Bike-Building: Die Motopolis

Kürzlich schnackte ich mit Kay Scholz von Biker-Ware24.de. Der Kerl hat sich seit 2010 ganz schön was aufgebaut. Hut ab! Beim Sudieren seiner Facebook-Seite entdeckte ich einen Bock, der mich extrem neugierig machte. Kay versprach mir, einige Infos zu schicken und gesagt getan, diese waren am nächsten Tag in meinem Postfach. Thx!

Dieses Bike wurde gebaut von Holger Schulze alias Schnulli, der sich selber wie folgt beschreibt:

„Ich bin 39 Jahre alt und gelernter Wirtschaftsingenieur und habe mich vor ca. 6 Jahren dem Hobby zugewandt, Motorräder umzubauen. Ich habe etwas gesucht, wo ich mich handwerklich betätigen und meine Kreativität einbringen kann. Außerdem hat es mich schon lange fasziniert, wie man für Oldtimer neue Teile oder sogar komplette Karossen „per Hand“ aus Blech formen kann. Dies wollte ich gerne mal selbst ausprobieren. Für ein Oldtimerauto hat jedoch die Zeit und Platz gefehlt. Als passionierter Motorradfahrer habe ich mich deshalb dann an Motorrädern versucht, die Blechteile wie den Tank, die Schutzbleche oder Sitzbank selbst zu dengeln. Zusätzlich habe ich mir dafür einige Blechbearbeitungsgeräte angeschafft wie z.B. ein Englisches Rad, ein Stauch- und Streckgerät und eine Sickenmaschine und habe mir selbst das Schweißen beigebracht. Der Tank und die Schutzbleche meiner Harley „Motopolis“ sind das Ergebnis dieser Arbeit (das Vorderrad-Schutzblech ist vorhanden, aber auf den Bildern nicht montiert). Als mein „Reich“ kann ich eine kleine etwa 12 qm große Werkstatt bezeichnen. Etwas beengt, aber ich bin froh diese zu haben.

Man achte auf die Handkupplung und die Details der Motopolis

Man achte auf die Handkupplung und die Details der Motopolis

Trotz dessen, dass ich dem Motorrad den Namen „Motopolis“ gegeben habe, wird das Bike von meinen Freunden liebevoll „Nautilus“ genannt, da das Design und die Verzierungen die Leute an ein Produkt aus einem Jule Verne Roman erinnert.

Als Basis für die „Motopolis“ diente eine Harley Davidson Softail Evolution Standard, Baujahr 1987. Ich hatte diese nach der Krisenzeit vor 2 1/2 Jahren bei Ebay von einem Urgestein von Biker günstig ersteigert, um auch genügend Spielraum für die Kosten des Umbaus zu haben. Dass ein Harley-Umbau teuer werden kann, weiß ja jeder Harley-Fan. Außerdem hat mir dieses junge Baujahr TÜV-seitig mehr Spielraum gelassen. Jedenfalls fing ich dann gleich darauf hin an, die Harley zu zerlegen und mir wurde bald klar, dass ich eigentlich nur noch den Rahmen, den Motor und das Getriebe für den Umbau gebrauchen kann, damit es etwas Besonderes werden wird.

Weil es bei mir zu Hause einen Restaurator für Oldtimermotorräder wie AWO´s, Indians und alte Harleys gibt, wo ich hin und wieder mal auftauche, habe ich mich in die Optik dieser alten Motorräder verliebt. Außerdem hatte schon immer einen Faible für alte Maschinen und Geräte mit verschnörkelten Gestellen und handlinierter Bemalung sowie Bauteilen und Ölern aus Messing und Kupfer aus der Zeit der Industrialisierung, was sich heute in der Steampunkszene wiederfindet. Auch der Charme der ersten Rennmotorräder, sogenannte Board Track Racer, inspirierte mich. Bald wurde mir klar es muss ein Motorrad werden, was diese Dinge aufgreift. Ich habe dann überlegt, wie ich dies umsetzten kann.

Nur geil!

Nur geil! Erinnert an ein Grammophon.

Angefangen hat alles mit dem seitlichen Kennzeichenhalter aus schmiedeeisernen Elementen, die ich im Baumarkt entdeckt habe und dem alten Karbidscheinwerfer, den ich in England bei Ebay ersteigert habe und im makellosen Zustand war. Nach und nach habe ich immer mehr geeignete schmiedeeiserne Teile zusammen gesucht und diese für meine Zwecke angepasst und am Bike verarbeitet. Außerdem sollte kein Chrom mehr am Motorrad zu finden sein. Dafür habe ich alle Motorabdeckungen vermessingen lassen. Da ich selber keine Drehbank sowie Fräse besitze, habe ich außerdem versucht, viele Messingparts in den USA ausfindig zu machen oder hier herstellen zu lassen, wie z.B. die Tankdeckel , die Rückspiegel oder Handgriffe. Außerdem musste für die Ölfilterabdeckung Mutters Teedose und für die Zündspulenabdeckung Omas alter Bügeleisenuntersetzer herhalten. Als besonderes Gadget habe ich mir den doppelten Kupplungszug einfallen lassen. Da ich keine Fußschaltung sondern einen Jockeyshifter mit integriertem Kupplungshebel angebracht habe, hätte sich das Bremsen und Anfahren an der Ampel als sehr schwierig erwiesen. Deshalb habe ich einen zweiten Kupplungshabel am Lenker angebracht, damit aus dem Jockeyshifter kein Suicideshifter wird.

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Um beide mit einander im Zusammenspiel zu verbinden, habe ich einen Umlenkrollenmechanismus links vorn unterhalb angebracht. So kann man nun beim Halten und Anfahren beide Hände am Lenker lassen. Viel Arbeit hat auch die eigene Herstellung des Tanks und der Fender gemacht. Der zweigeteilte Tank ist aus 7 Teilen zusammengeschweißt, die ich mühevoll aus Tiefziehblech gedengelt habe. Die Schweißnähte habe ich verzinnt und der Tankinnenraum ist mit Tankversiegelung gegen Rost geschützt. Um die zwei Tankhälften zu befestigen sowie um den Zwischenraum geeignet zu füllen, habe ich ein oberes Rohr angefertigt, welches TÜV-konform mit dem Rahmen verschraubt und nicht verschweißt ist. Der Lenker ist ein Board Track Lenker von Paughco, den ich jedoch stark modifizieren musste, damit das Ganze fahrbar bleibt. Die Armaturen sind von Kustomtech aus Italien. Eine Herausforderung war auch die Ölleitungen zu biegen. Um sie dort hinzubekommen wo sie herauskommen sollten, waren oft mehrere Anläufe nötig. Der Auspuff ist aus vorgebogen Stücken mittels eines Bausatzes von Biltwell geschweißt, da ich keine Biegemaschine für Zollrohre besitze. Die wunderschöne Blattfedergabel von W&W Cycles war natürlich für das Gesamtbild ein Geschenk Gottes, ohne die das Ganze niemals diese Richtung bekommen hätte. Die Lackierung des Bikes wurde von „Spektacolor“ in einer matten Aluminiumlackierung vorgenommen. Der Schriftzug „Motopolis“ am Tank ist eine Mischung aus Blattsilber- und Goldeinlage und Pinstriping.“

Vielen Dank an Kay Scholz für die Zusendung. Besucht doch mal seine Seite unter:

Kontakt: www.bikerware24.de

 

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.