BDK-Forderung: Alle verbieten!

Auf dem Europäischen Polizei-Kongress wurde von Achim Schulz, Vorsitzender des Bundes Deutscher Kriminalbeamten, erneut das Verbot aller OMCG’s und den von den Behörden als kriminell eingestuften Rockergruppierungen gefordert. Welche letztere sind, wurde nicht gesagt. Ebenso wenig wurden die Bewertungs-Kriterien benannt, nach den die Behörden eine darartige Einstufung vornehmen. Wieder einmal alles sehr schwammig. In diesem Zusammenhang fiel mir im Nachhinein eine Aussage besonders auf. Diese lautet:

„Der BDK fordert seit Jahren das bundesweite Verbot aller OMCG und die generelle Eingruppierung als kriminelle Vereinigung. Die Mitgliedschaft in einem OMCG impliziert die Gesinnung des Einzelnen und damit die des gesamten Clubs!
Eine Mitgliedschaft in einem OMCG ist ohne die Begehung von Straftaten gar nicht möglich. Der eingetragene Vereinszweck ist nur vorgeschoben und keinesfalls zutreffend“

Aha! Die Grundvoraussetzung zur Aufnahme in einen OMCG ist also die Begehung von Straftaten? Wenn dem so ist, warum geben das die Statistiken des BKA selber nicht her. Im Verhältnis zu vielen anderen Kriminalitätsfeldern macht die Rocker-Kriminalität nur einen sehr begrenzten Anteil aus. Ein dynamischer Anstieg ist keinesfalls zu verzeichnen. Und was bedeutet überhaupt Rocker-Kriminalität? Dieser Begriff impliziert eine Verallgemeinerung, die sicherlich so gewollt, aber keinesfalls sachlich zutreffend ist. Es ist ein Schlag für jeden Member, der redlich seiner Arbeit nachgeht, sich um seine Familie kümmert, und am gesellschaftlichen Leben teilnimmt.

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Die Tatsache alleine, dass er sich zu einem OMCG hingezogen fühlt, dort die Art von Kameradschaft und Brüderlichkeit erfährt, die seinen persönlichen Idealen entspricht, kann doch wohl nicht allen Ernstes als ein Indiz dafür gewertet werden, dass er jederzeit bereit ist Straftaten zu begehen. Wäre es so, müsste man ja nur die Proben permanent überwachen, bis sie die Straftat begehen, die ihnen erst die Aufnahme in den Full-Member-Status ermöglicht. Natürlich gibt es in den Clubs Member, die kriminelle Handlungen vollziehen. In bestimmten Fällen mag es sogar die Mitgliedschaft in dem MC selber sein, die zu derartigen Handlungen erst führt. Unter dem Strich stellen diese jedoch im Verhältnis zu der Gesamtzahl aller Member einen geringen Anteil dar. Also, die meisten Onepercenter die ich kenne, sind nicht in den einschlägen Milieus tätig. Somit könnte mich das Thema eher kalt lassen.

Das Problem besteht nur darin, dass dieser geringe Anteil die Presse absolut dominiert, und der Staat von jedem redlichem Rocker dieses Landes erwartet, dass er sich von diesen kriminellen Brüdern distanziert. Das Motto: „Wenn man diese Leute nicht ausgrenzt, dann trägst man es mit!“

Und genau darin liegt der Staat völlig falsch. Eine der elementaren Säulen einer Bruderschaft ist der Umstand, dass man den Bruder eben nicht nach den allgemeinen moralischen Werten oder der Einschätzung durch Behörden beurteilt, sondern ausschließlich nach den selbstgewählten Ideologien, die der Club selber für sich erschaffen hat. Damit hat die Regierung ein Problem, sieht sie doch diesen Umstand als einen Angriff auf die Souverainität des Staates an. Er macht mobil und kommuniziert das Thema so brachial, dass man denken könnte, die Rocker hebeln morgen die Demokratie aus allen Angeln.

In den Club-Sitzungen wird oftmals extrem heftig diskutiert. Was bringt uns weiter? Was schadet uns? Wie gestalten wir die Zukunft? Wie gehen wir mit Brüdern um, die unsere Werte nicht mehr zu 100% tragen? Was machen wir, wenn einer Mist gebaut hat? In der „normalen“ Gesellschaft füht eine Straftat des Einzelnen oftmals zu einer sofortigen sozialen Ausgrenzung. Eine Rückkehr in die Gesellschaft ist vielfach nicht möglich. Resozialisierung funktioniert nur bedingt, scheitert oftmals an der mangelnden Bereitschaft des Staates das dafür notwendige Know How zur Verfügung zu stellen. Ex-Knackis treffen nach ihrer Entlassung auf erhebliche Vorbehalte, schon das Regelwerk macht ihnen den Weg zurück zur Normalität oftmals unmöglich.

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In den Clubs kümmert man sich um die Leute. Sie werden in aller Regel nicht fallen gelassen. Man steht ihnen bei, unterstützt sie, gibt ihnen das Gefühl immer noch ein wichtiges Mitglied im Club zu sein. Ich denke, in vielen Bereichen kann sich der Staat daran ein Beispiel nehmen. Stattdessen aber pauschale Verurteilung ohne fundierte Beweise. Schon das Tragen der 1%er-Raute wird als Beleg dafür gewertet, dass der Member kriminell ist. Wäre dem so, müssten aber doch all diese Member so viele kriminelle Handlungen begehen, dass die Statisitiken des BKA regelrecht nach oben explodieren. Mitnichten!

Jeder MC muss die für ihn richtigen Maßnahmen einleiten, um den Fortbestand des Clubs zu sichern. Wie er mit der Thematik umgeht, entscheidet ganz alleine er. Allerdings halte ich es für dringend geboten, dass man sich endlich ernsthaft darüber Gedanken macht, denn der Staat sitzt am längeren Hebel. Da Rocker keine Lobby haben, wird es auch kein allgemeines Aufbegehren gegen seine Maßnahmen geben. Ob es die Subkultur Rocker morgen noch gibt oder nicht, interessiert keine Sau. Niemand geht für uns auf die Straße, keiner wird unsere Clubhäuser besuchen, um sich selber ein Bild zu machen. Und niemand außerhalb der Club-Szene wird das staatliche Handeln nachhaltig hinterfragen. Was also tun? Hat jemand eine Antwort parat?

Hier mal ein Videobeitrag aus ntv:

www.n-tv.de/mediathek/sendungen/duell/Rocker-Easy-Rider-oder-Kriminelle-article6433231.html

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.