Eine Kurzgeschichte: Das Kuttenverbot!

Das Insignienverbot, mal anders aufgebröselt!

Der MC Anonymus ist ein gestandener MC in der norddeutschen Clubszene. Die Männer sind für geschmeidige Partys und ausgedehnte Touren mit dem Bike bekannt. Echte Probleme hatten sie nie. Hier und da mal eine Rangelei auf einer Bikerparty, was aber eher auf den derben Alkoholkonsum zurückzuführen war, doch darüberhinaus kamen sie mit den anderen Clubs gut zurecht. Sie machten halt ihr Ding, verhielten sich neutral und lebten ihren Lifestyle.

Doch mit den Plänen für das neue Clubhouse fingen die Probleme an. Trotz einer positiven mündlichen Voranfrage legte das Bauamt dem MC im Rahmen des danach gestellten Bauantrages ohne Ende Steine in den Weg. Der Club wurde mit Auflagen überschüttet. Mit Mühe schaffte man es, diesen Auflagen zu entsprechen. Doch die Clubkasse war damit auch nahezu leergefegt. Frust machte sich breit, denn manche Member gerieten an ihre finanzielle Belastungsgrenze. 

Womöglich war das der Grund, warum man in der Auswahl der neuen Leute plötzlich nicht mehr so streng war. Jeder neue Hangeround und Prospekt bringt schließlich einen zusätzlichen Obolus in die Kasse. Die Truppe wuchs binnen kurzer Zeit beachtlich und die regionale Szene fragte sich bereits, ob der MC auf Expansionskurs sei, denn da man mit 25 Mann an einem Tisch kaum noch geordnet seine Geschicke besprechen kann, entstanden in der Folge neue Chapter, die wiederum fleißig rekrutierten.

 

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Das Gerangel um Posten und Einfluss begann. Junge Member drängten nach vorne, meldeten Führungsansprüche an, selbst Alt-President „Rauhbein“ verlor an Einfluss und hatte die Truppe nicht mehr wirklich im Griff. Unter den neuen Membern war auch ein Typ, der keinen Job hatte. Die meisten stellten sich daher oftmals die Frage, wie er sich das Clubleben überhaupt leisten könne. Nun, er war dabei, zahlte seinen Beitrag, machte sein Ding und fiel nie negativ auf. Ergo beließ man es dabei.

Auf der letzten Sitzung waren fast alle Member da. Die Stimmung war normal, es wurde gewitzelt und das ein oder andere aus der Szene besprochen.  Plötzlich sprang die Tür auf, die Polizei stürmte mit schwerem Gerät und vermummt das Clubhouse. Alle mussten sich auf den Boden legen und wurden mit Handfesseln geknebelt. Dann trat der Einsatzleiter auf den Plan und verhaftete den zuvor genannten arbeitslosen Member wegen gewerblichen Drogenhandels, Waffenbesesitzes und räuberischer Erpressung. Die anderen Member waren völlig verdutzt. Damit hatte nie jemand gerechnet. Einer von uns macht reitet uns in die Scheiße! 

Bei der Durchsuchung des Clubhouses wurden sämtliche Anniversary-Geschenke eingesammelt. Schwerter, Dolche, funktionsunfähige Waffen. Alles lag auf einem Tisch und wurde abfotografiert. Natürlich war das Foto auch in der Presse, die bereits von einer neuen kriminellen Bande sprach. Und da zwei der Altmember sich vor der Sitzung einen Joint reingezogen hatten, fand man bei ihnen auch noch eine geringe Menge Cannabis. Die hatte ihnen zufällig der verhaftete Jungmember zugesteckt.

Punktuelle Kuttenverbote für etliche Colorträger auf Volksfesten gibt es schon lange. Warum, wenn es doch angeblich nur um die großen Clubs geht?

Nach der Aktion traf man sich zweit Tage später erneut im Clubhouse, um das Geschehene zu besprechen. Die Stimmung war mies. Der in U-Haft befindliche Member sollte aus dem Club geworfen werden. Da es dafür aber keine Mehrheit gab, blieb er Member. Zu mindestens solange, bis er sich selber zu den Vorwürfen würde äußern können. Zudem wollte man die direkt bevorstehende Jahresparty nicht belasten. Gelabert wurde schon genug über den Vorfall. 25 Jahre solide am Start, jetzt sowas.

Am darauf folgenden Samstag stand die große Party an. Bereits am Nachmittag rückte die Rennleitung mit einer ganzen Wagenburg an. Es wurde eine Kontrollstelle eingerichtet und jeder Gast wurde massiv durchsucht. Die beiden zuvor bei der Aktion mit Cannabis erwischten Altmember erhielten die Anweisung zuhause bleiben zu müssen. Wie jetzt, wir haben Party und dürfen nicht teilnehmen? Nun, nach dem neuen Polizeiaufgabengesetz in Niedersachsen war das möglich. 

