Kontroverses: Es lebe das Denunziantentum!

Analena Barbock hat kürzlich die Aussage getätigt, dass die neue Bundesregierung es dem Beispiel Baden-Würtembergs gleichtun solle und ein bundesweites Portal installieren möge, auf dem jeder anonym und online Steuerbetrüger anzeigen könne. Das lehne ich konsequent ab und gehe sogar soweit, dass deratige Ansinnen einmal mehr klar dokumentieren, dass die Lady überhaupt keine Skrupel hat gesellschaftliche Spaltungen in Kauf zu nehmen, sofern es ihrer eigenen poltischen Agenda dient. Ok, das gilt auch für Vertreter anderer Parteien. Aber staatlich gefördertes Denunziantentum hat schon eine andere Qualität.

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Wie ich das sehe!

Schon mein Vater hat mich gelehrt, dass man niemanden verpetzt und ich meine Klamotten selber und direkt mit meinem Gegenüber klären soll. Bin ich dazu nicht bereit, dann wäre das mein Problem. Entweder stehe ich meinen Mann oder ich muss damit leben, dass ich eben nicht obsiegt habe, egal ob es sich um körperliche und/oder verbale Auseinansdersetzungen handelt. Als ich zum Beispiel an der Tür von einem US-Militärpolizisten meinen ersten Arschvoll kassierte, habe ich nicht die Polizei gerufen, sondern meine Beulen gepflegt. Krone richten und weiter im Text. Es war mir eine Lehre!

Natürlich gibt es viele Dinge, die zu verurteilen sind, aber es ist die Aufgabe der zuständigen Behörden dieses zu erkennen und zu verfolgen. Mit dem Portal soll es für jeden Bürger nun aber möglich sein, Mitmenschen anonym und online anzuzeigen, völlig egal, ob man selber die Reichweite dieses Handelns erkennt, geschweige denn in der Lage ist das vermeintliche Fehlverhalten des vermeintlichen Steuerbetrügers rechtlich vorab zu verifizieren. In der Praxis führt das zwingend dazu, dass die Moralapostel oftmals alles und jeden anscheissen werden, denn zu befürchten haben sie ja nichts, da die Nummer anonym läuft. Sie müssen also bei falschen Behauptungen keine Konsequenzen fürchten, weder persönliche noch rechtliche.

Um es gleich klarzustellen, um die großen Fische wird es in einem derartigen Portal nicht gehen. Die sind derart professionell unterwegs, dass sie ein hoch komplexes Geflecht von Steuerberatern beschäftigen und jede noch so kleine Lücke in der Rechtslage nutzen, um sich konsequent alle erdenklichen Vorteile zu sichern. Das passiert ohnehin in einer Grauzone, in der Regel legal im Sinne des Steuergesetzes. Nein, es wird in Summe um unsere Mitmenschen gehen, mit denen wir in persönlichem Kontakt stehen. Woher sollen wir denn auch sonst Kenntnisse darüber erlangen, ob jemand vermeintlich am Fiskus vorbei agiert.

Real ist es dann der Nachbar, der für seine kranke Mutter eine Putzfrau einstellt und von seinem Nachbarn wegen Schwarzarbeit angezeigt wird, weil dieser sich über den letzten Streit am Gartenzaun immer noch ärgert. Oder der Arbeitskollege, dem man beim Frühstück berichtet hat, dass man im großen Konz (Sachbuch Steuer) eine Steuerlücke gefunden und sich dieses positiv auf die Steuererklärung ausgewirkt habe. Oder der entlassene Mitarbeiter, der seinem ehemaligen Chef auf der Baustelle mal eben den Zoll auf den Hals schickt, weil er Rachegelüste aufgrund seiner Kündigung hat.