Störte 1%er: Seine Karpaten-Tour!

50 Jahre on the Road!

Ich kenne Störte 1%er persönlich. Er war unter anderem Gast auf dem Podium im zweiten Rocker Talk, der vom damaligen Rocker Portal in Königswusterhausen initiiert wurde. Zudem war er langjähriger Clubmember und hat mit einer Sporty in der Kategorie Original Custom Painting in Sturgis in den USA den zweiten Platz belegt. Das alles ist schon eine Weile her. Aber ausgedehnte Touren sind noch immer sein Ding, Touren, die er oftmals ganz alleine absolviert.

Störte 1%er ist bereits 50 Jahre on the Road, und so dachte er sich wohl, dieser Umstand braucht eine ganz besondere Tour. Tja, und diese führte ihn in die Karpaten. Mit seinem Tourbericht lässt er euch nun daran teilhaben. Das hatten wir bereits vor dem Trip abgesprochen. Und wie immer, liefert Störte ab. Da er sich umfänglich einlässt, splitte ich das von ihm Erlebte in drei Teile auf. Ich habe seinen Tourbericht nicht redigiert, weil ich den Tourbericht keinesfalls verändern will. Was zählt ist die Message!

Störte 1%er

Die Karpaten-Tour von Störte 1%er – Teil 1

„Alle ursprünglichen Vorhaben bzw. Touren inklusive der Riesenparty Motorcycle Jamboree der Borns in Jüterborg hatte ich gecancelt. Die Gründe waren vielfältiger Art. Darauf will ich hier nicht weiter eingehen. Jedenfalls stand ich in mitten der Saison ohne mein Mopped ernsthaft bewegt zu haben. Da sitzt man nun bei bestem Wetter zu Hause und sinniert über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte, in denen man auf zwei Rädern unterwegs war. Yep, es sind nun schon fünfzig Jahre!!! Eigentlich sollte das was ganz Großes sein, was ich in diesem Jahr fahren wollte. 50 Jahre on the road…
das ist ja nun nicht mal eben ums Eck, ob mit Kutte oder ohne, ob mit Colour oder als 62er, jetzt hier zu sitzen und nichts zu machen? no way, da musste was passieren.
Ich erinnerte mich an ein Gespräch vor Jahren mit einem rumänischen Autohändler, der mir die Strecken in den Karpaten aufs Beste schilderte. Das war es!!! das ist auch in kurzer Zeit ohne Planung machbar, und fahrbar. Ich war schon immer ein Freund kurzer Entschlüsse.
Also eine Karte besorgt, nachgeschaut wo das überhaupt ist…“inne Wallachei“…tatsächlich ein Ausdruck den man bei uns im Kohlenpott kennt, und gebraucht, wenn man keine Ahnung hat wo ein Ort sich befindet.
Transalpina und Transfargarasan, 67C und 7C sind die Straßenbezeichnung für diese legendären Pässe in den Karpaten, die der Autohändler damals meinte. Zwei Strecken die ein jeder Motorradtourer auf seiner bucket list haben sollte, habe ich jedenfalls gelesen, und ein paar Videos darüber konnten das nur unterstreichen.
Entschieden, gepackt, getankt und abdafür!
Letzte Woche Mitwoch knatterte ich in der Frühe über die A45 Richtung Süden und machte es an diesem Tag von Gevelsberg bis Passau. Dann ging es am Donnerstag weiter durch Östereich und Ungarn. Ich wollte es soweit wie möglich Richtung Rumänien schaffen, aber die 50km lange Baustelle ! mit Stop and Go und zeitweisem Stillstand vor Budapest war eine echte Bremse und zerrte an Nerven und Kondition, bei weit über 30 Grad im Schatten.
Die angepeilte Lokation zum Übernachten (dort war ich mal mit dem Iron Horses MC) war leider ausgebucht. Also musste ich mich über Land auf die Suche nach etwas anderem machen. Das ist schon abenteuerlich auf Straßen über die schon die K und K Monarchie mit Schnürstiefeln marschierte und deren Löcher wahrscheinlich das letzte Mal zu Zeiten des Gulaschkommunismus von einem Plätzchenbäcker gestopft wurden. Ab Tempo 60 besteht Sturz und Lebensgefahr. Irgendwann, ich weiß immer noch nicht wie das Kaff heißt, fand ich ein ziemlich neues Gebäude mit einer laufenden roten Leuchtreklame: Zimmer 24h zu vermieten. Sogar in Deutsch und nach ein paar Telefonaten kam ein freundlicher Herr und schloss mir auf. Ehrlich, das sah aus wie ein Puff aber ich schlief hervorragend.
Am Freitag ging es dann ganz entspannt runter nach Rumänien bis zum Zielort Hermannstadt/Sibiu in Siebenbürgen. Hier siedelten einst die Siebenbürger Sachsen und noch heute sprechen einige Alte diese Art Deutsch. Zu erwähnen sei: In ganz Rumänien ist für Motorräder auf allen Straßen inklusive den hervorragenden Autobahnen keine Maut zu entrichten.
Ich fand eine kleine Pension zur Übernachtung, leider nur für eine Nacht. Ok, dann fahre ich halt die Transalpina von Nord nach Süd (67C) mit Gepäck, ist ja nun wirklich egal. Vorsorglich buchte ich aber für die nächsten zwei Nächte von dort schon mal ne andere Unterkunft.
