Der Roadtrip Thüringen!

Ist das Naturschutzgebiet Thüringen einen Besuch wert?

Das wird jetzt kein normaler Reisebericht. Sowas kann ich nicht. Ich berichte euch frei von der Leber, was Shovel und ich bei unserem 5-tägigem Trip in die Region Cursfeld im Naturschutzgebiet Thüringen alles so erlebt haben und nutze den Bericht denn auch mal gleich, um den ollem Stiesel ordentlich einen für seine Verschmähungen und dummen Sprüche auszuwischen. Das haste jetzt davon.

Pflichtstopp auf dem Weg hoch zum Fröbelturm.

Der Trip!

Shovel übernahm die Roadplanung. Damit wusste ich, es geht überwiegend über Land- und Bundesstraßen. Auf den Autobahnen bekommt er nämlich immer Pusteln. Das nervt ihn. In seinem Alter ist das halt so. Als Autobahnjunkie war mir also klar, das dauert länger und vermutlich bekommt er wieder Genickstarre von seinem ganzen Sightseeing und den etlichen Fresspausen.

Fressen, was sonst. Imbiss am Warthügel an der B242.

Aber die Nummer war cool. Es ging über die B6 nach Hannover, von dort über die BAB 2 weiter auf die BAB 7 in Richtung Kassel. In Seeven sind wir runter, um auf der B 243 weiter in Richtung Nordhausen zu cruisen. Kurz vor Erfurt dann auf die BAB 7 in Richtung Schweinfurt. In Ilmenau dann endgültig runter von der BAB. Ich war nur froh, dass die Fressbude am Warthügel in Thüringen nicht offen hatte, Shovel würde vermutlich jetzt noch da stehen und Wurst fressen.

In unserem Zielgebiet ging es im Tal landschaftlich sehr idyllisch über die Landstraße mit vielen ausgedehnten Kurven und letztlich kurz vor Cursdorf über den Berg. Alter Falter, wat ne Strecke. Klar findet man es als Fischkopf cool, wenn man Serpentinen und Kehren befahren kann, aber dann sollte der Belag schon solide sein. Hier prägten Schlaglöcher ohne Ende und bei einem Gefälle von bis zu 18 Grad Rollsplittteppiche nicht selten den Untergrund.

Shovel schien das nichts auszumachen. Er spulte die Nummer hoch zu Ross sitzend in Königshaltung mit einem arroganten Grinsen ab, ich hatte teilweise echt Mühe dem Stiesel mit der Blauen Lagune zu folgen. Das er der bessere Motorradfahrer ist, kommt mir natürlich nicht in den Sinn. Das war nur Glück!

Unser Quartier!

Ich hatte das Hotel im Kräutergarten aus einem Netto-Reise-Katalog herausgesucht. Es war der Preis, der mich anfixte. 211 Euro für 4 Übernachtungen mit all Inklusive Light ist ja mal eine Ansage. Shovel machte den Fehler, mich das Zimmer aussuchen zu lassen. Klar bekam er die Kammer mit Schrägen und ich feixte mir schon einen, wie oft er wohl nach dem Aufwachen mit dem Schädel dagegen ballert. Leider nicht einmal. So ein Scheiß.

In Punkto Essen und Zimmer sind die 3 Sterne für das Hotel im Kräutergarten m. E. verdient. Die Getränkepreise sind jedoch überhöht.

Die Zimmer waren sauber, Bett und Matratze ok und die Nasszelle ausreichend groß. Da gab es nichts zu meckern. Aber wir hatten ja noch nichts im Hause gefuttert. Bei 211 Euro ist die Erwartungshaltung ja nicht sonderlich hoch. Das Foodangebot war dann aber eine echte Überraschung. Zum morgendlichen Buffet wurde solide aufgetischt, auch mit regionalen Speisen, die 3-Gänge-Menüs am Abend waren ausnahmslos frisch zubereitet und sehr schmackhaft. Nix mit TK, echte Küchenleistungen, nicht eine Ausnahme. Selbst der Stiesel war des Lobes. Ich hatte nämlich schon damit gerechnet, dass er wieder nur wegen zu wenig Futter oder mangelnder Gaumenergüsse genevt ist und mir ab Tag 2 die Laune verdirbt. Puh, Glück gehabt.

Der Speiseraum bot bis zu 70 Personen Platz. Die Zielgruppe Ü 60 dominiert.

Die Zielgruppe des Hotels verorte ich mal im Schnitt auf Ü60, vielleicht sogar schon drüber. Als die uns sahen, rechnete ich mit einem radikalen Anstieg der Herzinfarktquote. Natürlich merkt man den Leuten das Klischeedenken an, die hatten fast alle so eine typische Sprechblase über dem Kopf. „Tötet die Männer, schändet die Frauen“ oder „Wir werden alle sterben“, sowas in der Art halt. Am Ende haben wir auf der großen Terrasse aber für Erleichterung gesorgt und die Leute zum Quatschen animiert. Das unten eingestellte Bild von mir gibt Auskunft darüber, dass ich gut drauf war. Ok, Shovel hatte auch so einen kleinen Beitrag dazu beigetragen, wenn er mich nicht mal wieder verarschen wollte, was dem Schweinepriester immer mal wieder gelang. Leute, meine Wortwahl ist keine Respektlosigkeit, das gehört für uns zum guten Ton.

