Stuhr Open Air 2: Was ging ab?

Blick vom Schreibtisch aus!

Grundsätzlich dürfen wir wohl klar feststellen, dass sämtliche Open Air Veranstaltungen in der Metropolregion am letzten Wochenende aufgrund des teilweise echt miesen Wetters weitaus weniger Tagesbesucher verzeichnen konnten. Das Stuhr Open Air 2 macht da keine Ausnahme. Das belegen die Fotos eindeutig.

Leider erhielten wir trotz offizieller Anfrage keine Akkreditierung für das SoA 2. Keine Ahnung warum unsere zweimalige Anfrage unbeantwortet blieb. Da Veranstalter Karsten Schierenbeck jedoch mit mir im März 2018 ein Interview zum SoA 2 geführt hatte, kann ich wenigstens die dort angesprochenen Aspekte mit den nun von mir von Außen festgestellten aktuellen Umständen vergleichen.

Allgemeines!

Das SoA ist als kultureller Beitrag der Gemeinde Stuhr sowie in der hiesigen Musikszene anerkannt und wurde bisher von den lokalen und regionalen Musikern auch als solches unterstützt. Wäre dem nicht so, würden die Bands in der Mehrheit für die echt niedrige Gage im absolut untersten dreistelligen Bereich gar nicht spielen. Die Ausnahme dürften da höchstens die Headliner gebildet haben. Es ist grundsätzlich zu begrüßen, dass Karsten Schierenbeck sich der Aufgabe angenommen hat und versucht das SoA zu etablieren.

Doch wo er beim SoA 1 noch einen gewissen Welpenschutz als Veranstalter im Festivalbereich genoss, musste er nun beim SoA 2 die in 2017 gemachten Fehler ausmerzen und klar substantieller abliefern. Man wird als Veranstalter stets an dem gemessen, was man ankündigt, und was letztlich umgesetzt wurde. Und selbst wenn man alles richtig macht, im Festivalbereich nahezu unmöglich, kann es am Ende doch noch in die Hose gehen.

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Support durch die Musikszene!

Die Bremer Musikszene und deren Anhängerschaft hat das Event stets voll unterstützt. Allerdings stelle ich fest, dass man den „Wir haben uns alle lieb Gedanken“ teilweise echt überreizt, was dann dazu führt, dass die Events von den immer selbigen Leuten kommentiert werden und so schon fast ein Kreislauf entsteht, der irgendwann nur noch langweilt. Zwar haben fast alle Bands das SoA 2 mit eigenen Seiten in den sozialen Medien promotet, aber wirklich kreativ waren nur wenige. Auch wenn der Bereich Marketing zu den Hauptaufgaben des Veranstalters gehört, so war mir das Engagement insgesamt echt zu dünn!

Eigene Feststellungen!

Karsten Schierenbeck hatte im damaligen Interview davon gesprochen, dass sich die Besucher auf ein Event mit vielen ambitionierten Musikern freuen dürfen und die Bands ließen dem Taten folgen. Das Line Up war ausgewogen und somit wirklich für jeden etwas dabei. Ob es den gegenüber 2017 erhöhten Eintrittspreis rechtfertige, ist eine andere Frage. So wie es für mich aussieht, kann der Vorverkauf nicht sonderlich gut gelaufen sein, obwohl Schierebeck vorgab, dass dieses Festival wettermäßig durch die große Gutsscheune mit 1.200 Plätzen abgesichert sei. Dieser Aspekt scheint im Markt nicht durchgedrungen zu sein. Letztlich gab es aber auch keine Verlagerung in die Gutsscheune. Das SoA 2 lief Open Air ab!

Mehr Raum für die Bands!

