Silent Rider: Ausgebremst?

Am 07. Juli veröffentlichte die Kampagne Silent Rider in seinen News eine Info, die uns merklich aufhorchen ließ und von vielen Bikern als Distanzierung zu einer Kernforderung der Kampangne verstanden wurde. Darin heißt es auszugsweise:

„Er wird in den nächsten Wochen mit dem neuen Vorstand darüber hinaus die Themen Beitragsordnung und Zielausrichtung intensiv bearbeiten, denn aus seiner Sicht ist es nun nach den ersten zwei Jahren an der Zeit, wesentlich konkreter das Gesicht auch der Anwohner zu sein. Weg vom Abstrakten soll es auf die Straße gehen, und zusammen mit den Betroffenen soll die Stimme weiterentwickelt werden. Vernetzung und Verständnis füreinander ständen im Vordergrund. Es ist aus seiner Sicht in Zukunft z.B. nicht Aufgabe des Vereins, detaillierte technische Vorgaben oder Forderungen zu stellen, sondern die Interessen der Betroffenen zu kommunizieren. Als Bsp. nannte er die Forderung nach max. 80dB als Schallobergrenze am Motorrad. Diese ist und bleibt ein Streitthema, aber die Formulierung muss verändert werden. Es geht bspw. darum die 80dB oder besser die dann festgestellte gesundheitsschädigende Grenze beim Anlieger nicht zu überschreiten und nicht am Motorrad, denn auf freier Strecke mit gutem Schallschutz ist auch wesentlich mehr an den Fahrzeugen ok, da beim Anlieger dann nicht mehr als 80dB ankommen würde. Die detaillierte Bewertung mit welchen technischen Möglichkeiten dies dann erfüllt werden kann, obliegt dann Land und Bund mit ihren Fachleuten und nicht dem Verein, dessen Kernkompetenz dies sicher nicht ist.“
(Ende Auszug aus der Homepgae Silent Rider /News vom 07. Juli 2021)

Top-Anzeige

Meine Meinung?

Bisher hat der Verein durchaus vehement techische Neuerungen gefordert und sich um den Aspekt der Umsetzbarkeit an sich einen Dreck gescherrt. Um nichts anderes geht es ja bei der Forderung nach 80 db in allen Fahrsituationen in der Drucksache 125/20. Und als der Bundesrat abnickte und diese Drucksache der Bundesregierung zur Umsetzung empfahl, hat man sich regelrecht abgefeiert und daraus eine klare politische Legitimation gezogen.

Nun scheint man erkannt zu haben, dass diese Forderung so nicht aufrecht zu erhalten ist. Wie das? Hat man letztlich selber festgestellt, dass 80 db in allen Fahrsituationen technisch für die Hersteller nicht umsetzbar ist? Hat Silent Rider selber numehr festgestellt, das ein Bike durchaus mit 95 db im Schein eingetragen sein kann, aber letztlich bei dem Anwohner diese aufgrund einer passiveren Fahrweise gar nicht ankommen? Hat er erkannt, dass man das individuelle Verhalten des Bikers zu bewerten hat, nicht pauschal gegen die gesamte Community vorgehen darf, vor allem dann, wen man selber von einer Minderheit spricht, die Anlass zur Klage gibt?

Nun, so richtig klar wird der Post diesbezüglich nicht, außer in der Feststellung, dass man selber nicht die notwendige Kernkompetenz besitzt, um das überhaupt bewerten zu können. Nun, dann dürfen wir wohl davon ausgehen, dass sämtliche Plakate, die sich auf die 80 db beziehen und die faktische Feststellung treffen, das alles darüber nicht ganz helle ist und zu den schwarzen Schafen gehört, sofort aus der Öffentlichkeit verschwinden. Achtet mal darauf, ob das so passiert.

Richtig ist, dass man in der Vergagenheit oftmals sehr abstrakt agiert hat. Man spricht von gesundheitlichen Schäden durch Motorradlärm, ohne valide Daten zu liefern. Das es diese Beeinträchtigung geben kann, streitet niemand ab, aber die abstrakte Feststellung auf Basis einer subjektiven Wahrnehmung reicht nun einmal nicht aus. Und wenn man schon dieses Schwert führt, dann bitte auch auf sämtliche Kraftfahrzeuge übertragen und den konkreten Nachweis einer spezifischen Gesundheitsgefährung durch Biker in einem bestimmten Bereich liefern.

Weiterhin möchte man fortan direkt bei dem Anwohner ansetzen und u. a. dort den Lärm messen, wo dieser in seinem häuslichen Bereich betroffen sein könnte. Was für eine Erkenntnis! Jede Kommune bewertet den Einfluss von Lärm bei Veranstaltungen nach dem Bundesimmssionsschutzgesetz. Bei jedem meiner Bikertreffen haben wir zum Beispiel ein Lärmpotokoll geführt. Dazu haben wir direkt bei dem Anwohner gemessen, bei dem der Schall der Bühne als erstes ankommt. Dieser Messpunkt wurde von der Stadt vorgegeben.

Bis 22.00 Uhr muss man dort unter 75 db sein, egal ob an der Bühne 90 oder 95 db gemessen werden. Ist doch auch logisch, denn der Pegel an der Bühne bedeutet nicht, dass der nächstgelegene Anwohner real beeinflusst wird. Beschwert haben sie sich dennoch, aber mit dem Protokoll konnten wir halt die Einhaltung der Maximalwerte nachweisen. Wir hatten halt valide Daten!

Top-Anzeige

Fazit!

Es wäre m. E. töricht sich jetzt als vermeintlicher Sieger zu fühlen. Ja, Silent Rider hat durch den Ausstieg des BVDM e.V. sowie die jetzige Aussage hinsichtlich der 80 db ordentlich Schrammen bekommen, aber das Thema bleibt weiterhin hochgradig ideologisch. Spätestens dann, wenn die Messungen bei den Anwohnern eine repräsentative Darstellung von spezifischen Motorradlärm ermöglichen, werden sie wieder Vollgas geben. Von daher werden die Anwohner nicht mehr am Straßenrand stehen, sondern ihre Messgerate am Gartenzaun hochhalten. Und was glaubt ihr was passiert, wenn die Werte dort am Wochenende verstärkt 80 db oder mehr anzeigen? Warten wir mal ab, was die intensive Ausarbeitung der neuen Zielvorgaben ergibt! Immer schön dran bleiben am Thema!

Hier der Link zu den News von Silent Rider: https://bit.ly/3s3seN5

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitglied. Karre? 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.