Hells Angels MC Nomads Germany: Freedom is our Religion 2!

Erneuter Demonstrationszug in Berlin!

Im letzten Jahr hat der Hells Angels MC Nomads Germany  erstmalig unter dem Motto „Freedom is our Religion“ einen Demonstrationszug nach dem Berliner Versammlungsgesetz durchgeführt. Das Ziel war es gegen die zuvor von den führenden Fraktionen im Bundestag und Bundesrat und mit Zustimmung des Bundespräsidenten verabschiedete Verschärfung des Vereinrechtes und das damit verbundene Insignienverbot zu demonstrieren. Wie ihr wisst, haben wir den Prozess um die Gesetzesnovelle herum konsequent begleitet.

Die Rocker haben also Bürgerrechte wahrgenommen, damit ein öffentliches Zeichen gesetzt, und natürlich rief das die Publikumsmedien sowie die Rennleitung auf den Plan. Lokale Politker fühten sich gegenüber der Presse sogar dazu aufgerufen, es als einen Affront anzusehen, dass sogenannte Outlaws auf die Straße gehen und ihr Demonstrationsrecht wahrnehmen. Motto? Sie brechen Gesetze und wollen diese jetzt für sich nutzen. Das geht doch nicht! Über eine derartige Aussage darf sich nun jeder selber seine Gedanken machen.

Für den 08. September ist nun die zweite Auflage von „Freedom is our Religion“ als Demonsrationszug gegen die Abschaffung der Vereinsfreiheit angesagt. Und was tut man, um nicht von vorneherein auf dem Feld der Spekulationen mit zu spielen, nun, man wendet sich an die Leute, die für diese Demo verantwortlich sind. Daher habe ich mit Fähnrich von den Berliner Nomads des HAMC Germany ein Interview geführt.

Anliegen und Motto der Demostration der Nomads bleiben. Doch was erwartet das Charter für 2018?

Das Interview!

1.Hey Fähnrich. Wie bewertet ihr heute den Gesamtverlauf der ersten Demo im letzten Jahr?

Alles in Allem sind wir mit dem Ablauf und der Umsetzung zufrieden. Von unserer Seite hat alles gut funktioniert und Kleinigkeiten werden dieses Jahr verbessert.

2. Im Vorfeld gab es Gespräche mit den Behörden, auch der Polizei. Wurden die dann doch recht heftigen Kontrollen überhaupt angekündigt?

Bei den Gesprächen, die unsere Anwälte mit den Behörden führten, ging es ja zum einen um die Demo und zum anderen um die Party, den Indian Summer Bash. Die Absprachen zur Demo wurden wie besprochen reibungslos umgesetzt. Die Kontrollen bezüglich der Party, bei der gleichzeitig die Teilnehmer der Demo kontrolliert wurden, hat man uns nicht im Vorfeld angekündigt.

3. Zirka 600 Biker haben an der Demo in 2017 teilgenommen. Habt ihr dieses Echo so erwartet und was sagt ihr zu dem Vorwurf, die Demo hätte ein Verkehrschaos herbeigeführt?

Für uns war die Teilnehmerzahl nicht so wichtig, umso mehr waren wir mit dem Ergebnis zufrieden. Die Demo hat überhaupt kein Chaos verursacht, sondern die völlig überzogenen und offensichtlich planlosen Kontrollen im Rahmen des „Indian Summer Bash“.

Auf die offizielle Facebook Seite der Berliner Polizei stellten sie dann auch noch Fotos der beschlagnahmten 9 Fahrzeuge mit dem Zusatz: „Wir verleihen Flügel“, sozusagen als Beweis für den diensteigenen Humor und als Begründung dieser irrsinnigen Maßnahme. Über 1600 Kommentare zu dieser Veröffentlichung haben allerdings deutlich gemacht, dass Anwohner und Betroffene das gar nicht so lustig fanden.

4. Kommen wir zur zweiten Auflage. Was erwartet ihr Euch konkret für den 08. September?

Wir erwarten bestes Wetter und wenn es wieder so viele Teilnehmer werden, wäre das ein super Ergebnis.

5. Etliche Szenegänger bezweifeln den Sinn einer solchen Demo, da Rocker keinerlei Lobby haben. Wie seht ihr das?

Für uns ist es wichtig für sein Recht zu kämpfen und genau das machen wir mit dieser Demo. Wir lieben unser Leben so wie wir es leben und wir haben ein Recht darauf. Deshalb demonstrieren wir und schaffen damit eine Plattform für andere, die das genauso sehen.

Ich denke, wir haben durchaus eine Lobby. Die Bikerszene ist ein Querschnitt durch die Gesellschaft, unter uns findet man alles was die Gesellschaft zu bieten hat und wir lassen uns nicht per se kriminalisieren. Damit sind wir unsere eigene Lobby. Im Übrigen gehört es auch zur Rockerkultur, dass es egal ist, ob es jemand gut findet was du machst, solange du glaubst, dass es das Richtige ist.