Keiner war da, um Applaus zu geben. Hätten wir auch nicht verdient gehabt.

Die Touren!

Wir waren jeden Tag cruisen, aber alles ohne Stress. Saalfeld war unsere Station Nummer 2. Schon die Tour dorthin bietet euch geiles Cruisen und an einer Stelle den wohl geilsten Panoramablick auf den Wald überhaupt. Shovel musste dort natürlich so eine Rüttelpiste runter, Hauptstraße kann ja jeder. Den Egomanen kann es halt nie genug Posing sein. Nun weiß ich jedenfalls, was das Wort Rüttelplatte bedeutet.

Auf dem Weg nach Saalfeld kann man dieses Panorama mitnehmen. Live viel geiler!

Wer die Kiddis mit an Bord hat, dem sei in dem schmucken Städtchen die Feengrotte empfohlen. Nicht ganz billig, aber mit dem reduzierten Familienticket bekommt ihr dort echt was geboten. Wenn die Nervlinge abends nicht müde ins Bett fallen, habt ihr jedenfalls etwas falsch gemacht. Der Besuch lohnt sich, selbst wenn man die Erlebniswelt nicht besucht. Klar wurde dort wieder Thüringer Bratwurst gefressen und über die Tresenkräfte gelästert. Vollkommen zu recht. Man, können die mürrisch sein.

Die Feengrotte ist ein Erlebnispark und echt super angelegt. Für Familien top.

Die dritte Tour führte uns nach Rudolstadt. Die ehemalige fürstliche Residenz liegt eingebettet in einem von Wald umgebenen Tal und zieht sich bandartig an dem weiten Bogen der Saale entlang. Leute, das lohnt sich echt, vor allem dann, wenn man auf Architektur und Fassadengestaltung steht. Unsere Böcke stellten wir natürlich direkt vor das Rathaus, damit die Einheimischen gleich mal wissen, da sind zwei neue Sheriffs in der Stadt und die haben Hunger.

Hier stehen die zwei Sherrifs ja wohl richtig. Das Rathaus von Rudolstadt.

Nach dem Besuch von Rudolstadt ging es direkt weiter zum Stausee Hohenwarte. Der Ritt dorthin ist klasse. Landschaftlich zwar nicht so geil wie der Kurs um den Edersee herum, aber schön zu cruisen allemal. An der großen Staumauer könnte ihr direkt am Wasser einen Boxenstopp einlegen und in der dortigen Gastro relaxen. Wer will, fährt mit dem Boot oder dem Touridampfer.

Nach halber Strecke am Stausee durfte ich den auch gnädigerweise vorweg fahren und brachte uns gleich mal ins Hinterland. Ohne Navi und Tafeln verortete ich uns trotz gewisser Irritation schon ganz richtig, was Shovel natürlich arg bezweifelte. Ich dachte nur an unseren Ritt zum Bikertreff einen Tag zuvor und wer da vorweg gefahren ist und hatte ein fettes Grinsen unterm Helm. Nimm dies!

Tag 4 stand im Zeichen der Burg Greifenstein. Der Aufstieg vom Parkplatz aus ist etwas beschwerlich, aber machbar. Leute mit größeren Mobilitätsproblemen sollten da aber nicht hoch. Wir entschieden uns für 10 Euro inklusive Eintritt die dortige Falknerei mit LIve-Vorführung zu besuchen. Der Vortrag des Falkners war informativ, aber ziemlich heruntergeleiert. Vielleicht machte der Stiesel deshalb Anstalten ab und an einzunicken. Ich dachte mir jedenfalls so, wie geil wäre es, wenn ihm der russische Steinandler im Flug mal eine ordentliche Ladung auf den Kopf scheisst oder einfach auf seine Schulter hüpft. Der Vogel spielte aber nicht mit.

Blick vom Turm der Burg Greifenstein. Der Besuch lohnt sich wirklich. Toller Ausblick.

Die Burg ist einen Besuch wert, die Gastro oben auf dem Plateau bietet eine gute Speisekarte zu leicht überzogenen Preisen für die Getränke, was wohl der Monopolstellung geschuldet ist. Auf dem Turm kommen die Fotofetischisten voll auf ihre Kosten. Toller 360-Grad-Blick! Ohne den Besuch der Live-Vorführung der Falknerei kostet der Eintritt 3 Euro. Gebt euch aber mal ruhig die Falknerei, die haben viele Greifvögel dort und man erfährt auch viel Wissenswertes über die Arten.

Die Live-Vorführung der Falknerei auf der Burg war informativ, aber monoton.

