Szene: Das Ende der 1%er!?

Heute gehe ich auf eine Thema ein, welches mich bereits seit einigen Monaten umtreibt. Und ich bin wahrlich nicht der einzige, der sich über die Entwicklung der Onepercenter-Szene in Deutschland so seine Gedanken macht. Um es gleich vorweg zu nehmen. Meine weiteren Ausführungen sind subjektiv und betreffen ganz sicher nicht alle 1%er-Clubs in der Republik. Gewisse Aspekte haben aber eine Breitenwirkung erzielt, die sich anscheinend so dermaßen manifestiert hat, dass sie fest in den Köpfen vieler Szenegänger verankert ist.

Wenn man sich mit der Thematik befasst, kommt man nicht umhin in das Jahr 1947 zurück zu blicken, als es im kalifornischen Hollister den sogenannten Hollister Bash gab, einem Motorradtreffen, in dessen Verlauf es zu Pöbeleien und Schlägereien unter den Bikern kam, die sich später auf die Polizei verlagerten. Die Presse schlachtete die Nummer gewaltig aus, weswegen sich ein führender Vertreter der American Motorcycle Assoziation (AMA) dazu veranlasst sah festzustellen, dass sich 99% aller Biker gesetzestreu verhalten und nur 1% gegen die Gesetze verstoßen würden. Damit war der 1%er-Status geboren!

Unabhängig davon, dass der AMA eine solche Feststellung nicht zustand, Amerika stand noch voll unter der Wirkung der Depressionen nach dem zweiten Weltkrieg, war diese Aussage ein Schlag in das Gesicht der damit angesprochenen Biker, weil sich die AMA als seinerzeit größte Interessenvertretung von Bikern in den USA damit von einem Teil seiner Mitglieder selbst distanzierte.

Natürlich waren diese angepisst und da man sie quasi ausstieß, bezeichneten sie sich fortan als 1%er, die dem Rest der Szene einen Spiegel vorhielt und zukünftig klar zum Ausdruck brachte, das man sich das nicht gefallen lässt und sie zukünftig halt ihr eigenens Ding durchziehen. „Wenn ihr auf uns scheißt, dann scheißen wir auf euch!“, so die Message. In der Folge entstand zum Biespiel das „Fuck AMA“ Patch, welches noch heute meines Wissens von den Boozefightern getragen wird, die damals beim Hollister Bash dabei waren.

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Das Heute!

Ich denke, die historische Erklärung haben die meisten heute nicht mehr auf der Pfanne und wenn doch, wird sie falsch interpretiert bzw. sie steht unter dem Einfluss des heutigen Zeitgeistes, der in erster Linie durch eine konsequent negative Berichterstattung beeinflusst wird. Wir befinden uns in einem fortlaufenden Stigmatisierungsprozess, an dem die Szene sogar selber aktiv teilnimmt. Man kann klar festhalten, dass der Status 1%er heute mit einem Gesetzlosen im Sinne eines Kriminellen gleichgestellt wird, nicht mit dem eines Geächteten im Sinne eines Robin Hoods. Für mich ist das Fakt, aber auch gleichzeitig falsch.

Warum?

Ja, es gibt sicherlich unter den 1%er-Clubs einen höheren Anteil von Mitgliedern, die durch kriminelle Handlungen ihren Lebensunterhalt verdienen, als außerhalb der 1%er-Clubs. Und machen wir uns nichts vor, die Presse agiert zwar regelmäßig mit einer völlig unzureichenden Berichterstattung, die oftmals vorverurteilend stattfindet, aber sie setzt nicht die Anlässe. Dafür sorgen die betroffenen Rocker schon selbst. Bezogen auf die Gesamtheit der 1%er ist das aber nach wie vor nur eine kleine Gruppe, keinesfalls die Mehrheit der 1%er.

Das medial geführte Schwert führt nun aber zu der Wahrnehmung, das es eine Mehrheit ist. So denkt der Bürger, so denkt der Staat. Letzterer weiß, dass eine solche Einstufung nicht gehalten werden kann, weil aber die Clubs nur selten ihr Mitglieder wegen derartiger Straftaten aus dem Club werfen, geht er davon aus, dass diese Taten wenigstens toleriert werden. Die Duldung wird allersdings einer Teilnahme gleichgestellt. Aus der moralischen Perspektive der Gesellschaft u. U. nachvollziehbar, aber faktisch falsch.

