Leserbriefe sind stets willkommen. Auch dann, wenn sie sich kritisch mit der Rocker-Szene auseinander setzen. Auf ein Statement von Robert Lienemann habe ich an sich schon lange gewartet. Seine Anti-Position ist mir hinlänglich bekannt. In diesem Fall veröffentliche ich das Teil ohne eigenen Kommentar, denn ich möchte eure Meinung dazu in keinster Weise beeinflussen. Und bitte sachlich! Mein Senf dazu folgt dann auch noch!
Freiheit, Abenteuer, wilde Partys und Outlaw sein ist der Mythos den man Rockern nachsagt. Als Hardrock Musiker habe ich früher oft auf Partys von meist Freizeitrockern gespielt und hatte viel Spaß dort, später als Tontechniker wurde ich dann auch schon mal mit sogenannten Einprozentern in Verbindung gebracht und sorgte für den Sound auf Partys der sogenannten echten Rocker und begann mich auch damit zu beschäftigen was das ein oder andere Abzeichen zu bedeuten hat.
Auf den ersten Blick musste ich sogar feststellen das mir diese Lebensart gewissermassen imponierte, als jemand der seine Freiheiten liebt und im grossen und ganzen mit Bevormundung wenig anfangen kann ,kam ich mit den Jungs weitestgehendst gut klar !
Weil ich ein bisschen mehr wissen wollte zog ich mir dann auch irgendwann diverse Bücher rein, unter anderem von Sonny Barger und allem anderen was mir zwischen die Finger kam und stellte fest das so ein Modell eigentlich wenig mit meiner Vorstellung von Freiheit zu tun hat.
Mir reicht es schon das diverse Flachpfeiffen sich Bundeskanzler und Finanzminister nennen und mir ihr verficktes Grundgesetz aufbrummen, da brauche ich nicht noch zusätzlich einen President und Vicepresident und schon gar keinen Road Captain der mir erzählt wie ich mein Ziel erreiche weil ich erstens Karten lesen kann und zweitens ein Navi besitze, schon garnicht wenn ich dieses Ziel nicht erreichen möchte aber mir ein Clubmember erzählen will wohin ich kommendes Wochenende zu fahren habe !
Auffällig ist auf jeden Fall das all diese Abzeichen sich überhaupt nicht von den Strukturen des sonstigen Lebens unterscheiden, Egal ob Regierung, Militär oder Firma im Sinne von Chef, Meister , Altgeselle, Geselle, Azubi !
Da kann jetzt aber jemand der President sein, wenn seine Auspufftüte zu laut ist oder sein Blinker falsch eingetragen ist interessiert es den Polizisten nicht ob er Prospect oder der Chef von irgendeinem Club ist, das Knöllchen ist ihm sicher, wird noch ein kleines Tütchen Dope oder ein Klappmesser gefunden ist er richtig fällig und so manch Rocker ist für wenige Gramm in den Bau gewandert die heutzutage 13 Jährige besitzen !
Mich als Prospect auf unbestimmte Zeit zum Hans Wurst zu machen ist sicherlich auch nicht mein Ding, sicherlich muss man Leute prüfen die man in einem Club aufnimmt wie man auch gute Freundschaften prüft, wer aber permanent davon spricht das man ihm Respekt erweisen soll wird sicherlich keine gute Ausgangsbasis finden wenn man jemanden am unteren Ende der Nahrungskette als Parkplatzwächter, Kneipendiensttrollo oder gar Harley Putze des Vorstands einsetzt !
Die Kutte ist heilig und wird unter allen Umständen verteidigt, komischerweise kenne ich kaum jemanden der immer noch seine erste Kutte trägt, kommt das Angebot von einem Club mit mehr Einfluss ist das alte Jäckchen schnell abgegeben und der Rocker kehrt in den Prospect Modus zurück beim neuen Club, sofern er Jobtechnisch die Anforderungen leisten kann !
Sogenannte Supporter Clubs wären für mich am allerwenigsten, ich bekomme zu meinem Präsidenten noch einen Fremdpräsidenten auf den sogar mein grosser Chef hören muss, hört sich etwas devot an wenn man es nicht besser wüsste !
Um es kurz zu machen, der Rocker geht ganz normal arbeiten und haut in seiner Freizeit ein bisschen auf den Putz und hat das Grundgesetzt genauso zu befolgen wie jeder andere, würde sich mit den Klischees des Drogenhandels, Waffenhandel und Prostitution soviel Geld verdienen lassen würden nicht soviele von ihnen als Handwerker, Selbstständige oder sogar Rettungssanitäter arbeiten oder so angeranzte Karren fahren ,geschweige denn sie müssten ihre Clubheime nicht mieten sondern würden sie einfach kaufen und könnten sich somit auch nicht bevormunden lassen von Behörden !
Im grossen und ganzen hat aus meiner Sicht jeder Hippie der mit seinem VW Bus durch Europa fährt mehr Freiheit und Abenteuer als so manch ein Biker dem mitgeteilt wurde das er kommendes Wochenende zu irgendeinem Treffen fahren müsste weil es ein Pflichtbesuch wäre !
Wie immer kommt am späten Abend die Stripperin und spielt unter grossem Gejohle ein bisschen mit ihren Silikonmöpsen und ist genauso schnell weg wie sie gekommen war, wenn der Club Member hat, die im Rotlicht tätig sind wird die Gesellschaft oft noch mit ein paar Ponys aufgefüllt , ansonsten sind die Herren mit verschränkten Armen meist in der Überzahl und führen Benzingespräche und zollen sich Respekt bei der zehntausendsten Version von Smoke on the Water und Highway Star !
Echte Outlaws ( im Sinne von gesetzlos ) habe ich in Deutschland noch nicht kennengelernt, hier zahlen alle brav ihre Steuern, tanken in Reih und Glied, zahlen GEZ Gebühren und so manch einer pinkelt zuhause im Sitzen weil Mutti sonst nervt ! Der Mythos Rocker sein ist nur eine Abgrenzung vom normalen Biker obwohl es gar keine gibt, denn er ist nichts anderes als ein Biker der wie jeder andere erst seinen Job erledigt und dann die Party feiert !
Will sich jemand dazu äußern? Feuer frei!