Im Auftrag Gottes!
Gestern (optional Samstag) bin ich zum BTBW MC Stade ausgerückt. Dieser hatte Sam Childers aka „The Machine Gun Preacher“ im Rahmen seiner diesjährigen Germany-Tour eingeladen, um sein Wirken im Südsudan persönlich vorzustellen. Seit dem gleichnamigen Hollywood-Blockbuster mit Gerard Butler in der Hauptrolle ist Sam Childers einem weltweiten Publikum bekannt, da sein Leben sowie seine missionarische Arbeit für die Kinder in dem ostafrikanischen Binnenstaat die Vorlage für diesen Film bildete.
Bikesmusicandmore hatte Sam Childers 2018 im Schützenhof Ganderkesee im Anschluss an den damaligen Charity-Ride für das Obdachlosenprojekt „Der Bodensatz“ eingeladen. Da der Film zu dieser Zeit noch recht jung war, erwartete ich viele interessierte Besucher. Der Vortrag von Sam Childers war damals absolut charismatisch und informativ, aber der Zuspruch hielt sich eher in Grenzen. Insofern war ich gespannt, wie sich der Abend beim BTBW MC Stade gestalten würde.
Meine Eindrücke!
Ich bin sehr früh losgefahren, um eventuell die Gelegenheit zu haben, mit Sam Childers direkt in Ruhe zu sprechen. Und siehe da, er war bereits vor Ort und zog sich im Gespräch mit dem Vize Presi im Klubhaus ein Glas Wein rein. Wie auch in 2018 wirkte er völlig locker und war durchgehend für jeden Besucher ansprechbar. Der Mann hat keinerlei Allüren und wirkt total bodenständig, so mein Empfinden.
Schon vor seinem Vortag hatte ich das Gefühl, dass er sich in dieser Umgebung absolut wohlfühlte. Wenig verwunderlich, der Mann fährt laut eigenem Bekunden seit seinem 7. Lebensjahr Motorrad und ist Member im Highwayman MC, einem Outlaw Motorcycle Club, der in Detroit (Michigan) seine Wurzeln hat. Er ist somit 1%er.
Pünktlich um 19.00 Uhr stieg Sam Childers mit dem Song „Eye of the Tiger“ als Intro in seinen Vortrag ein. Das Klubhaus der Stader Borns war sehr gut gefüllt und es fiel mir auf, dass sicherlich die Häflte der Besucher nicht aus der Biker-Bubble kamen, vermutlich erstmals überhaupt ein Klubhaus von Rockern betraten. Die sehr gute Atmosphäre machte es diesen Besuchern jedoch sehr leicht, die teilweise anfängliche Scheu abzulegen und dem Vortrag von Sam Childers gespannt zuzuhören.
Sam glich u. a. Sequenzen aus dem Film mit dem tatsächlichen Geschehen ab. So konstatierte er, dass sein zuerst erbautes Kinderheim zwar von Rebellen der LRA (Lord’s Resistance Army) mehrfach angegriffen, aber nicht wie im Film dargestellt zerstört wurde. Wahr ist allerdings, dass er bei seinem ersten Ausrücken zu einem von der LRA angegriffenen Dorf Dutzende Leichen vorfand, denen allesamt Gliedmaßen abgetrennt wurden. Hier hatte er auch sein entscheidendes Erlebnis mit einem kleinen Jungen, dem durch eine Tretmine der gesamte Unterkörper abgetrennt wurde. Das war der entscheidende Moment, als er zu Gott sprach und sich schwor, dass er sich fortan für die Kinder im Süddudan einsetzen wird.
Sam fand 1992 den Weg zum christlichen Glauben. Anfänglich noch der Kirche zugewandt, löste er sich aufgrund der mangelnden Unterstützung durch Mitglieder seiner Kirchengemeinde in den USA von dieser ab, um fortan frei von jeglicher Religion und Konfession seinen Glauben zu praktizieren. So, wie im Film auch dargestellt.