„Your Brother is not allwasy right, but he is allways your Brother!“. Das lasse ich so stehen, denn es trifft den Nagel, damit das Credo einer Bruderschaft auf den Kopf. Ja, die Brüder bauen auch mal scheiße, aber wir versuchen sie zu disziplinieren. Ein Prozess, der allerdings intern und nicht öffentlich abläuft. Vielen Clubs gelingt dieses hervorragend, anderen nicht. Man muss sich aber bewusst sein, dass die jeweilige Größe des Clubs interne Prozesse weitaus schwieriger gestallten lässt, als es bei kleineren Clubs möglich ist.

Zunächst bedarf es einer Erkenntnis, die alleine schon Jahre braucht um zu reifen, danach erst folgt eine konkrete Veränderung, welche ebenfalls Jahre benötigt, um Wirkung zu entfalten. Während dessen läuft die Pressemachine weiter und hält die verbale Keule aufrecht. Ein Dilemma für die Rocker. Nur eine Verringerung der Anlässe kann Aufschub leisten, ergo braucht es eine Mehrheit die auf die Member einwirkt. Nur von innen ist das Problem zu lösen. Keiner muss sich einbilden, dass er von Außen einwirken kann, dass Selbstverständnis der Bruderschaft verbietet das bereits, denn nur ein Mitglied hat ein Voting.

Somit können tatsächlich nur die Clubs selber für sich entscheiden, welchen Weg man in Zukunft geht, welche Dinge toleriert werden und welche nicht. Setzt man sich damit auseinander, kann dieses positiv greifen, tut man es nicht, läuft man Gefahr letztlich vom Staat erfolgreich und dauerhaft reglementiert zu werden. Als gutes Beispiel dient das Insignienverbot, welches 2017 entschieden wurde. Es betrifft bei fünf Clubs alle deren Member, obwohl keinesfalls alle der Argumentation des Staates entsprechen.

„Nobody can destroy our Culture!“, so die Reaktion vieler und vollkommen richtig, aber dennoch sollte man sich schon einmal Gedanken darüber machen, wen man ins Boot holt und ob die Motive ausschließlich darin bestehen, gleichberechtigtes Mitglied einer echten Bruderschaft zu werden, damit stets und ständig dessen Wertegerüst zu leben und zu achten, oder ob es letztlich doch um die Durchsetzung reinweg persönlicher Interessen geht. Ich habe zweimal eigensinnig gehandelt, wurde zweimal bestraft, und hoffe inständig, dass es mir nicht erneut passiert.

Ja, wenn man aus Sicht der Brüder egoistisch handelt, können interne Maßnahmen dazu führen, dass man sich mit den Aspekten auseinander setzt. Wer die Ideologie des Clubs ganz oben auf der Agenda hat, wird diesen nicht sofort verlassen, um sich einen neuen Spielplatz zu suchen. Er wird sich selber reflektieren und abwägen, was für ihn wichtig ist. Solange meine Prinzipien dem nicht entgegen stehen, wird es stets die Gemeinschaft sein!

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Doch was ist Gemeinschaft?

Sind wir bereits eine Gemeinschaft, wenn wir zusammen Motorrad fahren. Nein, wir verfolgen dasselbe Interesse, aber damit sind wir keine Gemeinschaft im Sinne einer Bruderschaft. Du kannst dir den Siderocker auf die Juppe nageln und am Tresen mit 2,8 auf dem Kessel den Dicken machen, das bedeutet gar nichts, denn eine Bruderschaft hat nichts mit verbalen Phrasen zu tun, es sind ausschließlich die gemeinamen Erlebnisse, die zählen. Alles andere ist kalter Kaffee.

Natürlich ist das Motorradfahren wichtig, es aber nur darauf zu reduzieren, wird dem Thema nicht gerecht. Der alltägliche Umgang, die sachliche Auseinandersetzung im Club, eigenen Kontroversen, das Einstehen für die eigene Meinung, all das und vieles mehr bildet letztlich die Bruderschaft. Freebiker verstehen das oftmals nicht, weil Sie nur den Aspekt Motorradfahren sehen.

Back to the Roots und Old School!?

Schon oft gehört und gelesen, doch wohin zurück? In die 70er und 80er? Wir leben im Heute! Fangt doch erst einmal damit an, dass ihr ich nicht pausenlos den negativen Shit in der Presse undifferenziert konsumiert. Da sind Rocker nichts besser als die Leser aus der zivilen Mitte. Jeder Schlagzeile wird nachgejagt, sofort beamt man den Kumpel an, ob er schon etwas gehört hat, die stille Post läuft, obwohl man selber überhaupt nicht weiß, was wirklich Ambach ist.

