Der Bodensatz – Biker & Friends helfen Obdachlosen!

Zweite mobile Akuthilfe in Bremen!

Unsere erste Tour vor 14 Tagen diente ja eher dazu, sich erneut ein wenig in die Obdachlosenszene einzugrooven, um vorrangig zu checken, wo sind die neuralgischen Plätze, auf denen die Obdachlosen Platte machen. War die City bei der Premierentour noch recht dünn besetzt, so ergab sich bei der nunmehr zweiten Tour ein völlig anderes Bild. Die Stadt war voll mit Berbern, Junkies und sonstigen Bedürftigen.

Viele klagten über den Lock Down, da durch die Schließung der Geschäfte kaum noch Bewegung in der City stattfindet, insofern das Schnorren wenig Ertrag bringt und auch die Obdachlosenzeitung weitaus weniger Abnahme findet. Natürlich finden die Leute in den Papiereimern auch deutlich weniger Pfandflaschen, die sie einlösen könnten. Weiterhin habe ich festgestellt, dass die neuen Mülleimer durch die Klappe ohnehin kaum noch einen Griff in das Innere ermöglichen. Hier steht die Bremer Stadtförderung gegen eine der wenigen Einnahmequellen der Bedürftigen.

Ein Mann, ein Rollwagen, mehr braucht es nicht.

Die Tour!

Am Bahnhofsvorplatz lief zwar gerade eine andere Akuthilfe, aber da man dort keine Heißgetränke anbot, wurde ich bereits zum Start fast überrannt. Logen gab es was Heißes und auch die weichen Süßspeisen ging gut weg. Weich deshalb, weil insbesondere die Junkies und Obdachlose mit der Kauleiste oftmals heftige Probleme haben. Da macht ein Apfel wenig Sinn, stattdessen reichte ich Waffeln und Bananen.

In der Bahnhofsstraße hatte ich bereits das Gefühl, das könnte mit meinem Angebot echt eng werden. Der heiße Erbseneintopf mit Suppe fand schnell Absatz, klar, die Temperatur lag um den Gefrierpunkt, zudem schmeckte sie den Leuten, obwohl es ein Fertigeintopf war, den ich lediglich ein wenig verfeinert und mit Bockwürsten aufgefüllt hatte.

Kaum hatte der Berber den Schlafsack übernommen (rechts), gab er ihn an seinen Buddy weiter.

An einer Platte übergab ich an einen Obdachlosen einen BW-Schlafsack. Er hatte zwar noch einen, aber der war schon heftig durchgerockt. Ein Wohnungsloser gesellte sich dazu und fragte, ob ich noch einen weiteren hätte, weil er in drei Tagen wieder auf die Straße müsse, da er in seiner jetzigen Unterkunft nicht mehr bleiben könne. Als ich das verneinte, übergab der Berber seinen gerade erstandenen Schlafsack an den Kollegen. Wow, tolle Geste. Ich sagte ihm zu, dass ich ihm bei der nächsten Tour einen anderen Schlafsack mitbringe. Und genau so wird es gemacht. Der Bodensatz hält Wort.

Die Leute waren sehr dankbar und freundlich. Ok, ich lasse ohnehin nicht mit mir diskutieren. Kommt mir einer blöde, merkt er ganz schnell, dass er es besser lassen sollte. Ich gebe Respekt, den erwarte ich aber auch. Da mich etliche bereits kennen, war das an sich noch nie ein größere Problem. Im Gegenteil, die machen sich schon einen Spaß und rufen von weitem Dinger wie “Schnauze jetzt, der Biker kommt”. Nun, ich gehe mit den Leuten völlig normal um, ich will die ja auch nicht missionieren.

Immer mehr Platten befinden sich in der City. Wenn es wieder normal läuft, müssen die alle wieder weg.

