Obdachlosigkeit: Jedes Jahr dasselbe!

Persönlicher Kommentar!

Ich habe in 2015 das Projekt „Der Bodensatz – Biker & Friends helfen Obdachlosen“ gegründet, um bedürftigen Menschen zu helfen und weil Obdachlose genauso wenig wie Rocker eine Lobby haben. In vielerlei Hinsicht sind sie uns ähnlich. Sie haben einen hohen Drang nach persönlicher Freiheit und kommen mit dem Mainstream oftmals absolut nicht klar. Sie sind eben, wie sie sind!

Manche von den Kollegen der Straße sind an ihrem Dilemma selber schuld, andere gerieten aufgrund unglücklicher Umstände in eine extreme soziale Schieflage, doch egal um wen es sich handelte, sie sind mir nie auf den Sack gegangen. Wer mir unendlich auf den Sack geht, sind diese ganzen Verbal-Heuchler, die Migranten gegen Obdachlose in Stellung bringen, selber aber nicht mal den kleinsten Finger krumm machen und wenn, gleich eine politische Nummer daraus machen. „Kümmert Euch lieber um die Deutschen!“, Na, schon mal gehört?

Dann noch die Fraktion, die zu Weihnachten regelmäßig die Barmherzigkeit rauskehrt, nur um sich an sich selbst zu berauschen, den ganzen Tag damit beschäftigt ist, sich gegenseitig kleine Bildchen von den ach so schönen Geschenken für Obdachlose zu schicken, damit nach dem Fest das Thema wider für 11 Monate ad acta gelegt wird. Für mich benutzen sie die Obdachlosen, um ihr Seelenheil zu stärken. Es kotzt mich an!

Persönliche Gespräche führen zu Vertrauen! Das braucht Zeit!

Es ist völlig ok, wenn man das Thema ignoriert, es ist halt nicht jedem gegeben, in diesem Bereich etwas zu tun, aber wenn, dann sollte man sich ein klein wenig darüber klar sein, dass man eine Verantwortung übernimmt. Nämlich die, dass diese Menschen in Not nicht mehr so ganz viele Enttäuschungen verkraften. Gezeichnet vom Leben und oftmals wie Dreck behandelt, dürfen wir keine falschen Hoffnungen wecken.

Ob ihr es glaubt oder nicht, der heiße Kaffee oder die heiße Suppe in der Akuthilfe, sind nicht das entscheidende. Klar, es wird dankend angenommen, aber das wichtigste ist, dass wir den Menschen mit Respekt begegnen, ihnen zuhören, nichts versprechen, was wir nicht halten können. Sie müssen Vertrauen fassen, und das geht nur über Konstanz.

Größere Aktionen haben einen Happening-Charakter. Doch auf der Straße ist jeder alleine!

Wenn ihr also mal wieder in den sozialen Medien meint, euch zu dem Thema dahingehend zu äußern, wie wichtig es doch sei, gerade diesem Klientel zu helfen, weil es der Staat nicht tut, dann geht in euch und überlegt, ob ihr nicht auch selber untätig seid und warum ihr stets nach dem Staat ruft.

Der Bodensatz ist derzeit dabei eine Demonstration im Rahmen der Ostermärsche 2019 zu initiieren. Ich kann euch jetzt schon versprechen, dass wir vermutlich keine 50 Leute auf die Straße bekommen. Und das, obwohl es immer mehr Leuten schlechter geht.

Man wird es liken, man wird es teilen, aber wenn es dann darum geht einfach mal den Leuten von der Straße zur Seite zu stehen, ist der Besuch im Sportstudio dann doch wichtiger, obwohl man da zu jeder Zeit hingehen könnte. Bin ich gefrustet? Ja, das bin ich. Nicht, weil mir das Thema Obdachlosigkeit den Nerv raubt, nein, weil zu viele sich dazu berufen fühlen über etwas zu sprechen, wovon sie absolut keine Ahnung haben.

Harald, Ex-Rocker und seit über 25 Jahren auf der Straße! Ein Vertrauter!

Die Bikerszene nehme ich von meiner Kritik nicht aus. Viele Biker meinen es ehrlich, mache sind aber nur auf PR aus und missbrauchen das Thema. Was haben wir schon erlebt. MC’s haben sich in der Vergangenheit angeboten uns zu unterstützen. Da wurde auf deren Page bereits das Image poliert, obwohl wir noch nicht einmal zu einer Kooperation Ja gesagt hatten. Wir gucken uns diese Angebote nämlich genau an und checken deren Motivation. Deshalb haben wir diese „Brüder“, auch direkt durchschaut. Schade, das keiner dieser sogenannten Ehrenmänner den Weg in die Arena oder zur regelmäßigen Akuthilfe fand. Dafür war angeblich keine Zeit!

Andere Biker machten dann durch Bodensatz motiviert eine Aktion, um danach Ihr Sachspendenergebnis mit unserem zu vergleichen. Motto? Wir haben aber mehr eingesammelt. Was kam nach? Nüschte. War wohl doch zu aufwendig und anstrengend. Am liebsten hätte ich die alle öffentlich an den Pranger gestellt, aber sowas geziemt sich ja nicht.

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Was will ich Euch eigentlich damit sagen?

Rechnet mal die Zeit um, die ihr über soziale Aspekte im Fratzenbuch labert, euch in Gruppendiskussionen ergötzt, und dann stellt euch die Frage, ob diese Zeit nicht auch anderweitig genutzt werden kann. Die wirklich harte Zeit für Obdachlose beginnt nach Weihnachten und glaubt mir, da wird dann jeder gebraucht. Einmal im Monat für drei Stunden aktiv sein, das können Tausende bringen.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei dem kleinen Haufen, der bisher in Oldenburg und Bremen für Der Bodensatz die Fahne hochhielt und regelmäßig am Start war und ist. Wer Interesse an einem „echten“ Engagement hat, kann mich gerne anschreiben, und ich benenne euch die privat organisierten Akuthilfen in Bremen sowie die sonstigen Hilfsangebote.

Zum Abschluss: Achtet in der Winterzeit auf die Leute auf Platte. Wenn ihr das Gefühl habt, dass sie regungslos nur daliegen, sprecht sie ruhig an. Das kann ab und an Leben retten.

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.