Wenn MC-Rules gegen Gesetze verstoßen!

Wenn wir in der Presse etwas über kriminelle Geschäfte von Rockern lesen, geht es meistens um das liebe Geld und/oder Revierkämpfe. Letzteres soll uns heute jedoch nicht beschäftigen. Wir konzentrieren uns hier erst einmal mal auf die Moneten. Und ich meine damit nicht die Kohle, die aus eventuellen kriminellen Aktivitäten einiger Mitglieder gezogen werden, nein, ich will mal einen Blick auf die unterschiedliche Sichtweise hinsichtlich der finanziellen Verpflichtungen von Aussteigern werfen und diese mit zwei konkreten Beispielen vergleichen.

Beispiel 1:

Das Mitglied in einem Sportverein kündigt fristgerecht seinen Vertrag. Aufgrund der Satzung ist er noch zur Zahlung von insgesamt sechs Monatsbeiträgen verpflichtet. An dem sportlichen Angebot nimmt er nicht mehr teil. Er kündigt seinen Dauerauftrag und ignoriert die Mahnungen des Vereins. Nach fruchtlosem Ablauf aller Zahlungserinnerungen, übergibt der Verein den Vorgang an ein Inkassobüro. Nun versucht dieses unter Inanspruchnahme aller rechtlichen Optionen die Kohle von dem immer noch aktiv geführten Mitglied einzutreiben. Vergeblich. Der Verein muss die Forderung abschreiben.

Beispiel 2:

Der Member in einem MC trägt gemeinsam mit der absoluten Mehrheit aller Member am Tisch die Entscheidung, dass Clubhaus zu renovieren. Er stimmt durch Handzeichen der persönchen Beteiligung mit einer Summe von € 500 zu. Das Zahlungsziel läuft in sechs Monaten ab. Nach drei Monaten kommt es zum Bruch. Er verläßt aus persönlichen Gründen den MC. Dieser weist ihn auf seine Verpflichtung hinsichtlich der Renovierungs-Beteiligung hin. Der Member bestätigt die Zahlungsabsicht.  Das Zahlungsziel verstreicht, passiert ist nichts. . Ein Member rückt aus und fordert die Kohle ein. Da der Kollege gerade nicht flüssig ist, wird sein Moped eingesackt, verkauft und der Betrag über € 500 an ihn übergeben. Der Ex-Member macht eine Anzeige gegen seinen Ex-Bruder. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Wie geht es weiter?

Nun, beide Mitglieder handeln vermutlich aus dem Umstand heraus, dass sie für sich selber entschieden, dass durch ihren Austritt vorherige Absprachen nicht mehr gelten. Das Motto: “Ich nutze ja nicht mehr die Leistungen, also brauche ich nicht zu zahlen!”. Der Sportverein folgt dem zivilen Rechtsweg, so wie es unsere Rechsordnung vorgibt. Am Stammtisch zerreist man sich jedoch den Mund über den Kollegen. Für den Verein ist das ehemalige Mitglied bald nur noch eine Nummer in der Kartei.

Der MC sieht das ganz anders. Hier kochen die Emotionen hoch. Neben der allgemeinen Enttäuschung darüber, dass der Member überhaupt den MC verlassen hat, kommt nun der Frust über seine Ignoranz hinstichtlich der Erfüllung seiner Zusage hinzu. Doch im Gegensatz zum Sportverein bemüht der MC keine Inkassobüro, sondern kümmert sch persönlich um die Forderung!

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Unterschiedliche Moralvorstellungen?

Ein solches Verhalten stellt eine absolute Rerspektlosigkeit gegenüber den Ex-Bros dar. Der Mann hat zu einem Zeitpunkt eine klare Entcheidung getroffen und muss die Leistung bringen. Sollte er schon seinerzeit Überlegungen angestellt haben, den MC zu verlassen und hat die Entscheidung getroffen, um den Schein zu wahren oder einer Kontroverse aus dem Weg zu gehen, so ist dies einzig und allein sein Problem. Er hat sein Wort gegeben und muss dieses halten. Es spielt für den MC absolut keine Rolle, ob er mit den Moneten lieber etwas anderes anschaffen möchte. Ich denke, diese Verständnis wird bei allen MC’s gelten, jedenfalls bei denen, die etwas auf sich halten!