Während der Tour bekam ich eine Nachricht. Harald, Urgestein der Obdachlosenszene und Sprecher in den Senat hinein, würde sich freuen, wenn ich mal bei ihm vorbei schaue. Wir hatten uns lange nicht mehr gesehen. Nachdem ich bei der Akuthilfe von dem Projekt Frieda einen zugesagten Schlafsack abgab, fuhr ich zu ihm rüber. Er hat den Bodensatz stets gut beraten.

Wie geil, der hat sich mit Zustimmung der Deutschen Bahn an seinem Platz ja eine halbe Festung erstellt und zudem wohnt er nun dort mit einem Kollegen, obwohl Harald an sich ein absoluter Einzelgänger ist. Harald war übrigens mal nach eigener Aussage Member beim Bones MC. Seinen damaligen Roadnamen verrate ich hier aber nicht. Keine Ahnung, ob ihm das recht ist. Ich mag den.

Er ist absolut strukturiert und wie bereits erwähnt ein Bindeglied zwischen dem Senat und der Straße. Leider ist er mittlerweile aufgrund seiner Krebserkrankung teilweise auf den Rollstuhl angewiesen. Von den anderen Problemen will ich gar nicht reden. Es war schön mal wieder mit ihm gesprochen zu haben. Für seinen Hund besorgt Bodensatz nun ein Geschirr und eine Leine und prüft, ob wir ihm LKW-Planen als Sicht- und Windschutz für die Bauzäune besorgen können.

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Fazit!

Am Ende der Tour war nichts mehr da. Schön, wenn man so vielen ein wenig Unterstützung geben kann, mich machte es aber auch traurig, da nun während des Lock Downs klar ersichtlich wird, das immer mehr Leute auf die Straße müssen. Und das sind keineswegs nur Migranten, obwohl auch deren Anteil stark zugenommen hat.

Ja, die mobile Akuthilfe war eine gute Idee. Ich bin wieder voll motiviert. Man kann direkt mit den Leuten sprechen, Vertrauen aufbauen und einen Bedarf viel gezielter befriedigen. So sind beide Schlafsäcke und auch der letzte Campingkocher an den Mann bzw. an die Frau gegangen. Es braucht also Nachschub aus dem Lager.

Harald seine mit schwer entflammbaren Material erstellte und gut isolierte Festung.Mit Postkasten. Grins…..

Ihr möchtet uns helfen? Gerne!

Eine mobile Akuthilfe ist mit 50 Euro finanziert. Spendet uns diesen Betrag und die nächste Tour wird zu Eurer Tour. Ihr bekommt von mir einen Bericht plus Fotos, wenn für euch ok, geht dieser auch als Beitrag dann unter dem Mottto “Mobile Akuthilfe Bodensatz – Biker & Friends helfen Obdachlosen – gefördert/gesponsert vom Bandidos MC Germany ( nur ein Beispiel) auch ins Onlinemagazin. Wäre cool, wenn der ein oder andere Biker oder gar ein Chapter das stemmen möchte. Da Bodenatz kein gemeinnütziger Verein ist, dürfen wir allerdings keine Spendenbescheinigung aussstellen. Die Bankverbinung gibt es bei Anfrage über: info@media-petersen.de

Übrigens, der Unterschied zwischen einem Obdach- und Wohnungslosen besteht darin, dass der Wohnungslose keine eigene Wohnung, jedoch noch ein Dach über dem Kopf hat (Kumpel/Einrichtung), während der Obdachlose dauerhaft im Freien lebt.

Obdachlose sind zum Teil sehr stolze Menschen, die es überhaupt nicht mögen, wenn andere sich in einer Akuthilfe als obdachlos ausgeben, obwohl sie voll im System hängen und sich dennoch überall die Taschen voll machen. Da kann es schon mal richtig Ärger geben. Ich habe bei der Gründung aber entscheiden, dass wir niemanden abweisen. Wer sich öffentlich hinstellt und um eine Gabe bittet, der bekommt sie. Es seid denn, er hat eine große Fresse!

Kontakt: https://www.facebook.com/groups/Bodensatz

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitglied. Karre? 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.