Ich brauche das nicht, weswegen die Bad News aus den Publikumsmedien in meinem Onlinemagazin gar nicht erst präsentiert werden. Klar lese ich die auch, aber deswegen bilde ich mir keine abschließende Meinung, die ich dann auch noch unmittelbar öffentlich mache. Da warte ich besser erst einmal ab, was noch kommt, denn oftmals ist erst der zweite Bilck auf das Geschehen der richtige.

Steht am Tisch zu euer Meinung, auch wenn ihr wisst, ihr seid in der Minderheit. Echte Brüder werden euch dafür schätzen, weil sie sich darauf verlassen können, dass ihr ehrlich und athentisch seid. Es geht in der Bruderschaft nie darum immer recht zu haben, es geht um wahre Ahtentizität. Das alleine kann schon dazu führen, dass so einiger Mist gar nicht erst abläuft, weil sich etliche am Tisch devot verhielten, nur weil ihnen die Mehrheitsteilhabe ein besseres Gefühl gibt.

Der 1%er-Status begründet sich auf ein Ereignis in 1947 im texanischen Hollister.

Wenn Leute ständig mit dem Strom schwimmen, hinterfragt das, fordert die Männer auf ihre Meinung zu sagen. Ja-Sager bringen den Club nie weiter, sie blockieren nur Veränderungen und wenn es darauf ankommt, laufen sie weg oder fallen sogar ihren Brüdern in den Rücken. Und ich spiele nicht auf den Aspekt Power ab. Da zu stehen, wo es drauf ankommt, ist wichtig. Ein Mann, der körperlich schwach ist, ist oftmals mehr 1%er, als das Powermonster aus der Muckibude.

1%er zu sein hat ohnehin nichts mit körperlicher Stärke zu tun. Ich kenne etliche Kampfsportler in Kutte, die für mich nicht einmal ansatzweise 1%er sind, weil sie ihre Fähigkeiten zu Kämpfen pro aktiv einsetzen, um sich über ein erfolgreiches Match ihre Lorbeeren zu verdienen bzw. ihr Ego glätten.

Wenn ich Angriffe gegen den Club verteidige ist das etwas völlig anderes, als einem ohnenhin Schwächeren etwas auf die Kauleiste zu geben. Bei mir erntet man dafür Hohn und Spot und es ist nicht ausgeschlossen, dass ich dafür die Degradierung verlange, sofern er keine Einsicht zeigt. Ok, Rocker neigen zu dieser Attitüde, aber ich muss sie nicht gut finden!

Fazit!

Ich könnte ein Buch zu diesem Thema schreiben. Das hier muss allerdings reichen, denn es soll nur einen Anstoß geben, sich einmal selbst zu reflektieren. Wofür stehe ich? Wofür steht mein Club? Passt das noch zusammen? Was kann ich ganz persönlich einbringen, damit die Gemeinschaft funktioniert? Wo liegen die Unterschiede in der Ausrichtung? Wie kommt man da näher zusammen?

Die Presse und der Staat wirken voll auf die Szene ein, werden nichts unversucht lassen das negative Image aufrecht zu erhalten und die Szene mit Gesetzen zu reglementieren. Da ist de facto keine Veränderung des Status Quo zu erwarten.

Positive Veränderungen können nur intern erfolgen und müssen in den 1%er-Clubs angeschoben werden. Meines Erachtens läuft da einiges ideologisch echt schief. Letztlich ist das wie mit dem faulen Apfel im Obstkorb. Wird er nicht aussortiert, fault alles. Ergo lieber einen Mann verlieren, der nur scheiße baut, als alles und sich selbst zu verlieren.

Zu den obigen Aspekten kann man unterschiedlicher Meinung sein, gerne nehme ich die Kontroverse an. Aber in einem Punkt lasse ich nicht mit mir reden. Einen Rocker auf der Karre hinterhältig zu überfallen, ihn zum Krüppel zu schlagen, oder einem altgedienten Member in der dunklen Nacht das Leben zu nehmen, solche Dinge haben nichts mit dem 1%er-Dasein zu tun. Sie sind nichts weiter als feige und widerwärtig und ich hoffe, dass es keine Rocker waren, die das taten!

Wenn es nämlich auch in Zukunft derartige Vorfälle geben sollte, dann kann ich in Zukunft das Fragezeichen aus der Überschrift entfernen!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.