Childers machte keinen Hehl daraus, dass er mittlerweile nicht nur Missionar, sondern auch Geschäftsmann ist. Im Südsudan gehört er zu den 10 wichtigsten privaten Arbeitgebern, betreibt dort unter anderem eine Sicherheitsfirma. In den USA ist es zum Beispiel ein Motorradgeschäft, dass ihm gehört. Er hob allerdings explizit hervor, dass alle Spenden in seine missionarische Arbeit und die damit verbundenen Projekte fließen. Das nehme ich ihm ab.
In der offenen Fragerunde waren es im Wesentlichen dann tatsächlich die zivilen Gäste, die an Sam Fragen stellten, die er allesamt plausibel beantwortete. Einige Besucher waren echt gut vorinformiert, wollten zum Beispiel wissen, warum die von Rebellen bedrohten Familien nicht in friedlichere benachbarte Staaten immigrieren würden. Sam entgegnete, dass die Menschen in der Region mehrheitlich noch nicht einmal eine Geburtsurkunde hätten, eine Ausreise daher aufgrund fehlender Papiere gar nicht möglich sei.
Ich wollte von ihm wissen, welche Kontakte er in die amerikanische Clubszene hat und wie er als gläubiger Christ auf das mediale Bild in den USA hinsichtlich der dortigen 1%er blickt. Hier verwies Sam auf seine bereits oben genannte Mitgliedschaft im Highwayman MC und darauf, dass er selber 1%er sei. Er erklärte, dass insbesondere die Onepercenter oftmals ein viel größeres Herz für Kinder hätten, als die Bürger aus der amerikanischen Zivilgesellschaft.

Die zwei suchten für ein christlich geprägtes Event in 2027 in Bremen den Kontakt zu mir. Meldet euch halt einfach!
In diesem Kontext verwies er auf die größte amerikanische Charity-Toy-Initiative, die von 1%ern gegründet worden sei. Hier hätten irgendwann die Kirchen aufgrund des Erfolges versucht, auf den fahrenden Zug mit aufzuspringen. Da viele Bürger aber nur den gebrauchten Ramsch spendeten, hätten die 1%er darauf mit völligem Unverständnis reagiert und diese fortan abgewiesen. Motto? „Den alten Scheiß könnt ihr behalten. Wenn ihr nicht bereit seid, neue Spielsachen zu spenden, dann bleibt weg!“, so meine Interpretation.
Fazit!
Wer sich für die gesamte Arbeit von Sam Childers interessiert, steigt bitte über dessen offizielle Kontakte ein. Ich kann an dieser Stelle nicht den gesamten Inhalt seines Vortrages rekapitulieren. Fakt ist, egal wer aus der Runde der Stader Borns die Idee zu diesem in einem Klubhaus doch eher ungewöhnlichen Event hatte, alleine der Zuspruch von Bürgern aus der zivilen Gesellschaft hat dazu geführt, dass sicherlich bei vielen Anwesenden Klischees abgebaut wurden. Das mache ich daran fest, dass etliche Teilnehmer nach dem Vortrag noch im Klubhaus verblieben.
Egal, wie man zum christlichen Glauben an Gott steht, Sam Childers hat an diesem Abend durch seine erneut hochcharismatische Art und Nahbarkeit gepunktet. Auch er blieb noch längere Zeit im Klubhaus und suchte proaktiv die Gespräche.
Die Stader Borns ließen es sich nicht nehmen, Sam einen Spendenumschlag zu übergeben. Davor konstatierte dieser bereits, dass er es als eine absolute Ehre empfand, im Klubhaus eines Rockerclubs zu den Anwesenden sprechen zu dürfen. In Summe war das für mich ein hochinteressanter Abend. Die Stader Borns selbst dürften zu einem positiven Fazit gelangen, mit dem vermutlich so nicht jeder der Member gerechnet hatte.

Die Stader Führung übergibt Sam die Chaptersammlung. Er empfand die Einladung in das Klubhaus als große Ehre!
Abschließend hier noch ein wenig Input aus dem Netz.und der Song von Chris Cornell über den „Keeper“, dem offiziellen Song zu Film „Machine Gun Preacher“.
Kontakt: https://www.facebook.com/MachineGunPreacherSamChilders