Auf der Party war die Atmosphäre mies. Stimmung wollte nicht aufkommen, einziges Thema die Aktion und das PAG. Und plötzlich folgte Part 2. Der Einsatzleiter befahl den Einsatz des SEK, weil man den Tipp erhielt, dass im Clubhouse eine große Menge an BTM gebunkert sei. Einen richterlichen Beschluss gab es nicht, denn die Maßnahme war ebenfalls durch das neue PAG gedeckt. Widerspruch beim Einsatzleiter vor Ort zwecklos, dieser verwies auf das Gericht. Samstag Nacht? Drogen wurden nicht gefunden, aber bei zwei Membern fand man Einhandmesser, die nach dem WaffG verboten waren. Natürlich berichtete die lokale Presse erneut!

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Zwei Tage später flatterte den Membern des betroffenen Chapters die Verbotsverfügung des Innenministers ins Haus. Drei Leute dealen mit BTM, Waffenfunde, das reicht uns. Damit war klar, dass der § 9 (3) i. V. m § 21 des VereinsG greift. Ab sofort galt für alle Chapter das Insignienverbot. Für den sofortigen Einspruch gegen die Verfügung fehlte die Kohle. Auf einer späteren Party sprach mich ein betroffener Member an und zeigte völliges Unverständnis dafür, weil der MC ja kein 1%er-Club sei und der in U-Haft sitzende Member ein Einzelfall wäre. Zudem hätte man überhaupt keine Kontakte zu den sonst in der Presse dargestellten Clubs.

Die spätere Verhandlung erbrachte keinerlei Beweise dafür, dass der MC Kenntnis von den Geschäften eines einzelnen Mitgliedes hatte, aber die Verbotsverfügung gilt bis heute, denn mangels Kohle kann man keinen ordentliche Rechtsbeistand bezahlen. Tja, dumm gelaufen!  (Ende der Kurzgeschichte)

Ist die Story fiktiv? Nicht wirklich, denn ich habe sie mit mir bekannten Aspekten von verschiedenen realen Clubs zusammen gestrickt. Damit möchte ich alle ansprechen, die stets davon ausgehen, dass es sie nicht treffen kann. Aha! Wie war das noch mit dem Korb und dem einen faulen Apfel.

VereinsG, PAG’s, erweiterterte Befugnisse der Polizei im Internet, kein Bargeld mehr, Vorratsdatenspeicherung, usw.. Ihr dürft euch das nicht immer isoliert vorstellen. Seht es als Puzzle, dessen Gesamtbild zwar erst in der Zukunft entsteht, aber welches jetzt bereits Stück für Stück zusammen getragen wird. Der Staat weiß heute bereits, wo er hin will!

Vielleicht ist euch aufgefallen, dass in der Story die großen Clubs überhaupt keine Rolle einnehmen. Aber sie sind es doch nach Meinung vieler, die für das Agieren des Staates verantwortlich sind. Ist das denn wirklich so, oder sind die realen Anlässe nur eine willkommene Gelegenheit das eigentliche Ziel zu vernebeln? Nehmen wir einmal an, das verschärfte VereinG hätte es ohne sie nicht gegeben. Würden wir dann auch nicht mehr über all die anderen Aspekte sprechen, die unserer Bürgerrechte immer weiter aufweichen? Nun mal bitte Tacheles!

Stellt euch einfach mal die Frage, ob das, was ich in der Story beschreibe in eurem Club nicht passieren kann. Wenn ihr das nicht mit einem klaren Ja beantworten könnt, dann frage ich mich, wer euch daran hindert sich mal ein wenig über die Aspekte schlau zu machen, die euch angeblich nicht betreffen, über die ihr euch aber ständig aufregt!

Autor: Lars Petersen

Über 30 Jahre Erfahrung als Vertriebsmann. Davon 9 Jahre Anzeigenleiter bei der Borgmeier Media Gruppe GmbH in Delmenhorst. Ü50, Vater, Musiker ( Singer ) und MC-Mitlglied. Karre. 99er Harley Davidson Road King KM pro Jahr? Das reicht schon! Mein Credo? Geht nicht, gibt es nicht!! Machen, nicht labern! Der Autor weist ausdrücklich darauf hin, dass er seine Tätigkeit mit der höchst möglichen Neutralität und Objektivität ausführt und die Inhalte im Online-Magazin nur von ihm entschieden wird. Besonderes: Veranstalter von Bikes, Music & More Vol.1 bis 5. - Das Biker-Festival in Delmenhorst sowie der Biker Meile im Rahmen des Delmenhorster Autofrühlings.