Gedanken im Vorfeld von Freedom is our Religion

Ich + Du = Wir?

Am 09. September werde ich auf Einladung des Veranstalters vor dem Brandenburger Tor nach dem großen Motorradkonvoi im Rahmen der Kundgebung einen Redebeitrag leisten. Nach meiner Premiere in 2020 ist es das zweite Mal, dass ich mich im Rahmen dieser Motorraddemonstration äußere.

Das Interesse an Freedom is our Religion ist enorm gewachsen! Wird es erneut so voll?

Warum tue ich das?

Freedom is our Religion ist in Reaktion auf das Insignienverbot initiiert worden. Wen wundert es, denn die betroffenen Mitglieder der mit dem Verbot belegten Clubs sind seitdem in ihrem freien Clubleben massiv eingeschränkt! Den Verdruss darüber kann ich als Clubmember natürlich absolut nachvollziehen. Unsere Kutte ist ein wesentliches Identifikationssymbol.

Nun tangieren mich deren emotionalen Empfindungen nicht sonderlich. Warum auch, ich bin Member in einem vom Verbot nicht betroffenen MC und konzentriere mich auf mein eigenes Clubleben. Das erfordert meine volle Aufmerksamkeit! Nicht von einem Verbot betroffen zu sein heißt aber nicht, sich nicht betroffen zu fühlen. Und ich fühle mich betroffen. Denn die gesamte Entwicklung hin zu einer klar restriktiveren Politik lässt in der Zukunft noch weitaus mehr freiheitseinschränkende Entscheidungen erkennen. Und sie werden kommen. Was mich heute vermeintlich nicht betrifft, kann mir morgen schnell vor die Füße fallen.

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Der Satz „Heute wir, morgen ihr“ hat spätestens seit der Forderung eines temporären Fahrverbotes für Biker an Sonn- und Feiertagen ein für jedermann nachvollziehbares Gewicht in der Motorradszene erhalten, denn die Drucksache 125/20 des Bundesrates stellt die klassische Form der Kollektivhaftung dar, die das individuelle Fehlverhalten des Einzelnen dadurch sanktioniert, in dem man die Gesamtheit alle Biker vereinnahmt, unabhängig davon, ob sie sich schuldhaft verhalten oder nicht. Damit stellt dieses politische Ansinnen eine Parallele zum Insignienverbot dar. Dieser Aspekt begründet im Kern meine ablehnende Haltung. Keine Kollektivhaftung!

In diesem Kontext spielen die Namen der mit dem Verbot belegten Clubs für mich keine Rolle, sie sind beliebig austauschbar. Der Staat hat alle Instrumente, um individuelle Taten zu verfolgen. Ein Verbot darf es m. E. nur als letztes Mittel geben und auch nur dann, wenn unverrückbare Tatsachen dieses begründen. Diese habe ich bis heute nicht für mich entdecken können. Und glaubt mir, ich habe intensiv danach gesucht.

Für den 09. Seoptember ist erneut unter dem Titel „Freedom is our Religion“ ein Demonstrationszug in Berlin angemeldet worden!

Nun passieren ja in der Tat schlimme und unentschuldbare Dinge. Dieses zu leugnen, wäre äußerst töricht. Hier sind die betroffenen Clubs in der Tat gefordert, den Inner Circle zu überdenken. Für jeden Biker stellt sich unabhänig davon jedoch die Frage, ob man sich durch eine quasi vorauseilend negative Berichterstattung weiter unreflektiert konditionieren lässt oder man den Rechtsstaat an seinen eigenen rechtsstaatlichen Prinzipien misst, egal um wen es geht. Eine moralische Sicht darauf ist jedenfalls nicht angezeigt, das Gesetz muss davon frei sein, insbesondere wenn es um Minderheiten geht.

Was ist mit der Unschuldsvermutung? In der Presse ist diese im Kontext zu Vorfällen in der Rockszene nicht mehr zu erkennen und die Verdachtsberichterstattungen stellen nicht belegbare Umstände oftmals mit geschickter Rhetorik als Tatsachen dar, obwohl Verfahren erst gerade beginnen und deren Erkenntnisse zudem erst einmal einer letztinstanzlichen gerichtlichen Überprüfung stand halten müssen. Lasse ich nun diese Grundsätze außer Acht, nur weil jemand den Deathhead oder Fat Mexican trägt und ich diese Clubs generell nicht mag oder negativ Erfahrungen mit ihnen gemacht habe? Emotional vielleicht nachvollziehbar sich zu verweigern, aber rechtfertigt das die Kollektivhaftung? Für mich zwei substanziell völlig verschiedene Aspekte.

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Fazit!

Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob er am 09. September in Berlin ist oder nicht. Wenn das oben Beschriebene euren Nerv trifft und ihr dennoch nicht da seid, dann agiert wenigstens auf anderen Ebenen und bringt klar zum Ausdruck, dass ihr bereit seid für euren Freiheitsgedanken einzustehen und eben nicht die Fahne nach dem Wind ausrichtet oder darauf wartet, dass andere die Dinge für euch regeln.

Ich unterstütze die Grundintention von Freedom is our Religion, weil ich für mich erkannt habe, dass man zum Erhalt der Freiheit unbequeme Wege gehen und unbequeme Dinge sagen muss, auch wenn sie einem vor die Füße fallen könnten oder jemand glaubt, man würde mich vereinnahmen. Ich + Du = Wir? Dazu brauche ich weder eine Allianz noch den großen Schulterschluss aller Clubs. Den sehe ich aktuell ohnehin nicht. Mir reicht es völlig, wenn ich in dem Format eine punktuelle Schnittmenge in der Sache erkenne. Vielleicht sehen wir uns ja in Berlin. My 5 Cents!

Kommentare durchaus erwünscht!

Wir sehen uns um spätestens 18.00 Uhr am Brandenburger Tor.

Kontakt: https://www.facebook.com/freedomisourreligion

Autor: Lars Petersen

Mitglied im DPV Deutscher Presseverband - Verband für Journalisten e.V. Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann, davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Steckenpferd? Texten. Zur Person? Vater und MC-Mitglied (1%er). Karre? 99er Harley Davidson Road King. KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden werden, sofern es sich nicht um bezahlte Aufträge handelt. Besonderes: U. a. Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst, Organisator der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings sowie Produzent vom Motorcycle Jamboree Journal. Ausrichter vom Rocker Talk 1 und 3.