Die Transalpina fängt ganz unspektakulär bei Sebes an, führt durch mehrere kleine Orte und schwingt sich durch Wälder im Wechsel mit Wiesen bis sie dann in dichtem Bergwald anfängt dein fahrerisches Können zu fordern. Das war Fahrspaß pur und da ging mir das Herz auf. Die Kehren wurden enger, die Straße schraubte sich merklich immer weiter in die Höhe bis plötzlich eine unerwartete enge und steile Spitzkehre dich daran erinnerte, daß du auf der legendären Passtraße fährst. Hier lagen auch Blinker und andere Plastikteile und manche Schramme im Asphalt stammte nicht vom Schneepflug im Winter. Da stelle man sich son Honda Valkyrie Dickschiff mit Küche Diele Bad und einer hyperventilierenden Lady hintendrauf vor, die abrupt aus ihren romantischen Träumen einer Sightseeingtour gerissen wird.
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Mit diesem Schmunzeln weiter durch wunderbare Kurven erreichte ich den ersten Aussichtspunkt. Atemberaubende Höhenlandschaft war der erste Lohn. Wow, das war erst der Anfang. Übrigens hier oben der einzige Ort an dem ich auf der gesamten Tour Biker aus Deutschland traf. Drei ältere Herren auf ihren neuesten BMW GS, im besten Bikerzwirn mit einem Guide vorne weg. Zwei kamen nur mit den Zehenspitzen auf den Boden, so hoch ist der Sitz. Die Karren fahren ja wohl von selber, aber das Handling bei An und Abfahrt…nicht mein Ding. Die mitleidigen Blicke ob meiner 26 Jahre alten Guzzi und meiner Old School Nummer kenne ich schon von anderen Reisen. Habe ich da irgendwas verpasst? Vielleicht so ein: Störte, wann kommst du endlich in der Gegenwart an?..keine Ahnung…but paint and chrome dont bring you home!!!
Es ging weiter durch tiefe Wälder, noch tiefere Täler, mit steilen Hängen und dichtem Baumbestand auf wunderbarer Fahrbahn. Was soll ich sagen, phantastisch und der Film hörte nicht auf. Irgendwann über der Baumgrenze kam zum puren Fahrspaß dann noch dieses wahnsinnige Panorama. Nicht wie in den Alpen, mit schneebedeckten Gipfeln, so von der Postkarte, sondern steile Hügel, rudimentär, schroff und wunderschön. Schwierig sich zu konzentrieren, auf das eigentliche Fahren, denn manchmal überrascht dich die nächste Kehre und du bist wieder im Hier und Jetzt, ja zwingt dich zurück in die Routine.
Nach geschätzten 50 bis 60 Kilometern bist du endgültig oben und dich empfangen Touristenbuden, rauchende Grills, Nippes und Scharen von Urlaubern die von Süden mit Bussen da hochgekarrt werden. Und Biker über Biker, wobei sich die Lokalmatadore auf ihren Rennsemmeln echte Rennen liefern. Ausschließlich Rumänen auf ihrer Hausstrecke. Naja, wir waren alle mal jung…das geht in Ordnung.
Was fehlte waren Boliden und Beuteweiber wie wir sie vom Stelvio Pass oder am Timmelsjoch in den Alpen kennen, und mit denen einher die ganze Poserscene. Aber das wird sich bestimmt zukünftig ändern. Hotels werden hier auch in Menge gebaut. Noch ist es ein Kleinod für Enthusiasten…noch!
Der Abschwung nach Novaci ebenfalls spektakulär, wobei man jetzt die Streckenführung zum Teil sehr weit einsehen kann. Da wird automatisch das Tempo erhöht. Woran das wohl liegt? In Mitten der Transalpina liegt ein Stausee mit wunderschönem Panorama und natürlich ein paar Souvenierbuden. Nicht mein Ding.
Über Horezu und Ramnicu Valcea ging es wieder rauf nach Sibiu/ Hermannstadt in die gebuchte Butze.
Nicht der Renner, aber das Frühstück war ok. Bin ja zum Fahren hier und nicht zum Wellness mit fünfsterne All Inclusive. Das überlasse ich anderen. Der Tacho Check für diesen Tag ergab weit über 350km. Das war mir gar nicht so vorgekommen, aber es meldeten sich meine Handgelenke. Das wird einfach ignoriert. Ich setze halt andere Prioritäten.“
Morgen der zweite Teil!
Fotos: © Störte 1%er

Autor: Lars Petersen

Mitglied im DPV Deutscher Presseverband - Verband für Journalisten e.V. Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann, davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Steckenpferd? Texten. Zur Person? Vater und MC-Mitglied (1%er). Karre? 99er Harley Davidson Road King. KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden werden, sofern es sich nicht um bezahlte Aufträge handelt. Besonderes: U. a. Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst, Organisator der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings sowie Produzent vom Motorcycle Jamboree Journal. Ausrichter vom Rocker Talk 1 und 3.