Szene: Dort die Spaltung, hier das Wir!

Einfach drauf los geschrieben!

Seit jeher ist es ein Kernmerkmal der Rockerszene, dass man sich einerseits regelmäßig auf den Partys besucht, um die lokale und regionale Szene zu untersützen, andererseits aber oft über das spricht, was einen trennt. Nun, man kann nicht jeden mögen, insofern sind es oftmals nicht nur ideologische Aspekte, die einen auf Distanz zu manchen Clubs gehen lassen. Manchmals kann man einen einfach nicht leiden. Und damit meine ich keineswegs nur große Clubs! Das zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Szene. Völlig ok für mich!

Durch meine Tätigkeit lerne ich viele Szengänger kennen. Auf manche kann ich, andere kannste mir auf den Rücken bin. Insofern ist es eher die Ausnahme, dass ich mich auf einen Mann konkret einlasse. Und wenn, passiert es ohnehin nur dann, wenn der Typ seinen Worten Taten folgen lässt. Zu oft lese oder höre ich etwas von „Brothers United“ oder „Wir müssen zusammen stehen“, um dann festzustellen, dass in 90% der Fälle alles nur verbale Worthülsen ohne jede Substanz sind.

Mehr Wir?

Ja, unbedingt. Aber nicht auf der Basis, dass wir alle gleich sind oder dasselbe Ziel verfolgen. Das sind wir nicht und das tun wir nicht. Es mag sein, dass die Grundintention gleich ist, aber die umfassende Art von Gleichheit, die sich manche wünschen, gibt es nicht. Und sie ist auch nicht erforderlich. Es reicht völlig aus, dass dort ein mehr an Wir entsteht, wo es tatsächliche Schnittmengen gibt. Um dieses festzustellen, kann es jedoch Jahre dauern. Clubbiker wissen um die Sensibilität des eigenen Standings.

Wenn ich einem Club beitrete, dann entscheide ich mich für genau diese Truppe. Ziehe ich es durch, geht das Standing des Clubs vor allem. Das bedeutet nicht, dass man sich nur in den eigenen Reihen bewegt, es bedeutet aber in jedem Fall, dass sich alle außerhalb des eigenen Chapters/Charters darüber im klaren sein müssen, dass die lockeren Kontakte wie in der Freebiker-Szene so nicht immer möglich und auch nicht immer gewünscht sind.

Von einigen wird das als Widerspruch zum Freiheitsgedanken betrachtet und genau genommen kann es das sein. Aber ich habe mich vorher umfassend informiert und die persönliche und freie Entscheidung getroffen, das ich die Rules des Clubs voll akzeptiere und genau nach diesen leben will. Von daher für mich kein Widerspruch!

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Einflüsse!

Mittlerweile stelle ich für mich fest, dass durch die vielen staatlichen Maßnahmen die Clubs etwas mehr zusammen rücken. Für die meisten ist das direkt nicht erkennbar, aber tatsächlich wächst ein zartes Pflänzchen heran. Nach dem dritten Rocker Talk wurde mir dieses merklich bewusst, auch die Magazinausfahrten sind mittlerweile ein Indiz dafür. Diese Entwicklung ist m. E. stark dem Umstand geschuldet, dass wir uns heute zwangsläufig auch mehr für politische und staatsbürgerliche Aspekte interessieren, als noch in den guten alten Zeiten, wo es völlig egal war, wer gerade die Regierung bildet.

Wenn es also Aspekte wie das Insignienverbot oder die neuen Polizeiaufgabengesetze sind, die uns in den Kontakt kommen lassen, so ist das völlig ok, wichtig ist aber, dass alles dahinter dem entspricht, was die Szene seit jeder ausgemacht hat. Bruderschaft, Karre fahren, Partys feiern und authentisch sein. Wir leben in einer Zeit, wo es dazu kommen kann, dass unsere Kultur ausblutet. Staatliche Maßnahmen spalten, das ist auch ihr Ziel, umso mehr müssen also die Errungenschaften der Szene gepflegt werden. Allerdings nicht um jeden Preis!

Ich bin durchaus dankbar dafür, dass mir das Onlinemagazin die Möglichkeit bietet, eine Plattform des Austausches und der Annäherung zu bieten. Etliche nutzen bereits diese Kontakte für sich und pflegen diese. Aus manchen sind sogar Freundschaften entstanden. Um derartiges zu erleben, braucht es aber das Magazin nicht. Es reicht völlig, wenn man unterwegs ist, Erfahrungen sammelt und sich die Leute einfach mal etwas genauer anschaut und sich auf sie einlässt. Social Medias, von vielen verflucht, bieten nachfolgend eine gute Möglichkeit, die gewonnenen Kontakte zu pflegen. Das tue ich auch, wobei ich immer noch das Live-Gespräch favorisiere.

Mit Presi Ande von den Hofer Angels hatte ich im Chat seit gefühlten zwei Jahren immer mal wieder Kontakt. Das Format Biker Talk, entstanden nach dem 3 Rocker Talk, sagte ihm schon länger zu. Letztlich waren es aber Member aus einem anderen Club, die vor Ort in Hof das Thema auf einer seiner Partys angeschoben hatten. Ich zog nach, traf mich mit ihm, siehe da, das Ding steht. Wir treffen und also dort, wo es eine Schnittmege gibt. Das ist das Thema Oldschool vs. New School. Darüber hinaus gibt es keine Gemeinsamkeiten. Warum auch. Für den Zweck des Austausches in der Szene reicht das völlig aus. Nun geht es nur noch darum, die Nummer professionell und authentisch über die Bühne zu kriegen, wovon wir beide ausgehen.

Fazit!

Die aktuelle Entwicklung macht deutlich, dass die Politisierung der Szene tendentiell nicht nur das Gemeinsame hervor bringt, sondern auch sehr schnell spaltet. Du bist gegen die Migration, Fuck you, du bist für oder gegen Greta, Fuck you. Ich sage nur, passt auf, dass ihr nicht irgendwann einen Status erreicht, wo der Staat gar nicht mehr direkt auf die Szene einwirken muss, um diese Spaltung zu forcieren.

Fahrt wieder mehr auf die Bikerpartys, zeigt wieder mehr Präsens. Statt euch für nur 30 Minuten dort blicken zu lassen, um dann das weitere Geschehen aus dem Fratzenbuch zu entnehmen, verpackt mal wieder das Zelt auf der Sissybar und lasst den Rest auf euch zukommen.

Ich kenne Szengänger, die einerseits nette Bilder wie „Give Respekt, Got Respekt“ posten, vom großen Ganzen labern, die aber außerhalb ihres Lieblingsclubs, wenn sie den überhaupt haben, nirgendwo in den Clubhäusern zu sehen sind. Das ist Bullshit. Entweder mache ich es richtig oder gar nicht. Seinen Part für die Szene zu leisten, bedeutet pro aktive Teilnahme. Damit ist aber nicht das Absenden von netten Posts gemeint.

Also, runter vom Sofa, Partytermine checken, Kalender fix machen, und ab dafür. Nur meine persönliche Meinung!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.