Da der MC die Kohle nun eintreibt, kann dies zu unterschiedlichen rechtlichen Bewertungen führen. Wenn der Kollege letztlich mit dem Verkauf seines Motorrades einverstanden ist, dann ist an sich alles ok. Problematisch wird es jedoch, wenn er die Situation im nachhinein anders darstellt und eine Anzeige erstattet. Alleine die subjektive Wahrnehmung von psychischer Gewalt, kann zu argen Konsequenzen für die Member führen. Die Juristen sprechen hier oftmals von Raub, wenigstens von schwerer Nötigung. Da die Kollegen kein Schriftstück erstellt haben, dass die freiwillige Herausgabe des Motorrades eindeutig beweißt, haben sie nun ein gewaltiges Problem. Die STA ermittelt nämlich nun gegen sämtliche Mitglieder und die Zeitungen sprechen erneut von OK! So läuft es!

Gehen wir aber noch einen Schritt weiter und konstatieren, dass der MC tatsächlich physische Gewalt angedroht oder gar ausgeübt hat, weil der Ex-Bro sich partout gegen die Zahlung geweigert hat. Rechtlich eine klare Sache. Der Staat erwartet von allen seinen Bürgern, dass er der vorgegebenen Rechtsnorm folgt, also den zivilen Rechtsweg beschreitet. Das Gewaltmonopol liegt beim Staat. Es kann nicht angehen, dass der MC die Dinge selber in die Hand nimmt und seine Angelegenheiten alleine regelt. Selbstjustiz ist nicht erlaubt. Doch so sind eben unsere Rules. Und über diese sollte man sich Gedanken machen, bevor man den Weg des MC geht. Wenn ich am Anfang diese Rules mit meinem Vorsprechen bestätige, sie sogar von anderen selber einfordere, habe ich aus meiner persönlichen Überzeugung heraus sogar m. E. jeden Weg zurück in die allgemeine Rechtsnorm verwirkt. Faktisch ist diese Option zwar noch gegeben, aber keinesfalls nach unseren Ehrvorstellungen.

Also lassen wir mal die rechtlichen Aspekte ganz außen vor und reden über Moral. Tagtäglich wird in deutchen Haushalten über das Fehlverhalten von Personen gesprochen. Wenn es sich um Würdenträger der Politik oder Wirtchaft handelt, nehmen wir mal das Beispiel des Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff, so sind die Lager häufig gespalten und die oftmals vorherrschende Doppel-Moral kommt zum Vorschein. In den eigenen vier Wänden redet man Tacheles, doch in der Öffentklichkeit wird taktiert, um möglichst keine Angriffsfläche zu bieten. Rocker ticken da ganz anders. Sie hauen ihre Meinung raus, dabei geht es im Kern nicht einmal um die Richtigkeit der eigenen Meinung, sondern um den Umstand, dass ich immer weiß, wie mein Bruder tatsächlich tickt. Darauf muß ich mich verlassen können. Insbesondere, wenn es um Club-politische Entscheidungen geht, die für die gesamte Truppe Konsequenzen nach sich ziehen können.

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Seien wir doch ehrlich. Imgrunde genommen würde jeder das Verhalten der beiden Mitglieder als absolutes No go ansehen. Doch die Bereitschaft mit dem eigenen Handeln auch persönliche Repressalien in Kauf zu nehmen, ist eben in der Mitte der Gesellschaft nicht gerade ausgeprägt. Man schwimmt mit der Masse. Doch genau das wollen wir eben nicht. Mitläufer und Ja-Sager sind in erheblichen Maße dafür veantwortlich, dass in dieser Republik etliches falsch läuft. Dieses ebnet den Weg für Lobbyisten und Korruption. Doch lieber folgen wir den Versprechungen, als ein klares Veto abzugeben. Das kan man an sich dem Bürger auch nicht zwingend vorwerfen, da das Abweichen von der Norm ja nun auch im zivilen Leben Konsequenzen zur Folge hat. Doch das ist eben der Unterchied!

Seltsamerweise ändern sich die moralischen Bewertungen bei denselben Personen radikal, wenn es um Sachverhalte geht, die uns emotional berühren. Nehmen wir das Thema Pädophilie. Wenn ein Rocker einem Kinderschänder die Finger abhakt, erntet er oftmals Kopfnicken. Nur die wenigstens würden diese Selbstjustiz verurteilen. Und trotzdem stellt die Tat ebenfalls den Vestoß gegen unsere Rechtsnorm dar. Genauso wie das Verhalten des Members gegenüber dem Ex-Bruder. Aber, wo bitte ist nun der Unterschied? Denkt mal darüber nach!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.