Freedom is our Religion: Ohne mich!

Randnotiz aus Berlin!

Am Samstag fuhr ich zeitig mit meiner Karre aus Delmenhorst los, um mich in Berlin mit den dortigen Borns in deren Clubhouse zu treffen. Statt zu dem allgemeinen Sammelplatz wollten wir dieselbe Stelle anfahren, von der aus sich die Truppe 2018 dem Konvoi anschloss. So der Plan!

Und dann?

An einer Ampel hielten wir wegen dem Rotlicht. Von rechts kommend fuhr ein relativ großes Pack in die Rhinstraße ein. Im Gepäck etliche Mannschaftswagen und Zivilfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn. Ich dachte, diese sichern nach hinten ab. Aber weit gefehlt.

Top-Anzeige

Nachdem wir bei Grün erneut losfuhren war nach knapp 800 Metern die Tour beendet. Die Polizei hatte das vorherige Pack mit geschätzen 40 Fahrzeugen gestoppt und die zweispurige Straße komplett abgeriegelt. Wir konnten zum Glück noch auf eine Tankstelle fahren, um uns von dort aus das Spektakel anzuschauen.

Ein Zivilbeamter merkte uns gegenüber auf der Tankstelle an, dass es aus dem Pack heraus mehrere Verkehrsverstöße gab und man sich nicht verarschen bzw. provozieren lassen würde. Ich tippte für mich auf eine Rotlichtmißachtung durch mehrere Fahrzeuge am hinteren Ende dieses Packs. Von Straftaten war jedenfalls keine Rede.

Ab hier war Ende im Gelände. Von hinten rückten weitere Kräfte nach!

Und weiter?

Immer mehr Mannschaftswagen fuhren den Bereich an. Etliche Polizisten liefen in Richtung Abriegelung, teilweise mit MPs bewaffnet. Ich schätze, dass es am Ende rund 60 bis 70 Beamte oder mehr waren, die in die polizeiliche Maßnahme einbezogen wurden. Der rückwärtige Verkehr staute sich natürlich immens. Bei den Autofahrer stieß die komplette Abriegelung der gesamten Straße naturgemäß auf wenig Gegenliebe. Von hinten war es ein martialisches Bild, bestens geeignet für die Berliner Abendschau!

Weitere Kräfte sind eingetroffen.

Irgendwann drehten die ersten Autos und fuhren entgegengesetzt der Einbahnstraße zurück zur letzten Kreuzung, zunächst ohne Erlaubnis, dann mit. Uns wurde dieses nicht gestattet. Ab hier waren wir zwar nicht der Anlass für diese Maßnahme, aber davon betroffen. Die Polizei stellte nun die Identitäten der Teilnehmer des vorherigen Packs fest und begann etliche Bikes zu kontrollieren. Papiere, Anbauten, Lautstärke, halt das volle Programm.

Verhältnismäßigkeit!

Als Rocker muss man damit leben, dass so etwas passiert. Die Angels in Berlin und auch anderswo können ein Lied davon singen. Sie stehen unter einer besonderen Beobachtung! Und wenn ich durch eine deratige Maßnahme selbst betroffen bin, dann haut mich das nicht um. Ärgerlich ist es immer, zumal diese Nummer so lange dauerte, dass die Kundgebung am Brandenburger Tor nahezu vorbei war. Und um die ging es mir!

Die Rocker harrten geduldig aus!

Die Polizei hat die Aufgabe Verkehrsverstöße zu verfolgen. Darüber muss man nicht diskutieren. Allerdings muss sie zur Erfüllung des polizeilichen Zwecks die Verhältnißmäßigkeit wahren. Und diese stelle ich aufgrund der Abläufe vor Ort in Frage. Dutzende von Beamten, etliche mit MPs, Hubschrauber, die intensiven Kontrollen an den Bikes, die Einkesselung der Teilnehmer des vorherigen Packs, wäre zu diesem Zeitpunkt dort ein TV-Team aufgeschlagen, die Art und Weise der Berichterstattung kann sich jeder denken. Gut, dass es nicht so kam.

