Rocker Talk 3: Der Status Quo!

Schon zum ersten Rocker Talk habe ich den Weg der Transparenz gewählt. Wenn ich von der Szene erwarte, das sich diese bewegt, hat sie auch ein Recht darauf zu erfahren, wie die Dinge so liegen und wie ich die ganze Nummer bewerte. Positiv, wie negativ. Ok, das gilt nicht zwingend für die Probleme in der organisatorischen Abwicklung, aber wenigstens für die Stimmung, den Trend sowie meine persönliche Einschätzung.

Und, wie sieht es momentan aus?

Das von mir angesetzte Verhältnis zwischen Club- und Freebikern von 80/20% spiegelt sich derzeit recht gut auch in den Anmeldungen zur Teilnahme als Zuschauer bzw. Zuhörer wieder. Jedoch stockt der Motor aktuell etwas, was ich mal auf eine gewisse Jahresendstimmung zurück führe und darauf, dass sicherlich noch an den Tischen über das Format gesprochen werden muss.

Zudem gibt es einige, die sich anscheinend fragen, warum sie etliche Kilometer für einen Rocker Talk fahren sollen, wenn sie sich diesen im Nachgang bequem von der Couch aus reinziehen können, sie sich zudem von dem Thema nicht wirklich angesprochen fühlen, weil nicht betroffen. Nun, diese Meinung kann man vertreten, steht aber m. E. in einem Widerspruch zu dem immer wieder beschworenen Solidaritätsgedanken der Bikerszene, insbesondere, wenn es um das staatlichen Agieren gegen die Clubs geht.

Nach dem Rocker Talk selbst gibt es wieder einen Open Talk für alle Teilnehmer!

Das Fratzenbuch ist voll von Kommentaren, die recht einhellig zum Ausdruck bringen, dass die Verschärfung des Vereinsrechtes Ende 2017 von sehr vielen Szenegängern verurteilt wird. Und dabei geht es mittlerweile gar nicht mehr nur um das Verbot als solches, sondern die Art und Weise, wie dieses Gesetz durchgepeitscht wurde. Und kaum war die Nummer im Sack, kamen die Bayern mit dem neuen Polizeiaufgabengesetz um die Ecke, was wir wohl flächendeckend für alle Bundesländer erwarten dürfen.

Plötzlich fühlte sich sogar der ansonsten eher staatskonforme Bayer vor den Kopf gestoßen und ging auf die Straße. Ok, es waren keinen Massendemos, aber mit bis zu 30.000 Teilnehmern gab es zu mindestens ein klares Signal. Beim Rocker Talk brauchen wir neben den Talkgästen und der Crew 100 Leute, damit die Bude voll ist. An sich ein Witz, aber ich kann jetzt schon prophezeien, dass diese Zahl vermutlich erst kurz vor Ultimo erreicht wird. Wenn überhaupt!

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Denn es gibt unendlich viele Aspekte, die einem das Nein leicht machen. Ich versuche einmal diese möglichst repräsentativ zusammen zu fassen.

  1. Die Onepercenter sind selber schuld, denn sie haben stets und ständig die falschen Leute in den Club geholt. Motto? „Die Geister, die ich rief“!
  2. Wer soviel Mist baut, muss sich nicht wundern, wenn sich der Staat heraus gefordert fühlt!
  3. Die sollen erst einmal vor der eigenen Tür kehren, bevor sie die Solidarität der Szene erwarten!!
  4. Wenn es den Großen ans Eingemachte geht, rufen sie nach  der Szene, wenn es ruhig ist, haken sie darauf rum!
  5. Sie fahren kein Mopped, legen nur Wert auf Status und Kohle. Denen ist alles egal!

Ich könnte diese Liste nun deutlich ausweiten, aber ich denke, dass reicht schon. Ihr wisst, worauf ich hinaus will. Und ja, auch ich habe mindestens einmal einen derartigen oder ähnlichen Gedanken gehabt. Und warum wiederhole ich dann dieses Format? Ganz einfach, weil es nicht darum geht. über das Format auf die Clubs einzuwirken und ihnen dabei zu helfen ihre Probleme in den Griff zu bekommen. Das dürfen sie schön selber regeln.

Der Kern aber ist die Tatsache, dass insbesondere diese Gesetzesverschärfung aus 2017 gegen die Verfassung verstößt und ich es für dringend geboten halte, dass Karlsruhe hier ein klares Signal an die Politik sendet. Soll ich also nun mein persönliches Standing davon abhängig machen, dass die betroffenen Clubs mir ein Zeichen dafür geben, dass nunmehr der richtige Zeitpunkt gekommen ist, mich für meine Bürgerrechte einzusetzen? Das entscheide ich immer noch selbst!

Natürlich bin ich nicht naiv. Straftaten von Rockern sind ein Störfeuer und werfen auch auf den Rocker Talk einen Schatten. Kaum hatte ich das Format angekündigt, hörte man von Räuberpistolen, zum Beispiel aus Köln oder dem Pott. Und mein erster Gedanke war „Muss das denn sein!“. Aber wie schon erwähnt, ist die Motivation eine andere. Wir reden somit über zwei unterschiedliche Aspekte. Der Staat hat die Mittel, um Straftaten zu verfolgen. Doch statt diese zu nutzen, pauschalisiert er und nimmt alle in Sippenhaft. Wo soll das hinführen? Was kommt noch?

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Der Rocker Talk wird keine Umkehr des staatlichen Agierens hervor rufen. Denn der Politik ist es völlig egal, wie wir die Dinge sehen. Sie wird weiterhin die Rockerszene als Spielball auf dem Feld der als sicherheitsrelevant beschriebenen Gesetzesverschärfungen nutzen und dabei mit der stets unreflektierten und pauschalen Diskriminierung jedes Einzelnen dafür sorgen, dass auch in Zukunft die Bürgerrechte weiter beschnitten werden. Die haben die Macht, und sie haben die Mittel dazu.

Wenn ihr aber von Wehrhaftigkeit sprecht, so wie aktuell die Gelbwesten in Frankreich gerne als notwendiger Protest heran gezogen werden, dann stellt euch einfach auch mal die Frage, was ihr außerhalb der sozialen Medien dafür getan habt, um klar und unmissverständlich unserem Staat zu signalisieren, dass ihr nicht bereit seid, dieses Vorgehen hinzunehmen.

Stiebel moderiert den dritten Rocker Talk. Er ist kein MC-Member, aber Bike-Enthusiast!

Insofern ist der Rocker Talk m. E. viel mehr als das Gequatsche unter Rockern, sondern ein Appel an die Szene, wenigstens in Punkto Stigmatisierung durch Politik und Presse mal annähend so etwas wie Einigkeit zu signalisieren! Rocker bauen Mist, das ist unbestritten, aber gibt das deswegen dem Staat das Recht  alle in einen Sack zustecken? Von mir ein klares Nein!

Das Format wird steigen, ob mit 20 oder 100 Gästen. Doch stellt euch mal das Bild und die damit verbundene Signalwirkung vor, wenn da lauter leere Stühle zu sehen sind. Was würde das bedeuten? Für mich wäre dann jedenfalls klar, das jegliche Bemühungen um einen Diskurs in der Szene sinnlos sind, weil es ohnehin keine Sau interessiert oder nur dann, wenn man gepflegt aus der Deckung heraus agieren kann. In diesem Sinne eine coole Xmas-time!

Video:

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.