Die zweite Bühne war wie angekündigt deutlich größer als in 2017. Die Konzerte sollten laut Interview Schlag auf Schlag an den Start gehen. Das klappt natürlich nur dann, wenn alle Akteure voll mitspielen und dieser Aspekt auch im Vorfeld klar kommuniziert wird, damit die Bands dieses in den Sets berücksichtigen und ihre Stagetime einhalten. Steht an sich auch in den Verträgen so drin. Da ausgerechnet der Veranstalter selber mit seiner Band Caldera wegen einer Verletzung nicht auftreten konnte, führte dies am Samstag zu Verschiebungen, die Schierenbeck aber im weiteren Verlauf anscheinend egalisieren konnte und so wieder vom Time Table her im Soll war.

Das SoA Journal ging in der zweiten Augustwoche in den Markt!

Der Stromkiller!

Leider kam es zu einem Fauxpas, der für alle Beteiligten mehr als unglücklich war, denn der Band Unstraight wurde mitten im Gig der Strom soft gekappt. Das kam bei den Fans und den Musikern gar nicht gut an. Die Folge waren schlechte Bewertungen für das SoA 2 auf Facebook. Nun, stellen wir zuerst einmal fest, dass die Stagetime von der Band spürbar überrissen wurde. Das ist schlecht. Den schwarzen Peter erhielt jedoch sofort der Veranstalter.

Laut diesem begann der Gig alledings aufgrund technischer Probleme der Band 15 Minuten später als geplant und der Show-Ending-Point war zudem schriftlich fixiert. Wen dem so ist, muss das Set von der betroffenen Band natürlich angepasst werden, um das vorher gefixte Ende einzuhalten. Oder man spricht mit dem Veranstalter vor dem Gig über mögliche Alternativen. Das ist absolut dumm gelaufen, aber wenn die Aussage des Veranstalters so zutrifft, kann ich ihm keinen Vorwurf machen. Andere Aspekte sind mir derzeit nicht bekannt.

Die Presseresonanz!

In Sachen Presseresonanz kann sich der Veranstalter keineswegs beschweren. Hatte ich im März noch selber davon gesprochen, dass es um das SoA 2 merklich ruhig ist, so zogen die Presseberichte im weiteren Verlauf massiv an und das SoA 2 fand in etlichen großformatigen Berichten regelmäßig seine Erwähnung. Damit generierte es eine hohe Reichweite und viele Multiplikatoren. Umso verwunderlicher ist es, dass der VVK nicht deutlich besser lief. Lag es am Ticketpreis?

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Eigenmarketing!

Das selbstbestimmte Marketing bewerte ich als ausbaufägig. Schierenbeck hat sich anscheinend auf die Wirkung der redaktionellen Beiträge sowie das Fratzenbuch verlassen. Die angekündigte Plakatwerbung weit über die Stuhrer Grenzen hinaus, habe ich nicht wahrgenommen. Da ich mit dem Bike ohne Ende unterwegs bin, bilde ich mir ein, dass ich das durchaus beurteilen kann, zumal ich auch bewusst auf so etwas achte. Entweder war die Stückzahl wesentlich zu klein oder ich muss mal zu Fielmann.

In Stuhr gab es sichtbar Plakate, doch dort hätte man gar nicht in der Art plakatieren müssen. Das ist der eigene Kiez und hier hätten große Mashbanner von Delmenhorst und Bremen kommend sowie Flyer am Point of Sale (Geschäfte und Freizeiteinrichtungen) vollkommen ausgereicht, um die Stuhrer Bürger zu informieren. Der Rest läuft dann über die Presse sowie Mundpropaganda. Dieses Budget hätte ich an den neuralgischen Plätzen in Bremen und Oldenburg plus klassische Werbung investiert.

Das angekündigte SoA-Journal ist laut Schierenbeck mit einer Auflage von 6.000 Stück ab der zweiten Augustwoche verteilt worden. Warum es dazu auf der Eventpage keine Hinweise gab, kann ich nicht nachvollziehen. Wichtig ist aber, dass es in den Markt ging und damit den potentiellen Besucher erreicht hat, auch wenn ich die Auflage von 6.000 als zu niedrig einstufe.