6. Was entgegnet ihr Kritikern, die sagen, dass sie sich nicht vor den Karren der Hells Angels spannen lassen wollen?

Diese Gesetzesänderung betrifft alle und deswegen geht es bei der Demo nicht um einzelne Clubs. Aber jeder muss für sich wissen, ob er für sein Recht und seine Freiheit auf die Straße geht oder zuhause bleibt und hofft, dass es von allein besser wird, was übrigens noch nie funktioniert hat.

7. Gibt es in 2018 Veränderungen im Ablaufplan?

Es wird dieses Jahr nur einen zentralen Sammelpunkt geben (Frankenholzer Weg 4; 12683 Berlin, auf dem Parkplatz des Theaters am Park), um die Kontrollen einiger Polizeikräfte zu umgehen. Die Strecke wird erweitert und dazu haben wir eine Kundgebung am Brandenburger Tor geplant.

8. Was glaubt ihr, wie sich die Politik und die Rennleitung dieses Jahr positionieren und aufstellen?

Wir hoffen aktiv!

9. Womit wollt ihr die Ernsthaftigkeit der Demo belegen. Gibt es zum Beispiel Redebeiträge?

Mit 500-600 Bikes durch Berlin zu fahren und für sein Recht zu demonstrieren, ist, glaube ich, Ernsthaftigkeit genug. Wir werden am Brandenburger Tor nicht nur Redner aus unseren Reihen haben und erwarten auch das eine oder andere kritische Wort.

10. Letzte Frage. Wird das Insignienverbot in Karlsruhe gekippt?

Wir sind davon überzeugt. (Ende Interview)

Wer sich um das Thema Insignienverbot einen Kopf macht, der kommt nicht umhin, mit den davon betroffenen Clubs zu sprechen. Insofern lade ich auch die anderen vom Insignienverbot betroffenen MC’s dazu ein, mir ihre Sicht der Dinge aufzuzeigen. Die Nomads haben es an dieser Stelle getan. Warten wir ab, ob es zukünftig auch zu anderen Kontakten kommt.

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Persönliche Anmerkungen:

Mir geht es im Zusammenhang mit der Berichterstattung zum Insgnienverbot ausschließlich um den Aspekt der Sippenhaftung, nämlich um die Tatsache, dass dem Mitglied eines MC alleine schon aus dem Grund das Tragen seiner Kutte verboten wird, weil das Mitglied in einem anderen Ortsverein Straftaten verübt hat. Das ist der Kernpunkt, um den sich alles dreht.

Es mag in der Gesellschaft wenig Akzeptanz dafür geben, dass man derartige Mitglieder nicht sofort aus dem Club wirft, letztlich ist das aber eine reinweg moralische Frage und darf keinesfalls über das Vereingesetz geregelt werden, nur um in den Publikumsmedien einen Showeffekt zu erzielen. „Your Brother is not allways right, but he is allways your Brother!“. Insbesondere Onepercenter lassen ihre Brüder nicht einfach fallen. Das ist das Credo einer Bruderschaft, so wie es weltweit Tausende Rocker leben. Oder würdet ihr euren leiblichen Bruder wegen einer Straftat sofort aus dem Familienverband ausschließen und ihn damit ächten?

Und selbst wenn man den immer wieder von der Politik gebetsmühlenartig vorgetragenen Argumenten hinsichtlich organisierter krimineller Strukturen der betroffenen Clubs folgt, muss man sich doch nach mehreren Jahrzehnten intensiver Ermittlungen auf allen Ebenen ernsthaft die Frage stellen, warum der Staat bis heute keinerlei Beweise für diese Behauptungen vorbringen konnte und jedes Verfahren im Bereich der OK eingestellt wurde.

Meines Erachtens geht es bei derartigen Beschlüssen im Kern nur darum, etwas zu verbieten, was man nicht lenken und beeinflussen kann. Rocker dokumentieren eine Wehrhaftigkeit, die den Zielen politischer Entwicklungen widerspricht. Und sie zeigen in der Öffentlichkeit ihre Verbundenheit durch ein Patch. Das fordert den Staat heraus. Insofern trifft der Titel von Lutz Schelhorns Bildband „Die letzten Krieger“ den Nagel vermutlich voll auf den Kopf.

Ob andere Clubs an Freedom is our Religion 2 teilnehmen oder nicht, nun, dass müssen diese für sich selber entscheiden. Das Thema ist komplex, es gibt potentielle Wechselwirkungen. Aber wer es deshalb nicht tut, weil er glaubt, in Zukunft vor ähnlichen Maßnahmen sicher zu sein, dem darf ich verraten, dass es auch schon Versuche seitens der Rennleitung gab ein Insignienverbot für eine Ausfahrt auf Basis des Verammlungsgesetzes auszusprechen. Und das sollte dann alle Clubs treffen. Das hat nur keiner mitbekommen, weil sich die Antragsbehörde da nicht rangetraut hat. Noch nicht!

Ich bleibe an dem Thema dran und bedanke mich abschließend bei Fähnrich für das Interview.

Belegvideos!

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Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.