Als mich Biker Mark aus Hamburg auf dieses Thema ansprach, hatte ich zunächst überhaupt keinen Bock darauf. Das Leben endet zwar mit dem Tod, doch letztlich will sich kaum jemand ernsthaft vor seinem Ableben damit beschäftigen. Und als Publizist laufe ich Gefahr, mir einen Shitstorm einzufangen.
Hoher Sensibilitätsfaktor!
Dann aber fiel mir ein, dass die tödlichen Motorradunfälle in diesem Jahr bereits heftig gegenüber 2015 angestiegen sind, ich erst vor kurzem selber mein Testament neu verfügt habe, und gerade in letzter Zeit etliche Club-Biker nach Walhall eingezogen sind. Daher hörte ich ihm einfach mal weiter zu und stellte fest, dass ich selber so gar keine Ahnung davon habe, was im Zusammenhang mit einer Biker-Beerdigung überhaupt rechtlich möglich ist.
Ich hatte im weiteren Talk einige Aha-Effekte und habe aufgrund dessen bereits mein Testament geändert. Daher gebe ich meine Erkenntnisse an euch weiter! Infogeber Mark ist Bestatter und für das Bestattungshaus Ertel in Hamburg tätig. Der „Undertaker“ geht zusammen mit dessen Inhaber Ralph Lindenau neue, zum Teil unkonventionelle Wege. Sie wollen den Bikern einen absolut individuellen Rahmen in der Ausgestaltung des letzten Weges bieten. Vorher allgemeiner Input.
Wußtet ihr bereits?
- Das man Sarg und Urne durchaus Zuhause oder im Klubhaus aufbahren kann. Jipp, das geht. Zuständig ist dabei das jeweilige Bestattungsgesetz des Bundeslandes. In Hamburg kann der Sarg maximal 36 Stunden und die Urne maximal 6 Wochen ab Abholung durch den Bestatter verbleiben. Der kürzere Zeitrahmen für den Sarg erklärt sich dadurch, dass sich darin der Leichnam befindet. (Verwesungsgefahr!)
- Das der Leichnam sehr wohl im offenen Sarg aufgebahrt werden kann. Im Polen und Italien nahezu die Regel. Bei uns habe ich das bisher noch nicht erlebt und dachte daher, dieses sei gar nicht erlaubt.
- Das Urne und Sarg sehr wohl völlig individuell gestaltet werden können und ihr keinesfalls verpflichtet seid, Dekors aus dem Standard-Katalog der Bestatter zu wählen.

Mark oder auch der Undertaker ist als Bestatter tätig. Das neue Konzept von Ertel aus Hamburg war seine Idee!
An dieser Stelle kommt Mark mit ins Boot. Denn genau in diesem Punkt will er völlig neue Wege gehen. Ähnlich wie bei einem freien Trauerredner basiert seinen Tätigkeit ausschließlich auf der Basis eurer Vorgaben. Was ihr wollt, wird gemacht, sofern es umsetzbar und legal ist. Da gehen die Bestatter in der Regel den Weg der Schublade. Katalog auf den Tisch, der Auftraggeber wählt die jeweilige Schublade und fertig.
Individuell geht anders, aber so sind halt die Vorgaben und wer kommt schon auf die Idee, diese in Frage zu stellen oder eigene Standards vorzugeben, obwohl das individuelle Leben eines Bikers oder Rockers sicherlich auch einen individuellen letzten Weg nahezu fordert.
Mark hatte mir einige Design-Beispiele für Urnen zugemailt. Als ich die Urne mit der Aufschrift „Happy End“ sah, war ich zunächst verdutzt. Wie jetzt? Doch nach einem erfüllten Biker-Leben kann man in der Tat von einem Happy End sprechen.
Ich glaube, wir orientieren uns immer noch zu sehr an den alten Standards, die ungeprüft von uns übernommen werden. Verständlich, denn niemand möchte pietätlos erscheinen und die Gefühle von Trauernden verletzten.
Das Haus Ertel ist da anscheinend anders aufgestellt. Wenn da ein Skull drauf soll, passiert es so. Crazy Biker-Motive sind kein Problem. Es ist sogar möglich, dass Ertel nur die Urne oder den Sarg liefert und ihr das selber layouten lasst. Alles eine Frage der Abstimmung und eurer Vorgaben.
Wichtig zu wissen ist, dass die Möglichkeiten nicht grenzenlos sind und immer durch das Bestattergesetz in dem jeweiligen Bundesland des Toten und dem Willen des Auftraggebers bestimmt werden. Wer aber vorher um die Möglichkeiten weiß, kann dieses in sein Testament einfließen lassen.
Zudem gibt es die sogenannte Betreuungsverfügung, mit der ich im zweiten Teil einsteige. An dieser Stelle wollte ich einfach nur das Thema selber auf die Platte bringen und euch nicht zu arg fordern.
Das Ertel sicherlich mit diesem Vorstoß auf Umsatz abzielt, ist klar. Aber in einer Zeit der Stigmatisierung und gesellschaftlichen Ausgrenzung finde ich so einen Vorstoß gut. Zumindestens sind wir es nicht gewohnt, dass man unsere Bedüfnisse in den Vordergrund stellt. Abschließend einige Design-Beispiele.
Kontakt: www.ertel-hamburg.de/











