denen sich dann mehr ergeben hat. Strategisch klug eingefädelt und medial auf den Punkt abgeliefert. Niemand hat versucht, dem Beobachter zum Beispiel die Subventionspolitik der EU zu erklären. Das lief über ein Motto, hinter dem sich alle trotz individueller Problemstellungen vereinigt haben..

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Der Feind meines Feindes ist mein Freund?

An diesem Punkt bin ich meistens raus. Denn wenn man Allianzen mit Leuten eingeht, die nachweislich eine erheblich konträre Position zu der eigenen haben, dann trage ich das nicht mit. Ich setze mich zum Beispiel nicht mit Silent Rider oder dem BVDM e.V. in ein Boot, da diese Vereine Positionen führen oder dulden, die ich nicht als die meine ansehen kann. Man braucht sie auch nicht! Das kann man natürlich anders sehen, aber wenn jemand mit Teilen der Motorradszene persé ganz offensichtlich nichts zu tun haben will, dann ist er für mich kein Partner.

Ein Gespräch in einer Talkrunde oder einem anderen Format im Sinne von Pro & Contra ist etwas völlig anderes, wie viele wissen hatte ich den BVDM e.V. zum Biker Talk eingeladen, um ihm die Möglicheit zu geben seine Argumente vorzutragen, doch bis heute habe ich nicht einmal eine abschlägige Antwort erhalten. Fakt ist, eine Kooperation schließe ich für mich kategorisch aus, egal wie fundiert deren Expertisé ist oder mit wem die an welchen runden Tischen kuscheln. Das hat für mich etwas mit Glaubwürdigkeit zu tun.

Fazit!

Hinten die Substanz und vorne das Feuer. Das wäre m. E. der richtige Weg. Die geforderten Fahrverbote erfüllen eindeutig den Aspekt der Sippenhaftung, sind sind garantiert nicht das mildeste Mittel und da es zudem Präventionsmittel wie Lärmdisplays gibt, die nachweisbar Verkehrslärm reduzieren, sind sie auch nicht erforderlich.

Ich bin gespannt, was sich in dieser Saison ergibt. Jegliche Bestrebungen hin zu mehr “Wir” werden von mir mit dem Onlinemgazin untersützt, solange man sich nachhaltig und unmissverständlich gegen die kollektive Vereinnahmung aller Motorradfahrer wendet und man der Politik bezüglich der Unverhältnismäßigkeit der Forderung nach einem temporären Fahrverbot unter Missachtung des Verursacherprinzips nachhaltig auf die Füße tritt.

Abschließend merke ich an, dass m. E. die Clubszene nicht ausreichend in dem Protest repräsentiert ist. Damit meine ich nicht die Beteiligung an den Demos, das läuft gut, nein, ich meine die Beteiligung an Gesprächen über Strategien oder Synergien. Ja, das ist nicht so einfach, wer könnte schon für alle Clubs sprechen, ich stelle dennoch fest, dass es wichtig ist, dass die Kuttenträger eine Rolle spielen. Vielleicht hat da ja jemand eine gute Idee, wie man das hinbekommt.

Der Demo in Nürnberg wünche ich gutes Gelingen und einen reibungslosen Ablauf.