Was den eigenen you tube Kanal anbelangt, so hatte man in 2017 ein fettes Brett mit etlichen Videos abgeliefert. Dieses fand in 2018 so nicht mehr statt. Außer einem Teaser habe ich nichts zum SoA 2 gefunden. Die Anzahl der Aufrufe im unteren dreistelligen Bereich ist ein Indiz dafür, dass es dem Kanal an Reizen fehlt diesen zu besuchen. Wenn der Kanal aufrecht erhalten wird, muss man dessen Konzept überdenken.

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Fazit!

Die Besucherresonanz an der Kasse hat Freitag und Samstag mit Sicherheit unter dem teilweisen schlechten Wetter erheblich gelitten. Doch für das Wetter kann Schierenbeck ja nun nicht verantwortlich gemacht werden. Warum allerdings die Gutsscheune nicht als das eingesetzt wurde, als welche sie angekündigt wurde, kann ich nicht nachvollziehen. Ein Umzug der Bühne hätte mit Sicherheit mehr Budget gekostet, möglich, dass es an Kapital fehlte, aber das Event wurde halt als wetter-unabhängig angekündigt und die Regenfälle waren absehbar, zwar nicht sintflutartig, aber in jedem Fall ein Grund dem Event fern zu bleiben.

Keine Ahnung, ob eine Bühne in der Guttsscheune mehr Leute zum Besuch motiviert hätte, aber ich zahle eher ein Tagesticket von 15 Euro, wenn ich weiß, dass ich die Musik trocken genießen kann, denn nasse Klamotten sind immer ein Stimmubngskiller. Meine Logik sagt mir, dass dieses eine Chance gewesen wäre, mehr Besucher zu ziehen. Und wenn es logistisch und/oder finanziell nicht machbar war, sollte man es nicht im Vorfeld ankündigen.

Im Bereich selbst bestimmtes Marketing gibt es noch einiges zu tun. Schierenbeck sollte sich überlegen, ob er mit einer professionellen Stuhrer oder Bremer Werbeagentur zusammen arbeitet, damit das Potential im Marketing voll genutzt wird. Gute Presse ist wichtig, ersetzt aber nicht vollends bezahlte Werbung! Da sehe ich ein Manko!

Was die Bands anbelangt, so haben die sich voll reingehängt und in Punkto Ablauf und Organisation dem Veranstalter mehrheitlich ein gutes Zeugnis ausgestellt, jedenfalls die Bands, die von mir direkt befragt wurden und auch antworteten. Eines muss jedoch klar sein. Dieses Event muss am Ende des Tages einen Umsatz erbringen, der alle Rechnungen bezahlt und auf Dauer wird es nicht ausreichen im Kern fast nur lokale Bands zu buchen. Der Sonntag mit nur 5 Euro Eintritt inklusive 2 Euro Verzehr hat leider das Publikum auch nicht in Scharen gezogen, obwohl das Wetter recht gut war. Ich hatte da mit weitaus mehr Zulauf gerechnet.

Mit dem Wort Festival assoziieren die Leute halt etwas Größeres und auch wenn man das SoA nicht mit den etablierten Festivals vergleichen kann, der Anspruch kann nur sein, dass man auch im kleinen Rahmen beständig wächst. Das SoA braucht in jedem Fall eine größere Reichweite, um einfach auch bekannter zu werden. Das erzeugt dann auch spürbar mehr Multiplikatoren.

Das Konzept des SoA sollte auf den Tisch gelegt und sämtliche Aspekte einer selbstkritischen Analyse unterzogen werden. Ich bin mir sicher, dass es im Bereich Stuhr Firmen gibt, die sich im Sinne der Veranstaltung einbringen können, finanziell und/oder mit Know How. Das Potential ist jedenfalls noch lange nicht ausgeschöpft. Und redet mal mit einem Bauern oder dem Campingplatz am Steller See. Ein Festival braucht ein echtes Campground, um von weiter weg Gäste anzuziehen.

Ich bin gespannt auf 2019. Und wenn es dann trocken ist, sehen wir ja, was geht und was nicht.

Zum Vergleich hier das Interview aus dem März!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.