Member des Red Devils MC Erfurt gewinnen vor Gericht!

Gedanken dazu, und was das mit dem dritten Rocker Talk zu tun hat!

Im Rahmen einer kleinen parlamentarischen Anfrage hatte der thüringische Innenminister u. a. auch den Red Devils MC als kriminell bezeichnet. Daraufhin forderten acht Member des Charters Erfurt den Innenminster im Zuge einer Unterlassungsklage dazu auf, dieses zukünftig zu unterlassen. Der Innenminister weigerte sich die Unterlassung zu erklären, verwies auf den Zusammenhang mit dem Begriff Outlaw, der im Sprachgebrauch der deutschen Behörden längst üblich sei.

Es kam zur Klage, die von den Red Devils vor dem Gericht Weimar gewonnen wurde. Bämm! Es gibt sicherlich viele Biker, die mit einem Urteil zugunsten der Rocker nicht gerechnet haben. Unabhängig von dem positiven Urteil, ist die Begründung des Gerichts durchaus interessant und hat durchaus etwas mit dem aktuellen Insgnienverbot zu tun.

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Was ich mir dazu denke!

Der Begriff Outlaw definiert sich historisch betrachtet keinesfalls als Merkmal von kriminellen Handlungsweisen, vielmehr kennzeichnet er den Status eines Geächteten. Berühmte Geächtete waren Männer wie Robin Hood oder Jesse James, wobei letzterer sicherlich den Begriff Gesetzloser in den USA maßgeblich mitgeprägt hat. Aber, die in deutschen Amtsstuben und der Presse so gängige Praxis basiert  im Kern auf dem Konstrukt des FBI, welches zur Verdeutlichung der Gefährlichkeit von amerikanischen Rockern ursprünglich den Begriff OMC ( Outlaw Motorcycle Club) kreierte, später dann in OMCG (Outlaw Motorcycle Gang) änderte, da die Assoziation des Bürgers durch Hinzugabe des Begriffes Gang merklich negativer ist.

Von der tatsächlichen Bedeutung her betrachtet gibt es dafür keine Legimitation. Ich kenne auch nicht einen Rocker, der sich selber als Mitglied einer OMCG bezeichnet, doch durch den Transport der Medien, die diesen Begriff wie eine wilde Sau regelmäßig durch den Bätterwald jagen, setzt sich die Assoziation in den Köpfen der Bürger fest und führt zu Stigmatisierungsprozessen, die mittlerweile so massiv erkennbar sind, dass es beinahe erbärmlich für die deutschen Clubszene ist, dass sich aktuell gerade mal 20 Leute für den Rocker Talk 3 am 23. Februar angemeldet haben.

Anscheinend hat die Mehrzahl noch nicht wirklich begriffen, dass wir uns allgemein in einem politischen Prozess befinden, der auf die nahezu komplette Entmündigung des Bürgers zusteuert. Die bevorstehende massive Digitalisierung führt zu einer Ausgrenzung ganzer Berufsgruppen. Das wird mit sozialen Konflikten einhergehen. Da braucht der Staat ganz bestimmt keine Rocker, die nach Außen auch noch durch ihr Patch eine Wehrhaftigkeit dokumentieren, die der Staat durch Aspekte wie Insignienverbot und Polizeiaufgabengesetz massiv unterdrücken will. Insofern finde ich das rechtliche Vorgehen der Red Devils absolut begrüßenswert, auch wenn ich weiß, dass es von etlichen als nicht Rocker-würdig betrachtet wird. Motto? Ein Outlaw tut so etwas nicht! Ok, und wie bekommt er dann sein Patch wieder?

Das Verwaltungsgericht Weimar hat im Mai 2018 der Klage der 184er statt gegeben.

Doch was zeigt uns das Urteil.

Etwas sehr wichtiges. Nämlich die Fähigkeit deutscher Gerichte unbeeinflusst von Medien und Politik faktisch ein Urteil zu fällen, welches den Politiker an den Pranger stellt, weil es für seine Äußerungen nicht die notwendigen Belege gibt. Leider eine Ausnahme und das Urteil wird auch zukünftig nicht zu einer defensiveren Berichterstattung führen. Doch es zeigt, dass die Klagen vor dem BGH absolut notwendig sind. An sich müsste die Republik von derlei Unterlassungserklärungen überschwemmt werden.

Am 23. Februar 2019 reden wir unter anderem über derartige Aspekte. Ob es bei den derzeitigen 20 Teilnehmern bleibt, ist mir egal. Das Format definiert sich über den Mitschnitt. So kommen wir ins Netz und erreichen viele Nutzer. Leider zeigt der Status Quo bei den Anmeldungen aber recht klar, dass viele nicht über den Tellerrand hinaus denken, bzw. die ganze Thematik immer noch als ein individuelles Problem der betroffenen Clubs ansehen. An sich habe ich bei dem Thema damit gerechnet, dass die 100 Plätze nach 14 Tagen vergeben sind. Nun gut, es ist ja noch Zeit.

Das Urteil von Erfurt bestätigt mich in meiner Sichtweise, dass alle Register gezogen werden müssen, um möglichst vielen Menschen die Systematik staatlichen Agierens zu erläutern, ihnen eine alternative Sichtweise anzubieten. Habe ich darauf Bock? Nein! Aber es ist notwendig! An sich drückt das Weimarer Urteil aus, dass es nicht hinzunehmen ist, dass nicht kriminelle Rocker einfach pauschal als solche bezeichnet werden. Und nun denkt an das Insignienverbot, wo die Begründung der Politiker sich stets an Begriffen wie Outlaw = Kriminelle orientiert hat.

Nun, Weimar ist ein Grund mehr stets und überall klar zu machen, dass die individuellen Straftaten von Rockern dem Staat nicht die Legimitation dafür geben, eine gesamte Kultur unter Generalverdacht zu stellen. Deshalb ist es wichtig darüber zu sprechen. Und da Tausende im Netz immer wieder gefordert haben, dass Rockern gefälligst die Bürgerrechte in derselben Form zuerkannt werden, wie jedem anderen, hoffe ich doch sehr, dass die Szene am 23. Februar ein Zeichen setzt und mit einem Kessel Buntes Farbe bekennt und damit zum Ausdruck bringt, das wir das nicht hinnehmen!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.