Top-Anzeige

 

Begriffe wie Zusammenrottung oder Bande, in der Vorberichterstattung von einigen Medien benutzt, hätten durch solche Bilder in der Presse Nahrung erhalten. Nicht zu knapp. Da spielt es dann keine Rolle mehr, dass die Teilnehmer im betroffenen Pack ruhig blieben und die Polizei gewähren ließen. Halten wir aber bitte erneut fest, dass hier anscheiend nur Verkehrsverstöße verfolgt wurden. Selbst wenn es mehrere davon gab, ist ein derartiger Einsatz m. E. nicht gerechtfertigt.

Die Kontrollen starten. Etliche Bikes wurden gecheckt!

Der Umstand, dass wir auf Anfrage nicht wie die Autofahrer nach hinten abfließen konnten, belegt, dass es in diesem Moment nicht mehr darum ging, dass individuele Fehlverhalten Einzelner zu sanktionieren, denn es wurde eine Maßnhame gegen alle anwesenden Rocker. Sippenhaftung? Für mich schon. Wenn ich Scheiße baue und mich falsch verhalte, dann muss ich mit Maßnahmen rechnen die gegen mich gerichtet sind. Tue ich das nicht, erwarte ich die gründliche Abwägung seitens der Polizei. Hier galt aber die Einschränkung für alle Rocker.

Nach weit über einer Stunde war mir das zu blöd und ich schlug einem Beamten vor, dass wir, da ja nicht Anlass der Maßnahme, über den Überweg bei den Straßenbahnschienen die Straße überqueren und zurück fahren könnten. Darauf ließ man sich ein. Hätte der Kollege da Nein gesagt, hätte ich das als Freiheitsberaubung, wenigstens als Nötigung gewertet.

Im vorderen Bereich wurden die Personalien festgestellt. Die Betroffenen nahmen es gelassen!

Fazit!

Irgendwie passte das alles zu dem Zweck der Demonstration. Bei Freedom is our Reigion geht es nicht nur um die Abschaffung der Vereinsfreiheit oder das Insignienverbot. Es geht um unsere Freiheit im allgemeinen, darum wie der Staat pauschal mit Rockern umgeht. Was müssen wir erdulden und aus welchem Grund? Sind Maßnahmen der Polizei wirklich auf das individuelle Fehlverhalten von Personen ausgerichtet oder will man eine ganze Subkultur an den Pranger stellen? Die Aktion in der Rhinstraße am Samstag war für mich jedenfalls völlig überzogen, selbst unter dem Aspekt der Eigensicherung betrachtet.

Mich kann man mit derlei Maßnahmen nicht einschüchtern oder eine abschreckende Wirkung erzielen. Der Bürger jedoch hat nur eines wahrgenommen. Die Polizei geht massiv gegen Rocker vor. Aspekte wie die Verhältnismäßigkeit und die Wahl der geringsten Mittel tangieren ihn nicht, werden somit auch nicht in Frage gestellt. Zurück bleibt das Gefühl, dass Rocker gefährlich sind und die Polizei alles im Griff hat. Das ist zwar das erklärte Ziel des Staates, trifft aber wie hier geschehen auch Leute, die keinen Anlass gegeben haben, was übrigens auch für alle Teilnehmer im betroffenen Pack gilt, die sich der StVO konform verhalten haben.

„Mitgehangen, ist Mitgefangen“. Der ein oder andere mag das so sehen, aber für die Staatsorgane gilt das Gesetz und wenn ich ohne Grund von der Weiterfahrt abgehalten werde, so muss man das ansprechen, zumal die Publikumsmedien derlei Aktionen ohenhin ständig aus einem völlig anderen Blickwinkel betrachten.

Schön, dass die Demonstration selbst absolut rund lief und so viele den Weg nach Berlin fanden. Tausende säumten den Straßenrand. Vielleicht kann ich ja in 2020 mitfahren. Denn selbst, wenn Karlsruhe das Insignienverbot kippt, gehe ich davon aus, dass Freedom is our Religion Bestand haben wird.

Wie immer gilt, dass ich auf meiner Page Wert darauf lege, dass meine Beiträge sachlich kommentiert werden. Abschließen möchte ich positiv mit einem Video des beachtlichen Demonstrationszuges. Ich glaube, ich habe etwas verpasst. Grins…..

Heute selbstverständlich bei der Demo, Freedom is our Religion mitgefahren. Super das so viele Teilgenommen haben. Respekt💪👊👍Mephisto’s Mob MC Berlin

Publiée par Mephisto's Mob MC Berlin sur Dimanche 15 septembre 2019

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.