Ansonsten ist die Fahrt mit der Bergbahn ein Must Have. Ab Cursfeld nehmt ihr den historischen Zug zur Bergbahn hinunter. Wenn ihr Glück habt oder euch an dem Fahrplan ausrichtet, fahrt ihr ab der Bergstation talwärts oder bergauf zurück dann mit dem Cabrio, also offen auf einem aufgesetzten Wagon in Schräglage. Leider gibt es an Bord keinen Table Dance und auch nix zu saufen, wir begnügten uns daher mit der einfachen Variante. Unten gab es natürlch Thüringer Bratwurst. Was auch sonst? Und Eis? Und…lassen wir das.

Infrastruktur!

In Sachen Wandern und Mountainbiken ist der Thüringer Wald vollends erschlossen. Da kann man echt viel erleben und telle Pfade wandern bzw. fahren. In Sachen Biker gibt es Nachholbedarf, sofern das überhaupt gewünscht ist. Gefühlt haben wir in der Zeit vielleicht zwei Dutzend Biker gesehen. Fakt ist, die Infrastruktur in Sachen Dinge des täglichen Bedarfs hängt in der Region echt mal hinterher. Am Dienstag dachte ich schon, die haben dreimal hintereinander Sonntag, so wenig ist da los. Das Angebot ist mau und der Wald wirkt strukturell abgehängt. Das hat sicher viel mit Fucking Corona zu tun, aber auch ohne muss man geöffnete oder geschlossene Bäckereien, Cafés oder Metzger echt suchen. Oftmals vergeblich.

Als Letztes sei der Fröbeltum oben auf dem Berg bei Cursdort erwähnt. Als Shovel und ich das Plateau erreichten, natürlich über Schlaglöcher und Rollsplitt, hatten wir sofort denselben Gedanken. Das wäre mal ein Bikertreff der höchsten Kategorie. Aber auch hier wurde klar, dass da eben nicht so viel geht, wie man es als Fischkopf in einer Touristenregion zur besten Sommerzeit erwartet. In jedem Fall ist da oben wieder ein mega geiler Ausblick gegeben und etwas weiter unten ist massig Platz für Wohnmobile, auch wenn ich nicht weiß, ob das erlaubt ist. Shit Happens!

Das Areal um den Fröbelturm herum, wäre ein genialer Bikertreff. Da war ich mir mit Shovel total einig.

Fazit!

Das Naturschutzgebiet Thüringer Wald ist definitiv einen Roadtripp wert. Wer dort nicht nur auf den Komfortstrecken unterwegs ist, wird allerdings in 5 Tagen so oft schalten, wie sonst in einem halben Jahr in der Tiefebene nicht. Zudem sind einige Straßen echt marode. Shovel und ich haben uns dennoch wohl gefühlt, viel dummes Zeug gelabert, sind ordentlich gecruist, haben viel gesehen, aber alles ohne auf die Uhr zu schauen. Den Mittagssnack haben wir jedenfalls nicht einmal gesehen. Wir waren unterwegs.

Für unsere Friendship war es genau das richtige, wobei wir auch an jedem anderen Ort unser Together hätten ausleben können, denn das war es in erster Linie, worum es ging. Zusammen cruisen, Rad an Rad, Seite an Seite, eine gemeinsame Zeit verbringen. Und unter dem Strich hat mich der olle Zausel positiv überrascht, denn er war sehr relaxt und gar nicht so mäkelig wie sonst. Klar, der hatte ja auch Angst.

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Nicht aber bei dem Autofahrer, der ihn kurz vor einer Fahrbahnverengung auf der Rücktour mit seinem verlängerten Schwanzstück auf vier Rädern schnitt und zur vollen Bremsung zwang. Jedenfalls fand ich es köstlich zu sehen, wie der Trottel aufgrund von Shovels recht klarer Ansage in perfektem Hochdeutsch mit ausgewählter Rhetorik anfing zu stottern. Shovel, du Tier.

Diese Nummer kommt mal direkt in die Kategorie „Besonders wertvoll“. Nicht nur deshalb, weil wir mittlerweile viel zu selten dazu kommen, sondern weil mein Macker Shovel ein wertvoller Mensch ist, mit dem ich gerne quatsche und der als ausgewiesener Freebiker eben kein dummes Zeug über die Clubszene labert, auswendig gelernt aus Bild & Co, sondern weil er seit Jahren echte Live-Erfahrungen sammelt und trotz aller berechtigten oder unberechtigten Kritik nie den Menschen dahinter vergisst. Das war es also!

Impressionen!

Saalfeld!

Bergbahn! (Zum Vergrößern anklicken)

Rudolstadt! (Zum Vergrößern anklicken)

Fröbelturm!

Burg Greifenstein Falknerei! (Zum Vergrößern anklicken)

Staudamm Hohenwarte!

Pat & Patachon!

Kontakt Hotel: https://www.hotel-im-kraeutergarten.de

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Steckenpferd? PR Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitglied (1%er). Karre? 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.